Kindeswohlgefährdung. Psychische und seelische Gewalt im Elementarbereich


Projektarbeit, 2021

22 Seiten, Note: 1,5

Mike Holzwarth (Autor:in)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Detaillierte Ausfuhrungen zu den einzelnen Aspekten des gewahlten Themas
2.1. Sachlich-fachliche Auseinandersetzung mit dem Thema
2.1.1. Begrundete Einordnung in den Orientierungsplan Baden- Wurttemberg
2.1.2. Darstellung theoretischer Grundlagen anhand von ausgewahlter Fachliteratur
2.1.2.1. Formen von Kindeswohlgefahrdung
2.1.2.2. Anzeichen/Symptome
2.1.2.3. Wer fuhrt psychische und seelische Gewalt aus?
2.1.2.4. Ursachen
2.1.2.5. Formen von psychischer und seelischer Gewalt
2.1.2.6. Botschaft ans Kind
2.1.2.7. Kurzzeitfolgen
2.1.2.8. Spatfolgen
2.1.3. Begrundete Darstellung der methodisch-didaktischen Umsetzung
2.2. Darstellung der durchgefuhrten Bildungsangebote
2.2.1. Tabellarischer Uberblick uber die durchgefuhrten Bildungsangebote
2.2.2. Kurze Darstellung von zwei Bildungsangeboten
2.2.3. Ausfuhrliche Darstellung eines Bildungsangebots

3. Reflexion

4. Anhang
4.1. Verlaufsplanung der dialogischen Bilderbuchbetrachtung zum Buch „vielleicht“
4.2. Literatur- und Quellenangaben
4.3. Material

1. Einleitung

Das Thema Kindeswohlgefahrdung beschaftigt mich schon eine langere Zeit. Der Ursprung und das daraus entstandene Interesse am Thema, fuhren zuruck zu meinem zweiten Ausbil- dungsjahr, als meine Klassenlehrerin mit uns den Film „Stumme Schreie“ im Unterricht an- sah. Der Film war der Einstieg zu unserem damaligen Thema - Kindeswohlgefahrdung. Ich hatte noch nicht wirklich ein Bild bzw. Ahnung von diesem Fachgebiet. Dieser Film fesselte mich immer mehr, von Minute zu Minute. Nach dem Film wollte ich so viel Wissen wie mog- lich uber das Thema erfahren. Meine Anleiterin wurde ungefahr zur selben Zeit Fachkraft im Kinderschutz fur unsere und die umliegenden Einrichtungen. Am nachsten Praxistag erzahlte ich ihr von diesem Film und empfahl ihn weiter, um daruber mit ihr ins Gesprach zu kommen. Meine Anleitung griff dieses von mir gezeigte Interesse auf. Uber die ganzen Monate, haben wir immer wieder intensiv uber das Thema gesprochen und auch Fallbeispiele der Praxis zusammen bearbeitet. Als wir unsere Themenvorschlage fur die Facharbeit bekommen hat­ten, musste ich nicht lange uberlegen. Sofort kam mir wieder das Thema Kindeswohlgefahr- dung in den Kopf und der Wunsch intensiver in das Thema einzusteigen. Glucklicherweise wurde dieser Themenvorschlag von der Schule genehmigt und mir zugewiesen. Da, wie oben schon von mir genannt, meine Anleiterin Fachkraft im Kinderschutz ist, herrscht mei- nerseits ein padagogischer Bezug des Themas in der Einrichtung. Dies ist allerdings nicht nur deswegen der Fall. In unserer Einrichtung gibt es auch Kinder, auf die ein gefahrdender seelischer Einfluss ausgeubt wird. Zudem befinden wir uns aktuell, bzw. ganz Deutschland sich in einer Ausnahmesituation wegen der Pandemie Covid- 19. Dies hat zur Folge, dass Kindergarten in der Notbetreuung arbeiten mussen oder sogar ganz geschlossen haben. Wegen der fehlenden Kinderbetreuung konnen Elternteile folge dessen nicht zur Arbeit oder arbeiten im Home Office. Das kann starke Auswirkungen auf die Kinder haben. Da zudem neben den Kindergarten z.B. auch Spielplatze phasenweise geschlossen wurden, hatten die Kinder wenige Moglichkeiten auf einen Raumwechsel/Ortswechsel um sich auszutoben oder ein wenig Abstand von der Familie zu gewinnen. Ahnlich geht es ihren Eltern. Durch den Lockdown waren Familien teilweise rund um die Uhr beisammen. Die Eltern der Kinder hat­ten selber kaum einen Ausgleich. Auch sie konnten nicht zu ihrem Sport gehen oder mit Freunden etwas unternehmen. Hinzu kommt die eventuelle Sorge, weniger Arbeitslohn zu bekommen wegen moglicher Kurzarbeit, oder sogar die Arbeitsstelle zu verlieren. Auch das Arbeiten im Home Office, gleichzeitig wahrend die Kinder zuhause sind, verursacht Stress, externe Hilfsangebote fallen weg usw.. Den Eltern fehlt ein Ventil, um Druck abzulassen und Frust abzubauen. Das kann zur Folge haben, dass Eltern in dieser schwieriger Zeit der Pan- demie, ihren Frust und Stress (ungewollt) an ihren eigenen Kindern auslassen. Schneller als man denkt entsteht hier die psychische und seelische Gewalt gegenuber Kindern.

