Auktionen als Art des Verhandelns. Grundlagen und Theorien zu Auktionsformen, Bietern und Bietverhalten

Eine Hypothesenüberprüfung durch experimentelles Verfahren


Hausarbeit, 2013

25 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen
2.1 Begriffserklärungen
2.1.1 Auktion
2.2 Klassische Auktionsformen
2.2.1 Offene Auktionen
2.2.2 Verdeckte Auktionen

3 Kriterien zum Vergleich der Auktionsformen
3.1 Informationsaufdeckung
3.2 Preis
3.3 Kollusion

4 Einflussfaktoren auf den Erlös von Auktionen
4.1 Anzahl der Bieter
4.2 Angebotsformat
4.3 Reservationspreis
4.4 Auktionsfieber

5 Unterschiedliche Wertschätzungen der Bieter und optimales Bietverhalten
5.1 Unterschiedliche Wertschätzungen der Bieter
5.1.1 Independent private value
5.1.2 Common value
5.1.3 Correlated value
5.2 Optimales Bietverhalten

6 Theorien
6.1 Der Fluch des Gewinners
6.2 Erlös-Äquivalenz-Theorem
6.3 Spätes Bieten

7 Experiment
7.1 Experimentelles Design und Verfahren
7.2 Hypothesen
7.3 Ergebnisse

8 Zusammenfassung

9 Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Übersicht Auktionsformen

Abbildung 2: Optimales Bietverhalten

Abbildung 3: Überblick über die verkauften Waren

Abbildung 4: Kreuztabelle von Verhaltensbeeinflussung und Geschlecht

Abbildung 5: Chi Quadrat Test

Abbildung 6: Gruppenstatistiken

Abbildung 7: T-Test

Abbildung 8: Histogramm Adventskalender_Zweitpreisauktion

Abbildung 9: Histogramm Chevygutschein_Erstpreisauktion

Abbildung 10: Histogramm Chevygutschein_Zweitpreisauktion

Abbildung 11: Mann-Whitney-U-Test

Abbildung 12: Vergleich von T-Test und Mann-Whitney-U-Test

Abbildung 13: Statistik bei gepaarten Stichproben

Abbildung 14: T-Test bei gepaarten Stichproben

Abbildung 15: Einfaktorielle Anova

Abbildung 16: Post-Hoc-Tests

Abbildung 17: Post-Hoc-Tests

1 Einleitung

Auktionen sind spezielle Formen des Handelns und bestehen aus Auktionator und Bietern. Ziele der Auktionen sind Pareto-Effizienz und Erlösmaximierung (vgl. Rady, Schnitzer 2008, S. 10). Die Veräußerung von Gütern über Auktionen war schon in früheren Jahrhunderten üblich. In Babylon wurden junge Frauen auf dem Heiratsmarkt versteigert. Der Preis der Frau hing von ihrer Schönheit ab. Die größte Auktion fand im Jahre 193 nach Christi statt, als die prätorianische Garde nach dem Tod des Kaisers Pertinax das ganze Römische Reich versteigerte (vgl. Eichstädt 2008a, S. 37).

In den letzten Jahren haben Online-Auktionen an Bedeutung gewonnen. Das weltweit führende Internetauktionshaus ist eBay. Mögliche Gründe, die Online-Auktionen attraktiv machen, sind geringe Transaktionskosten und Ortsunabhängigkeit (vgl. Müllejans 2008, S. 1).

Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, die Bieterstrategien theoretisch und experimentell zu untersuchen. Dabei werden unterschiedliche Wertschätzungen der Bieter betrachtet. Vor diesem Hintergrund soll der Frage nachgegangen werden, wann der Effekt vom Fluch des Gewinners auftritt.

Da es sehr verschiedenartige Auktionsformen gibt, werden Kriterien wie Kollusion zum Vergleich von Auktionsformen gelistet. Auch soll untersucht werden, welche Faktoren den Erlös von Auktionen beeinflussen. Das Weiteren wird die Vorgehensweise des Experiments beschrieben. Darauf folgen die Hypothesen und die Präsentation der Ergebnisse. Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung und einem Ausblick auf zukünftige Forschungsarbeiten.

2 Grundlagen

2.1 Begriffserklärungen

2.1.1 Auktion

„Eine Auktion ist eine besondere Form der Preisermittlung. Charakteristisch für den Auktionsmechanismus ist, dass der Verkäufer zu einem passiven Teilnehmer wird, sobald der Auktionsprozess begonnen hat. Der Wettbewerbsdruck entsteht dabei primär aus den konkurrierenden Angeboten der Kaufinteressenten“ (Subramanian 2012, S. 62).

