Auch wenn von der Öffentlichkeit in den Industriestaaten kaum beachtet, stellen Handelsbeziehungen zwischen Nationen einen entscheidenden Faktor der nationalen Wohlfahrt dar. Dem freien internationalen Handel stehen jedoch regelmäßig Handelsbeschränkungen wie insbesondere Zölle entgegen. Entsprechend gilt es zunächst, zu zeigen, dass es grundsätzlich förderlich ist, derartige Handelsbeschränkungen durch zwischenstaatliche Handelsliberalisierung abzubauen.
Empirisch lässt sich seit den 1990er Jahren zeigen, dass trotz des multilateralen Handelsregimes der Welthandelsorganisation (WTO) eine Zunahme an sogenannten regionalen Integrationsabkommen zu verzeichnen ist. Im Hinblick auf dieses Phänomen der stark zunehmenden Integrationsabkommen zwischen Regimemitgliedern der WTO ist fraglich, ob solche Integrationsabkommen nicht dem Grundgedanken des Multilateralismus der WTO widersprechen. Dies soll zweierlei überprüft werden: Zum einen gilt es die Konformität der Integrations-abkommen mit WTO-Recht, zum anderen deren Auswirkungen aus ökonomischer und politischer Sicht zu bewerten.
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
B. Grundlagen des internationalen Handels
I. Freihandel und Protektionismus
II. Multilaterale Bestrebungen der Handelsliberalisierung
III. Entwicklung der Handelsliberalisierung, Trend zum „Regionalismus“
C. Regionalismus
D. Vereinbarkeit von Integrationsabkommen mit WTO-Recht
I. GATT
1. Art. XXIV GATT
2. Notifizierung
3. Interim Agreements
4. Ermächtigungsklausel und Ausnahmegenehmigung
II. GATS
III. Durchsetzung der Ausnahmeregelungen
1. Unbestimmte Rechtsbegriffe und Rechtsprechung
2. Prüfung im Committee on Regional Trade Agreements
3. Jenseits klassischer Integrationsabkommen
E. Polit-ökonomische Bewertung
F. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsverhältnis zwischen dem multilateralen Handelsregime der Welthandelsorganisation (WTO) und der zunehmenden Verbreitung regionaler Integrationsabkommen. Ziel ist es, die rechtliche Konformität dieser Abkommen mit dem WTO-Recht zu prüfen und deren ökonomische sowie politische Auswirkungen zu bewerten.
- Grundlagen des internationalen Freihandels und Protektionismus
- Entwicklung des Trends zum Regionalismus im Welthandel
- Rechtliche Analyse der WTO-Bestimmungen (GATT/GATS) für Integrationsabkommen
- Herausforderungen bei der Durchsetzung und Interpretation von WTO-Regelungen
- Polit-ökonomische Bewertung der Auswirkungen von Handelsabkommen
Auszug aus dem Buch
III. Entwicklung der Handelsliberalisierung, Trend zum „Regionalismus“
Wie beschrieben stellt die WTO dasjenige Regime dar, welches die Ideale des Freihandels am ehesten verwirklicht. Mit gegenwärtig 164 Mitgliedern und 25 Staaten mit Beobachterstatus verbleiben nur wenige Völkerrechtssubjekte ohne Bezug zur WTO. Simultan zeigt sich zwischen den Mitgliedsländern jedoch ein Trend, neben dem Handelsregime der WTO zusätzlich sogenannte regionalen Handelsabkommen (Regional Trade Agreements) abzuschließen, welche den Handel nur zwischen den jeweiligen Vertragspartnern liberalisieren. Diese Entwicklung gewann seit den 1990er Jahren an Momentum und führt dazu, dass 2021 innerhalb der WTO 334 solcher regionalen Handelsabkommen existieren, die über die generellen Bestimmungen der WTO hinausgehen und nur für deren Mitglieder verbindlich sind.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung: Einführung in die Problematik der Handelsbeziehungen und die Forschungsfrage zur Vereinbarkeit von Regionalismus und Multilateralismus.
B. Grundlagen des internationalen Handels: Theoretische Darstellung der ökonomischen Vorteile des Freihandels und der Gegenposition des Protektionismus.
C. Regionalismus: Definition des Begriffs der regionalen Handelsabkommen sowie Analyse der verschiedenen Integrationsstufen von der Freihandelszone bis zur Politischen Union.
D. Vereinbarkeit von Integrationsabkommen mit WTO-Recht: Rechtliche Prüfung der Zulässigkeit von Abkommen anhand der Bestimmungen im GATT und GATS sowie Analyse der Durchsetzungsproblematiken.
E. Polit-ökonomische Bewertung: Analyse der Ambivalenz von Integrationsabkommen hinsichtlich Wohlfahrtssteigerung und Diskriminierung Dritter sowie politischer Motivlagen.
F. Schlussbemerkung: Zusammenfassung der Ergebnisse und Fazit zur Notwendigkeit einer gewissen Flexibilität innerhalb des WTO-Rechts zur Bewahrung der Errungenschaften des Welthandels.
Schlüsselwörter
Welthandelsorganisation, WTO, Freihandel, Regionalismus, GATT, GATS, Handelsliberalisierung, Protektionismus, Integrationsabkommen, Meistbegünstigungsprinzip, Wohlfahrtsökonomie, Zollunion, Freihandelszone, Welthandel, Wirtschaftsvölkerrecht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Spannungsfeld zwischen den globalen multilateralen Handelsregeln der WTO und der Zunahme von regionalen Handelsabkommen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die ökonomischen Grundlagen des Freihandels, das WTO-Recht, die verschiedenen Stufen der wirtschaftlichen Integration und deren Auswirkungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die rechtliche Konformitätsprüfung von regionalen Abkommen mit WTO-Recht sowie die Bewertung ihrer ökonomischen und politischen Folgen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine rechtswissenschaftliche Analyse kombiniert mit politikökonomischen Betrachtungen und empirischen Daten der WTO.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Grundlagen des Handels, die rechtliche Vereinbarkeit mit GATT/GATS-Bestimmungen und die polit-ökonomische Bewertung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie WTO, Multilateralismus, Regionalismus, Freihandel und Integrationsabkommen beschreiben.
Was bedeutet die "handelsschaffende" Wirkung von Abkommen?
Diese bezeichnet den positiven Wohlfahrtseffekt durch den Abbau von Handelsbarrieren zwischen den Vertragsparteien eines Abkommens.
Warum ist die Durchsetzung von WTO-Regeln bei Integrationsabkommen schwierig?
Die Schwierigkeit liegt in unbestimmten Rechtsbegriffen und der Tatsache, dass sich die WTO-Mitglieder bisher nicht auf gemeinsame Interpretationen einigen konnten.
Welche Rolle spielt das "Committee on Regional Trade Agreements" (CRTA)?
Das CRTA soll notifizierte Integrationsabkommen prüfen, wobei das Konsensprinzip laut Autor jedoch oft zu einem Stillstand in der Bewertung führt.
Wie bewertet der Autor regionale Abkommen abschließend?
Sie werden ökonomisch als "second-best"-Lösungen eingestuft, die politisch oft durch strategische Interessen anstatt reiner Wohlfahrtsmaximierung motiviert sind.
- Arbeit zitieren
- Tobias Rentschler (Autor:in), 2021, Freihandelsabkommen und die Ordnung der WTO, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1031378