Als angehende Lehrerin stößt man während seiner Ausbildung immer wieder auf das Thema „Inklusion". Ich persönlich durfte schon mehrfach miterleben, wie dieses Konzept an Regelschulen umgesetzt, beziehungsweise versucht wird, umzusetzen. Schulische Inklusion ist immer noch ein aktuelles und stark diskutiertes Thema. Seit der Veröffentlichung der „Salamanca - Erklärung" im Jahr 1994 wird nach einer demokratischen, gleichberechtigten Bildungsgesellschaft gestrebt. Dies bedeutet für das deutsche Schulsystem ein Streben nach einer gleichberechtigten Klassengemeinschaft, unabhängig von Fähigkeiten oder Unfähigkeiten. Doch wie schaut es in der Realität mit der Umsetzung dieses Strebens aus? In Deutschland gibt es immer mehr inklusive Klassengemeinschaften, jedem Kind soll gleichermaßen der Zugang zur Bildung möglich sein. Bei der Umsetzung dieses Zieles kommt es jedoch in den verschiedensten Bereichen stetig zu Schwierigkeiten.
Meine Arbeit soll sich schwerpunktmäßig mit der Möglichkeit von Leistungsgerechtigkeit in inklusiven Klassen beschäftigen. Beginnend mit einem Einblick in die Entwicklung des Konzeptes Inklusion, möchte ich anschließend auf die bisher dominierenden Typen der Leistungsbewertung und deren Problematik im Kontext von Leistungsgerechtigkeit eingehen, um anschließend mögliche alternative Konzepte der Leistungsbewertung für inklusive Klassengemeinschaften vorzustellen. Nach jedem Kapitel erfolgt ein Fazit mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte, sowie einer kurzen Erläuterung zur Theorie. Abschließend wird mithilfe der gesammelten Ergebnisse versucht, die Eingangsfrage der Arbeit, „Ist Leistungsgerechtigkeit im Kontext von Inklusion möglich?", zu beantworten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einführung in die Inklusion
2.1. Der Inklusionsbegriff
2.2. Historischer Kontext aus pädagogischer Perspektive
2.3. (Menschen-) Rechtliche Grundlagen
2.4. Index für Inklusion
2.5. Inklusion in der Gesellschaft
2.6. Schulische Inklusion
2.7. Fazit
3. Leistung
3.1. Der Leistungsbegriff
3.2. Gesellschaftliche Leistung
3.3. Schulische Leistung – Der pädagogische Leistungsbegriff
3.4. Inklusive Leistung
3.5. Fazit
4. Leistungsbewertungen
4.1. Bezugsnormen der Leistungsbeurteilung
4.2. Formative und Summative Leistungsbewertungen
4.3. Alternative Konzepte der Leistungsbewertung
4.4. Fazit
5. Ist Leistungsgerechtigkeit im Kontext von Inklusion möglich?
5.1. Analyse der gesammelten Ergebnisse
5.2. Aktueller Forschungsstand
6. Schlusswort
Zielsetzung und Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht die zentrale Frage, ob und wie Leistungsgerechtigkeit innerhalb eines inklusiven Schulsystems verwirklicht werden kann, indem sie das Spannungsfeld zwischen traditionellen, meritokratischen Leistungsanforderungen und dem inklusiven Ziel der Chancengleichheit analysiert.
- Grundlagen des Inklusionsbegriffs und historischer Kontext
- Die Rolle der Leistung im gesellschaftlichen und pädagogischen System
- Analyse verschiedener Leistungsbewertungsmodelle
- Möglichkeiten der Transformation hin zu einer inklusiven Leistungsbewertung
- Diskussion über die Vereinbarkeit von Selektionsdruck und Inklusion
Auszug aus dem Buch
3.3 Schulische Leistung – Der pädagogische Leistungsbegriff
Um herauszufinden was man unter »inklusiver Leistung« verstehen kann, ist es sinnvoll zunächst »schulische Leistung« zu definieren. Auch bei dieser Begriffsdefinition ist es schwierig ein konkretes Ergebnis zu erhalten. Es gibt zahlreiche Definitionsversuche seitens der Erziehungswissenschaft, jedoch keine allgemeingültige Bestimmung. Der Schulpädagoge und Lehrer Christian Nerowski untersuchte einige dieser Begriffsdefinitionen und versuchte Gemeinsamkeiten zu finden und Kriterien für eine Begriffsbestimmung aufzulisten. »Demnach ist schulische Leistung u.a. verbunden mit der Vorstellung »Aktivität«, »Tätigkeit«, und »Anstrengung« der Schülerinnen und Schüler , sie ist »zielgerichtet« und damit »absichtsvoll«, an schulischen »Anforderungen« ausgerichtet und »ergebnisorientiert«« (Beutel, u.a., 2020, S.26). Hinzukommt, dass die Auswahl geeigneter didaktischer Methoden, Aufgaben und Sozialformen des Unterrichtes, als notwendige Maßnahmen für einen steuerbaren Unterricht anzusehen sind. Leistung sollte zusätzlich Bewertungen zugänglich sein und an Gütemaßstäben feststellbar sein. Um schulische Leistung zu definieren sind, nach Nerowski, nur zwei Bestimmungsstücke notwendig: Handlung und Bewertung. Andere mögliche Definitionsmerkmale lassen sich den zuvor genannten Bestimmungsstücken als Unterpunkte zuordnen. (Beutel, u.a., 2020, S.26 ff.) In diesem Zusammenhang lässt sich Handlung als »das Vorliegen einer individuell zurechenbaren Absicht oder des Handelns« beschreiben. (Beutel, u.a., 2020, S.28 ) Schulinstitutionen bewerten hauptsächlich mithilfe von Notenskalen, aber auch wenn Leistung ohne eine Notenvergabe bewertet werden würde, würde eine Bewertung stattfinden. Dies bedeutet Leistung scheint ohne Bewertung nicht möglich zu sein. Zusammenfassend lässt sich somit feststellen, dass Handlungen erst durch Bewertungen zu Leistungen werden. Das potenzielle Spektrum schulischer Leistungen ist unbegrenzt und agiert abhängig von dem zugemessenen gesellschaftlichen Wert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Der Abschnitt führt in die Thematik der schulischen Inklusion ein und formuliert die zentrale Forschungsfrage hinsichtlich der Vereinbarkeit von Leistungsgerechtigkeit und dem inklusiven Bildungskonzept.
