Digital Leadership. Wie verändert der digitaler Wandel von Organisations- und Unternehmensstrukturen das Führungsverständnis und das Führungsverhalten?


Hausarbeit, 2021

29 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Aufbau der Arbeit

2 Der digitale Wandel
2.1 Definition des Begriffs Digitalisierung
2.2 Megatrend Digitalisierung
2.3 Zusammenhänge zwischen Digitalisierung und Globalisierung
2.4 Zusammenfassung

3 Führung im Zeitalter der Digitalisierung
3.1 Digitale Arbeits- und Organisationsformen
3.2 Digitale Führung
3.2.1 Zentrale Aspekte und Kennzeichen
3.2.2 Herausforderungen

4 Digitale Unternehmenskultur
4.1 Kennzeichen und Merkmale
4.2 Voraussetzungen und zentrale Treiber für die Entwicklung einer digitalen Unternehmenskultur
4.3 Maßnahmen zur Implementierung von Schlüsselelementen einer digitalen Unternehmenskultur

5 Diskussion

6 Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Strategische Pfade Globalisierung und Digitalisierung

Abbildung 2: PERMA-Lead-Modell

Abbildung 3: Charakteristika und Herausforderungen der VUCA-Umwelt

Abbildung 4: Das Drei-Phasen-Modell nach Lewin

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Die Arbeits- und Geschäftswelt wird heute maßgeblich von den zentralen Faktoren Digitalisierung und Globalisierung beeinflusst. Insbesondere die Geschwindigkeit und Bedeutsamkeit des digitalen Wandels dürften aufgrund der Corona-Pandemie weiter zugenommen haben. Dabei sind Veränderungen in sämtlichen Arbeitsbereichen zu beobachten. Diese reichen von der Entwicklung neuer digitaler Arbeitsstrukturen und -prozesse bis hin zur Etablierung neuer Kommunikationsformen. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf Arbeitgeberseite (z.B. sinkende Kosten für Büroflächen), sondern führt v.a. auch zur Umgestaltung der Arbeitsorganisation und Arbeitsabläufe auf Arbeitnehmerseite, wenn man bspw. flexible Arbeitszeiten, Homeoffice oder virtuelle Besprechungen in Betracht zieht, um nur einige Beispiele zu nennen (Garnadt, Schnitzer & Viete, 2020, S. 661–662). Chancen und Risiken, die mit der digitalen Transformation einhergehen, müssen dabei gleichermaßen berücksichtigt werden. Eine entscheidende Rolle nehmen in diesem Kontext vor allem die Führungskräfte ein, da z.B. aufgrund der räumlichen Trennung bei Homeoffice der direkte Informationsaustausch mit den Mitarbeitern erschwert wird (Garnadt et al., 2020, S. 662). Deshalb erachten es die Autoren Schellinger, Tokarski und Kissling-Näf als absolut notwendig, die Führungsperspektive um eine „digitale Unternehmensführung“ zu erweitern (Schellinger, Tokarski & Kissling-Näf, 2020, S. 1–2). Dies ist damit zu begründen, dass es u.a. die Aufgabe der Führungskräfte ist, ihre Mitarbeiter virtuell zusammenzubringen, um das Arbeiten auf diese Art und Weise zu erleichtern. In diesem Kontext muss jedoch gleichzeitig die Frage beantwortet werden, wie die zunehmende Digitalisierung das Führungsverständnis und das Führungsverhalten beeinflusst und inwieweit Veränderungen in diesen Bereichen notwendig sind.

