Diese Arbeit beschäftigt sich anhand einer erfolgreichen Online-Lernplattform näher mit den Fragen nach Disziplinierung, Überwachung und Kontrolle in der Schule. Um diesem Thema auf den Grund gehen zu können, werden die Ausführungen von dem Philosophen Michel Foucault zu einem Modell eines Disziplinierungsverfahrens mit der Benutzeroberfläche der Lernplattform "kapiert.de" verglichen. Um das Datenmaterial der Plattform analysieren und mit den Thesen des Modells vergleichen zu können, wird eine geeignete Schritt-für-Schritt Methode aus dem "Neue Medien und Gesellschaft"-Bereich angewendet. Die Datenanalyse soll dazu beitragen, die folgende Forschungsfrage zu beantworten: Inwiefern lässt sich das Modell des Panopticons auf die Online-Lernplattform "kapiert.de" übertragen?
Zunächst wird die die Grundlagen des Modells des Panopticons nach Foucault und dessen Relevanz für den erziehungswissenschaftlichen Fachbereich der Schule thematisiert. Anknüpfend daran, wird der Forschungsstand zu bestehenden Studien zu der Thematik der Überwachung, Disziplinierung und Kontrolle bei Schülern vorgestellt. Dabei zielt die Arbeit darauf ab, die bestehende Forschungslücke aufzuzeigen, einen Überblick über die Thematik zu verschaffen und die Fragestellung sinngemäß in den bestehenden Kontext einordnen zu können. Daran anschließend wird das das Datenmaterial und die theoretischen Hintergründe, wie auch das forschungspraktische Vorgehen der gewählten Methode abgebildet. In der Datenanalyse wird mithilfe der Methode die Online-Plattform analysiert und die Ergebnisse auf das Modell des Panopticons nach Foucault bezogen.
Foucaults Ausführungen zu Disziplinierung, Macht und Kontrolle in Schulen stoßen auf große Aufmerksamkeit in der Erziehungswissenschaft. Der Philosoph fokussiert sich bei seiner Studie vor allem auf die Wirkung von Räumen und wie Menschen in diesen angeordnet sind, weshalb auch die Klasse als Disziplinierungsraum überdacht wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Modell des Panopticons
3. Forschungsstand
4. Methodisches Vorgehen
4.1 Das Datenmaterial: Die Plattform „kapiert.de“
4.2 Die Methode: Der „App-Walkthrough“
5. Die Datenanalyse
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen digitaler Lernplattformen auf die Disziplinierung, Überwachung und Kontrolle von Schülern. Anhand der Online-Lernplattform „kapiert.de“ wird der Frage nachgegangen, inwiefern sich Michel Foucaults Modell des Panopticons auf die Strukturen und Funktionen dieses digitalen Lernraums übertragen lässt.
- Analyse von Machtstrukturen im digitalen Unterrichtskontext
- Vergleich zwischen architektonischer Überwachung (Panopticon) und digitaler Datenüberwachung
- Untersuchung der pädagogischen Funktion von Lernplattformen
- Evaluation von Überwachungspraktiken durch Lehrkräfte und Peer-Monitoring
- Diskussion über Freiheitsgrade und individuelle Selbstbestimmung in digitalen Lernumgebungen
Auszug aus dem Buch
2. Das Modell des Panopticons
Die Annahmen die der Philosoph Paul-Michel Foucault in seiner Studie „Überwachen und Strafen: Die Geburt des Gefängnisses“ vorstellt, thematisieren die Anfänge der Disziplinarmacht. Foucault geht zu Beginn darauf ein, welche Maßnahmen von Überwachung und Kontrolle am Ende des 17. Jahrhunderts ergriffen wurden, wenn sich die Pest in einer Stadt verbreitete. Diese Formen von Disziplinierungen sollen sich später auf das Konzept des Gefängnisses und andere Anstalten übertragen haben. Wie diese Disziplinierungsanstalten aufgebaut sein und funktionieren sollen, erklärt er anhand des Prinzips des Panopticons von Bentham.
