In dieser Arbeit wird beleuchtet, wie die Alternative für Deutschland (AfD) Framing im aktuellen Kompakt-Wahlprogramm der Landtagswahl 2021 in Baden-Württemberg verwendet. Der erste Teil befasst sich dabei für einen Gesamtüberblick zunächst mit jeglichen in der Präambel erwähnten Zielen der Partei. Der Fokus der weiteren Framing-Analyse liegt auf zwei zusätzlichen Unterpunkten des Programms, die sich primär mit Zuwanderung und Asyl auseinandersetzen. Es handelt sich dabei um das zweite und dritte Thema des Dokuments, nämlich um „Innere Sicherheit – ein Grundrecht der Bürger“ sowie „Zuwanderung beschränken – Asylmissbrauch beenden“.
In der Politik werden Inhalte und Ziele über Sprache transportiert – aber wie das geschieht und welche Mittel dabei angewendet werden, versucht die Linguistik unter anderem mithilfe von Framing zu beschreiben. Kurz gesagt bedeutet Framing, dass unterschiedliche Formulierungen einer Botschaft das jeweilige Verhalten eines Empfängers auf verschiedene Art und Weise beeinflussen können. Vor allem im politischen Diskurs ist es von hoher Bedeutung, ein Anliegen so zu formulieren, dass dieses vom Perzipienten mit der gewünschten Wahrnehmung aufgenommen wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Rahmen
2.1 Die Partei „Alternative für Deutschland“
2.2 Definition von Framing
2.3 Strategisches und politisches Framing
3. Framing-Analyse des Kompakt-Wahlprogramms
3.1 Präambel
3.2 Innere Sicherheit – ein Grundrecht der Bürger
3.3 Zuwanderung beschränken – Asylmissbrauch beenden
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die rhetorische Strategie des Framings im Kompakt-Wahlprogramm der AfD zur Landtagswahl 2021 in Baden-Württemberg. Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch sprachliche Mittel gezielt Verlustängste geschürt und bestimmte politische Deutungsrahmen etabliert werden, um die Wahrnehmung der Wähler zu beeinflussen.
- Grundlagen des Framings und der politischen Kommunikation
- Analyse der AfD als rechtspopulistische Akteurin
- Untersuchung von Verlust- und Bedrohungs-Frames in der Präambel
- Dekonstruktion von Sicherheits- und Migrations-Narrativen
- Psychologische Wirkung von Metaphern im politischen Diskurs
Auszug aus dem Buch
3.1 Präambel
Bereits im ersten Absatz der Präambel kreiert die AfD einen Verlust-Frame: Baden-Württemberg gehöre zu den wirtschaftlich erfolgreichsten und kulturell reichsten deutschen Bundesländern, doch die aktuelle Landesregierung mehre diesen Reichtum nicht mehr, sondern zehre von seiner Substanz und zerstöre aktiv den Wohlstand und die Identität der Bürger. Die Bevölkerung befinde sich damit auf einem Verlustpfad, da ihnen laut der Partei frühere Errungenschaften wieder genommen würden. Durch das Verb „zehren“ wird dabei deutlich, dass der Reichtum stark angegriffen und durch den immensen Verbrauch sein Innerstes entkräftet würde. Die darauffolgende Verwendung des Wortes „zerstören“ geht sogar noch einen Schritt weiter, da hiermit impliziert wird, dass sowohl der Wohlstand als auch die Identität der Bevölkerung gewaltsam vernichtet würden. Mit dem in der ersten Zeile verwendeten Einschub „unsere Heimat“ verstärkt die Partei bereits zuvor das Zugehörigkeitsgefühl zum heimischen Bundesland Baden-Württemberg, welches nun aber durch die grün-schwarze Regierung einer großen Gefahr ausgesetzt sei. Es handelt sich hierbei um kulturelles Framing, da die Heimat der Bürger als solche thematisiert wird (vgl. Oswald 2019, S. 59). Die AfD schafft ein innerdeutsches Bedrohungsszenario, für das die Politiker konkurrierender Parteien verantwortlich gemacht werden und vor dem es sich zu schützen gilt. Dieses wird dadurch verstärkt, dass die aktuelle Politik als bürgerfeindlich tituliert wird und dessen Agieren den Interessen der restlichen Bevölkerung zuwiderläuft. Die Politik als Feind stellt demnach einen Gegenspieler dar, welchem Böses unterstellt wird und der besiegt werden muss.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert Framing als linguistisches Werkzeug im politischen Diskurs und erläutert das Ziel der Arbeit, die Framing-Strategien der AfD im Wahlprogramm 2021 zu analysieren.
2. Theoretischer Rahmen: Dieses Kapitel liefert die Grundlagen über die AfD als rechtspopulistische Partei und definiert den wissenschaftlichen Begriff des Framings sowie dessen strategische Anwendung.
3. Framing-Analyse des Kompakt-Wahlprogramms: Der Hauptteil untersucht detailliert die Präambel, Sicherheitspolitik und Migrationsdebatten im Wahlprogramm auf ihre rhetorische Konstruktion und Wirkung hin.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die AfD Framing gezielt zur Exklusion und Stimmungsmache einsetzt, um eine „Wir gegen Die“-Dynamik zu erzeugen und die eigene politische Agenda zu legitimieren.
Schlüsselwörter
Framing, AfD, Landtagswahl, Baden-Württemberg, Wahlprogramm, Rechtspopulismus, Politische Kommunikation, Metaphern, Bedrohungs-Frame, Verlust-Frame, Zuwanderung, Innere Sicherheit, Sprache, Ideologie, Diskursanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie die AfD im Kompakt-Wahlprogramm zur Landtagswahl 2021 in Baden-Württemberg sprachliche Framing-Techniken einsetzt, um komplexe politische Themen in einem bestimmten Licht darzustellen.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Untersuchung?
Der Fokus liegt auf der Präambel des Programms sowie auf den Themenkomplexen „Innere Sicherheit“ und „Zuwanderung“.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die linguistische Analyse der AfD-Rhetorik, um zu verstehen, welche mentalen Konzepte und Emotionen bei den Wählern durch strategisches Framing aktiviert werden sollen.
Welche wissenschaftliche Methode wird für die Analyse verwendet?
Die Arbeit nutzt die Grundlagen der Framing-Forschung und Frame-Semantik, um die Funktion von Metaphern und die selektive Darstellung von Sachverhalten in den Texten der Partei zu dekonstruieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit konkret behandelt?
Im Hauptteil werden die im Wahlprogramm verwendeten Frames (wie Verlust- oder Bedrohungs-Frames) identifiziert und im Kontext politikwissenschaftlicher und soziologischer Theorien erklärt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind Framing, Rechtspopulismus, politische Kommunikation, Identität, Bedrohung und gesellschaftliche Polarisierung.
Wie unterscheidet die AfD in ihrem Programm zwischen „wir“ und „die“?
Die Arbeit zeigt auf, dass die Partei durch eine scharfe Trennung eine „Wir-Gruppe“ (das eigene Volk) gegen eine „Die-Gruppe“ (Migranten oder politische Gegner) konstruiert, um Ängste zu schüren und Zusammengehörigkeit durch Abgrenzung zu erzeugen.
Welche Rolle spielt die Metapher des „Stroms“ in der Analyse der Migrationspolitik?
Der Vergleich mit einem unkontrollierbaren Naturereignis dient laut der Analyse dazu, Zuwanderung als eine gefährliche, bedrohliche Gewalt darzustellen, gegen die sich der Staat und seine Bürger wehren müssen.
Warum verwendet die AfD laut der Untersuchung spezifische Begriffe wie „Asylmissbrauch“ oder „Wirtschaftsflüchtlinge“?
Diese Begriffe sind nach der Analyse gezielt gesetzte Frames, die eine negative Konnotation haben und dazu dienen sollen, Empathie zu unterdrücken und die Solidarität gegenüber Asylsuchenden als unlogisch oder schädlich darzustellen.
Welches Fazit zieht die Arbeit über die Auswirkungen dieser Rhetorik?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass das Framing der AfD darauf abzielt, die Grenzen des Sagbaren zu verschieben und eine autoritäre Weltsicht zu etablieren, die besonders bei Wählern mit Abstiegsängsten verfängt.
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- Anonym (Author), 2021, Wie nutzt die AfD Framing im politischen Wahlkampf? Analyse des Wahlprogramms der Landtagswahl 2021 in Baden-Württemberg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1031709