1.2 Zielsetzung

Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern ein digitaler Wandel von Organisations- und Unternehmensstrukturen das Führungsverständnis und das Führungsverhalten beeinflusst. Konkret wird daher der Frage nachgegangen, ob im Zeitalter der Digitalisierung mit der Entwicklung einer neuen digitalen Unternehmenskultur auch die Entstehung von digitaler Führung notwendig ist. Dabei wird zudem untersucht, wie Vertrauen zwischen den Mitgliedern eines virtuellen Teams sowie zwischen Teammitgliedern und der Führungskraft hergestellt und aufrechterhalten werden kann. Im Fokus der Arbeit stehen dabei generell bedeutende Merkmale, Kennzeichen und Herausforderungen digitaler Unternehmen und deren Kultur im Kontext von Führung.

1.3 Aufbau der Arbeit

Die Arbeit beginnt mit der Definition des Begriffs „Digitalisierung“ und der Einordnung dieses Megatrends in Bezug auf Unternehmen und Organisationen, nachdem im ersten Teil auf die Relevanz des Themas hingewiesen wurde. Basierend auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft wird dabei zunächst der Begriff der Digitalisierung definiert, um daraufhin wichtige Entwicklungen und Phänomene im Kontext von Unternehmen und Organisationen während des digitalen Wandels der letzten Jahrzehnte zu erläutern. Anschließend werden Zusammenhänge zwischen der zunehmenden Digitalisierung und der Globalisierung als weiterer Megatrend herausgearbeitet. Darauf aufbauend wird untersucht, inwiefern neue digitale Arbeits- und Organisationsformen ein neues Führungsverständnis benötigen, indem die zentralen Aspekte, Kennzeichen und Herausforderungen einer digitalen Führung dargestellt werden. Dabei erfolgt eine Betrachtung sowohl aus Sicht der Führungskräfte als auch aus dem Blickwinkel der Mitarbeiter. Daran anschließend werden schließlich in Kapitel 4 unter Verweis auf relevante wissenschaftliche Literatur die wesentlichen Kennzeichen und Merkmale einer digitalen Unternehmenskultur aufgezeigt, um daraufhin die Voraussetzungen und zentralen Treiber für die Entwicklung einer solchen Kultur darzulegen sowie konkrete Maßnahmen für die Implementierung der Schlüsselelemente einer digitalen Unternehmenskultur vorzustellen. Zuletzt werden die gesammelten Erkenntnisse in Kapitel 5 diskutiert. Die Arbeit endet mit einer kurzen Zusammenfassung und einem Ausblick.

