Häusliche Gewalt gegenüber Frauen während der COVID-19-Pandemie. Ein Überblick über aktuelle Statistiken


Hausarbeit, 2021

12 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Inwiefern beeinflusst die COVID-19-Pandemie die häusliche Gewalt gegenüber Frauen?

1 Begriffsbestimmungen
1.1 Definition Aggression und Gewalt

2 Begünstigende Faktoren der Aggression
2.1 Genetisch bedingte Aggression
2.2 Psychisch bedingte Aggression

3 Statistiken zur häuslichen Gewalt
3.1 Kriminalistische Auswertung
3.2 Studien zur häuslichen Gewalt während COVID-19
3.2.1 Durchgeführte Studie von respondi

4 Fazit

Einleitung

Bestehen psychosoziale Effekte, bedingt durch die COVID-19-Pandemie?

SARS-CoV-2 wird vom Robert Koch Institut (RKI) als ein Beta-Coronavirus bezeichnet, welcher „als Auslöser von COVID-19 identifiziert wurde.“ (Robert Koch Institut, Stand 08.01.2021). Coronaviren können laut dem RKI bei menschlichen Individuen hauptsächlich leichte Erkältungskrankheiten hervorrufen, jedoch besteht das Risiko für Lungenentzündungen mit einem hohen Schweregrad (RKI, Epidemiologischer Steckbrief zu SARS-CoV-2 und COVID-19). Nach dem RKI wurden am 12.03.2020 von 2.369 SARS-CoV-2- Infektionen in Deutschland berichtet.

Der Statistik der Bundesagentur für Arbeit ist der „Bestand an Kurzarbeitern“ (Bundesagentur für Arbeit, 2020, S. 59) zu entnehmen. Demnach befanden sich im April 2020 6.006.765 Personen in Kurzarbeit (Statistik der Bundesagentur für Arbeit, 2020, S. 59). Das bedeutet, dass auf Grund der Corona-Pandemie seit März 2020 die „Anzeigen zur Kurzarbeit“ (Statistik der Bundesagentur für Arbeit, 2020, S. 60) abrupt gestiegen sind. Durch den Vergleich der Statistik lässt sich diese Annahme belegen, denn im Februar wurden ausschließlich 41.240 Anzeigen getätigt, die Zahl im März betrug anschließend 2.638.662 Anträge (Statistik der Bundesagentur für Arbeit, 2020, S.59-60).

Nach den Autoren und Autorinnen einer Studie (Medizinische Hochschule Hannover, 2020) sollen die Einschränkungen in Folge der COVID-19-Pandemie und die damit verbundene „räumliche Enge“ Einfluss auf die häusliche Gewalt haben.

Der „Weiße Ring“ ist eine Hilfsorganisation für Opfer von Kriminalität in Deutschland. Laut einer Pressemitteilung der Organisation (2020) wird sowohl durch die „finanziellen Sorgen“ als auch durch die „Zukunftsunsicherheit“ der Anstieg von häuslicher Gewalt vermutet.

Mit der vorliegenden Arbeit soll folgende Frage beantwortet werden:

Inwiefern beeinflusst die COVID-19-Pandemie die häusliche Gewalt gegenüber Frauen?

Begriffsbestimmungen

1.1 Definition Aggression und Gewalt

In der vorliegenden Arbeit wird mit folgender Definition des Begriffs Aggression gearbeitet:

„Jede Form von Verhalten, das darauf abzielt, einer anderen Person zu schaden oder sie zu verletzen, die motiviert ist, diese Behandlung zu vermeiden.“ (Jonas & Brodbeck 2014, S. 318).

Der Begriff Gewalt wird als Verhalten definiert, welches durch eine Schädigungsabsicht gekennzeichnet ist, bei dem schwere körperliche Schädigung angedroht oder sogar zugeführt wird (Jonas & Brodbeck 2014, S. 318).

2 Begünstigende Faktoren der Aggression

Es existieren verschiedene Faktoren, welche Aggression begünstigen können (Gazzaniga et al. 2017, S. 690). Zum einen bestehen biologische Ansätze und zum anderen psychologische Ansätze, mit denen sich aggressives Verhalten erklären lassen (Jonas & Brodbeck 2014, S. 322). Hinzu kommen situative Faktoren sowie soziale und kulturelle Faktoren (Gazzaniga et al. 2017, S. 690– 692). Zu den biologischen Ansätzen zählt die Verhaltensgenetik, welche sich mittels Zwillings- und Adoptionsstudien bestätigen lässt (Jonas & Brodbeck 2014, S. 322).

