Konflikte in der Volksschule. Gewaltpräventive Maßnahmen aus systemischer Sicht


Seminararbeit, 2021

22 Seiten


Leseprobe

Inhalt

1 Zielstellung der Arbeit

2 Umgang mit Konflikten und ihre Verankerung in der Gesellschaft und Schule
2.1 Sustainable Development Goals
2.2 Soziales Lernen
2.3 Resümee

3 Gewalt und das Pendant in der Institution Schule
3.1 Gewalt
3.2 Entwicklung von Aggression
3.3 Aggression und Gewalt in Schulen
3.4 Gewaltverständnis im Kontext von Schule
3.5 Resümee

4 Prävention – Maßnahmen gegen Gewalt
4.1 Definition Systemisch
4.2 Gewaltprävention an der Schule
4.2.1 Verschiedene Formen von Gewaltprävention
4.2.2 Strategien der Gewaltprävention
4.3 Resümee

5 Projekt
5.1 Klassenkonstellation
5.2 Projektvorstellung und Ablauf
5.2.1 Montag: Respekt – Einführung und Gesprächsregeln
5.2.2 Montag: Regeln für mich
5.2.3 Dienstag: Sprachgebrauch
5.2.4 Mittwoch: Sprache nutzen
5.2.5 Donnerstag: Wut zeigen
5.2.6 Freitag: Klassengemeinschaft

6 Zusammenfassung

7 Literatur

Kurzzusammenfassung

In Anbetracht von SDG 16 wird der Gewaltprävention in der Schule eine große Rolle zugetragen. Das dazugehörige Ziel der Stärkung der Sozialkompetenz ist im Lehrplan ebenfalls verankert. Zunächst wird versucht ein Gewaltverständnis im allgemeinen Sinne herzustellen, welches sich im weiteren Verlauf der Arbeit dem systemischen Kontext der Institution Schule widmet. Anschließend folgt ein kurzer Überblick über die verschiedenen Formen und Strategien der Gewaltprävention. Auf Grundlage einer fiktiven Klasse, die im Speziellem Probleme mit der Einhaltung von Klassenregeln hat wird ein Projekt vorgestellt, um die Situation in der Klasse zu verbessern. Dazu wird mit den Kindern in den Fächern Deutsch und Sachunterricht sechs Stunden in einer Woche zu Beginn des Schuljahres gearbeitet

1 Zielstellung der Arbeit

„Der soziale Konflikt ist universell und ubiquitär. Jeder Mensch sieht sich vom Anfang bis zum Ende seines Lebens ständig und überall mit Konflikten konfrontiert, die ihn in seinem Alltag mehr oder weniger nachhaltig prägen.“ (Messmer, 2003, S. 1)

Laut Messmer (2003, S. 1) sind Konflikte omnipräsent und Individuen oder Gruppen sind gleichermaßen davon betroffen. Er geht so weit zu behaupten, dass beinahe alle Nachrichten in einer Tageszeitung explizit oder implizit mit Konflikten zu tun haben und Verbindungen zueinander aufweisen. Sei es auf internationaler Ebene, wenn Kriege ausbrechen oder Spannungsfelder zwischen Ländern beginnen zu entstehen, oder auf nationaler, wenn in der Politik über Gesetzesentwürfe gestritten wird. Die Beispiele sind mannigfaltig und erzeugen aufgrund dieser alltäglichen Überflutung bei dem Menschen eine gewisse Blindheit gegenüber diesem Thema. Sehr erschütternde Ereignisse bleiben in Erinnerung, jedoch vergleichbare kleine, soziale Konflikte werden unbewusst wahrgenommen und als Erfahrung abgespeichert. Um diesen Konflikten, die nicht nur sozialer Natur sind, aber sehr wohl damit zusammenhängen, auf der gesamten Welt zu reduzieren und ihre Entstehung zu verhindern, haben die Vereinten Nationen in ihrer Agenda für nachhaltige Entwicklung Ziele formuliert, die auf eine Verminderung abzielen. Diese sehen vor, dass jedes Land selbstständig und auf der ganzen Welt zur Erreichung dieser Ziele etwas beitragen. Dieser Beitrag wird auch im österreichischen Schulsystem teilweise versucht umzusetzen, unter dem Aspekt Soziales Lernen, welcher im Lehrplan verankert ist (vgl. LEHRPLAN DER VOLKSSCHULE, 2012, S. 26; Messmer, 2003, S. 1 f.; Vereinte Nationen, 2015, S. 1 f.).