2 Der digitale Wandel

2.1 Definition des Begriffs Digitalisierung

In Abschnitt 1.1 wurde bereits darauf hingewiesen, dass die Digitalisierung nicht erst seit Beginn der Corona-Pandemie Einflüsse auf die unterschiedlichsten Branchen und Bereiche in der Arbeits- und Geschäftswelt ausübt. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass eine einheitliche Definition des Begriffs im wissenschaftlichen Kontext eine Herausforderung darstellt. Dies ist damit zu begründen, dass eine Erklärung des Ausdrucks immer vom Blickwinkel abhängig ist, aus dem Digitalisierung betrachtet wird. Einen ersten Ansatz für eine Begriffsdefinition liefert schließlich das Gabler Wirtschaftslexikon. Darin wird Digitalisierung betrachtet als „die digitale Umwandlung und Darstellung bzw. Durchführung von Information und Kommunikation oder die digitale Modifikation von Instrumenten, Geräten und Fahrzeugen“ (Bendel, 2018). Obwohl die Formulierung sehr allgemein ist, wird bereits die eben thematisierte Vielseitigkeit des Begriffs deutlich. Zudem weist Bendel im Rahmen seiner Definition darauf hin, dass sich die Zielsetzung von Digitalisierung im Laufe der Jahrzehnte geändert hat. Lag der Fokus im 20. Jahrhundert v.a. darauf, den Privathaushalt und den Arbeitsplatz zu modernisieren sowie Computernetzwerke und Softwareprodukte, wie z.B. Office-Programme, zu entwickeln, so stehen seit Beginn des 21. Jahrhunderts immer mehr disruptive Technologien, innovative Geschäftsmodelle, die Autonomisierung und Flexibilisierung sowie Individualisierung im Vordergrund. Damit ist die Digitalisierung maßgeblich für die Entstehung der vierten industriellen Revolution verantwortlich, welche oftmals auch mit dem Begriff „Industrie 4.0“ gleichgesetzt wird (Bendel, 2018). Darüber hinaus wird in dieser Definition ebenso deutlich, dass Digitalisierung mit digitalem Wandel bzw. der digitalen Transformation einhergeht. Dies wird umso verständlicher, wenn man die Definition der Autoren Schallmo und Rusnjak in die Überlegungen miteinbezieht. Ausgehend von der digitalen Transformation verstehen Schallmo und Rusnjak Digitalisierung „als Vernetzung aller Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft“ (Schallmo, Rusnjak, Anzengruber, Werani & Jünger, 2017, S. 3). Als weiteren wichtigen Aspekt der Digitalisierung führen die Autoren die Fähigkeit an, „relevante Informationen zu sammeln, zu analysieren, und in Handlungen umzusetzen“ (Schallmo et al., 2017, S. 3). Somit lässt sich abschließend zusammenfassend festhalten, dass die Definition von Bendel und die Definition der Autoren Schallmo und Rusnjak in zwei grundlegenden Aspekten übereinstimmen. Zum einen ist Digitalisierung sehr vielfältig und maßgeblich geprägt von Veränderung, sodass der Begriff als „Prozess des sozioökonomischen Wandels“ umschrieben werden kann (Kruse Brandão & Wolfram, 2018, S. 25). Dabei beeinflusst die digitale Transformation nicht nur einzelne Bereiche eines Unternehmens oder vereinzelte Branchen. Vielmehr ist von der Digitalisierung die gesamte Wertschöpfungskette einer Organisation und darüber hinaus nahezu jeder Berufszweig betroffen. Zum anderen hat dieser Wandel zur Folge, dass die Vernetzung und somit der Austausch, die Gewinnung und die Verarbeitung von Daten und Informationen in digitaler Form immer mehr an Bedeutung zunimmt (Kruse Brandão & Wolfram, 2018, S. 25; Schallmo et al., 2017, S. 5). Dies stellt sowohl die Wirtschaft als auch die Gesellschaft vor zentrale Herausforderungen. Gleichzeitig bietet die Digitalisierung jedoch auch Chancen, die es zu erkennen und zu nutzen gilt.