2.1 Genetisch bedingte Aggression

Eine bekannte Zwillingsstudie, von Hudziak, Rudiger, Neale, Heath & Todd (2000, S. 469), basierend auf den Bericht der Eltern zeigte auf, dass aggressives Verhalten genetisch bedingt ist. Es wurden zur Erhebung der Daten hauptsächlich Mütter von Zwillingen befragt. Die Zwillinge waren in einem Alter von acht bis zwölf Jahren. Die Checkliste für das Verhalten von Kindern wurde genetisch geteilt und in verschiedene Syndrome, unter anderem Aggression, gegliedert (Hudziak et al., 2000, S. 469). Insgesamt wurde das Verhalten von 491 Zwillingspaaren untersucht, darunter waren 285 männliche Zwillinge (Hudziak et al. 2000, S. 471). Die Studie ergab, dass 70-77% des aggressiven Verhaltens, durch genetische Einflüsse, bedingt sind (Hudziak et al. 2000, S. 469).

2.2 Psychisch bedingte Aggression

Den psychologischen Ansätzen gehört die Frustrations-Aggressions-Hypothese an (Jonas & Brodbeck 2014, S. 322).

Im Jahr 1939 entwickelte John Dollard ein Aggressionsmodell, die Frustrations- Aggressions-Theorie. Gemäß der Theorie folgt auf eine Frustration eine Form von Aggression (Breiner & Kolibius, 2019, S. 14). Nach Breiner und Kolibius (2019, S.14) sei „Dollards Aggressionsmodell unhaltbar“, denn wer eine Frustration verspürt, muss nicht unumgänglich aggressive Verhaltensweisen zeigen.

Schließlich modifizierte Neal Miller die Theorie Dollards. Laut der Hypothese Millers führen „Frustrationen nicht zwangsläufig zu aggressiven Verhalten, sondern erhöh[t]en nur deren Wahrscheinlichkeit.“ (Breiner & Kolibius 2019, S. 14). Breiner und Kolibius (2019, S. 14) zu Folge, sehen Miller und Dollard gleichermaßen Frustration als Ursache von Aggression. Allerdings ist eine Reihe von Frustrationen, „als Einzelursache zu schwach, um die Hemmschwelle für aggressive Verhaltensweisen zu überwinden.“ (Breiner & Kolibius, 2019, S. 14). Dennoch kann sich eine fortwährende Frustration summieren und demnach die Aggressionsreaktion steigern (Breiner & Kolibius, 2019, S. 14).

3 Statistiken zur häuslichen Gewalt

In Bezug auf die Angaben des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) lässt sich festhalten, dass „jede dritte Frau in Deutschland […] mindestens einmal in ihrem Leben von physischer und/oder sexualisierter Gewalt betroffen [ist]. Etwa jede vierte Frau wird mindestens einmal Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt durch ihren aktuellen oder früheren Partner.“ (BMFSFJ, 2020). Besonders von Relevanz ist, dass über 81% der Frauen „Opfer von Partnerschaftsgewalt“ sind.

3.1 Kriminalistische Auswertung

Die gegenwärtige „Kriminalistische Auswertung zur Partnerschaftsgewalt“ des Bundeskriminalamts (BKA) des Jahres 2019 gibt an, dass 141.792 Personen Opfer von Partnerschaftsgewalt geworden sind. Im Jahr 2018 betrug die Opferzahl 140.755. Im Jahr 2017 wurde die Auswertung um verschiedene Deliktbereiche wie Freiheitsberaubung, Nötigung, Zwangsprostitution und Zuhälterei erweitert, daher lassen sich die Opferzahlen nicht mit den Zahlen der Vorjahre vergleichen (Partnerschaftsgewalt Kriminalstatistische Auswertung, 2019, S. 3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: „Entwicklung der Opferzahl partnerschaftlicher Gewalt“ (BKA, 2019, S. 3)

Im Vergleich zum Jahr 2018 stieg die Opferzahl der partnerschaftlichen Gewaltdelikte im Jahr 2019 erneut an. Die jährliche Entwicklung verdeutlicht die Relevanz des Geschehens (Partnerschaftsgewalt Kriminalstatistische Auswertung, 2019, S. 3).

