Die Zielsetzung dieser Forschungsarbeit ist es, die Geschlechterrepräsentation in der öffentlich-rechtlichen Kinderwissenssendung PUR+ darzustellen. Darüber hinaus soll eine theoretische Auseinandersetzung mit den wissenschaftlichen Hintergründen der Thematik gewährleistet werden, um schlussendlich die folgende Forschungsfrage beantworten zu können: Wie werden die Geschlechter in der öffentlich-rechtlichen Sendung PUR+ im Laufe des Jahres 2018 dargestellt?
Im Zuge einer Inhaltsanalyse werden hierfür die Akteure der Sendung und ihre Merkmale unter anderem in Hinblick auf ihre Funktion als Experte oder Protagonist, ihr Geschlecht und ihr Alter hin untersucht. Hinzu kommt eine Einordnung des Sendungsthemas in ein entsprechendes Ressort und die Vergabe einer Geschlechtsspezifität für dasselbe.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Die dispositive Struktur der Medien
1.1 Die Medien modellieren den Menschen als kulturelles Wesen
1.2 Unterscheidung „Geschlecht“ und „Gender“ – Geschlechterdifferenz
1.3 Männlichkeit und Weiblichkeit als kulturelle Konstruktionen
2 Die Geschlechterverteilung im Kinderfernsehen
2.1 Die sexualisierte Darstellung von Mädchen- und Frauenfiguren im fiktionalen Kinderfernsehen
2.2 Genderspezifische Charaktereigenschaften
3 Kinder und Medien
3.1 Mediensozialisation
3.2 Kinder als Fernsehrezipienten
3.3 Der Uses-and-Gratifications-Ansatz
3.4 Qualität im Kinderfernsehen
4 Das Kinderfernsehprogramm im öffentlich-rechtlichen Rundfunk
4.1 Die Entwicklungsgeschichte des Kinderfernsehens in Deutschland
4.2 Der Bildungsauftrag in Bezug auf den öffentlich-rechtlichen Kinderkanal KiKA
4.3 Kinderwissenssendungen
4.4 Vorstellung der Sendung PUR+
5 Methodisches Vorgehen
5.1 Grundgesamtheit und die Auswahl der Sendungen
5.2 Wahl der Forschungsmethode
5.3 Stand der Forschung und Hypothesenbildung
5.4 Entwicklung des Forschungsinstruments
5.5 Reliabilität
6 Ergebnisse
6.1 Die Geschlechterverteilung unter den „Experten“ (Hypothese Nr. 1)
6.2 Treten weibliche Experten nur in „weiblichen“ Sendungen auf? (Hypothese Nr. 2)
6.3 Die Geschlechterverteilung unter den „Protagonisten“ (Hypothese Nr. 3)
6.4 Die Unterschiede im Redeanteil der Geschlechter (Hypothese Nr. 4)
6.5 Die Altersverteilung unter den Akteuren (Hypothese Nr. 5)
6.6 Unterbrechungen durch den Moderator in Bezug auf Weiblich- und Männlichkeit (Hypothese Nr. 6)
6.7 Verweis auf den Expertenstatus (Hypothese Nr. 7)
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit besteht in der Untersuchung der Geschlechterrepräsentation in der öffentlich-rechtlichen Kinderwissenssendung PUR+. Die Arbeit analysiert dabei, ob und wie traditionelle Rollenbilder oder geschlechtsspezifische Stereotype innerhalb des Formats abgebildet werden, um zu einer wissenschaftlichen Bewertung des Gleichstellungsstatus im modernen Kinderfernsehen beizutragen.
- Analyse der Geschlechterverteilung bei Akteuren (Experten vs. Protagonisten)
- Untersuchung von Redeanteilen und Unterbrechungen als Indikatoren für Geschlechterrollen
- Evaluierung von Themenressorts hinsichtlich ihrer Geschlechtsspezifität
- Zusammenhang zwischen Alter der Akteure und deren Funktion im Format
Auszug aus dem Buch
1.1 Die Medien modellieren den Menschen als kulturelles Wesen
Die Wege wie die Medien als Dispositiv den Menschen in seiner Wahrnehmung tagtäglich beeinflussen, lassen sich spezifischer als eine Häufung verschiedener Medieneffekte beschreiben.
So sind die Massenmedien verantwortlich für eine neue Form des Zeitgefühls, indem zyklische Zeitformen in lineare Programmstrukturen verpackt werden. Die Zeit wird normiert, Informationen gibt es nur in zeitlich begrenzten Einheiten und es etabliert sich eine notwendige, zeitliche Komprimierung von Vorgängen (Hickethier 2010: 231).
Darüber hinaus formiert sich durch die Medien eine immer stärkere „Zeichenhaftigkeit von Welterfahrung“, die vielfältiger und schwerer zu durschauen ist und die sich zunehmend auch auf „hoch spezialisierte Wirklichkeitsfelder (Börse, soziale Systeme etc.)“ bezieht (ebd.: 231f).
