Der Wandel der Jugendkulturen in Ostdeutschland


Hausarbeit, 2014

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Jugendphase und Jugendkulturen

3 Die Jugend vor und nach der politischen Wende

4 Jugendkulturen zur Jahrtausendwende

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis:

1 Einleitung

Die Bedeutung der Jugend als wichtige Lebensphase ist vor allem auf Erinnerungen, Erfahrungen und Erlebnissen aus dieser sehr subjektiv geprägten Lebensphase aufgebaut. Die Balance und das Streben nach Autonomie, der Wunsch nach Selbstverwirklichung, die Loslösung vom Elternhaus, die Vereinbarung von Bedürfnissen und persönlichen Wertevorstellungen einerseits, sowie die Beeinflussung durch die Umwelt andererseits – alle diese und weitere Erfahrungen prägen in hohem Maße den Verlauf dieser und auch der darauf aufbauenden Lebensphasen.

Dabei lässt sich eine genaue Definition des Übergangs vom Jugend- zum Erwachsenenalter u.a. auch durch den aktuell möglichen, längeren Verbleib im Bildungssystem nur sehr schwer festlegen.

Von außen werden durch die Gesellschaft hohe Erwartungen an die jeweilige Jugendgeneration gestellt. Nach historischem Vorbild der „68er Generation“ werden bis heute Zuordnungen wie z. B. „Generation Golf“ oder „Generation Ost“ proklamiert, welche die Bedeutung der Jugend für die gesellschaftliche und soziale Integration erkennen lassen.

Aus diesem Grund lassen sich zahlreiche Bemühungen finden, das Bild der jeweiligen Jugendkultur zu formen und zu verdeutlichen. Am Beispiel der Shell- Studie, die seit dem Jahr 1953 Untersuchungen zu den Verhaltensweisen und Wertevorstellungen der Jugendlichen in der Bundesrepublik Deutschland (nachfolgend: BRD) durchführt, lässt sich die Bedeutung zur Erforschung der Jugend und deren Verhältnis zur Gesellschaft abbilden.

Dabei sind nicht nur die einzelnen Sozialisationsprozesse in der Familie, Schule bzw. Ausbildung und im Freundeskreis prägend. Parallel dazu wird die Jugendphase auch durch historische und politische Ereignisse beeinflusst. Das sogenannte „kritische Lebensalter“ wird ebenfalls dadurch geprägt, dass ein gemeinschaftliches Erleben, Verbindungen formen kann und spezielle Wertvorstellungen hervorruft.

Zu den wohl prägendsten Ereignissen aus gesamtgesellschaftlicher, sowie auch aus individueller Perspektive, gehört zweifellos die friedliche Revolution im Herbst 1989, die den Auslöser gab für die politische Wende in Ostdeutschland und die daraus resultierende Wiedervereinigung mit der damaligen BRD.

Wenn man davon ausgeht, dass bei einer gesamten Generation von Jugendlichen durch den Wechsel der politischen Systeme, grundlegende Veränderungen hervorgerufen wurden, stellt sich die Frage nach der Unterscheidung in den Sicht- und Verhaltensweisen der Jugendgenerationen von vor 25 Jahren im Vergleich zu der von heute. Gelang eine unkompliziertere und schnellere Annäherung zwischen den unterschiedlichen Kulturen vor allem durch die relative Unvoreingenommenheit und sensiblere Wahrnehmung der Jugend?

Mit der vorliegenden Arbeit soll versucht werden, einige Unterschiede im Hinblick auf soziale und politische Verhaltensmuster zwischen der damaligen Generation der 1990er Jahre zur heutigen Jugend aufzuzeigen.

Nach einem kurzen historischen Überblick über die Entstehung des Jugendbegriffes, sowie der Jugend als Lebensphase werden anschließend, unter einer zusammenfassenden Betrachtung am Beispiel der „Sächsischen Längsschnittstudie“, die kontextabhängigen Entwicklungstendenzen vor allem von Jugendlichen in Ostdeutschland aufgezeigt. Weitere Studien wie z. B. die Shell-Jugendstudie, die seit dem Jahr 1972 Aussagen und Vergleiche von west- und ostdeutschen Jugendlichen untersucht, sollen ebenfalls in die Betrachtung mit einbezogen werden.

