Metaphern in der politischen Sprache. Analyse der Fernsehansprache von Bundeskanzlerin Angela Merkel zur COVID-19-Pandemie


Hausarbeit, 2021

20 Seiten, Note: 1,0


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Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen der Metaphern
2.1 Teile einer Metaphern
2.2 Die kognitive Metapherntheorie
2.3 Die Metapherntheorie und die politische Rhetorik

3 Relevante Metaphern
3.1 Arten der Metaphern in der Antike
3.2 Metaphern, beeinflusst durch eine Präposition
3.3 Metaphern im Surrealismus
3.4 Andere Tropen und Metaphern

4 Fallbeispiel: Fernsehansprache von Bundeskanzlerin Angela Merkel
4.1 Analyse des soziopolitischen Kontexts
4.2 Gemeinschaft
4.3 Transparenz
4.4 Virus
4.5 Moral und Disziplin

5 Zusammenfassung und Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Der Begriff der Metapher, auch Sprachbild genannt, ist seit der vorsokratischen Zeit Gegenstand der Debatte, in denen die Rede von dem Unterschied zwischen dem eigentlichen Text, dem fiktiven Text oder Mythos war. Folglich waren Platons Schriften reich an rhetorischen Figuren und Tropen1, obwohl damals die aktuelle Bedeutung dieser Schriften noch nicht bekannt war. Die erstmalige Verwendung des Begriffes Metapher war erst zu Zeiten von Aristoteles.2

Die Metaphern werden bis heute untersucht, da die unterschiedlichen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Umstände neue Formen und Sinne beeinflussen. Das Ziel dieser Arbeit ist zunächst, zu erklären, wie Metaphern in unserem Gehirn funktionieren, was der neurologische und unbewusste Prozess ist und wie Metapher unser alltägliches Vokabular beeinflussen. Anschließend werden die häufigsten Arten von Metaphern in der Politik aufgezeigt.

Dann wird ein Fallbeispiel analysiert. Dieses beinhaltet verschiedene politische Sprachbilder, die wir als Teil unseres täglichen Sprachgebrauchs akzeptiert haben: die Fernsehansprache von Bundeskanzlerin Angela Merkel nach dem Beginn der globalen COVID-19-Pandemie und des Erregers SARS-CoV-2 am 18. März 2020.3

2 Grundlagen der Metaphern

Eine Metapher ist „die Übertragung eines Wortes (das somit in uneigentlicher Bedeutung verwendet wird) und zwar entweder von der Gattung auf die Art oder von der Art auf die Gattung oder von einer Art auf die andere oder nach den Regeln der Analogie“4. Das heißt, dass eine Metapher eine rhetorische Bedeutungsfigur ist, da sie mit der ursprünglichen Bedeutung des Wortes in Zusammenhang gebracht wird. Um diese Figur richtig zu verstehen, muss diese interpretiert werden.

Laut Heinrich Lausberg gehören die Sprachbilder zu den Tropen.5 Diese beeinflussen die Bedeutung des ursprünglichen Wortes so, dass das die Aussage im übertragenen Sinn verstanden wird und nicht mehr im eigentlichen Sinn. Eine Metapher, die aus einer Wortgruppe besteht, nennt man Allegorie.

Laut Carlin Romano gibt es drei Haupttheorien, die bei der Analyse des Konzepts von Metaphern berücksichtigt werden müssen: Substitutionstheorie, Vergleichstheorie und Interaktionstheorie.6 Die erste Theorie, die Substitutionstheorie, betrachtet den Begriff B tatsächlich als Ersatz für Begriff A, so dass A alle seine Merkmale verliert. Die zweite Theorie besagt, dass Begriff A in einigen, aber nicht in allen Funktionen ähnlich wie Begriff B ist. Eine völlig neue Bedeutung und Konnotation der Begriffe A und B werden in der letzten Theorie, der Interaktionstheorie, beschrieben.

2.1 Teile einer Metaphern

In jeder Metapher sind zwei wichtige Teile beinhaltet: der Bildspender (oder Herkunftsbereich) und der Bildempfänger (oder Zielbereich).7 Bei der Verwendung von Metaphern wird eine Reihe von Qualitäten von einem Bildspender auf einen Bildempfänger übertragen. In dem bekannten Beispiel von Aristoteles „Achill ist ein Löwe“8 werden die Fähigkeiten und Merkmale von einem Löwen (Bildspender), wie Mut, Kraft, Intelligenz oder Schnelligkeit, auf Achill (Bildempfänger) übertragen.

Lakoff beschreibt an einem Beispiel die Beziehung zwischen einem realen und einem abstrakten Objekt: "die Aktien können in den Himmel schießen oder in den Keller stürzen".9 Diese Metapher stellt zwei echte Orte (Himmel und Keller) jeweils als einen Anstieg oder einen Abstieg der Aktien dar. Außerdem haben beide Begriffe in jeder Metapher einen Vergleichspunkt (tertium comparationis10 , lat. das Dritte des Vergleichs). Zum Beispiel halten die Tischbeine die Struktur des Tisches, sowie ein menschlicher Körper. Hier ist die Struktur der Vergleichspunkt der Metapher.

2.2 Die kognitive Metapherntheorie

Der erste Schritt, um zu verstehen, wie Metaphern im Gehirn funktionieren, ist die Analyse des physischen Prozesses. Laut George Lakoff wird eine Metapher nur im Gehirn erstellt, nachdem eine Synapse zwischen einem konkreten und ein abstraktes Objekt gebaut wurde.11 Unsere alltäglichen Erfahrungen formen unsere Sicht auf die Welt und beeinflussen so unsere Realität12.

Lakoff benutzt folgendes Beispiel, um dieses Konzept klar darzustellen: „Wenn man zum Beispiel Wasser in ein Glass gießt, dann steigt der Wasserspiegel. Je mehr Wasser sie in den Behälter fließen lassen, desto höher steigt es“.13 Hier spielen zwei Begriffe eine entscheidende Rolle: die Quantität (mehr Wasser) und die Vertikalität (höherer Wasserspiegel).14 Beide befinden sich in verschiedenen Bereichen im Gehirn, aber nach dieser Situation wird es eine neue neuronale Verknüpfung zwischen beide entsteht, da in diesem Fall durch mehr Quantität ein höherer Wasserspiegel entsteht.

Hintergrundwissen wird aktiviert, indem ein Element erkannt wird, das vertraut ist, und das überträgt unbewusst alles Wissen über einen Begriff auf den anderen.15 Dieser physische Denkprozess formt Verbindungen, die vor allem zwischen der Geburt und dem fünften Lebensjahr gebildet werden. Nur wenn diese Synapse geknüpft wird und mehr chemische Rezeptoren dafür benutzt werden, wird diese stärker.16

Laut Lakoff ist dieser Prozess komplett physisch17, weil Neuronen durch unterschiedliche Erfahrungen verschiedene Verknüpfungen aufbauen.18 Dies geschieht unbewusst und unkontrolliert: „Unbewusstes Denken im Sinne der kognitiven Wissenschaft bezeichnet denjenigen Teil unseres Denkens, den wir einfach nicht bewusst wahrnehmen, nicht reflektieren und daher nicht kontrollieren“.19

2.3 Die Metapherntheorie und die politische Rhetorik

Es gibt zwei wichtige Metapherntheorien.20 Die Konzeptualisierungstheorie (engl. Conceptual Metaphor Theory oder CMT) von Lakoff und Johnson besagt, dass eine Figur keine einfache künstlerische Verzierung ist, sondern die automatische Möglichkeit hat, abstrakte Objekte näher an konkrete und greifbare Sachverhalte heranzuführen. Im politischen Diskurs sind das Begriffe, die nicht greifbar sind, wie Gesetze, Disziplin, Verhaltensregeln. Genau diese Elemente können durch Metapher verständlich gemacht werden. Es gibt eine zweite Theorie von Gerard Stehen: Deliberate Metaphor Theory (DMT).21 Diese besagt, dass es Metaphern gibt, die nur zu künstlerischen Elementen oder zu einer Auseinandersetzung mit dem Hörer erstellt werden.

Beide Theorien sind in der Politik relevant, vor allem, wenn man die Rhetorik von Perelman und Olbrechts-Tyteca betrachtet.22 Sie beziehen die Metapher auf ein Argument durch Analogie. Der Fokus nach Perelman liegt darin Menschen durch Metaphern zu überzeugen. Perelman erklärte, dass es nicht nur wichtig sei, gut zu sprechen, sondern zu wissen, wie man eine Rede richtig strukturiert, um ihr Schlüsselkonzept zu erfüllen: Überzeugungsarbeit.

3 Relevante Metaphern

In der Metapherntheorie gibt es keine offizielle Gliederung zwischen den Metaphern in der Politik. Da die Bedeutung der Metapher sich durch die Geschichte geändert hat, kann eine Einteilung nach der Komposition oder auch der Epoche erstellt werden.

3.1 Arten der Metaphern in der Antike

Gleichsetzungs- oder Prädikationsmetapher:23 Es ist eine der häufigsten Metaphern, sowohl in der Politik als auch in der Rhetorik im Allgemeinen. Sie erzeugt einen Vergleich zwischen einem echten und einem abstrakten Objekt durch das Verb „sein“.

In dem Beispiel „Madrid ist die Hauptstadt der Welt“ werden beide Begriffe gleichgestellt. Die Bedeutung ist hier wichtig, um den Satz richtig zu verstehen: Madrid ist ein bestimmtes Objekt und hat besitzt alle Merkmale, um die Hauptstadt der Welt zu sein, wenn diese Art von Hauptstadt (abstrakter Begriff) existieren würde.

Reine Metapher: Die Beziehung zwischen beiden Begriffen ist am wichtigsten, um eine Metapher zu verstehen. Es gibt viele Situationen, wo diese Beziehung selbstverständlich ist und beide Objekte nicht explizit genannt werden müssen. Wie in dem Beispiel „die Perlen deines Mundes“, bei dem die Zähne nicht genannt werden.

Die reine Metapher könnte mit Antonomasie verwechselt werden. Der Hauptunterschied liegt darin, dass eine Metapher einen realistischen und einen irrealen Begriff verbindet und eine Antonomasie einen Eigennamen ersetzt oder umgekehrt, z.B. „Rächer der Gerechten“ kann anstatt von Robin Hood gesagt werden. Prof. Dr. K. Heldmann beschreibt die Antonomasie folgendermaßen: „Ersatz eines Eigennamens durch eine Periphrase (Umschreibung) od. durch ein Appellativ (ein schmücken-des Epitheton); die Periphrase erfasst das Wesen, das Appellativ nur einen Aspekt (mit fließenden Grenzen)“24.

3.2 Metaphern, beeinflusst durch eine Präposition

Genitivmetapher/Nominalmetapher bzw. Kompositionsmetapher:25 Bei dieser Art von Metaphern spielt die Präposition die wichtigste Rolle. Beide Begriffe werden damit zusammengefügt. Mit dieser Methode wird eine Verbindung und Zugehörigkeit zwischen Begriffen erstellt. Zum Beispiel, in dem politischen Satz „mit Augen der Hoffnung“ gehört diese die Besonderheit der Hoffnung durch die Präposition direkt zu den Augen (wegen der Farbe, der Form oder dem Eindruck).

Appositionelle Metapher: Das Hauptmerkmal dieser rhetorischen Bedeutungsfiguren ist die Abwesenheit einer Präposition. Beide Begriffe müssen mit einem Komma getrennt werden: z.B. „dein Madrid, Hauptstadt der Welt“. Diese Technik wird unbedingt benötigt, wenn der Sender eine neue Metapher erstellt, die vorher dem Empfänger nicht bekannt ist (z.B. aufgrund von kulturellen Gründen).

3.3 Metaphern im Surrealismus

Negative Metapher:26 Insbesondere in der Literatur des Surrealismus findet man Metaphern als negative Sprachbilder. Hier gibt es zwei Fälle: das eigentliche Objekt wird geleugnet oder das imaginäre Objekt wird geleugnet. Ziel ist es, dem Sinn der Metapher eine größere Intensität zu verleihen und zu klären, was es nicht ist (z.B., Perlen, kein Zahn).

Kontinuierliche Metapher: Wenn eine Metapher durch die Verwendung des Verbs „sein" unter den verschiedenen beschreibenden Merkmalen verwendet wird, wird sie zu einer kontinuierlichen Metapher (z.B. „Steuern sind Gewinne, Gewinne sind Verbesserungen, Verbesserungen sind Fortschritt und Fortschritt sind wir“).

Obsessive Metaphern: Mauron war der erste, der solche Metaphern erwähnte.27 Diese Metaphern sind Gefühle oder Ausdrücke, die kontinuierlich wiederholt werden. Dies kann in einem einzelnen Werk oder während des gesamten Karrierewegs auftreten. Durch eine Analyse dieser Metaphern kann die Persönlichkeit der Person offengelegt werden.

Diese Art ist in der Politik beliebt, da die bei vielen Gelegenheiten zu politischen Wahlkampfslogans genutzt werden. Alternativ beginnen sie als politischer Slogan und werden zum Ende zu einer obsessiven Metapher. „Bekämpft die Washingtoner Maschine. Entfesselt den amerikanischen Traum“28 von Rand Paul, „Fühle Bernie“29 von Bernie oder „Von der Hoffnung in eine höhere Ebene“30 von M. Huckabee sind Beispiele für Slogans bei der US-Wahl 2016. Sie alle wurden zu obsessiven Sprachbildern, die in Reden, Fotografien und Videos immer wieder benutzt wurden.

[...]


1 Vgl. Moran, 1996, S. 385-398.

2 Vgl. Jekosch, 2005, S. 4-6.

3 Vgl. BPA, 2020.

4 Aristoteles, 1997, S. 67.

5 Vgl. Lausberg, 2000, S 78.

6 Vgl. Al-Abdullah, 2020, S. 3, sämtliche weiteren Fakten dieses Absatzes sind der gleichen Quelle entnommen.

7 Vgl. Heindl, Kuhnigk, 2016, S. 10.

8 Osthus, 2003.

9 Lakoff, Wehling, 2016, S. 16.

10 Hügli, Lübcke, 2013, S. 566.

11 Vgl. Lakoff, Wehling, 2016, S. 16-18.

12 Vgl. Andreeva, 2011.

13 Lakoff, Wehling, 2016, S.16.

14 Vgl. Lakoff, Wehling, 2016, S.18, sämtliche weiteren Fakten dieses Absatzes sind der gleichen Quelle entnommen.

15 Vgl. Lendzian, 2013, S. 17-22.

16 Vgl. Lakoff, Wehling, 2016, S.17-18.

17 Vgl. Lakoff, Wehling, 2016, S.17.

18 Vgl. Segermann, 2009.

19 Vgl. Lakoff, Wehling, 2016, S.22, sämtliche weiteren Fakten dieses Absatzes sind der gleichen Quelle entnommen.

20 Vgl. Pörksen, 2000, S. 15-18, sämtliche weiteren Fakten dieses Absatzes sind der gleichen Quelle entnommen.

21 Vgl. Finsen, 2019, S. 323, sämtliche weiteren Fakten dieses Absatzes sind der gleichen Quelle entnommen.

22 Vgl. Van Eemeren, Garssen, Krabbe, Snoeck Henkemans, Verheij, Wagemans, 2013, S. 1-38, sämtliche weiteren Fakten dieses Absatzes sind der gleichen Quelle entnommen.

23 Vgl. Sprachkompass, o.J., sämtliche weiteren Fakten dieses Absatzes sind der gleichen Quelle entnommen.

24 Heldmann, 2007.

25 Sprachkompass, o.J., sämtliche weiteren Fakten dieses Absatzes sind der gleichen Quelle entnommen.

26 Vgl. Thpanorama, o.J., sämtliche weiteren Fakten dieses Absatzes sind der gleichen Quelle entnommen.

27 Vgl. Milner, 1966, S. 353-355, sämtliche weiteren Fakten dieses Absatzes sind der gleichen Quelle entnommen.

28 Wofford, 2015.

29 Williams, 2020.

30 Kruse, 2015.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Metaphern in der politischen Sprache. Analyse der Fernsehansprache von Bundeskanzlerin Angela Merkel zur COVID-19-Pandemie
Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart
Note
1,0
Autor
Jahr
2021
Seiten
20
Katalognummer
V1031609
ISBN (eBook)
9783346438546
ISBN (Buch)
9783346438553
Sprache
Deutsch
Schlagworte
politische Sprache, metaphern, Angela Merkel, COVID-19, Sprachbild, kognitive Metapherntheorie, politische Rhetorik
Arbeit zitieren
Francisco Méndez Lozano (Autor:in), 2021, Metaphern in der politischen Sprache. Analyse der Fernsehansprache von Bundeskanzlerin Angela Merkel zur COVID-19-Pandemie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1031609

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