Die Serie "13 Reasons Why" und ihre Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung von Jugendlichen


Hausarbeit, 2017

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1.Einleitung

2. Theoriegrundlage/Definitionen
2.1 Definition Sozialisation und Mediensozialisation
2.2 Persönlichkeit als produktive Realitätsverarbeitung
2.3 Krisen während der Persönlichkeitsentwicklung
2.4 Die Rolle von Medien im Sozialisationsprozess

3. 13 Reasons Why 3.1 Die Serie
3.2 Themen und Motive

4. Auswirkungen auf Persönlichkeitsentwicklung
4.1 Präventionsmaßnahmen und Hilfe

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Medien spielen in unserer heutigen Welt eine große Rolle und sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken, wodurch sie auch aus pädagogischer Sicht immer mehr an Bedeutung gewinnen. Besonders Kinder und Jugendliche, welche sich noch mitten in ihrer Entwicklungsphase befinden, stehen währenddessen unter dem Einfluss vielzähliger Medien, die sich im Sozialisationsprozess somit auch auf die Persönlichkeits- und Identitätsentwicklung auswirken. Da gerade Jugendliche einen Großteil ihrer Freizeit mit Medien verbringen, bilden diese neben den bisherigen Sozialisationsinstanzen wie dem Elternhaus, der Schule oder auch der Freundesgruppe eine ganz eigene Sozialisationsinstanz.

In der folgenden Hausarbeit beschränke ich mich auf das Medium Internet, insbesondere auf die Netflix-Serie 13 Reasons Why, und werde hauptsächlich auf der Grundlage des Modells der produktiven Realitätsverarbeitung nach Klaus Hurrelmann und dessen Sozialisationstheorie versuchen, die Auswirkungen und Folgen der besagten Serie auf die Persönlichkeits- und Identitätsentwicklung von Jugendlichen herauszuarbeiten.

Zunächst wird der Begriff Sozialisation definiert, um alles Nachfolgende verständlicher zu machen. Neben einer Einführung in die Sozialisationstheorie und in das Modell der produktiven Realitätsverarbeitung Hurrelmanns wird auf Krisen während der Persönlichkeitsentwicklung eingegangen und dann die Rolle von Medien im Sozialisationsprozess erläutert. Anschließend folgt ein inhaltlicher und thematischer Überblick über die Serie 13 Reasons Why, damit im Anschluss auf die Auswirkungen der Serie auf Jugendliche eingegangen werden kann. Hierbei kann es sich nicht nur im um negative Auswirkungen, sondern durchaus auch um positive Auswirkungen und Folgen handeln.

Die Ausarbeitung der Auswirkungen und Folgen soll die wichtige Rolle von Medien während der Sozialisation von Jugendlichen deutlich machen und letztendlich dazu verhelfen, ein Konzept zu Hilfsmaßnahmen aufzustellen, welches sowohl Prävention als auch Intervention beinhaltet.

2. Theoriegrundlage/Definitionen

2.1 Definition Sozialisation und Mediensozialisation

Der Begriff Sozialisation wurde im Laufe der letzten Jahrzehnte besonders durch den gesellschaftlichen Wandel geprägt. Dabei haben sich zwei Schwerpunkte gebildet, zum einen die Soziologie und zum anderen die Psychologie. Erstere legt den Fokus ihrer Analyse auf die Gesellschaft, letztere hingegen analysiert die Persönlichkeit eines jeden individuellen Individuums1.

Um näher auf diese beiden Seiten einzugehen sollte der Begriff Sozialisation jedoch erst einmal definiert werden. Dieser „bezeichnet […] den Prozess, in dessen Verlauf sich der mit einer biologischen Ausstattung versehene menschliche Organismus zu einer sozial handlungsfähigen Persönlichkeit bildet, die sich über den Lebenslauf hinweg in Auseinandersetzung mit den Lebensbedingungen weiterentwickelt. Sozialisation ist die lebenslange Aneignung von und Auseinandersetzung mit den natürlichen Anlagen, insbesondere den körperlichen und psychischen Grundlagen, die für den Menschen die ‚innere’ Realität bilden, und der sozialen und physikalischen Umwelt, die für den Menschen die ‚äußere’ Realität bilden.“2, so Hurrelmanns Definition in der „Einführung in die Sozialisationstheorie“. Mit anderen Worten bedeutet Sozialisation also die Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen, welche sich in einem Prozess der Auseinandersetzung mit der Gesellschaft einerseits und dem eigenen Organismus und der Psyche anderseits vollzieht. Man spricht bei der Verarbeitung der äußeren und der inneren Realität von einer „produktiven“ Verarbeitung, da jeder Mensch eine „den eigenen Voraussetzungen und Bedürfnissen angemessene Form wählt.“3, wobei diese Beschreibung nicht wertend, sondern beschreibend sei, so Hurrelmann (2006). Der Sozialisationsprozess bezieht sich außerdem keineswegs nur auf eine bestimmte Phase des Lebens, sondern ist ein lebenslanger Prozess, der auch noch im Erwachsenenalter stattfindet.