Im Zeitalter der Pest soll ein Überwachungssystem geherrscht haben, wobei die Einwohner der betroffenen Stadt verpflichtet waren, in ihren Häusern zu bleiben. Dafür sei jeder Bewohner in einem Verzeichnis vermerkt und täglich auf seinen Gesundheitszustand geprüft worden. Die Informationen über den Einzelnen wären festgehalten, beobachtet und an das Regierungsoberhaupt weitergeleitet worden. Foucault beschreibt dieses Vorgehen als eine lückenlose Überwachung eines lückenlosen Regierungssystems. Anders formuliert, handelte es sich zusammengefasst um einen „geschlossene(n), parzellierte(n), lückenlos überwachten Raum, innerhalb dessen die Individuen in feste Plätze eingespannt [waren], die geringsten Bewegungen kontrolliert und sämtliche Ereignisse registriert [wurden] (…)“. Durch diese vielfältigen, individualisierten Aufteilungen und die Notwendigkeit der intensiven Überwachung und Kontrolle, habe die Pest laut Foucault „das Modell der Disziplinierungen herbeigerufen“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der schulischen Disziplinierung im digitalen Zeitalter ein und formuliert die Forschungsfrage hinsichtlich der Übertragbarkeit des Panopticon-Modells auf die Lernplattform „kapiert.de“.
2. Das Modell des Panopticons: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen von Foucaults Disziplinartheorie, insbesondere die Funktionsweise des Panopticons und dessen Relevanz für die Überwachung in Bildungsinstitutionen.
3. Forschungsstand: Hier werden bestehende sozialpädagogische und handlungspsychologische Studien zur Kontrolle im Unterricht diskutiert, um den Forschungsstand in einen Kontext zur digitalen Überwachung zu setzen.
4. Methodisches Vorgehen: Dieses Kapitel stellt das Datenmaterial der Plattform „kapiert.de“ vor und beschreibt die Anwendung der Methode des „App-Walkthroughs“ zur Analyse der Plattformstrukturen.
5. Die Datenanalyse: In diesem Teil werden die Funktionen von „kapiert.de“ analysiert und in den Vergleich mit Foucaults Modell gesetzt, wobei Aspekte wie Registrierung, individuelle Leistungserfassung und Kontrolle durch den Lehrer thematisiert werden.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Plattform zwar Parallelen zum Panopticon aufweist, aber nicht als vollständig identisches Modell betrachtet werden sollte, während gleichzeitig die Relevanz für den Schulalltag diskutiert wird.
Schlüsselwörter
Disziplinierung, Überwachung, Kontrolle, Michel Foucault, Panopticon, digitale Lernplattform, kapiert.de, App-Walkthrough, Macht, Pädagogik, Schüler, Lernfortschritt, Datenüberwachung, schulischer Wandel, Machtraum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf das schulische Machtgefüge und untersucht, wie Kontrolle und Überwachung in digitalen Lernumgebungen stattfinden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Disziplinarmacht in Bildungseinrichtungen, die Struktur von digitalen Lernplattformen sowie das Spannungsfeld zwischen individueller Förderung und totaler Überwachung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, Foucaults Modell des Panopticons als theoretischen Rahmen zu nutzen, um die Kontrollmechanismen der Plattform „kapiert.de“ kritisch zu analysieren und deren Auswirkungen auf Schüler zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt die Methode des „App-Walkthroughs“, um die technologischen Funktionen und soziokulturellen Auswirkungen der Lernplattform systematisch zu erfassen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Registrierungsprozesse, die alltägliche Nutzung der Plattform sowie die Möglichkeiten der Lehrkraft, Leistungen und Lernverhalten der Schüler lückenlos zu überwachen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Disziplinierung, Panopticon, digitale Lernplattform, Macht und pädagogische Kontrolle charakterisiert.
Wie genau lässt sich das Panopticon auf eine App übertragen?
Die Analyse zeigt, dass die Plattform durch eine individuelle Zuweisung von Profilen (feste Plätze) und die Möglichkeit einer ständigen Leistungs- und Verhaltensüberwachung durch den Lehrer strukturelle Ähnlichkeiten zu Foucaults Modell aufweist.
Welche Rolle spielt der Schüler in diesem Überwachungskontext?
Der Schüler agiert als individualisiertes Objekt, dessen Arbeitsfortschritte und Verhaltensweisen in einem digitalen Register erfasst werden, wobei oft unklar bleibt, wann genau eine Überwachung durch die Lehrkraft stattfindet.
- Arbeit zitieren
- Lea Kleinelümern (Autor:in), 2020, Schulen im digitalen Zeitalter. Foucaults Modell des Panopticons im Vergleich mit der Online-Lernplattform "kapiert.de", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1030084