Abschließend werden anhand der DJI-Jugendsurvey-Studie Parallelen zur Jugend der Jahrtausendwende gezogen, um jeweilige Tendenzen und Entwicklungen darstellen zu können.

2 Jugendphase und Jugendkulturen

2.1. Zur Entstehung der Jugendphase

Nach Hurrelmann (2010) wird die Phase der Jugend auch als eine „Lebensphase eigener Qualität“ bezeichnet, die „sich in ihrer inneren Gestalt von den vorangehenden und nachfolgenden Lebensabschnitten unterscheidet“. (Hurrelmann 2010, S.40).

Die Kategorisierung der gesellschaftlichen Bezeichnung der Jugend entwickelte sich parallel zur einsetzenden Industrialisierung in Deutschland. Neben den bürgerlichen „Jünglingen“, die sich vor allem aus den Studentenvereinigungen hervorbildeten, entstand das Bild der „Jugendlichen“ aus der frühen Jugendfürsorge, die verwahrlosten Schulabgängern die Reintegration in die Gesellschaft ermöglichen sollten. (Roth, 1983, S.112f.) Es entstand daraus ebenso die Notwendigkeit, Einrichtungen zu schaffen, die zusätzlich zur elterlichen Fürsorge, Aufgaben der Bildung und der Erziehung von Kindern und Jugendlichen übernehmen sollten. Die allgemeine Schulpflicht wurde eingeführt und es entstanden Institutionen wie z.B. Jugendämter, die eine zunehmende Beachtung der Jugend als separate Einheit innerhalb der Gesellschaft bedeuteten. Als zentrale Aufgaben für die Übergangsphase von der Kindheit über die Jugend bis hin zum Erwachsenenalter, zum Teil auch als Phase des „psychosozialen Moratoriums“ bezeichnet, galten die Auseinandersetzungen mit der eigenen Identität und der Umwelt. Es galt dabei die einerseits vorhandene soziale und ökonomische Abhängigkeit mit der andererseits durch die Gesellschaft eingerichteten Möglichkeiten zur Persönlichkeitsentwicklung zu nutzen. Im Verlauf von mehreren Jahren entstand somit auch ein positives Leitbild gegenüber der Jugend (vgl. Mierendorff et al. 2010, S.132).

Während bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts die Phase der Jugend stark markiert wurde durch Heirat bzw. Eintritt ins Berufsleben, verschwammen die Übergänge zunehmend aufgrund von Möglichkeiten wie z.B. Weiterbildungen auf dem sekundären Bildungsweg und anderen individuell geprägten Lebensformen, die eine Jugendphase bis zum Ende des zweiten Lebensjahrzehntes ausdehnen konnten.

Die Phase der Jugend wird ebenfalls stark geprägt durch die Ausrichtung und die Orientierung an Gleichaltrigen, auch als Peer- Gruppen bezeichnet.

Als wichtige Instanz für die Phase des Aufwachsens von Jugendlichen bilden sich Peer- Gruppen u.a. innerhalb der Schulklassen, im Freundeskreis oder im Vereinsleben aus. Dabei dienen sie der „wechselseitigen Vergewisserung über ein geteiltes Verständnis von Regeln, Normen und der Wirklichkeit schlechthin“ (Breidenstein 2004, S. 922).

Die Abgrenzung der Jugend zur Kindheit einerseits, die noch stark in das Familienleben integriert ist und zum Erwachsenenalter andererseits, welches vorwiegend durch den Berufsalltag geprägt wird, entsteht in der Jugendphase ein größerer Freiraum, der vor allem im Bereich von Freizeit und Medienkonsum investiert werden kann. (vgl. Hurrelmann/Quenzel 2012, S. 24). Die sich aus diesem Umstand ergebenden Möglichkeiten zur Ausbildung von Jugendkulturen und deren Verbreitung werden im folgenden Kapitel verdeutlicht.