Ziel von Sozialisation ist also, wie oben schon angedeutet, die Entwicklung zu einem gesellschaftlich handlungsfähigen Subjekt, und laut Süss zudem die „Passung zwischen dem Individuum und seiner Gesellschaft“, nicht etwa die reine „Anpassung des Individuums an die Umwelt.“4 Zudem geht aus der Definition der Sozialisation nach Klaus Hurrelmann hervor, dass jedes Individuum bestimmte Entwicklungsaufgaben als ständige Anforderung an die Sozialisation bewältigen müsse.5

Die psychologische Seite der Sozialisationsforschung beschäftigt sich näher mit dem „Aufbau von Handlungskompetenzen zur Auseinandersetzung mit der äußeren Realität in permanenter Abstimmung mit der und in ständigem Spannungsverhältnis zur inneren Realität“6, wohingegen die soziologische Seite vom Standpunkt der „historisch entwickelnden ökonomischen, politischen, sozialen und kulturellen Struktur einer Gesellschaft“7 ausgeht. Die Forschung kam zu der Erkenntnis, es käme insbesondere durch die Ausbreitung von Massenmedien zu einer immer breiteren Streuung von sozialisationsrelevanten Einflüssen über verschiedene Institutionen und Organisationen einer Gesellschaft (Hurrelmann, Ulich 1998), woraus sich mittlerweile der Begriff der Mediensozialisation gebildet hat, welcher für meine Hausarbeit von großer Relevanz ist. Demnach umfasst Mediensozialisation bei Kindern und Jugendlichen „alle Aspekte, bei denen die Medien für die psychosoziale Entwicklung der Heranwachsenden eine Rolle spielen.“8 und impliziert die Rolle von Medien bei der Bewältigung der Entwicklungsaufgaben, zu denen ich im folgenden Kapitel Näheres erklären werde.

2.2 Persönlichkeit als produktive Realitätsverarbeitung

Aus der Definition der Sozialisation geht hervor, dass jeder Mensch imstande sein muss, eine eigene Persönlichkeit bzw. eine Identität zu bilden, um in unserer Gesellschaft als handlungsfähiges Individuum zu existieren.

Die Persönlichkeitsentwicklung wird sowohl von subjektiven als auch von objektiven Faktoren beeinflusst (Hurrelmann, Ulich 1998), während die Forschung „gesellschaftliche Institutionalisierungsprozesse auf der einen Seite und intrapsychische Prozesse der Persönlichkeitsentwicklung auf der anderen Seite aufeinander bezieht.“ (Hurrelmann, Ulich 1998). Dabei spielen die zwei Einheiten Gesellschaft und Organismus bzw. Psyche besonders wichtige Rollen, denn sie beschreiben die bereits erwähnte äußere und innere Realität eines Individuums. Dort, wo sich die beiden Analyseeinheiten Gesellschaft und Organismus treffen, steht die Persönlichkeit bzw. die Persönlichkeitsentwicklung (Hurrelmann, Ulich 1998), welche als „die individuelle, in Interaktion und Kommunikation mit Dingen wie mit Menschen erworbene Organisation von Merkmalen, Eigenschaften, Einstellungen, Handlungskompetenzen und Selbstkompetenzen eines Menschen auf Basis der natürlichen Anlagen und als Ergebnis der Bewältigung von Entwicklungs- und Lebensaufgaben zu jedem Zeitpunkt der Lebensgeschichte“9 verstanden wird.

Durch verschiedene Einzeltheorien einerseits aus der Psychologie und anderseits aus der Soziologie ergab sich ein alles umfassendes Konzept, auch bezeichnet als das „Modell der produktiven Realitätsverarbeitung“ (Hurrelmann 1983, 1986). Dieses beinhaltet neben der Definition von Sozialisation und den vier Entwicklungsaufgaben noch zehn weitere Kernaussagen.

Nachdem der Begriff Sozialisation im vorherigen Teil bereits erläutert wurde, kommen wir im Folgenden zu den vier Entwicklungsaufgaben.

Entwicklungsaufgaben beschreiben nach Havighurst „die für die verschiedenen Altersphasen konstitutiven gesellschaftlichen Erwartungen, die an Individuen der verschiedenen Altersgruppen herangetragen werden“ (Havighurst 1953).