Da dieses Thema gerade besonders aktuell ist, wir selbst in unserer Einrichtung Kinder mit starkem seelischen Einfluss haben und jegliche andere Form von Kindeswohlgefahrdung, wie z.B. sexualisierte Gewalt auch psychische Folgen mit sich bringt und beinhaltet, habe ich entschieden, mich vor allem auf den Kern und die Form der psychischen und seelischen Gewalt von Kindeswohlgefahrdung zu spezialisieren.

Im Folgenden mochte ich Ihnen meine inhaltlichen Schwerpunkte und den Aufbau der sach- lich- fachlichen Auseinandersetzung mit dem Thema vorstellen:

- Vorstellung aller Formen von Kindeswohlgefahrdung
- Definition seelischer und psychischer Gewalt
- Anzeichen/Symptome von psychischer und seelischer Gewalt
- Wer fuhrt psychische/seelische Gewalt aus?
- Ursachen
- Formen von psychischer und seelischer Gewalt
- Botschaft ans Kind
- Kurzzeitfolgen
- Spatfolgen

Mein Ziel mit dieser Facharbeit ist ganz klar zu definieren. Ich mochte mir naturlich selbst viel Wissen erarbeiten und aneignen, um fur kommende Situationen meiner Berufslaufbahn vor- bereitet zu sein. Hauptziele dieser Facharbeit bzw. auch von meinen Angeboten in dieser Arbeit ist die Pravention fur Kollegen und die emotionale, psychische und seelische Resilienz der Kinder.

Nun mochte ich im weiteren Verlauf der Facharbeit auf die bereits genannten Gliederungs- punkte vertieft eingehen.

2. Detaillierte Ausfuhrungen zu den einzelnen

Aspekten des gewahlten Themas

2.1. Sachlich-fachliche Auseinandersetzung mit dem Thema

2.1.1. Begrundete Einordnung in den Orientierungsplan Baden-Wurttemberg

Matrixpunkt:

A5 Anerkennung und Wohlbefinden erfahren - Gefuhl und Mitgefuhl

Begrundung: Die Kinder lernen sich selbst, sowie die Gefuhle anderer wertzuschatzen. Zu- dem eignen sie sich Einfuhlungsvermogen und Mitgefuhl an. Sie erkennen, dass Korperhal- tung, sowie Mimik und Gestik, ein Ausdruck der Gefuhle sind. AuBerdem geht es beim The- ma psychische und seelische Gewalt darum, Anerkennung und Wohlbefinden zu erfahren. Kinder, welche unter seelischen Misshandlungen leiden, brauchen diese Anerkennung und dieses Wohlbefinden, da sie es von den entsprechenden Bezugspersonen nicht bekommen und somit ganzheitlich darunter leiden.