Diese Arbeit enthält den Plan einer Projektwoche, die versucht diese Ziele in der Schule näher zu bringen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Prävention von Gewalt. Die Konflikte in der Volksschule sind für jeden Lehrenden Thema und können auf unterschiedlichste Weise angegangen werden. Das Projekt konzentriert sich auf die Ausübung durch die Kinder, die damit ein besseres Klassengefüge erfahren sollen, dass eine präventive Maßnahme gegen Gewalt in der Schule verkörpert.

Um dieses Projekt umsetzten zu können, sind Präventionsmaßnahmen und die einzelnen Strategien von Bedeutung sowie eine Begriffsdefinition über Gewalt erforderlich. Dies wird zuerst allgemeiner erklärt, um danach auf spezifische Unterpunkte eingehen zu können. Jener Punkt, der dabei hervorzuheben ist, ist das System Schule. Die Schule als Ganzes ist der Dreh- und Angelpunkt von systemischer Gewaltprävention. Das zeigt sich bei der Darstellung der zugehörigen schulischen Aspekte.

2 Umgang mit Konflikten und ihre Verankerung in der Gesellschaft und Schule

Dieses Kapitel beschäftigt sich mit der gesetzlichen Verankerung von Sozialem Lernen im Lehrplan, das eine kausale Beziehung zur Gewalt und dem Konflikt hat, und der empfohlenen Ziele der Vereinten Nationen. Diese beinhalten eine Reihe an Vorgaben, die Ähnlichkeiten mit der berühmtesten Losung der französischen Revolution „Liberte, Egalite, Fraternite“ (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) aufweist. Internationale Entwicklungschancen für alle, die zugleich nachhaltig ist, ist die Absicht hinter diesem SDG, das in weiterer Folge erläutert wird (vgl. Fritz Böversen, 1962, S. 79; Vereinte Nationen, 2015, S. 1 f.).

2.1 Sustainable Development Goals

Die Vereinten Nationen haben am 25. September eine Agenda für 2030 verabschiedet, in der sie verschiedene Punkte für nachhaltige Entwicklung in der Welt niedergeschrieben haben. Diese Ziele der nachhaltigen Entwicklung werden auch SDGs genannt, die ein Abkürzung der englischen Begriffe Sustainable Development Goals ist. SDGs sind aus der Überlegung entstanden die Welt so zu transformieren, dass Menschen gebührend darin leben können, Wohlstand und Frieden gesichert und Armut auf allen Ebenen beseitigt wird. Das Erreichen dieser Vorhabe bezieht eine globale Partnerschaft mit ein, die den Planeten und seine Einwohnerinnen und Einwohner schützen soll. Die Ziele sind in 17. Abschnitte aufgeteilt, die untereinander vernetzt sind. Eine Abhandlung und Fokussierung auf einige wenige Sustainable Development Goals ist somit nicht möglich. Die Agenda beinhaltet 169 Unterziele, die einen Anspruch an jedes Land stellen. Dabei sind die Ziele keine strikt regionalbezogene Aufgabe, sondern es muss vielmehr auf internationaler Ebene gehandelt und zusammengearbeitet werden, um sie zu erreichen (vgl. „Über die SDGs | SDG Watch Austria“, o. J.; Vereinte Nationen, 2015, S. 1 ff.).

Diese Arbeit konzentriert sich auf das 16. Sustainable Development Goal „Friedliche und inklusive Gesellschaften für eine nachhaltige Entwicklung fördern, allen Menschen Zugang zur Justiz ermöglichen und leistungsfähige, rechenschaftspflichtige und inklusive Institutionen auf allen Ebenen aufbauen“ (Vereinte Nationen, 2015, S. 27). Der Gedanke hinter der Planung dieser Vorhaben bezieht sich auf alle Aspekte unseres Lebens und ist darum für die Schule nur teilweise umsetzbar. Manche Unterziele sind aufgrund der Lebensqualität, Gesetze und Regeln in Österreich nicht oder weniger relevant. Eine allumfassende Vermittlung dieser Ziele in der Schullaufbahn eines jeden Kindes ist jedoch notwendig, um das Gedankengut einer nachhaltigen Entwicklung zu verinnerlichen. Die Reduktion und Prävention von Gewalt in der Schulgemeinschaft kann einem der Unterpunkte zugeteilt werden und kann somit bereits in der ersten Volksschulklasse ein Thema sein (vgl. Vereinte Nationen, 2015, S. 27 f.).