Nach Hurrelmann lassen sich vier zentrale Entwicklungsaufgaben erkennen: Qualifizieren, Binden, Konsumieren und Partizipieren. Jede dieser Entwicklungsaufgaben soll erfüllt werden, um eine bestimmte gesellschaftliche Rolle zu übernehmen, beispielsweise soll Bildung und Qualifizierung erreicht werden, um die Entwicklungsaufgabe ‚Qualifizieren’ zu erfüllen und schließlich die gesellschaftliche Mitgliedsrolle des Berufstätigen übernommen werden. Wichtig bei der Bewältigung der Entwicklungsaufgaben sei die Verbindung von Individuation, der „Entwicklung einer besonderen, einmaligen und unverwechselbaren Persönlichkeitsstruktur“ und der Identität, dem „Empfinden und Erleben situations-und lebensgeschichtlicher Kontinuität“10 oder wie Erikson sagt, des „Sich-Selbst-Gleichseins“ (Erikson 1973). Die Identität eines Individuums entwickelt sich demnach in der produktiven „Auseinandersetzung mit den vier genannten Entwicklungsaufgaben des Jugendalters“11, jedoch sollten die verschiedenen Entwicklungsaufgaben dabei nicht getrennt voneinander bewältigt werden, sondern in einem wechselseitigen Prozess und miteinander verknüpft. Wichtig dabei sind verschiedene Sozialisationsinstanzen, beispielsweise die Schule, die Familie oder Freunde, durch welche die Entwicklungsaufgaben vermittelt werden. Werden die Entwicklungsaufgaben trotz psychosozialer Krisen und Widersprüchlichkeiten oder gerade aus diesem Grund bewältigt, so findet der Übergang vom Jugendalter ins Erwachsenenalter statt (Hurrelmann 2013) und die Grundlage für eine Identitätsbildung ist gebildet (Erikson 1966).

Zusammengefasst wird das „Modell der produktiven Realitätsverarbeitung“ in zehn Kernthesen oder auch zehn Maximen, in denen jeweils ein Aspekt der Persönlichkeitsentwicklung und der damit verbundenen Sozialisation behandelt wird. Da einige der Thesen mehr und andere der Thesen weniger relevant für diese Hausarbeit sind, werde ich nicht auf alle detailliert eingehen, sondern die wichtigsten Aussagen herausarbeiten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Sozialisation als produktive Verarbeitung der inneren und äußeren Realität

(https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Schaubild_Produktive_Realitätsverarbeitung_neu.jpg)

Zuallererst steht, wie im oberen Schaubild erkennbar, das Verhältnis von innerer und äußerer Realität im Vordergrund, denn die „Persönlichkeitsentwicklung wird verstanden als produktive Verarbeitung der inneren Realität von körperlichen und psychischen Dispositionen, die stark durch genetische Anlagen bestimmt werden, und der äußeren Realität aus sozialer und physischer Umwelt“12 und findet in einem dynamischen, aktiven Prozess statt, weshalb man von einer „produktiven“ Verarbeitung spricht.

Eine weitere Kernaussage des Modells bezieht sich auf die Spannung zwischen Individuation und Integration bei der Bewältigung der Entwicklungsaufgaben. Demnach steht dem Aufbau einer unverkennbaren Persönlichkeitsstruktur (= Individuation) die Anpassung an die „gesellschaftlichen Werte, Normen und Verhaltensstandards“13 (= Integration) einer Gesellschaft gegenüber, weshalb das Spannungsverhältnis dieser beiden Anforderungen zu bewerkstelligen gilt. Besonders Jugendliche geraten wegen der Differenzen zwischen gesellschaftlichen und persönlichen Anforderungen oft in sogenannte Entwicklungskrisen, welche jedoch charakteristisch für diese Lebensphase und somit unverzichtbar für die Belastbarkeit und Widerstandsfähigkeit für den weiteren Verlauf der Persönlichkeitsentwicklung sind (Hurrelmann 2012).

[...]


1 Hurrelmann, K.; Ulich, D. 1998: Handbuch der Sozialisationsforschung, S.10

2 Hurrelmann, K. 2006: Einführung in die Sozialisationstheorie, S.15

3 Hurrelmann, K. 2006: Einführung in die Sozialisationstheorie, S.28

4 Süss, D.; Lampert, C.; Wijnen, C.W. 2013: Medienpädagogik S.33

5 Hurrelmann, K. 2012: Sozialisation, S.52

6 Hurrelmann, K.; Ulich, D. 1998: Handbuch der Sozialisationsforschung, S.10

7 Hurrelmann, K.; Ulich, D. 1998: Handbuch der Sozialisationsforschung, S.10

8 Süss, D.; Lampert, C.; Wijnen, C.W. 2013: Medienpädagogik, S.33

9 Hurrelmann, K.; Ulich, D. 1998: Handbuch der Sozialisationsforschung, S.9

10 Hurrelmann, K.; Quenzel, G. 2012: Lebensphase Jugend, S.33

11 Hurrelmann, K.; Quenzel, G. 2012: Lebensphase Jugend, S.33

12 Hurrelmann, K. 2012: Sozialisation, S.54

13 Hurrelmann, K. 2012: Sozialisation, S.60

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Serie "13 Reasons Why" und ihre Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung von Jugendlichen
Hochschule
Universität zu Köln  (Humanwissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Medienpädagogik
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
19
Katalognummer
V1031015
ISBN (eBook)
9783346433671
ISBN (Buch)
9783346433688
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jugendliche, Persönlichkeitsentwicklung, Sozialisationsinstanzen, Medien, Realitätsverarbeitung, Sozialisationstheorie, Sozialisationsprozess, Hurrelmann, pädagogik, Auswirkungen, Mediensozialisation
Arbeit zitieren
Lena Förster (Autor:in), 2017, Die Serie "13 Reasons Why" und ihre Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung von Jugendlichen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1031015

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