Romanische Portale und Tympana


Referat / Aufsatz (Schule), 1998

2 Seiten, Note: 1


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ROMANISCHE PORTALE UND TYMPANA

Nina Müller, 19.Mai 1999

Die Ausbreitung des romanischen Stils wurde stark von der durchgreifenden Veränderung der Portale bestimmt.

Schon in der Spätantike und in Byzanz war man bemüht, die beweglichen Flächen der Tür , das wesentliche Element, zu rahmen. Im Portalrahmen dominierte die Idee der Geschlossenheit während die Türflügel geschmückt waren. Dieses Prinzip galt auch noch für die Portale des 11. Jh. (St. Maria im Kapitol - Köln ; San Zeno -Verona)

In der Romanik ging man aber zu einem völlig anderen Konzept über: Das Portal sollte die Kirche nicht verschließen , sondern sie öffnen. Es dehnte sich räumlich aus und wurde zu einem Bauwerk innerhalb des Bauwerkes.

Um 1090, als in St-Sernin in Toulouse zwei identische Querhausportale entstanden , fand anscheinend der entscheidende Wandel statt. Vorbilder waren möglicherweise römische Triumphbögen und Stadttore. Neu waren die vielen, übereinander liegenden Archivolten (konzentrische Bögen), die den Tympanon (Bogenfeld) rahmten. Im Gewände entsprechen ihnen rechteckige Stufen und Säulchen. Auch Skulpturen eroberten die Portale, beschränkten sich jedoch auf Kapitelle und Reliefplatten der Fassaden.

Eine weitere Stufe der Entwicklung wurde mit dem Übergriff der figürlichen Plastik auf das Tympanon erreicht. Auf der Forschung nach den Ursprüngen des skulptierten Bogenfeldes bezogen sich einige Forscher auf den Kaukasus, dessen christlichen Gemeinden die Tympana ihrer Kirchen schon recht früh plastisch geschmückt zu haben scheinen. Ein Zusammenhang zwischen der ostchristlichen und der romanischen Kunst konnte aber nicht festgestellt werden. Auch Bezüge auf byzantinische Vorbilder waren nicht zu belegen , da man in Byzanz zwar die Tympana figürlich ausstattete, dies jedoch in Form von Mosaiken tat , einer Technik , die in Westeuropa seit karolingischer Zeit nicht mehr gebräuchlich war.

Die romanischen Tympana entstanden aller Wahrscheinlichkeit nach aus der Idee, den Eingang zum Gotteshaus mit Christus selbst gleichzusetzen. Zur gleichen Zeit (1110/20) entstanden Darstellungen Gottes über den Portalen , um ihre Bedeutung zu unterstreichen. Selbst ein Zeichen, das Christus vertreten sollte zeigte das Göttliche darin. Über Jesus, den Sohn Gottes , der durch seine Inkarnation darstellbar war, bildete man den Ruhm und die Herrlichkeit Gottes, des Vaters ab. Vorbilder dafür waren die feierlichen Apsisfresken, die in der europäischen Malerei schon üblich waren. Auch die Rundbögen und Archivolten der romanischen Portale erinnern an dieApsiskalotten.

Die Inhalte der Darstellungen sind jedoch nicht völlig gleich. Durch die Nähe zum Altar sollte die Apsis zu liturgischen und eucharistischen Themen laden. Das Portal, das alle Gläubigen passieren mußten, bot Gelegenheit moralische und Glaubenslehren zu verkünden oder sogar Gedanken über die Kirchenpolitik einfließen zu lassen. Darauf wollte man natürlich nicht verzichten.

Das romanische Portal verbreitete sich auf Grund seiner Erfolge sehr rasch. Daraus folgte ein immer größer werdender Schmuckreichtum und eine immer komplexere Ikonographie. Das Bildprogramm dehnte sich auf den Türsturz aus und teilweise auch auf die Archivolten, die aber größtenteils den Bildhauern der Gotik überlassen wurden. In Südfrankreich schenkte man alle Aufmerksamkeit den Bogenfeldern und beachtete die Archivolten kaum, während man sich diesen in Westfrankreich mehr zuwandte und die Tympana meist leer ließ.

Letztendlich wurden , wie oben angedeutet, auch die Stufen und Säulen des Portals von der Plastik erfaßt. Man nahm damit die Gestaltung der Kreuzgangspfeiler wieder auf , schaffte jedoch auch originellere Lösungen: Figuren an den Kanten der Portalstufen. Diese Erfindung ist zwei Bildhauern aus Norditalien und Südwestfrankreich zuzuschreiben. Vertreter dieses Portaltyps sind z.B. die Portale von St-Bernard in Romans, die Galluspforte am Basler Münster und die Gewände des Hauptportals in Vézely.

Sehr bald nahm man sich auch der Säulen an , wie z.B. in Santiago de Compostela. Teilweise inspirierte man sich an römischen Vorbildern, teilweise verfuhr man ganz frei und vermischte die linearen und floralen Ornamente sogar mit kleinen Figuren. Die Säulenfigur, der Ersatz der Säule durch Figuren , entstand aber erst in der Frühgotik.

Das romanische Portal ist nicht nur Eingang, sondern auch ein wichtiger Teil der Fassade. Der Bau einer Kirche wurde meist mit der Westfront gegenüber dem Chor abgeschlossen, da das liturgische Zentrum der Kirche vorrangig behandelt wurde ; nur in italienischen Kirchen begann man den Bau gleichzeitig an Chor und Westfassade, da dort die Kirchen in den städtischen Rahmen und dessen Dekor eingebunden wurden. Aus der Ikonographie, kann man die Rolle einer Kirche innerhalb der Stadt spüren. Auf dem Tympanon von S. Zeno in Verona präsidiert z.B. der hl. Kirchenpatron einer Versammlung der Stadtmiliz.

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Details

Titel
Romanische Portale und Tympana
Note
1
Autor
Jahr
1998
Seiten
2
Katalognummer
V102675
Dateigröße
324 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Romanische, Portale, Tympana
Arbeit zitieren
Nina Müller-Ramírez (Autor), 1998, Romanische Portale und Tympana, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/102675

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