Die vom Zuschauer im Kino eingeübte Aufmerksamkeitsbindung an das zu rezipierende Medium, welche zum einen durch die physische Fixierung in Sitzreihen sowie durch die Abdunkelung des Saals stattfindet, zum anderen durch eine den Blick leitende Dramaturgie und Kameraführung, führt der Mensch automatisiert auch bei Nutzung von Fernsehen und Computer in häuslicher Umgebung weiter (ebd.: 232). Unter dem Stichwort der „Aufmerksamkeitssteuerung“ findet jedoch nicht nur eine dauerhafte Bindung der Aufmerksamkeit an das Medium statt, vielmehr werde eine Vielfalt von Reizen produziert, welche zu „ständiger Ablenkung, Zerstreuung und Destruktion“ auf Seiten des Zuschauers führe (ebd.: 232).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Relevanz der Geschlechterrepräsentation im öffentlich-rechtlichen Kinderfernsehen und definiert die zentrale Forschungsfrage zur Darstellung der Geschlechterrollen in der Sendung PUR+ im Jahr 2018.
1 Die dispositive Struktur der Medien: Hier wird der theoretische Rahmen erörtert, wobei Medien als „Dispositiv“ verstanden werden, das gesellschaftliche Wahrnehmung und Geschlechterkonstruktionen maßgeblich mitprägt.
2 Die Geschlechterverteilung im Kinderfernsehen: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über den Forschungsstand zur Unterrepräsentation von Frauen und die stereotypisierte Darstellung von Geschlechterrollen in Kindersendungen.
3 Kinder und Medien: Die Rezeptionsforschung steht hier im Fokus, insbesondere die Mediensozialisation und die spezifischen Anforderungen von Kindern als Fernsehrezipienten.
4 Das Kinderfernsehprogramm im öffentlich-rechtlichen Rundfunk: Dieser Abschnitt beleuchtet den Bildungsauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und stellt das Format PUR+ als Untersuchungsgegenstand vor.
5 Methodisches Vorgehen: Hier wird die quantitative Inhaltsanalyse als Forschungsmethode begründet, das Codebuch entwickelt und die Hypothesenbildung für die Untersuchung dargelegt.
6 Ergebnisse: In sieben Unterkapiteln werden die erhobenen Daten analysiert und die aufgestellten Hypothesen zu Geschlechterverteilung, Redeanteilen, Alter und Expertenstatus verifiziert oder falsifiziert.
7 Fazit: Das Fazit fasst die empirischen Ergebnisse zusammen und diskutiert die Notwendigkeit eines bewussteren Umgangs mit Rollenbildern in der Redaktionsarbeit.
Schlüsselwörter
Geschlechterrepräsentation, Kinderfernsehen, PUR+, Inhaltsanalyse, Mediensozialisation, Rollenbilder, öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Gender, Expertenstatus, Redeanteil, Stereotypisierung, Bildungsauftrag, Kindermedien, Medienwirkung, Geschlechterverteilung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht kritisch die Darstellung von Geschlechterrollen in der öffentlich-rechtlichen Wissenssendung PUR+ und hinterfragt, inwiefern diese Sendung zur Festigung oder Auflösung von Geschlechterstereotypen beiträgt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Mediensozialisation, die Bedeutung des Bildungsauftrags für öffentlich-rechtliche Sender und die quantitative Analyse der Geschlechterrepräsentation in non-fiktionalen Formaten.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das primäre Ziel ist es, empirisch zu belegen, wie die Geschlechter in der Sendung PUR+ verteilt sind und ob bei Akteuren, die als „Experten“ auftreten, geschlechtsspezifische Unterschiede in Präsenz und Redezeit bestehen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin wählte eine quantitative Inhaltsanalyse, um eine systematische Auswertung der PUR+-Folgen des Jahres 2018 vorzunehmen und so die aufgestellten Hypothesen auf Basis harter Daten zu verifizieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte Theoriearbeit zu Medien und Gender, eine Vorstellung des institutionellen Rahmens des Kinderfernsehens sowie die methodische Auswertung der erhobenen Daten inklusive der Alters- und Funktionsverteilung der Akteure.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich über Begriffe wie Geschlechterrepräsentation, Inhaltsanalyse, Mediensozialisation, Stereotypisierung und den Bildungsauftrag im öffentlich-rechtlichen Rundfunk beschreiben.
Wie unterscheidet sich die Rolle der Experten von der der Protagonisten in PUR+?
Die Studie zeigt, dass Protagonisten in der Sendung häufiger minderjährig und in der Geschlechterverteilung ausgewogener vertreten sind, während in der Gruppe der Experten ein deutliches Übergewicht männlicher Akteure besteht.
Welche Bedeutung kommt dem Alter der weiblichen Akteure in der Sendung zu?
Die Analyse ergibt, dass das Auftreten von Frauen in PUR+ überdurchschnittlich oft mit dem Status „minderjährig“ und der Funktion als „Protagonistin“ korreliert, was eine spezifische Rollenzuweisung andeutet.
- Arbeit zitieren
- Hannah Kersting (Autor:in), 2020, Verteilung der Geschlechter-Rollen im öffentlich-rechtlichen Kinderfernsehen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1031835