2.2 Soziales Lernen

Im Lehrplan unter dem Kapitel der allgemeinen didaktischen Grundsätze für die Grundschule findet sich der Unterpunkt Soziales Lernen. Dieser besagt, dass es die Aufgabe der Lehrperson ist, die sozialen Fähigkeiten der Kinder weiterzuentwickeln. Es wird ausdrücklich erwähnt, dass die soziale Kompetenz ein Grundstein für das gegenwärtige und zukünftige Leben ist und an der Schule denselben Stellenwert einnimmt wie alle Inhalte der Unterrichtsfächer. Nur eine solidere Klassengemeinschaft, die mit- und füreinander da ist, ermöglicht ein lernförderliches Klima. Dieses Ziel zu erreichen, benötigt bei jedem Kind ein gesteigertes Selbstwertgefühl und Verständnis für andere, bis hin zu einem Wir-Bewusstsein. Das gelingt mit kooperativen Sozialformen, die bereits als präventives Mittel gegen Gewalt angesehen werden können. Den Schülerinnen und Schülern erhalten eine „Hilfe-, Aussprache-, Arbeits-, Spiel- und Feiergemeinschaft“ (LEHRPLAN DER VOLKSSCHULE, 2012, S. 26), die durch positive zwischenmenschliche Beziehungen in der Klasse erreicht wird. Letzteres fällt in den Aufgabenbereich der Lehrenden, denn gewalttätige Konflikte im Vorhinein zu verhindern ist mit der Festsetzung im Lehrplan eine Vorgabe der Politik (vgl. LEHRPLAN DER VOLKSSCHULE, 2012, S. 26).

2.3 Resümee

Der Bildungsauftrag der Institution Schule beinhaltet das Vermitteln von sozialen Kompetenzen durch Pädagoginnen und Pädagogen. Dieser ergänzt sich mit den Zielen der Vereinten Nationen, die unter anderem Frieden und ein gebührendes Leben für jeden Menschen erreichen wollen. Beide streben ein konfliktarmes Miteinander an, welches die Endabsicht unserer Arbeit darstellt.

3 Gewalt und das Pendant in der Institution Schule

In diesem Kapitel wird zuerst der allgemein Begriff Gewalt definiert. Nachfolgenden werden verschiedene zugehörige Aspekte geklärt. Dazu gehört die Entwicklung von Gewalt und Aggressionen im Kindesalter und ihre Entstehung und Präsenz in der Schule. Zudem werden die Einflussfaktoren Eltern thematisiert.

3.1 Gewalt

Der Begriff Gewalt ist in der Erziehungs- und Sozialwissenschaft und in der Kriminologie weit verbreitet. Die Abgrenzung und Definition von Gewalt wird in der Literatur kontrovers diskutiert. Für die wissenschaftliche Analyse des sozialen Verhaltens unter Kindern und Jugendlichen, wird ein Verständnis angenommen, welches den Begriff Gewalt mit einer sozial abweichenden und schädlichen Handlung assoziiert. Dazu gehört eine vorsätzliche psychische und physische Schädigung einer Person aber auch der Schaden am Eigentum betroffener Personen. Weiters erfolgt eine Abgrenzung zwischen individueller und personeller, sowie institutioneller und struktureller Gewalt. In den folgenden Kapitel wird verstärkt auf die individuelle beziehungsweise personelle Gewalt eingegangen. Die personelle Gewalt definiert ausgeführte oder angedrohte Handlungen, die auf die bewusste und vorsätzliche Schädigung anderer Personen abzielt. Zudem werden das Dulden und Wegschauen im Kontext physischer und psychischer Schädigung ebenfalls als individuelle Gewalt deklariert. Folglich ergibt sich immer eine individuelle Perspektive des Täters mit einhergehender Motivlage und einem Opfer (vgl. Melzer u. a., 2015, S. 23 ff.).