2.2 Megatrend Digitalisierung

Der Megatrend „Digitalisierung“ scheint in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung und Geschwindigkeit zu gewinnen. Auch wenn die genauen Anfänge der Digitalisierung nicht eindeutig datierbar sind, so kann dennoch als Grundlage für die Digitalisierung die Entwicklung von Informationstechnologie definiert werden, welche seit ca. 40 Jahren in unserer Gesellschaft existiert (Kruse Brandão & Wolfram, 2018, S. 23). Hinsichtlich der Entstehung und Entwicklung von Digitalisierung existieren unterschiedliche Phasenmodelle und Betrachtungsperspektiven. Ein etwas vereinfachtes Modell der Autoren Kretschmer, Hirsch-Kreinsen und ten Hompel beschreibt die Digitalisierung zeitlich in zwei Perioden. Demnach umfasst die erste Phase der Veränderung seit Ende der 90er Jahre insbesondere die Sektoren, in denen die Produktion, der Konsum und die Kommunikation unmittelbar auf immateriellen Transaktionen und der Nutzung großer Datenmengen und Informationen bauen (Hirsch-Kreinsen, ten Hompel & Kretschmer, 2020). Als Beispiel kann hier v.a. der digitale Wandel der Zeitungs- und Bücherbranche angeführt werden. Wurden diese Medien vor der Digitalisierung ausschließlich in Papierform bzw. gedrucktem Format verkauft, so hat sich das Konsumverhalten in der heutigen Zeit dahingehend verändert, dass Onlineausgaben und E-Books existieren, die jederzeit von überall abrufbar sind (Kruse Brandão & Wolfram, 2018, S. 23). Die zweite Phase vollzieht sich gemäß dem Modell der Autoren in der aktuellen Zeit. Diese ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass in den unterschiedlichsten Branchen (z.B. Medizin, Automobilbereich) völlig neue Nutzenpotenziale entstehen. Das hat nicht nur zur Folge, dass sich aufgrund der neuen Technologien eine immer stärker werdende Vernetzung mit dem Menschen ergibt, sondern gleichzeitig auch bis dahin unbekannte, neuartige Geschäftsmodelle entstehen (Hirsch-Kreinsen et al., 2020). Beispielhaft für diese Entwicklung ist Amazon. Dabei handelt es sich um eine Online-Plattform, welche den gesamten Einzelhandel mit den unterschiedlichsten Händlern digital abbildet. Dadurch können Kunden Konsumgüter zuhause bestellen und sich diese auch nach Hause liefern lassen. Das Unternehmen hat somit nicht nur ein neues Geschäftsmodell entwickelt, sondern damit gleichzeitig auch den Einzelhandel revolutioniert, da das Kauf- und Konsumverhalten der Kunden in erheblichem Maße durch die neue Geschäftsidee beeinflusst wird (Kruse Brandão & Wolfram, 2018, S. 23–26). Eine ähnliche Entwicklung ist im Automobilsektor zu beobachten. In der Vergangenheit lag der Fokus der Automobilhersteller auf der Entwicklung und dem Verkauf qualitativ hochwertiger Fahrzeuge. In den letzten Jahren ist jedoch vermehrt zu beobachten, dass sich die Fahrzeughersteller, wie bspw. die BMW Group neben dem bisherigen Geschäftsmodell weiterentwickeln, indem sie vermehrt Mobilitätsdienstleistungen anbieten (z.B. das Carsharing-Angebot „DriveNow“ der BMW Group) (Bayerische Motorenwerke AG, o. J.). Dies sind nur einige, wenige Beispiele, die das Ausmaß und die Bedeutung der Digitalisierung verdeutlichen. Aus Sicht der Autoren Kruse Brandão und Wolfram sind für eine derartige Entwicklung v.a. drei zentrale Aspekte als wesentliche Treiber hervorzuheben. Das erste Merkmal diesbezüglich wurde bereits zu Beginn des Abschnitts erwähnt. Die Entstehung neuartiger Informationstechnologien und die damit einhergehende Entwicklung von Software mit eingebetteten Systemen, Sensoren und Aktoren hat dazu geführt, dass heute durchgängige digitale Prozesse in der Produktion und eine zunehmende Interaktion zwischen Menschen, Maschinen und deren Umwelt in vielen Bereichen möglich sind. Als zweiter, zentraler Aspekt ist die ebenfalls bereits angesprochene Entstehung neuartiger Geschäftsmodelle zu erwähnen. Das hat letztlich zur Folge, dass sich das Nutzungsverhalten der Kunden und diverse Märkte verändern. Beispiele hierfür wurden bereits weiter oben in dem vorliegenden Abschnitt eingehend dargestellt, sodass in diesem Zusammenhang nicht mehr detaillierter darauf eingegangen wird. Nicht zuletzt ist als dritter Punkt schließlich die digitale Agenda des Staates anzuführen. Mit Hilfe von unterschiedlichen Förderangeboten und Maßnahmen in den Bereichen Forschung, Entwicklung und Innovationen trägt der Staat maßgeblich dazu bei, dass die Digitalisierung das Wachstum der Wirtschaft beschleunigt (Kruse Brandão & Wolfram, 2018, S. 23–24).

