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Die Psychiatrisierung des bösen Kindes nach Foucault und die Freud-Klein-Kontroverse

Titel: Die Psychiatrisierung des bösen Kindes nach Foucault und die Freud-Klein-Kontroverse

Hausarbeit , 2019 , 15 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Psychologie - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In Michel Foucaults Frühwerk spielt der Begriff des Wahnsinns eine zentrale Rolle. Die Humanwissenschaften haben dem Menschen einen völlig neuen Erkenntnisbereich eröffnet. Mit dem Erheben statistischer Daten und den Korrekturmaßnahmen der modernen „Disziplinargesellschaft“, fallen Pädagogik, Medizin und Psychologie seither gänzlich andere Aufgaben zu; theoretisch werden sie sogar jetzt erst zu Wissenschaft, wie wir sie heute verstehen. In seinen berühmten Vorlesungen "Die Anormalen" erweitert Foucault sein Konzept und gibt uns eine interessante Lesart von pädagogisch-psychologischen Texten des 19. Jahrhunderts an die Hand.

Die vorliegende Arbeit will den Versuch wagen, Foucaults Argumentation der „Psychologisierung des Kindes“ nachzuzeichnen und sie um wichtige Werke der Psychologie ergänzen, die die Vorstellung der Kinderpsyche wesentlich mitprägten. Ein besonderes Augenmerk kommt dabei der Freud-Klein-Kontroverse zu, die für das moralische Bild der Kinderpsyche im letzten Jahrhundert eine wichtige Rolle spielte. Im Zentrum wird der Begriff des Kindes stehen, und welchen Beitrag die erwähnten Texte zu dessen Pathologisierung beigetragen haben.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ausgangspunkt

2.1 Wahnsinn und Gesellschaft

2.2 Die Anormalen

3. Die Stellung des Kindes in der frühen Psychoanalyse

3.1 Sigmund Freud

3.2 Hermine Hug-Hellmuth

4. Gutes oder böses Kind? Zwei Diskurse

4.1 Melanie Klein

4.2 Anna Freud

5. Fazit

6. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht ausgehend von den Theorien Michel Foucaults, wie die Psychoanalyse im 20. Jahrhundert zur Pathologisierung des Kindes beigetragen hat und inwieweit dabei moralische Vorstellungen von "gut" und "böse" in psychologische Kategorien überführt wurden.

  • Kritische Analyse von Foucaults Konzepten zu Wahnsinn und Gesellschaft.
  • Untersuchung der frühen psychoanalytischen Ansätze (Freud, Hug-Hellmuth).
  • Gegenüberstellung der Theorien von Melanie Klein und Anna Freud.
  • Diskussion der Psychologisierung kindlicher Sexualität.
  • Reflektion über die Stigmatisierung und Normalisierung in der Kinderpsyche.

Auszug aus dem Buch

4.1 Melanie Klein

Bei Melanie Klein findet die psychologische Spieleanalyse das erste Mal eine praktische Anwendung. Inspiriert von ihrer eigenen psychischen Behandlung, sammelt sie als Kinderanalytikerin erste Erfahrungen. Sie stellte ihren jüngsten Sohn Erich unter strenge Beobachtung. Laut ihrer Biografin soll sie ihm auf die Frage wie ein Mensch gemacht wird in den plastischsten Einzelheiten die Funktion des Sexuallebens, der Embryonalentwicklung mit sämtlichen Gefahren und Folgen geschildert haben (Grosskurth, 1993). Zunächst meint sie aus ihrer Spieleanalyse zu erkennen, dass der Ödipuskonflikt bereits mit dem zweiten Lebensjahr eintrete und damit auch die darauffolgende Über-Ich-Bildung, bei der das Kind die elterlichen Forderungen und Gebote internalisiert (Laplanche, 1973; Klein, 2019).

Ihre wichtigste Leistung ist ihre Objektbeziehungstheorie. In ihrer Schrift mit dem bezeichnenden Titel „Das Seelenleben des Kleinkindes“ (Klein, 2019), erarbeitet sie dem Kind eine völlig autonome Entwicklungstheorie, bei der die Begriffe Gut und Böse zentral sind: Während das Kleinkind das Subjekt ist, ist alles was sich außerhalb befindet Objekt. Ob Mutter, Haustier oder Spielzeuge spielt dabei keine Rolle. Ein Säugling ist noch nicht imstande diese Objekte als Ganzes zu sehen. Beispielsweise wird die Mutter nur als Teilobjekt wahrgenommen und in den ersten Wochen nicht einmal als Mutter, sondern nur als ein Paar Brüste, die mit schmerzhafter Zufälligkeit erscheinen und verschwinden. Das Kind reagiert auf diese Erfahrung nun mit intensivem Schmerz oder intensivem Wohlbefinden. Fehlt die Brust, reagiert das Kind verängstigt, rachsüchtig und vermutet eine strafende Absicht. Um diese, nach Klein, unerträgliche Angst zu ertragen, entwickelt das Kind einen Abwehrmechanismus. Es spaltet das Teilobjekt Mutter auf, indem es sie auf eine gute und eine schlechte Brust reduziert.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Forschungsvorhaben ein, Michel Foucaults Konzept der Psychologisierung auf das Kind zu übertragen und die Rolle der Psychoanalyse dabei zu beleuchten.