2.2 Klassische Auktionsformen

2.2.1 Offene Auktionen

2.2.1.1 Englische Auktion

Die Englische Auktion ist die bekannteste Auktionsform. Hier wird der Mindestpreis von Verkäufern festgelegt und dann schrittweise von Bietern erhöht. Das höchste Gebot erhält den Zuschlag. Dies ist „ein dynamischer Prozess, da die eigene Strategie ständig an die aktuellen Gegebenheiten angepasst werden kann“ (Gropsianova, Nesiren 2009, S. 8).

2.2.1.2 Holländische Auktion

Die Holländische Auktion, die für den Blumenverkauf in Holland verwendet wurde, wird von einem Auktionator durchgeführt. Er fordert zunächst einen hohen Preis und senkt ihn dann kontinuierlich, bis die Ware verkauft wird (vgl. Milgrom, Weber 1982a, S. 1091). Für die Holländische Auktion gibt es keine dominante Strategie.

2.2.2 Verdeckte Auktionen

2.2.2.1 Erstpreisauktionen

Jeder Bieter gibt nur ein einziges schriftliches Gebot ab. Die Gebote werden gesammelt und der Bieter mit dem höchsten Angebot erhält den Zuschlag (vgl. Söllner 2008, S. 25).

2.2.2.2 Zweitpreisauktionen (Vickrey-Auktion)

Jede Bieter gibt ebenfalls sein Angebot ab, unabhängig von dem erwarteten und tatsächlichen Verhalten der anderen Bieter. In der Spieltheorie spricht man in diesem Fall von einer dominanten Strategie (vgl. Matthes 2008, S. 9). Der Bieter mit dem höchsten Angebot erhält den Zuschlag, jedoch zahlt er nur den Preis des Zweithöchstbietenden. Diese Auktionsform ist nach dem amerikanischen Ökonomen William Vickrey benannt, der Studien über Auktionen durchgeführt hat (vgl. Klemperer 1999, S. 231).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Übersicht Auktionsformen

(Quelle: in Anlehnung an Eichstädt 2008b, S. 41)

3 Kriterien zum Vergleich der Auktionsformen

3.1 Informationsaufdeckung

Das Linkage-Prinzip besagt, dass der Verkäufer den Erwartungswert seines Gewinns maximiert, wenn „das private Qualitätssignal des Verkäufers mit den privaten Qualitätssignalen der Bieter affiliert“ (Wolfstetter 1999, S. 153). Also je mehr Bieter informiert sind desto höher ist der Erlös für den Verkäufer. Dieser Erlös kann auch mit der Reduzierung der Unsicherheit von Bietern erklärt werden. Dieses Prinzip gilt für alle oben genannte Auktionsformen.

3.2 Preis

Bei der Zweitpreisauktion kann der Endpreis einen hohen Informationswert zeigen, wobei die individuelle Wertschätzung der Bieter den Wert des Auktionsobjektes nicht übersteigt (vgl. Röhrenbacher, Turk 2007a, S. 28). „Zur Maximierung des erwarteten Gewinns eines Bieters kann das Gebot der Erstpreisauktion über eine monoton steigende Funktion der individuellen Schätzung beschrieben und über eine Differentialgleichung gelöst werden” (Röhrenbacher, Turk 2007b, S. 26).

Die Risikobereitschaft der Bieter spielt hier auch eine Rolle. Ein risikoaverser Bieter bevorzugt die Englische Auktion. Bei risikoneutralen Bietern in privaten Independent-value-Aktionen ist der Endpreis in allen vier Auktionsformen gleich (sog. Erlös-Äquivalenz-Theorem). Dies wird in einem späteren Teil der Arbeit genauer erklärt.

3.3 Kollusion

Bei Auktionen kann es zu Absprachen beziehungsweise Kollusionen unter den Bietern kommen. „Im bürgerlichen Recht versteht man unter Kollusion das Zusammenwirken von zwei (oder mehr) Beteiligten, mit der Absicht einen Dritten zu schädigen. In unserem Fall soll also der Verkäufer, geschädigt werden“ (Schanz 2007a, S. 5).

Bei diesen Absprachen einigen sich die Bieter darauf, dass jeder nur eine bestimmte Ware versteigert. Damit bleibt der Endpreis gering. Bei der Englischen und der Holländischen Auktion ist die Gebotsabgabe nachvollziehbar, da die Auktion öffentlich verläuft. Aus diesem Grund treten bei diesen Auktionsarten Kollusionen häufiger auf als bei den übrigen (vgl. Schmidt 2010a, S. 13-14).