2.1.2. Darstellung theoretischer Grundlagen anhand von ausgewahlter Fachliteratur

2.1.2.1. Formen von Kindeswohlgefahrdung

1. Korperliche Gewalt

Unter korperlicher Gewalt versteht man alle Handlungen von Eltern oder anderen Bezugs- personen, die durch korperlichen Zwang oder Gewalt zu erheblichen physischen und psychi- schen Beeintrachtigungen der Entwicklung des Kindes fuhren. Bei Verdacht gilt es grund- satzlich, die Kinder/Jugendlichen am gesamten Korper zu untersuchen. Dabei spielt die Haut, das groBte Organ des Menschen, eine wichtige Rolle, da sie bei fast jeder physischen Misshandlungsform mit betroffen ist. Bei Gewalteinwirkung auf den Korper des Kindes, wird zwischen verschiedenen Formen unterschieden und differenziert.

Es gibt zumal die stumpfe/schurfende Gewalt. Eine der am haufigsten auftretenden Form von Gewalt. Hierbei handelt es sich um Schlage, Tritte und Bisse. Erkennbar ist dies an Hautrotungen, Bisspuren und massiv flachenangeordneten Hamatomen. Um alltagsbedingte Hamatome durch z.B. einen Sturz im Spiel mit verdachtigen, auf Misshandlungen hinwei- sende Hamatome zu unterscheiden, muss man die Stelle des Hamatoms beachten. Pradi- lektionsstellen fur Verletzungen durch Misshandlung sind meistens der Kopf der Rucken und das GesaB (siehe Anhang). Zudem weisen insbesondere Verletzungen an geschutzten Kor- perregionen wie z.B. am Auge auf Misshandlungen hin. Auch im Bereich der Knochenbruche kann differenziert werden. Hier sind vor allem folgende Aspekte stark fur Misshandlung ver- dachtig: Fraktur wird zufallig diagnostiziert, Kind ist junger als ein Jahr, Anamnese erklart Fraktur nicht plausibel, unterschiedliche Frakturen liegen vor.

Kommen wir nun zur thermischen Gewalt. Hierbei geht es um Verbruhungen und Verbren- nungen. Diese thermischen Einwirkungen sind in vielen Arten und Ansichten zu sehen, kon- nen jedoch nicht immer direkt erkannt werden und zu Kindeswohlgefahrdung eingeordnet werden. Bei Kontaktverbrennungen handelt es sich um den direkten Kontakt eines heiBen Gegenstandes mit der Haut, dadurch werden oft geometrische Muster hinterlassen (Heizluft- gitter) oder der Gegenstand ist sogar deutlich als Abdruck an der Haut zu erkennen. Auch Zigaretten werden bei dieser Gewaltform auf der Haut ausgedruckt. Eine bestimmte Korper- region die hierbei bevorzugt wird, kann man nicht erkennen. Das Verletzungsbild jedoch ist leicht zu erkennen. Rund bis oval ausgepragte Hautdefekte die spater zu Narben werden sind zu beobachten. Wichtig ist zu beachten, dass die Zigarette auch mehrmals ausgedruckt werden kann und so eine grobflachigere Verletzung entsteht. Am haufigsten werden jedoch Misshandlungen in Form von Verbruhungen gesehen. Oft ist dies bedingt durch das Eintau- chen der GliedmaBen in heiBe Flussigkeiten. Zuruckzufuhren ist dies am meisten bei zwei bis dreijahrigen Kindern in Form von Konflikten bei der Sauberkeitserziehung. Bei der Schwere der Verletzung wird differenziert von der Temperatur der Flussigkeit und dem Alter des betroffenen Kindes (Dicke der Haut). Erkennbar ist diese Verletzung an ausgepragten handschuh- oder sockenformigen Mustern an den Extremitaten der Kinder. Naturlich kann eine Verbruhung auch akzidentiell geschehen, wenn ein Kind z.B. die Teetasse vom Tisch zieht und auf sich den heiBen Tee verschuttet. Typische Stellen fur Verbruhungen im Zu- sammenhang mit Misshandlung sind Hande, Unterarme, GesaB, FuBe, Unterschenkel. Zu thermischen Verletzungen zahlen auch Veratzungen mit z.B. Rohrreiniger oder anderen Sauren und Laugen. Auch ein Deospray kann dem Korper thermische Verletzungen zufugen, wenn es aus naher Distanz einige Sekunden auf die Haut gespruht wird. Die Verletzung au­Bert sich in roten Flecken. Zu beachten ist hierbei jedoch, dass sich diese Verletzung eine Zeit lang Jugendliche selber zugefugt haben, da dies eine Art „Trend“ oder „Mutprobe“ war.