Als weitere wichtige Entwicklung der Digitalisierung thematisiert Eckert neben der anfänglichen Automatisierung einzelner Funktionen die Entstehung des Internets in den 80er und 90er Jahren. Dadurch konnte einerseits nicht nur die Produktivität gesteigert werden, sondern gleichzeitig Zeit und Kosten reduziert werden, indem ganze Wertschöpfungsketten automatisiert und Prozesse zwischen und innerhalb der Unternehmen verbessert wurden (Eckert, 2017, S. 7). Die Weiterentwicklung des Internets hat schließlich dazu geführt, dass die aktuell stattfindende Phase der Digitalisierung gemäß Eckert geprägt ist von der Entwicklung neuer operativer Kompetenzen, um die Wertschöpfungskette noch effizienter zu gestalten. Einen maßgeblichen Beitrag hierzu leisten die sogenannten „social, mobile, cloud and analytics“ (SMAC) Technologien, welche außerdem die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine verbessern sollen (Eckert, 2017, S. 7–8). Dazu zählen ebenso Begriffe wie „Arbeit 4.0“, „Künstliche Intelligenz“ oder das „Internet der Dinge“. Vor allem das zuletzt genannte Phänomen der Digitalisierung, welches oftmals auch als „Internet of things“ (IoT) bezeichnet wird, ermöglicht eine steigende Vernetzung intelligenter Produkte, die über das Internet miteinander verbunden sind. Eine wichtige Rolle dabei spielen Sensoren und Geräte sowie Sender und Empfänger, da hierüber eine Kommunikation mit dem Menschen aufgebaut werden kann. Dies setzt allerdings voraus, dass das Objekt Daten erfassen und Daten über das Internet übertragen kann (Kruse Brandão & Wolfram, 2018, S. 27–32). Die Anwendungsszenarien dabei sind vielfältig und reichen vom sogenannten „Asset Tracking“1 über intelligente und automatisierte Fertigungsverfahren bis hin zu einer höheren Gebäudeenergieeffizienz (Kruse Brandão & Wolfram, 2018, S. 2). Das skizzierte Beispiel des IoT verdeutlicht sehr schön, dass die Digitalisierung zusammenfassend die Welt in eine sogenannte VUCA-Welt transformiert hat. VUCA steht hierbei für Volatilität (= Volatility), Unsicherheit (= Uncertainty), Komplexität (= Complexity) und Mehrdeutigkeit (= Ambiguity) (Ciesielski & Schutz, 2016, S. 4). Daher ist abschließend an dieser Stelle festzuhalten, dass die digitale Transformation aufgrund dieser Entwicklungen und Merkmale der Digitalisierung in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung zunehmen und nahezu sämtliche Branchen beeinflussen wird (Kruse Brandão & Wolfram, 2018, S. 34).