Bei Online-Auktionen können Kollusionen kaum entstehen, da die Teilnehmerzahl sehr groß ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Teilnehmer einander kennen, ist gering (vgl. Schmidt 2010b, S. 23). Im Gegensatz zu der Aussage von Schmidt lässt sich bei Online-Auktionsplattformen wie E-Bay die Auktion durch eine implizite Absprache von Freunden und Bekannten manipulieren. Ein bekanntes Beispiel einer Kollusion trat in den 1980er-Jahren auf, als sich die Führungsspitzen von US-Baseballmannschaften darauf einigten, ihre Gebote für Spieler von freien Agenturen einzuschränken (vgl. Pindyck, Rubinfeld 2009, S. 667).

4 Einflussfaktoren auf den Erlös von Auktionen

4.1 Anzahl der Bieter

Wie zahlreiche Untersuchungen zeigen, wie die von Kuhlman, Johnson und Nelson liegt der Auktionserlös im Durchschnitt umso höher, je mehr Bieter sich daran beteiligen (vgl. Martini 2008, S. 334 – 335).

4.2 Angebotsformat

Die Antwort auf die Frage nach dem besten Angebotsformat ändert sich je nach Untersuchung. Aus Sicht des Verkäufers, der seinen Erlös maximieren will, ergibt sich laut Eichstädt die folgende Reihung: Englische Auktion ≥ Zweitpreisauktion ≥ Holländische Auktion = Erstpreisauktion (vgl. Eichstädt 2008c, S. 52).

In der von Lucking-Reiley durchgeführten Studie führt die Holländische Auktion häufiger zu höheren Erlösen. Laut dieser Studie sind Englische Auktion und Zweitpreisauktion gleichwertig (vgl. Kodnar 2004, S. 91). Anders als die anderen Untersuchungen weist Vickrey nach , dass die Zweitpreisauktionen die besten Gewinne erzielen.

4.3 Reservationspreis

„Reservationspreis bezeichnet ein Preisfindungsverfahren, bei dem ein Kaufinteressent ein Gebot für ein Produkt abgibt, zu dem der Verkäufer zuvor eine geheime Preisschwelle definiert hat. Trifft oder überschreitet der Bietpreis die geheime Preisschwelle, erhält der Konsument das Produkt zum Bietpreis; im anderen Fall kommt keine Transaktion zustande” (Fichtner 2004, S. 5).

Die Auswirkungen des Reservationspreises auf den Endpreis wurden in unterschiedlichen Studien untersucht, deren Ergebnisse variieren. Ariely und Simonson haben in 2003 die Auswirkungen des Reservationspreises auf den Endpreis im Fußballticketverkauf untersucht. Sie kamen zu dem Resultat, dass jede Anhebung des Reservationspreises um einen Dollar, eine Erhöhung des Verkaufspreises um 80 Cent zur Folge hatte. Dabei blieben die Tickets mit nur einem Bieter unberücksichtigt.

Kamins et al. haben in 2004 Münzsets sowohl mit einem niedrigen als auch einem hohen Reservationspreis auf eBay verkauft. Sie haben ebenfalls positive Auswirkungen des Reservationspreises auf den Endpreis beobachtet. Es gab Gebote, die mit dem Reservationspreis übereinstimmten. Außerdem konnten die Bieter wahrnehmen, dass ein hoher Reservationspreis als Signal für den Wert der Münzen stand. Die Studien von Stern und Stafford (2006) und Bajari und Hortsacsu (2003) konnten keine Auswirkungen des Reservationspreises auf den Endpreis feststellen (vgl. Trautmann, Traxler 2009, S. 231 – 232).

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Auktionen als Art des Verhandelns. Grundlagen und Theorien zu Auktionsformen, Bietern und Bietverhalten
Untertitel
Eine Hypothesenüberprüfung durch experimentelles Verfahren
Hochschule
Universität Kassel
Note
2
Autor
Jahr
2013
Seiten
25
Katalognummer
V1030580
ISBN (eBook)
9783346500403
ISBN (Buch)
9783346500410
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Auktion, Auktionsfieber, der Fluch des Gewinners, Spätes Bieten, optimales Bietverhalten, Vergleich der Auktionsformen
Arbeit zitieren
Sevgi Arican (Autor:in), 2013, Auktionen als Art des Verhandelns. Grundlagen und Theorien zu Auktionsformen, Bietern und Bietverhalten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1030580

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Auktionen als Art des Verhandelns. Grundlagen und Theorien zu Auktionsformen, Bietern und Bietverhalten



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden