Welche Funktion hat die Verwaltung in einer Organisation?

Analyse des Textes "Verhaltenswissenschaftliche Entscheidungstheorie (Mülleimer-Modell)" von Wolfgang Seibel aus dem Jahr 1992


Exzerpt, 2016

5 Seiten, Note: 2.1


Leseprobe

Exzerpt

Basistext:Verhaltenswissenschaftliche Entscheidungstheorie (Mülleimer-Modell) (Seibel 1992; Beger/Mehlich 1999: 185-191).

1)Auf welches Problem oder auf welche Frage gibt der vorliegende Text eine Antwort?

Der Text „Das Mülleimermodell“ von Wolfgang Seibel befasst sich mit der Funktion der Verwaltung in einer Organisation. Dabei wird auch auf die Frage eingegangen, ob die öffentliche Verwaltung als Problemlöser eingesetzt werden kann. „Das die öffentliche Verwaltung Probleme löst oder daß wir dies zumindest legitimer weise von ihr erwarten dürfen, erscheint fast selbstverständlich. Im Grundgesetzt steht allerdings nichts davon, daß die vollziehende Gewalt Probleme lösen soll“ (Seibel 1992: 135). Das Mülleimermodell „garbage can model of organizational choice“ (Olsens 1972) an sich, ist eine modellhafte Beschreibung des Entscheidungsverhaltens von Organisationen.

2)Fassen Sie klar und strukturiert zusammen, was die Kernaussage des Textes ist. Welche Kernthesen lassen sich bestimmen?

Merkmale des Verwaltungshandelns sind wie folgt: „Eigeninitiative und Autonomie der Verwaltung bei der Lösung von Problemen sind zwar vorhanden, aber sie sind nur relativ.

Typisch für das Problemlösungsverhalten der Verwaltung ist gerade die Interdependenz mit dem, was die Organisationstheoretiker Umwelt nennen: die politische Leitung der Verwaltung, die Gerichte, Parteien, Verbände, Betroffenengruppen etc“ (Seibel 1992: 136). „Nicht immer löst die Verwaltung Probleme zweckrational oder auf der Grundlage gesicherter Handlungsprogrammierung, sondern oft genug unter Unsicherheit sowohl über den Prozess als auch über die Ergebnisse, ja sogar über die Ziele der Lösungen“ (Seibel 1992: 136ff.).

„Nun kann das Problemlösungsverhalten formaler Organisationen nicht nur suboptimal sein, es kann sich zweckrationaler Logik überhaupt entziehen. Nicht Probleme suchen ihre Lösungen, sondern Lösungen suchen ihre Probleme“ (Seibel 1992: 137). „Aber auf der individuellen Ebene handelt Verwaltung nun einmal wirklich menschlich, (...); also selten strategisch, sondern regelmäßig orientiert an ihrem individuellen Nutzen unter gegebenen Umständen“ (Seibel 1992: 141).

3)Was sind die zentralen Begriffe, analytischen Kategorien oder Problematisierungen des Textes?

Die zentralen Begriffe sind wie folgt: Garbage-can-Modell – das Mülleimer Modell (Cohen et all.): „Je nach eigenem Nutzenkalkül und institutionellen Chancen hat jeder der Akteure etwas in den Entscheidungsprozess hineingeworfen. Tatsächlich haben hier also nicht Probleme ihre Lösungen, sondern, wenn man so will, Lösungen ihre Probleme gesucht“ (Seibel 1992: 144).

Hypothetische Überlegungen in diesem Zusammenhang: (H1):„Man kann offenbar nicht ohne weiteres unterstellen, daß, was in formeller Hinsicht abweichend ist, wenigstens nach den Kriterien allgemeiner Brauchbarkeit oder auch des gesunden Menschenverstandes ein pragmatisches, unbürokratisches Problemlösungsverhalten der Verwaltung darstellt“ (Seibel 1992: 150)., (H2) : „Man kann offenbar nicht ohne weiteres unterstellen, dass solchermaßen halbchaotisch organisierten Prozesse des Verwaltungshandelns definitiv Abweichungen von einem Normalzustand darstellen, die vom Referenzsystem der Verwaltung , ihrer Umwelt , in der Regel bestraft werden“ (Seibel 1992: 150ff.)., (H3): „Man hat mutmaßlich eine namentlich durch die politik- und verwaltungswissenschaftliche Forschung der 1980er Jahre nahegelegte Vorstellung zu relativieren, wonach zwar nicht die formale institutionelle Ordnung, so doch aber der Diskurs- und Handlungsrahmen der Politik- oder policy-Felder politisch-administrative Prozesse maßgeblich strukturiert“ (Seibel 1992: 151)., (H4): „Man kann nicht aber an der Vorstellung vom abweichenden Verhalten in der Verwaltung als einer Art Normverletzung festhalten.

Folgenden Problemen haben sich herauskristallisiert: Persistenz und Scheitern „abweichenden Verhaltens“ in der Verwaltung. „Dennoch richten sich Persistenz oder Scheitern der geschilderten Entscheidungsprozesse nicht nach der Redewendung gabage in, garbage out“ (Seibel 1992: 145). Persönliche Netzwerke (sektorale Eliten in einem bestimmten Sachbereich) bestimmen wo es langgeht. „Netzwerke und Institutionen haben ihre Spielregeln, deren Befolgung oder Nichtbefolgung honoriert oder bestraft wird. Diese Spielregeln können kollidieren“ “ (Seibel 1992: 145ff.). Weitere Problem bei nichteinhalten der Amtlichen Spielregeln: „Bei Kollision mit institutionellen Spielregeln wird nicht nur der Misserfolg bestraft, sondern schon die bloße Anwendung anderer als instrumenteller Spielregeln – unter einer Voraussetzung; daß der Fall öffentlich wird. Mögliche Sanktionierung: Entfernung aus dem Beamtenverhältnis. „Ein Beamter, der sich wegen Bestechlichkeit strafbar macht, ist im Regelfall aus dem Beamtenverhältnis zu entfernen“ (BVerwG 2 C 3.12).

„Skandallogik alleine erklärt aber noch nicht das Zustandekommen der skandalträchtigen Ereignisse“ (Seibel 1992: 146). Die Ursachen für das Scheitern der Institutionen hat sich wie folgt herausgestellt: „Die betreffenden Arrangements konnten sich dem Anpassungsdruck ihrer Umwelt nicht entziehen. Sie konnten ihm jedoch nicht nachkommen und mussten deshalb scheitern“ (Seibel 1992: 147). „Erfolg und Scheitern sind bei öffentlichen Leistungsträgern jedoch nur selten so deutlich identifizierbar ...“ (Seibel 1992: 148).

4)Schreibt der Text explizit oder implizit gegen eine Position/Sichtweise/einen Autor/eine Autorin an? Wenn ja, welche?

Nein, in diesem Text „Das Mülleimermodell“ von Seibel, ist es nicht der Fall.

[...]

Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Welche Funktion hat die Verwaltung in einer Organisation?
Untertitel
Analyse des Textes "Verhaltenswissenschaftliche Entscheidungstheorie (Mülleimer-Modell)" von Wolfgang Seibel aus dem Jahr 1992
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Theoriewerkstatt: Regeln in Organisationen
Note
2.1
Autor
Jahr
2016
Seiten
5
Katalognummer
V1030724
ISBN (eBook)
9783346478740
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mülleimer-Modell, Entscheidungstheorie
Arbeit zitieren
Sergio Merz (Autor:in), 2016, Welche Funktion hat die Verwaltung in einer Organisation?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1030724

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