Diese Hausarbeit befasst sich mit der buddhistischen Tugendethik und geht der Frage nach, ob diese als Ausgangspunkt genommen werden kann, das Mensch-Tier-Verhältnis wiederherzustellen.
In dieser Hausarbeit wird dabei im ersten Teil untersucht, wie das Prinzip der Gewaltlosigkeit gegenüber Tieren im Buddhismus ethisch begründet wird und wie die Rolle des Tieres genau aussieht. Im zweiten Teil dieser Untersuchung werden wichtige Tugend im Buddhismus (die Tugend der liebenden Güte und des Mitgefühls) beleuchtet und praktische Anleitungen für gelebte praktische Philosophie skizziert, die jeder Mensch unabhängig von seiner Religionszugehörigkeit, seiner Ethnie oder seines Geschlechts nutzen kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Prinzip der Gewaltlosigkeit im Buddhismus (Ahimsa)
3. Die Tugend der liebenden Güte und des Mitgefühls
4. Verflochtene Empathie
5. Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht, wie durch die Kombination der buddhistischen Tugendethik, insbesondere der Prinzipien der Gewaltlosigkeit (Ahimsa), der liebenden Güte (Metta) und des Mitgefühls (Karuna), sowie des Konzepts der „verflochtenen Empathie“ von Lori Gruen, eine ethische Basis geschaffen werden kann, um eine entfremdete Beziehung zwischen Mensch und Tier zu überwinden und wiederherzustellen.
- Die moralische Bedeutung von Emotionen in der Ethik
- Das buddhistische Prinzip der Gewaltlosigkeit gegenüber Tieren
- Die Praxis der liebenden Güte (Metta) und des Mitgefühls (Karuna)
- Das Konzept der verflochtenen Empathie zur Überwindung von Entfremdung
- Die Kritik an dualistischen Ethiksystemen
Auszug aus dem Buch
2. Das Prinzip der Gewaltlosigkeit im Buddhismus (Ahimsa)
„Ahimsa“ ist einer der Leitgedanken vieler indischen Religionen und kann als „Gewaltlosigkeit“ übersetzt werden. Bereits die frühen buddhistischen Lehrreden befassen sich mit diesem Prinzip. In der Lehrrede, in der die Entstehungsgeschichte der fünf buddhistischen ethischen Grundsätze (Silas) beschrieben wird, findet sich ein Dialog zwischen dem Buddha und seinen Schüler*innen. Er wird von ihnen gefragt, ob er einen Ethikkodex festlegen könnte. Es werden in der Lehrrede fünf ethische Grundsätze (Silas) genannt, die die Mönche und Nonnen strikt einzuhalten hätten. Der wichtigste und erste Grundsatz ist Ahimsa, d.h. die Gewaltlosigkeit gegenüber allen Lebewesen. Dieses Prinzip beinhaltet, dass das Subjekt seine Intentionen und Handlungen darauf richten soll, weder ein Lebewesen zu schaden noch zu töten.
Doch auf welche Lebewesen genau dieses Prinzip angewendet werden soll ist umstritten. Einige Kommentator*innen erweitern dieses Prinzip auf alle Lebewesen, Pflanzen eingeschlossen (Biozentrismus), während hingegen andere die Meinung vertreten, dass dieses Prinzip nur im Hinblick auf fühlende Lebewesen (Pathozentrismus) anwendbar sei. In den frühen buddhistischen Schriften werden Pflanzen nicht als fühlende Lebewesen eingeordnet. Belegbar ist allerdings, dass Tiere im frühen Buddhismus explizit als fühlende Wesen bezeichnet werden, da sie ein bewusstes Erleben haben und empfindlich sind für Leiden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle von Emotionen in der Ethik und stellt die Forschungsfrage, wie das Mensch-Tier-Verhältnis durch buddhistische Tugenden und verflochtene Empathie verbessert werden kann.
2. Das Prinzip der Gewaltlosigkeit im Buddhismus (Ahimsa): Dieses Kapitel analysiert das buddhistische Gebot der Gewaltlosigkeit und diskutiert dessen Anwendung auf Tiere sowie die philosophischen Argumente gegen das Töten.
3. Die Tugend der liebenden Güte und des Mitgefühls: Hier werden die Qualitäten Metta und Karuna als Mittel zur Entwicklung einer wohlwollenden Haltung gegenüber allen Lebewesen und als Gegenentwurf zur Entfremdung untersucht.
4. Verflochtene Empathie: Das Kapitel erläutert Lori Gruens Konzept der verflochtenen Empathie als komplexen Erkenntnisprozess, der kognitive Reflexion und affektive Anteilnahme vereint.
5. Ausblick: Der Ausblick fasst die Ergebnisse zusammen und bekräftigt die Notwendigkeit einer integrativen ethischen Praxis, um eine nicht auf Ausbeutung basierende Beziehung zu Tieren zu ermöglichen.
Schlüsselwörter
Buddhismus, Ahimsa, Gewaltlosigkeit, Metta, Karuna, liebende Güte, Mitgefühl, verflochtene Empathie, Tierethik, Lori Gruen, Mensch-Tier-Verhältnis, Tugendethik, Entfremdung, Moral, Bewusstsein.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der moralischen Aufwertung des Mensch-Tier-Verhältnisses unter Rückgriff auf buddhistische Ethik und moderne Empathiekonzepte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die buddhistischen Tugenden, das Prinzip der Gewaltlosigkeit, die Kritik an dualistischen Ethiksystemen und die Rolle von Empathie im moralischen Handeln.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch eine Kombination aus buddhistischer Praxis und dem Konzept der verflochtenen Empathie die Entfremdung zwischen Mensch und Tier überwunden werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philosophisch-ethische Analyse und setzt sich mit Primär- und Sekundärliteratur zu buddhistischen Lehrreden sowie zeitgenössischer Tierethik auseinander.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Ahimsa, die Erläuterung von Metta und Karuna sowie die detaillierte Darstellung der verflochtenen Empathie nach Lori Gruen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Ahimsa, Mitgefühl, Metta, verflochtene Empathie und Tierethik.
Wie unterscheidet sich Mitgefühl im Buddhismus von allgemeinem Mitleid?
Das buddhistische Mitgefühl (Karuna) zielt auf ein selbstloses, handelndes Engagement ab, während Mitleid als emotionaler Zustand zu einer Lähmung oder Distanzierung führen kann.
Warum ist das „Nicht-Selbst“-Argument für die Tierethik relevant?
Das Nicht-Selbst-Argument soll egoistische Gründe für die Hierarchisierung von Wesen entkräften, da kein essenzielles, privilegiertes Selbst existiert, das Vorrang vor anderen hätte.
Kann die „verflochtene Empathie“ trainiert werden?
Ja, sie wird als komplexer Prozess verstanden, der durch Reflexion und bewusste Übung, ähnlich wie buddhistische Meditationstechniken, kultiviert werden kann.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2017, Die buddhistische Tugendethik. Ein Mittel um das Mensch-Tier Verhältnis wiederherzustellen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1030975