Zur korperlichen Misshandlung gehort neben stumpfer und thermischer Gewalt auch die so- genannte spitze und scharfe Gewalt. Hierbei handelt es sich um hinzugefugte Wunden durch ein Messer oder andere ahnliche Gegenstande. Diese Art von Gewalt kommt bei Misshand- lungen von Kindern eher selten vor.

Kommen wir nun zu einer weiteren Misshandlungsform im Bereich der korperlichen Gewalt, hierbei handelt es sich um die Strangulation. Diese wird in Art und Weisen von Wurgen oder Drosseln ab und zu bei Jugendlichen gesehen. Die Verletzung zeigt sich meist im Halsbe- reich durch Einblutungen oder Schwellungen. Solche verdachtigen Verletzungen sollten fo- tografiert werden. Im weiteren Verlauf werden Untersuchungen am Kehlkopf, der Mund- schleimhaut, der Augenlider und der Hinterohrregion durchgefuhrt. Bei unklaren Todesfallen vor allem bei Sauglingen und Kleinkindern muss beachtet werden, dass dies durch eine SchlieBung ihrer Atemoffnung passiert sein kann. Das heiBt z.B. Zuhalten von Mund oder Nase, Aufpressen eines Kissens.

Die letzte Form von korperlicher Gewalt ist das sogenannte Schutteltrauma. Gerade in Mo- menten der Uberforderung z.B. wenn der Saugling anhaltend schreit, kann dies geschehen. Eltern verlieren ihre Beherrschung, packen das Kind an Armen oder Oberkorper und schut- teln es ungebremst nach vorne, sowie nach hinten. Durch eine gering ausgebildete Nacken- muskulatur des Sauglings wird der Kopf unkontrolliert geschleudert. Dies hat zur Folge, dass schwere Schaden im Hirn entstehen. Etwa ein Viertel der betroffenen Kinder stirbt innerhalb der nachsten Tage oder Woche. Uber zwei Drittel der Kinder, die diese Misshandlung uber- leben, erleiden neurologische Folgeschaden.

(Vgl. Mutzel, Elisabeth; Heinrich, Martina; Penning, Randolph; Graw, Matthias; 2012 S. 65­75)

2. Sexualisierte Gewalt

Unter sexualisierter Gewalt versteht man sexuelle Handlungen von Erwachsenen an Kin- dern, die gegen ihren Willen vorgenommen werden. Zu beachten ist hier, dass Kinder auf- grund ihres korperlichen, kognitiven sowie sprachlichen Entwicklungsstand nicht in der Lage sind diese sexuellen Handlungen zu verstehen geschweige denn einzuwilligen.

(Vgl. Allroggen, Marc; Gerke, Jelena; Rau, Thea; Fegert, M. Jorg; 2016 S.12-13) Sexualisierte Gewalt kann in unterschiedlichen Varianten stattfinden. Es gibt die sexualisierte Gewalt unter Kinder und Jugendlichen, bei dem Kinder selbst sexuell ubergriffig gegenuber anderen Kindern werden. Zudem gibt es Inzest in der Familie, Familienmitglieder werden hierbei sexuell ubergriffig. Begunstigt wird diese Variante durch Umstande wie z.B. leichter Zugang fur Kinder an pornografisches Material, Miterleben von sexuellen Handlungen in der Familie und die Sexualisierung der Familienatmosphare. Auch bei Kindern mit Behinderung kann es schnell zu sexuellen Ubergriffen kommen. Gerade wenn diese pflegebedurftig sind und auf die Versorgung anderen angewiesen sind. Im Allgemeinen sind Madchen und Jungs mit einem zu wenig ausgepragten Selbstbewusstsein und „bravem“ Verhalten besonders gefahrdet. Tater sehen diese angesprochenen Madchen und Jungs als „bequeme Opfer“, da sie keine Widerworte geben und sich nicht zu Wehr setzen. Grund dafur ist, dass niemand ihnen beigebracht hat, fur sich selbst einzustehen, sondern nur hofliches und nettes Verhal- ten an den Tag zu legen. Auch in der sexualisierten Gewalt gibt es ahnlich, wie bei der kor- perlichen Gewalt, verschiedene Formen. Man unterscheidet zwischen „Hands-on“ und „Hands-off“ - Taten. Zu den „Hands-on“ - Taten gehoren sexuelle Ubergriffe mit Korperkon- takt, wie z.B. beruhren des Genitalbereichs etc. Zu den „Hands-off“ - Taten gehoren sexuelle Handlungen ohne Korperkontakt, wie z.B. verbale sexuelle Gewalt und das Betrachten von pornografischem Material mit Kindern.

(Vgl. Weissenrieder, Nikolaus; 2012 S. 82-83) Anzeichen und Symptome eines Betroffenen von sexualisierter Gewalt sind individuell und nicht immer vorhanden. Betroffene konnen sehr deutliche psychische Symptome entwickeln und Verhaltensanderungen aufweisen. Jedoch konnen sie sich auch weiterhin unauffallig verhalten. Die Folgen von sexualisierter Gewalt sind leicht zusammenzufassen. Korperliche Folgen (Rotungen, Risse im Intimbereich), Psychischen/ Traumatischen Folgen (Depressio- nen, Essstorungen etc.), Verhaltensanderungen (sexualisierte Wortwahl, Zeichnungen von sexuellen Inhalten).

(Vgl. Allroggen, Marc; Gerke, Jelena; Rau, Thea; Fegert, M. Jorg; 2016 S. 15-18)

3. Vernachlassigung

Unter Vernachlassigung versteht man eine unzureichende oder unterlassene Versorgung der elementaren Grundbedurfnisse (seelisch, korperlich) eines Kindes durch die sorgeverant- wortlichen Personen des Kindes. Die elementaren Grundbedurfnisse eines Kindes sind: Selbstwirksamkeit, Anregung, Spiel und Leistung, Verstandnis sowie Wertschatzung und soziale Bindung, Schutz und zu guter Letzt jede korperliche Art wie z.B. essen, trinken, schlafen.

(Vgl. von Hofacker, Nikolaus; 2012 S.97) Auch bei Vernachlassigung kann man in verschiedene Formen kategorisieren. Fangen wir an mit der korperlichen Vernachlassigung. Hierbei handelt es sich um nicht ausreichende Grundversorgung (Nahrung, Flussigkeit), um medizinische Versorgung (z.B. frieren lassen, Unterkuhlung) und mangelnde HygienemaBnahmen (Kind wird nie gebadet, Zahne werden nicht geputzt). Zudem gibt es die kognitive und erzieherische Vernachlassigung. Dabei han- delt es sich um Mangel an Spiel, Mangel an Kommunikation, kein Einfluss auf regelmaBige Schul- oder Kitabesuche, etc. Unter emotionaler Vernachlassigung versteht man die fehlen- de Zuwendung von Eltern gegenuber ihrem Kind. Auch die fehlende Reaktion auf ein Signal des Kindes (wie z.B. Kind weint und ist traurig - Mutter reagiert nicht und bleibt auf dem Sofa sitzen) zahlt zu emotionaler Vernachlassigung. Als letzte Form von Vernachlassigung gibt es noch die sogenannte „unzureichende Beaufsichtigung“. Diese Form beschreibt die Verlet- zung der Aufsichtspflicht. Folgen von Vernachlassigung konnen Defizite in der korperlichen Entwicklung, sowie gesundheitliche Beeintrachtigungen (Tod, Unterernahrung, Entzundun- gen sowie Hauterkrankungen, korperliche Fehlentwicklungen etc.), Beeintrachtigung der kognitiven Entwicklung (Sprachprobleme, geistige Fehlentwicklung, unterentwickeltes Selbstvertrauen, etc.) Beeintrachtigung der sozialen und emotionalen Entwicklung (Bin- dungsstorungen, Aggressivitat, Misstrauen, etc.) und Beeintrachtigungen der psychischen Gesundheit (Hyperaktivitat, Mattigkeit, psychiatrische Auffalligkeiten, etc.) sein. Um die Fol­gen von Vernachlassigung detailliert einschatzen zu konnen, sollte man jedoch darauf ach- ten folgende Faktoren bei der Einschatzung zu berucksichtigen: Alter der Kinder, Dauer der Vernachlassigung, Intensitat der Vernachlassigung, kompensatorische Beziehungen des Kindes, Konstitution des Kindes.

(Vgl. Rein, Elvira. 2008 S. 50-71)

4. Seelische / Psychische Gewalt

„Es ist schwer, sich gegen eine Gewalt zu wehren, die nicht zuschlagt, die keine Blutspur hinterlasst - und doch verletzt. “ (Hirigoyen, 2000)

Mit diesem Zitat mochte ich zu meinem Kern dieser Facharbeit uberleiten - seelische und psychische Gewalt der Kindeswohlgefahrdung.

Definition von seelischer und psychischer und Gewalt oder auch „seelische Miss- handlung“ am Kind:

„Unter den Begriff „seelische Misshandlung“ sind Haltungen, AuBerungen und Handlungen von Bezugspersonen zu fassen, welche das Kind bzw. den Jugendlichen uberfordern und ihm das Gefuhl von Ablehnung und eigener Wertlosigkeit vermitteln, die das Kind in zyni- scher oder auch sadistischer Weise herabsetzen oder das Kind bedrohen und terrorisieren.“

(Ruth, Ulrich; Freisleder, Franz- Jospeh; 2012 S. 109) Im Rahmen dieser Facharbeit und in den weiter folgenden Punkten werde ich detailliert auf die Form der seelischen und psychischen Gewalt eingehen.

2.1.2.2. Anzeichen/Symptome

Bei psychischer und seelischer Gewaltausubung auf ein Kind, gibt es keine klaren spezifi- schen Verhaltensmuster, die man deutlich erkennen kann. Haufig findet man jedoch Proble- me in Sozial- und Sprachverhalten. Tritt ein Verdachtsfall aus, gilt es das Kind uber einen langeren Zeitraum genau zu beobachten. Dies bildet die Grundlage zur Verstandnis des Problembereichs psychische und seelische Gewalt. Ein Verdachtsfall kann bestarkt werden durch folgende mogliche Symptome im Kleinkindalter (3-6): sekundares Einnassen sowie Einkoten, HaarausreiBen, Passivitat, Zuruckgezogenheit, Distanzschwache, Selbstverlet- zung, Spielstorung, Freudlosigkeit, etc. Zu beachten ist hierbei, dass je hoher die psychische und seelische Belastung auf das Kind ist, desto deutlicher und eher ist mit psychischen Symptomen/Auffalligkeiten/Anzeichen zu rechnen.

(Vgl Ahrens-Eipper, S; Albrecht, H.J; Bange, D; et al.; 2010 S. 26-27) Allerdings tritt seelische und psychische Gewalt meist nicht als Einzelform auf. Diese Form von Kindeswohlgefahrdung steht oft im Zusammenhang mit den anderen Formen wie korper- liche und sexualisierte Gewalt. Selbstverstandlich konnen dann noch zu den von mir oben genannten Symptomen bzw. Anzeichen der psychischen und seelischen Gewalt andere Merkmale, der anderen Formen von Kindeswohlgefahrdung (z.B. korperliche Gewalt - blaue Flecken), hinzukommen. Mein Fokus in dieser inhaltlichen Ausfuhrung liegt allerdings ledig- lich auf der psychischen und seelischen Gewalt, weshalb ich oben ausschlieBlich Anzeichen der alleinstehenden psychischen und seelischen Gewalt genannt habe.

2.1.2.3. Wer fuhrt psychische und seelische Gewalt aus?

Hort man das Stichwort psychische und seelische Gewalt geht man meist davon aus, dass die Tater des betroffenen Kindes die Eltern sind. Dies ist allerdings nicht der Fall. Psychische und seelische Gewalt kann ebenfalls durch andere Erwachsene, padagogische Bezugsper- sonen oder Gleichaltrige, Kinder/Jugendliche geschehen. Die psychische und seelische Misshandlung durch enge Bezugspersonen, wie dem Elternteil, traumatisiert das Kind oft schwerer und meist sind die langfristigen Folgen schwerwiegender.