Im Anschluss folgt eine Gegenüberstellung der Opferzahlen insgesamt und die Zahlen der Opfer, welche partnerschaftlicher Gewalt ausgesetzt waren, für eine Vielzahl an Delikten im Jahr 2019 (Partnerschaftsgewalt Kriminalistische Auswertung, 2019, S. 4).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Gegenüberstellung (BKA, 2019, S. 4)

Im Zusammenhang mit partnerschaftlicher Gewalt wurden 114.903 weibliche Personen Opfer. Die Zahl ist deutlich höher als die der männlichen Opfer. Nach Betrachtung der Delikte ist festzustellen, „dass der größte Anteil der Opfer partnerschaftlicher Gewalt, gemessen an der Opfergesamtzahl […] im Jahr 2019 auf Delikte der Freiheitsberaubung entfiel“ (PartnerschaftsgewaltKriminalstatistische Auswertung, 2019, S. 4), hierbei ist die Anzahl der weiblichen Opfer ebenfalls höher. Es folgen die Delikte der vorsätzlichen einfachen Körperverletzung. Ebenfalls wurden 38,5% der Frauen Opfer schwerer Körperverletzung (Partnerschaftsgewalt Kriminalstatistische Auswertung, 2019, S. 4).

3.2 Studien zur häuslichen Gewalt während COVID-19

3.2.1 Durchgeführte Studie von respondi

Das Umfrageinstitut respondi führte eine Online-Befragung durch, um die Häufigkeit von Gewalt an Kinder und Frauen festzustellen. Es wurden 3.800 Frauen in Deutschland im Alter von 18 bis 65 Jahren befragt. Die Stichprobe ist repräsentativ für die Gesamtbevölkerung Deutschlands. Die Online-Befragung wurde im Zeitraum zwischen dem 22. April und 8. Mai 2020 durchgeführt. Sie bildet dementsprechend „den Zeitraum vor der deutschlandweiten Lockerung der Ausgangsbeschränkungen ab.“ (Steinert & Ebert, 2020). Es wurde unter anderem die sexuelle Gewalt gemessen. Dennoch ist anzunehmen, dass bei einer direkten Befragung eine Dunkelziffer besteht, welche hinsichtlich des Schams und der Stigmatisierung nicht festgestellt werden kann. Um die Dunkelziffer-Problematik zu vermeiden, wurde die häusliche Gewalt anhand einer indirekten Messmethodik, in diesem Fall einem Listenexperiment erfasst. Bei dem besagten Listenexperiment wurden die Fragen zu der erlebten Gewalt indirekt gestellt. Die Studienteilnehmerinnen erhielten eine Auflistung verschiedener Aussagen. Die Teilnehmerinnen müssen demnach angeben, wie viele der Aussagen auf sie zutreffen. Per Zufallsprinzip wurden die Frauen in zwei Gruppen unterteilt. Die erste Gruppe erhielt vier neutrale Aussagen und zusätzlich eine sensible Aussage wie zum Beispiel: „Ich wurde innerhalb des letzten Monats von meinem (Ehe-)Partner zum Geschlechtsverkehr genötigt.“ Die zweite Gruppe erhielt die identischen vier neutralen Aussagen, jedoch keine sensible Aussage. Um die tatsächliche Häufigkeit von häuslicher Gewalt zu erfassen, wurde „die Differenz zwischen den durchschnittlichen Anzahlen zutreffender Antworten […]“ (Steinert & Ebert, 2020) errechnet.

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Häusliche Gewalt gegenüber Frauen während der COVID-19-Pandemie. Ein Überblick über aktuelle Statistiken
Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule  (Gesundheit und Pflege)
Veranstaltung
Sozialpsychologie
Note
1,3
Autor
Jahr
2021
Seiten
12
Katalognummer
V1030343
ISBN (eBook)
9783346439383
Sprache
Deutsch
Schlagworte
häusliche Gewalt, gegenüber Frauen, COVID-19-Pandemie
Arbeit zitieren
Lisa Schulz (Autor), 2021, Häusliche Gewalt gegenüber Frauen während der COVID-19-Pandemie. Ein Überblick über aktuelle Statistiken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1030343

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