3.2 Entwicklung von Aggression

Aggressives Verhalten tritt in der frühen Kindheit zunächst bedingt durch die Entwicklung auf. Aggression zeigt sich hier unter anderem aus Angst vor ausweglosen Situationen, Schmerz oder aus Wut bei der Eroberung eines fremden Objektes. Aggressive Handlungen sind häufig die Auswirkung von Misserfolgen und Frustration und werden zunächst ausschließlich physisch ausgeführt. Mit der Entwicklung der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit und zunehmenden Alter nimmt der prozentuelle Anteil körperlicher Gewalt ab. Nun kommt es zu einer Verschiebung hin zu einer verstärkten Häufung auf der verbalen Ebene in Form von Spott, Beleidigungen und Hohn. Ab dem 4. Lebensjahr ist auch eine Zunahme von Drohungen anstelle tatsächlich ausgeführten Handlungen zu beobachten. Folglich ist im Vorschulalter eine relationale Aggression zu erkennen, mit dem Ziel andere Kinder der Gruppe auszuschließen (vgl. Melzer u. a., 2015, S. 250 f.).

3.3 Aggression und Gewalt in Schulen

Aufgrund der Tatsache, dass Kinder und Jugendliche einen erheblichen Anteil ihrer Kindheit in der Institution Schule verbringen, kommt diesem Ort auch eine besondere Rolle im Bezug auf verschiedene Gewalthandlungen zu. Auch Bereiche, die indirekt mit der Schule in Verbindung stehen, wie etwa der der Schulweg können Orte und auch Ursachen von gewalttätigen Handlungen sein. Die Schule kann durch unterschiedliche Einflussfaktoren Gewalt fördern oder blockieren und hat so einen Einfluss auf die Häufigkeit von gewalttätigen Vorkommnissen. Dazu zählt exemplarisch die Partizipation der Schülerinnen und Schüler im Unterricht, die Beziehung zwischen Lehrpersonen zu den zu unterrichtenden Kindern oder das persönliche Engagement von Lehrerinnen und Lehrern. Ein aggressiver Umgangston mit Kindern von Seiten der Lehrpersonen, das beispielsweise in Form von Anschreien resultiert oder durch subtile Handlungen, wie Etikettierung und Stigmatisierung von Schülerinnen und Schülern kann ein Auslöser für aggressives Verhalten sein. Darüber hinaus werden Leistungsdruck, mangelnde Unterstützung von Lehrenden oder ein zu wenig differenzierter Unterricht als mögliche Faktoren von Gewalt genannt (vgl. Melzer u. a., 2015, S. 256 f.).

Folglich hat auch die Familie einen entscheidenden Einfluss auf das soziale Verhalten der Kinder. Denn die Familie und deren engstes Umfeld gilt als erste Instanz der Sozialisation. Das vorgelebte Verhalten der Eltern in Konfliktsituationen, der Erziehungsstil und die sozioökonomischen Voraussetzungen wirken sich direkt auf das soziale Verhalten der Kinder aus (vgl. Melzer u. a., 2015, S. 256 f.).

Kinder, die Gewalt anwenden weisen Defizite in der Sozialkompetenz und Empathie auf und haben Schwierigkeiten in der Entwicklung ihrer Identität. Zudem ist ein verschobenes Wahrnehmungs- und Denkmuster zu beobachten, das sie annehmen lässt, ihre gewalttätigen Handlungen rechtfertigen zu können. Durch den Einsatz von Gewalt kommt es für Täter oftmals dabei zu einer Steigerung ihres Selbstwertgefühl, welches sie über die Schule nicht erfahren. Opfer hingegen sind in der Regel eher isoliert und zurückgezogen und verfügen wohl auch aufgrund von Erfahrungen mit Mobbing ein negatives Selbstbild. Ihr verhalten ist meist angepasst, um der Gruppe anzugehören. Für Lehrerinnen und Lehrer ist es dadurch nicht immer leicht Opfer zu identifizieren und Probleme frühzeitig zu erkennen, da sie oft weder durch negative schulische Leistungen noch durch Störverhalten im Unterricht auffallen (vgl. Melzer u. a., 2015, S. 256 f.).