(Vgl. Ruth, Ulrich; Freisleder, Franz- Jospeh; 2012 S.110)

2.1.2.4. Ursachen

An dieser Stelle meiner Facharbeit mochte ich mich damit beschaftigen, warum psychische und seelische Gewalt, von den oben genannten Personen, durchgefuhrt wird. Wird diese Form der Kindeswohlgefahrdung von Gleichaltrigen durchgefuhrt, handelt es sich um Mob­bing. Dies passiert schnell Kindern mit einem geringen Selbstwertgefuhl und einem niedrigen Stand in der Gruppe. Dazu konnen korperliche Einschrankungen und andere Krankheiten zur Ausgrenzung beitragen. Durch diese genannten Aspekte bieten sie leichtes Opfer fur den Tater. Bei den Eltern kann dies durch Einbeziehung des Kindes in Partnerkonflikten, uberzo- gene elterliche Leistungserwartung, Einbeziehen des Kindes bei elterlichen Problemen, wie psychiatrischer Storungen und uberzogenen/unangemessenen Erziehungsmethoden ge- schehen. Auffallend an diesen aufgezahlten Ursachen ist, dass Eltern oder die Bezugsper- sonen oft nicht erkennen, wie sehr sie ihr Kind damit psychisch, sowie seelisch belasten.

(Vgl. Ruth, Ulrich; Freisleder, Franz- Jospeh; 2012 S.111) Zudem gibt es im Bereich der psychischen und seelischen Gewalt weitere Ursachen oder auch sogenannte Risikofaktoren, die man beachten sollte. Diese sind unterteilt in vier ver- schiedene Ebenen:

- Individuelle Ebene (eigene Erfahrung mit Misshandlung, psychische Storungen, fruhe Elternschaft, ungewollte Schwangerschaft, mangelnde Selbstfursorge, etc.)
- Familiare Ebene(Partnergewalt, Arbeitslosigkeit)
- Soziale/kommunale Ebene (sozialer Brennpunkt, Kriminalitat, fehlende Hilfsangebote die unterstutzend wirken konnen.)
- gesellschaftlich - kulturelle Ebene (Toleranz gegenuber Elterngewalt, hohe Armuts- quote, etc.)

(Vgl. Gerlach, Kathrin; https://www.rosenfluh.ch/media/paediatrie/2014/01/Vernachlassigung_und_psychische_Miss handlun.pdf?file)

2.1.2.5. Formen von psychischer und seelischer Gewalt

Auch die psychische und seelische Gewalt wird unterteilt in verschiedene Formen. Diese mochte ich folgend auflisten und beschreiben.

Das verachtliche Zuruckweisen (Ablehnung, Herabsetzen) :

Bei dieser Form wird das Kind niedergemacht und herabgesetzt, es herrscht ein zuruckwei- sender Umgang mit dem Kind. Zudem wird es beschamt oder lacherlich gemacht dafur, dass es normale Emotionen wie Trauer usw. zeigt. Zu verachtlichem Zuruckweisen gehort auBer- dem, das standige Kritisieren, sowie Bestrafen des Kindes. Zudem zahlt offentliches Demuti- gen zu dieser Form der seelischen und psychischen Gewalt.

Ausnutzen/Korrumpieren:

Dazu zahlen Handlungen, die das Kind dazu bringen, unangemessene Verhaltensweisen zu bilden (fehlangepasstes Verhalten wie z.B. antisoziales, kriminelles, selbstzerstorerisches Verhalten). Dies geschieht durch Fordern dieser antisozialen Verhaltensweisen, durch For- dern von Verhaltensweisen die Entwicklungsgefahrdend sind, extreme Einmischung oder Dominanz d.h. das Kind hat keine Chance, seine eigenen Wunsche und Bedurfnisse zu zei- gen und entwickelt nicht ein MaB an altersentsprechender Autonomie. Zudem gehort das Beschneiden bzw. Durchkreuzen der kognitiven Entwicklung auch zu Ausnutzen und Kor- rumpieren.

Terrorisieren:

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Kindeswohlgefährdung. Psychische und seelische Gewalt im Elementarbereich
Note
1,5
Autor
Jahr
2021
Seiten
22
Katalognummer
V1030678
ISBN (eBook)
9783346437914
ISBN (Buch)
9783346437921
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kindeswohlgefährdung, psychische, gewalt, elementarbereich, Kindergarten, Pädagogik
Arbeit zitieren
Mike Holzwarth (Autor:in), 2021, Kindeswohlgefährdung. Psychische und seelische Gewalt im Elementarbereich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1030678

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