2. Einführung in die Inklusion: Dieses Kapitel erläutert den Inklusionsbegriff, beleuchtet rechtliche Grundlagen wie die UN-Behindertenrechtskonvention und untersucht das Verhältnis von Inklusion und Gesellschaft.
3. Leistung: Hier wird der Leistungsbegriff in gesellschaftlicher sowie pädagogischer Hinsicht definiert und der Konflikt zwischen schulischer Selektion und Inklusion aufgezeigt.
4. Leistungsbewertungen: Das Kapitel analysiert verschiedene Bezugsnormen, unterscheidet zwischen formativen und summativen Verfahren und stellt alternative Konzepte der Leistungsbewertung vor.
5. Ist Leistungsgerechtigkeit im Kontext von Inklusion möglich?: Auf Basis der vorangegangenen theoretischen Ausarbeitungen wird die Eingangsfrage kritisch diskutiert und der aktuelle Forschungsstand reflektiert.
6. Schlusswort: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und stellt fest, dass das gegenwärtige Bildungssystem noch erheblichen Handlungsbedarf hinsichtlich inklusiver Gerechtigkeit aufweist.
Schlüsselwörter
Inklusion, Leistung, Leistungsgerechtigkeit, schulische Inklusion, Leistungsbewertung, meritokratisches System, UN-Behindertenrechtskonvention, Chancengleichheit, pädagogische Leistung, formative Beurteilung, summative Beurteilung, Schulentwicklung, Leistungsgesellschaft, Teilhabe, Inklusionspädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der zentralen Frage, ob Leistungsgerechtigkeit in einem inklusiven Schulsystem möglich ist und wie sich dieses Ziel mit den Anforderungen eines selektiven Bildungssystems vereinbaren lässt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Inklusion, die Analyse des Leistungsbegriffs in pädagogischen und gesellschaftlichen Kontexten sowie eine kritische Untersuchung zeitgemäßer Leistungsbewertungskonzepte.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: »Ist Leistungsgerechtigkeit im Kontext von Inklusion möglich?« – Eine Herausforderung an das inklusive Schulsystem.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, die den aktuellen Diskurs, rechtliche Grundlagen und pädagogische Konzepte aufarbeitet, um die Forschungsfrage zu beantworten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsarbeit zu Inklusion und Leistung sowie die detaillierte Untersuchung von Bezugsnormen und alternativen Bewertungsmethoden wie Portfolios oder Lerntagebüchern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Inklusion, Leistungsgerechtigkeit, schulisches Leistungsverständnis, Leistungsbewertung und meritokratische Gesellschaft sind die prägenden Begriffe.
Warum wird die Selektionsfunktion der Schule als Problem für Inklusion dargestellt?
Die Arbeit argumentiert, dass das aktuelle Bildungssystem stark auf Noten und Selektion fokussiert ist, was einem inklusiven Anspruch, der die individuellen Fortschritte jedes Kindes wertschätzen sollte, widerspricht.
Welche Rolle spielt die »individuelle Bezugsnorm« bei der inklusiven Leistungsbewertung?
Die individuelle Bezugsnorm ist laut der Autorin von hoher Relevanz, da sie den Lernfortschritt des einzelnen Kindes in den Mittelpunkt stellt, anstatt es nur im Vergleich zur Gruppe zu bewerten, was den Bedürfnissen in inklusiven Klassen besser entspricht.
- Quote paper
- Laura Mathieu (Author), Leistungsgerechtigkeit im Kontext von Inklusion. Eine Herausforderung an das inklusive Schulsystem, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1030458