3.4 Gewaltverständnis im Kontext von Schule

„Aus der Notwendigkeit, sich über Gewalt und Gewaltprävention an Schulen zu verständigen, hat sich sowohl in wissenschaftlichen Analysen, wie auch in alltagspraktischen Handreichungen ein gemeinsamer operationaler Konsens über das Phänomen entwickelt, das heute als Gewalt an Schulen zu bezeichnen ist. Diese Übereinstimmung umfasst im Wesentlichen vier Phänomenbereiche: verbale Gewaltformen wie Beleidigungen, Beschimpfungen und Hänseleien, die traditionell als Gewalt definierte körperliche Gewalt, wie Schlagen, Treten oder Raufen, die immer häufiger vorkommende psychische Gewalt, wie jemanden fertig machen, jemanden ausschließen oder Mobbing sowie das Zerstören, Beschädigen oder Klauen von persönlichen Gegenständen und Schuleinrichtung, bekannt auch als Vandalismus. Ausgeklammert sind meist spezielle Formen wie sexuelle, rassistische oder radikale Gewalt; auch der Aspekt der strukturellen Gewalt findet nur sehr selten Berücksichtigung.“ (Arbeitsstelle Kinder- und Jugendkriminalitätsprävention, 2007, S. 111 f.)

Gewalt an Schulen ist von vielen verschieden Umständen abhängig und kann daher nicht auf einen Faktor limitiert werden. Je nach dem können sie unterschiedlich auf gewalttätiges Verhalten wirken. Schulbezogene Rahmenbedingungen, wie Klassengröße, Ausstattung der Schule beziehungsweise des Klassenzimmers wirken direkt auf das Verhalten der Kinder. Die Schulpflicht mit dem Notendruck als gewollte Selektion oder unterschiedliche Schultypen können den sozialen Umgang miteinander eröffnen oder behindern. Eine weitere Verstärkung kann ein schlechtes Klima im Lehrkörper sein, dass von den Schülerinnen und Schülern ausgenützt wird, um die Pädagoginnen und Pädagogen gegeneinander auszuspielen. Darüber hinaus gibt es auch gewaltbegünstigende Faktoren, der die Schule als Institution unterlegen ist und die wenig mit dem Schulsystem oder der Schule an sich gemein haben. Dazu zählen etwa das mitgebrachte Sozialverhalten und die Integrations- und Lebensbedingungen der Schülerinnen und Schüler. Diese frühen externen Einflüsse auf das soziale Verhalten der Kinder sind von der Schule selbst kaum beeinflussbar. Jedoch darf dabei kein stigmatisches Denken entstehen, denn vermehrt wird bei vergleichsweise sozial- und leistungsschwachen Kindern ein Hang zur Gewalt prognostiziert. Dabei kann zumindest ein Faktor, die Lernstörung, jedes Kind erfahren. Lernschwächen sind oft Ausgangspunkt von Hänseleien und ohne Förderung entsteht ein Teufelskreis, aus dem sich die Betroffenen mit gewalttätigen Aktionen befreien wollen. Die Basis für einen aggressionsfreien Schulalltag ist eine gute Beziehung zwischen der Lehrperson und den Kindern. Ohne einem vergleichbaren Ansatz können keine zuvor angeführten entstehende beziehungsweise bestehende negative Verhaltensformen verhindert oder geändert werden (vgl. Arbeitsstelle Kinder- und Jugendkriminalitätsprävention, 2007, S. 105 f.; Rauscher, 2009, S. 128 ff.).

3.5 Resümee

Gewalttätige und aggressive Handlungen werden von Personen an anderen verübt und können in jeglichen Umwelten auftreten. Die Schule bildet keine Ausnahme davon und ist manches Mal auch Auslöser dieser. Gewalt entsteht jedoch nicht aus einem Bedürfnis heraus, sondern ist eine Reaktion auf bestimmte Gegebenheiten. Diese können individueller, familiärer oder institutioneller Natur entspringen.

4 Prävention – Maßnahmen gegen Gewalt

Präventive Maßnahmen gegen Gewalt können in jeden Lebensbereichen hilfreich sein. Für diese Arbeit ist vor allem das schulische Gebiet ausschlaggebend. Die Vorgehensweisen in der Schule sind systemisch orientiert. Dieser Begriff aus der Fachsprache wird gemeinsam mit Gewaltprävention an der Schule und ihren Unterkategorien näher erläutert. Im Anschluss werden Umsetzungsmöglichkeiten in Form von Strategien angeführt.