2.3 Zusammenhänge zwischen Digitalisierung und Globalisierung

In den vorangegangenen beiden Abschnitten wurde der Begriff der Digitalisierung definiert sowie zentrale Entwicklungen und Phänomene der letzten Dekaden unternehmensbezogen vorgestellt. Bevor nun Zusammenhänge mit der Globalisierung identifiziert werden können, empfiehlt es sich zunächst, den Begriff „Globalisierung“ zu definieren. In diesem Kontext weisen die Autoren Hüther, Diermeier und Goecke bereits zu Beginn darauf hin, dass Globalisierung sehr vielschichtig und historisch geprägt ist. Dies macht eine Erklärung umso schwieriger (Hüther, Diermeier & Goecke, 2018, S. 11). Dennoch lassen sich nach Ansicht von Hüther, Diermeier und Goecke zwei zentrale Merkmale der Globalisierung hervorheben. Sie definieren den Begriff als „eine weltweite Vernetzung von Akteuren, Organisationen, Prozessen, Strukturen und Märkten“ sowie als „die Herausbildung von globalen Akteuren, Organisationen, Prozessen, Strukturen und Märkten“ (Hüther et al., 2018, S. 14). Davon betroffen sind neben dem Güterhandel auch die Migration und Wissensdiffusion sowie der Kapitalverkehr (Hüther et al., 2018, S. 23). Zusammenfassend kann somit festgestellt werden, dass die Fernbeeinflussung aufgrund der Globalisierung erhöht wird. In Verbindung mit der Digitalisierung ergeben sich dadurch nun sowohl positive wie auch negative Zusammenhänge. Bereits zu Beginn wird anhand der beiden Begriffsdefinitionen (vgl. Abschnitt 2.1) deutlich, dass sowohl die Digitalisierung als auch die Globalisierung sehr vielseitig sind und infolgedessen beide Megatrends die unterschiedlichsten Branchen und Geschäftsfelder beeinflussen. Dies wirkt sich v.a. auf die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle aus, die aufgrund der zunehmenden Globalisierung und Digitalisierung gleichermaßen ermöglicht werden. Dadurch ergibt sich nicht nur ein volkswirtschaftlicher Strukturwandel. Gleichzeitig führt diese Entwicklung zu einer weltwirtschaftlichen Arbeitsteilung, welche wiederum die Bedeutung der Kostenfaktoren, die Richtung der Transaktionsströme und die Geografie des Wirtschaftens beeinflusst. Des Weiteren sind die neuen aufgrund der Digitalisierung entstandenen Kommunikationsformen Treiber der Globalisierung, indem die Gestaltung globaler Wertschöpfungsketten bei steigender Komplexität beschleunigt wird. Dadurch sind große Produktivitäts- und Innovationseffekte zu erwarten, da datenbasiertes Wissen vielseitig und effizient in Echtzeit genutzt werden kann. Dies fördert wiederum die Entstehung von Plattformmärkten (Hüther et al., 2018, S. 293–297). So eignet sich z.B. insbesondere die Verlagerung der Softwareentwicklung in Billiglohnländer unabhängig von der Branche, da aufgrund cloudbasierter Lösungen ein Austausch der Daten in Echtzeit über unbegrenzte Entfernungen möglich ist. Dadurch können Unternehmen Kosten sparen, indem sie auf günstigere Arbeitskräfte zurückgreifen. Gleichzeitig ist in diesem Kontext allerdings auch negativ anzumerken, dass bedingt durch die Globalisierung in Verbindung mit den neuartigen digitalen Kommunikationsformen Arbeitsplätze im Inland wegfallen, wenn diverse Entwicklungsbereiche ins Ausland verlegt werden (Bergamin, Braun & Glaus, 2020, S. 1–2). Als weiterer Aspekt ist zu berücksichtigen, dass die strategische Positionierung von Unternehmen und Organisationen im Kontext der beiden Megatrends immer wichtiger wird, um wettbewerbsfähig zu bleiben. In Bezug auf die strategische Ausrichtung haben Firmen daher nun diverse Möglichkeiten. Diese Zusammenhänge zwischen Digitalisierung und Globalisierung sind in der nachfolgenden Abbildung veranschaulicht und werden im Folgenden kurz erläutert.

[...]


1 Verbindung eindeutig identifizierbarer physischer Objekte mit dem Internet der Dinge.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Digital Leadership. Wie verändert der digitaler Wandel von Organisations- und Unternehmensstrukturen das Führungsverständnis und das Führungsverhalten?
Hochschule
SRH Hochschule Riedlingen
Note
1,0
Autor
Jahr
2021
Seiten
29
Katalognummer
V1031741
ISBN (eBook)
9783346435385
ISBN (Buch)
9783346435392
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Digitalisierung, Führung, Leadership, Unternehmenskultur, Globalisierung, Digitaler Wandel, Change Management, Organisationsformen
Arbeit zitieren
André Müller (Autor), 2021, Digital Leadership. Wie verändert der digitaler Wandel von Organisations- und Unternehmensstrukturen das Führungsverständnis und das Führungsverhalten?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1031741

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