2.2. Jugendkulturen

Mit der Bezeichnung von Jugendkulturen sind vorwiegend soziale und kulturelle Orientierungs- und Zusammenkünfte gemeint, die von den Jugendlichen selbst geschaffen werden. Sie sind eher auf Freizeitaktivitäten ausgerichtet und bilden eine Abgrenzung zu diversen Bildungseinrichtungen und Familie. Mit dem Begriff der „Kultur“ ist nach Baake (2007) eine Schaffung von Stilausrichtungen vor allem über Medien gemeint (vgl. Baake 2007,S.143ff.).

Jugendkulturen haben einerseits die Funktion der Verknüpfung eines sozialen Netzwerkes und andererseits die Darstellung spezifischer Normen- und Wertevorstellungen in Abgrenzung zu den Erwachsenen. Baake sieht im Begriff der Jugendkulturen als Teile einer Bevölkerungsgruppe „die für das Jugend-Selbst-Verständnis einer bestimmten Epoche oder eines ungefähr angebbaren Zeitraums Leitbilder setzen und auch von den Erwachsenen und `Erziehungsberechtigten` als diejenigen wahrgenommen werden, die aufgrund ihrer scharf konturierten Eigenarten mit oft herausforderndem Charakter für die ältere Generation in besonderer Weise Irritationen darstellen“ (Baake 2007, S. 227).

Somit setzen sich die Jugendkulturen u.a. auch mit der älteren Generation und deren Wertevorstellungen auseinander. Im Gegensatz dazu kommt es allerdings ebenfalls zu der Übernahme der verschiedenen Jugendstile durch die Erwachsenen.

Hurrelmann/ Quenzel bezeichnen dieses Phänomen als „Juvenilisierung der Erwachsenenwelt“ (vgl. 2012, S. 51). Die Orientierung an den Jugendkulturen bieten schlussfolgernd also nicht nur einen Gegenpol zu den Erwachsenen, sie haben auch einen großen Einfluss auf die Lebensweisen der gesamten Gesellschaft und dienen gleichzeitig als deren Projektionsfläche.

Dadurch lässt sich ebenfalls das große Interesse im Bereich der Jugendforschung ableiten. Vor allem während und nach der politischen Wende in Ostdeutschland wurde die Aufmerksamkeit auf die Jugend gerichtet, da man davon ausging, dass sich gesamtgesellschaftliche Veränderungen und Reaktionsprozesse vorwiegend an den Verhaltensweisen von Jugendlichen ablesen lassen. (vgl. Merkens 2010, S. 379).

3 Die Jugend vor und nach der politischen Wende

Beruhend auf der Tatsache, dass die Jugendlichen in der Deutschen Demokratischen Republik (nachfolgend: DDR) im Vergleich zu denen in der BRD andere Sozialisationsformen erlebten, gab es während und nach der politischen Wende 1989/90 ein besonderes Interesse an vergleichenden Studien der Jugendforschung. Als Ausgangspunkt wurde vor allem die sensiblere Wahrnehmungsfähigkeit der Jugend angenommen und man schloss gleichfalls auf eine mögliche, unkompliziertere und schnellere Annäherung zwischen Ost und West.

Die gesellschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen in der DDR unterschieden sich deutlich gegenüber der leistungsorientierten Arbeitsgesellschaft in der BRD. Die enormen Einschränkungen im Dienstleistungssektor und das einheitliche Bildungssystem ließen die Jugendlichen in ökonomisch und politisch gegensetzlichen Umfeldern aufwachsen.

Aufgrund der politischen Wende und der Angliederung an die BRD kam es in der Gesellschaft zu schockartigen Veränderungen, die sich bis in den Lebensalltag der Menschen widerspiegelte. Hatte die Bedeutung von Sicherheit im sozialen und gesellschaftlichen Bereich hohe Priorität in der DDR, galt es nun, sich in einem neuen, demokratischem System zurechtzufinden und dementsprechend auch neue Bewältigungsstrategien dafür finden zu müssen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der Wandel der Jugendkulturen in Ostdeutschland
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Seminar
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V1031003
ISBN (eBook)
9783346433893
ISBN (Buch)
9783346433909
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jugendkulturen
Arbeit zitieren
Manja Rehschuh (Autor:in), 2014, Der Wandel der Jugendkulturen in Ostdeutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1031003

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