2. Ausgangspunkt: Hier wird der historische Wandel des Wahnsinnsbegriffs von der sozialen Integration bis hin zur medizinischen Internierung und Disziplinierung analysiert.

3. Die Stellung des Kindes in der frühen Psychoanalyse: Das Kapitel betrachtet, wie die frühe Psychoanalyse, beeinflusst durch gesellschaftliche Normen, das Kind als Objekt für Verhaltenskorrekturen entdeckte.

4. Gutes oder böses Kind? Zwei Diskurse: Dieser Abschnitt kontrastiert die gegensätzlichen Ansätze von Melanie Klein und Anna Freud und deren Einfluss auf die therapeutische Praxis.

5. Fazit: Eine kritische Würdigung der ambivalenten Beziehung zwischen Psychoanalyse und Disziplinarmacht.

6. Schluss: Zusammenfassung der Erkenntnisse zur Pathologisierung des Kindes und kritische Reflexion über die historische Wandelbarkeit psychologischer Diagnosen.

Schlüsselwörter

Michel Foucault, Psychoanalyse, Pathologisierung, Kindheit, Psychologisierung, Melanie Klein, Anna Freud, Wahnsinn, Disziplinargesellschaft, Sexualität, Objektbeziehungstheorie, Normalisierung, Kinderpsychologie, Triebtheorie, Erziehung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die historische und diskursive Konstruktion der „Psychologisierung des Kindes“ und beleuchtet, wie die Psychoanalyse dazu beitrug, kindliches Verhalten in moralische Kategorien von „gut“ und „böse“ einzuteilen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Schwerpunkte liegen auf Foucaults Theorien zur Macht und Psychiatrie, der Entwicklung der frühen Psychoanalyse, der Rolle der Sexualität bei der Erziehung und dem Vergleich verschiedener therapeutischer Ansätze.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Kind im 20. Jahrhundert durch psychoanalytische Diskurse zu einer pathologischen Figur geformt wurde, die einer ständigen Überwachung und Normalisierung bedarf.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine diskursanalytische Arbeit, die auf Basis von Primärtexten und Foucaults Werken die historische Entwicklung des psychologischen Wissens über das Kind rekonstruiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert den historischen Ausgangspunkt des Wahnsinnsbegriffs, die theoretischen Ansätze von Freud und Hug-Hellmuth sowie die Debatte zwischen Melanie Klein und Anna Freud zur Kinderanalyse.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Disziplinargesellschaft, Pathologisierung, Ödipuskomplex, Objektbeziehungstheorie und die historische Bedingtheit von psychiatrischen Diagnosen.

Welche Rolle spielte Melanie Klein bei der Psychologisierung des Kindes?

Melanie Klein entwickelte mit der Spieleanalyse eine Methode, die es ermöglichte, auch tief in die unbewusste Welt des Kleinkindes einzudringen und diese frühzeitig moralisch-psychologisch zu bewerten.

Worin unterschieden sich die Ansätze von Anna Freud und Melanie Klein?

Während Melanie Klein das Kind als autonomes Subjekt mit einer eigenen internen Objektwelt sah, die durch Spaltungsprozesse geprägt ist, vertrat Anna Freud eher die klassischen Konzepte der Triebtheorie und stand der „frühen“ Kinderanalyse kritischer gegenüber.

Was bedeutet die „Pathologisierung des bösen Kindes“?

Damit ist gemeint, dass schwieriges oder als normabweichend empfundenes Verhalten des Kindes nicht mehr nur pädagogisch sanktioniert, sondern als psychische Störung oder „Anormalität“ medikalisiert wird.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Psychiatrisierung des bösen Kindes nach Foucault und die Freud-Klein-Kontroverse
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2,0
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2019
Seiten
15
Katalognummer
V1027473
ISBN (eBook)
9783346430489
ISBN (Buch)
9783346430496
Sprache
Deutsch
Schlagworte
psychiatrisierung kindes foucault freud-klein-kontroverse
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), 2019, Die Psychiatrisierung des bösen Kindes nach Foucault und die Freud-Klein-Kontroverse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1027473
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Leseprobe aus  15  Seiten
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