4.1 Definition Systemisch

Unter systemisch wird in der Bildungssprache laut Duden (o. J.) ein bestimmtes System als Ganzes verstanden. Somit ist in einer systemischen Arbeit über die Konflikte in der Schule und die Prävention dieser, eine Abhandlung, die sich nur auf die Institution Schule bezieht. Ihren Elementen sind miteinander verbunden und können so durch Einzelne bewegt werden (vgl. Schwing & Fryszer, 2017, S. 24).

4.2 Gewaltprävention an der Schule

Das System Schule muss im Hinblick auf Gewaltprävention als Ganzes angesehen werden. In diesem System inbegriffen sind Personen, die direkt in einer Schule arbeiten: Schulleitung, Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler. Weiters werden dazu Behörden, Organisationen und Menschen mit einem Schulbezug gezählt: Bundesministerien für Bildung, Bildungsdirektion der einzelnen Bundesländer, Klassenverband, Schülergruppen, Eltern. Es wird deutlich, dass die Schule keineswegs auf einen Standort allein bezogen ist. Die Durchführung von Gewaltprävention ist somit von mehreren Faktoren abhängig, die in konkrete Handlungsebenen unterteilt werden können: „die Ebenen der Schulverwaltung, der Schule als Ganzes, der Schülerinnen und Schüler, der Eltern, der Öffentlichkeit, der außerschulischen Anbieter und der Aus- und Fortbildung.“ (Arbeitsstelle Kinder- und Jugendkriminalitätsprävention, 2007, S. 111 f.)

4.2.1 Verschiedene Formen von Gewaltprävention

Ein präventives Verständnis von Lehrpersonen bei Konflikten in der Schule zeigt eine Beschäftigung und Sensibilisierung mit dem Thema Gewalt. Prävention stammt von dem lateinischen Wort „praevenire“ ab und bedeutet so viel wie zuvorkommen oder vorher kommen. Im Bezug auf Gewalt beschreibt es die Aktion, diese im Vorhinein zu verhindern. Dabei wird in die drei Arten, primäre, sekundäre und tertiäre Gewaltprävention, unterschieden. In der Schule kommen personenzentrierte und kontextzentriete Maßnahmen zum Einsatz (vgl. Kessler, 2009, S. 44).

4.2.1.1 Primäre Gewaltprävention

Die erste Art der Gewalt zuvorkommenden Handlungen setzt an jenem Zeitpunkt an, wo noch keine Konflikte auftreten. Sie versucht durch bestimmte Maßnahmen keine gewalttätigen Aktionen aufkommen zu lassen. Dazu zählen Verbesserungen in den Bereichen „der Unterrichtsqualität, des Klassen- und Schulklimas, der Sensibilisierung für ein wertschätzendes Miteinander und einer sozialverträglichen Kommunikation“ (Kessler, 2009, S. 45) Die Lehrenden sollen die Lernprozesse der Schülerinnen und Schüler so gestalten, dass selbstbestimmtes, eigenverantwortliches, kooperatives und reflexives Arbeiten möglich ist. Durch ein Mitbestimmungsrecht bei Verhaltensformen und Regeln in der Klasse, sind demokratische Züge erkennbar, die den Kindern eine inklusive Gemeinschaft vermitteln. In der Schule haben sich primärpräventive Maßnahmen als zielführend herausgestellt. Diese werden aus einer Mischung von Personen- und Kontextzentriertheit umgesetzt (vgl. Kessler, 2009, S. 44 f.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Konflikte in der Volksschule. Gewaltpräventive Maßnahmen aus systemischer Sicht
Hochschule
Kirchliche Pädagogische Hochschule Wien / Krems
Veranstaltung
Schule aus systemischer Sicht
Autor
Jahr
2021
Seiten
22
Katalognummer
V1026844
ISBN (eBook)
9783346427205
ISBN (Buch)
9783346427212
Sprache
Deutsch
Schlagworte
konflikte, volksschule, gewaltpräventive, maßnahmen, sicht
Arbeit zitieren
Michael Fuchs (Autor:in), 2021, Konflikte in der Volksschule. Gewaltpräventive Maßnahmen aus systemischer Sicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1026844

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Konflikte in der Volksschule. Gewaltpräventive Maßnahmen aus systemischer Sicht



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden