Sexueller Missbrauch an Kindern. Auswirkung auf die sexuelle Auslebung im Erwachsenenalter


Hausarbeit (Hauptseminar), 2020

18 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung (Definition sexuellen Missbrauchs an Kindern)

2 Folgen sexuellen Missbrauchs an Kindern
2.1 Sexuelle Dysfunktion
2.1.1 Sexualtrieb (Libido)
2.1.2 Orgasmusfahigkeit
2.1.3 Masturbation
2.2 Paraphilie
2.2.1 Masochismus
2.2.2 Padophilie
2.3 Sexuelle Orientierung
2.3.1 Homosexualitat
2.3.2 Padophilie
2.4 Prostitution

3 Schlussfolgerung

4 Quellenverzeichnis

1 Einleitung (Definition sexuellen Missbrauchs an Kindern)

In Deutschland sind nach offiziellen Angaben 10-18% der Madchen und 5-7% der Jungen durch sexuellen Missbrauch betroffen. Jedoch wird von einer hoheren Dunkelziffer ausgegangen und die Zahlen konnen je nach Definition und Grad des sexuellen Missbrauchs abweichen (Hornberg et al., 2008). Aus mehreren Analysen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht hervor, dass 9,6% aller Kinder und Jugendlichen in Europa Opfer von sexuellen Missbrauchshandlungen werden (Ahlers et al., 2015, S.127). Laut der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) wurden in Deutschland im Jahr 2014 insgesamt 12.134 Falle mit 14.191 Opfern sexueller Missbrauchshandlungen an Kindern polizeilich erfasst (Ahlers et al., 2015, S.127). Diese Zahlen spiegeln jedoch nur das Hellfeld, also alle der Justiz bekannten Falle wieder. Laut einer amerikanischen Studie bringen 91% der Opfer sexueller Gewalt diese Vorfalle nicht zur Anzeige (Ahlers et al., 2015, S.127).

In der Literatur findet sich eine Vielzahl an Definitionen des sexuellen Missbrauchs. Diese Definitionen stimmen in dem Punkt uberein, dass es sich immer um einen sexuellen Gewaltakt gegen den Willen des Kindes handelt, beziehungsweise das Kind nicht in der Lage ist einzuwilligen, da es aus physischen sowie kognitiven Eigenschaften dem Tater unterlegen ist (Prof. Dr. med. M. Graw, 2020).

Nach Leeb wird jeder sexuelle Akt und Kontakt an Kindern als sexueller Missbrauch aufgefasst. Dabei ist es unerheblich, ob dieser versucht oder vollendet wurde und ob ein direkter Korperkontakt bestand oder nicht (Jud, 2015).

In jedem Fall werden die Machtposition und Autoritat der Tater auf Kosten der Kinder ausgenutzt, um eigene Bedurfnisse zu befriedigen.

Andere Autoren wie unter anderem Bange und Deegener (Bange, 1992, S.102) (Bange u. Deegener, 1996, S.135), teilen sexuelle Missbrauchshandlungen nach Intensitatsgraden ein. Es gibt vier Intensitatsgrade des sexuellen Missbrauchs.

Der erste Intensitatsgrad beinhaltet eine leichtere Form des sexuellen Missbrauchs und geschieht ohne Korperkontakt. Dazu zahlen unter anderem: Exhibitionismus, das Beobachten beim Anziehen oder Baden gegen den Willen des Kindes, das Zeigen von Pornographie und anzugliche Bemerkungen.

Bei dem zweiten Intensitatsgrad handelt es sich um wenig intensive Missbrauchshandlungen. Dabei wird versucht, die Geschlechtsteile, die Brust des Kindes anzufassen oder auch sexualisierte Kusse vorzunehmen.

Der dritte Intensitatsgrad wird als intensiver Missbrauch beschrieben. Hierbei handelt es sich um das Beruhren oder Vorzeigen der Geschlechtsteile, sowie den Zwang des Opfers zu masturbieren oder das Masturbieren des Taters vor dem Opfer.

Der vierte Intensitatsgrad ist der intensivste Missbrauch und besteht in der versuchten oder erfolgten analen, oralen oder vaginalen Vergewaltigung des Opfers (Egle et al., 2015, S.14).

Im Folgenden soll nun der Frage nachgegangen werden, wie sich der sexuelle Missbrauch an Kindern auf deren sexuelle Auslebung im Erwachsenenalter auswirkt.

2 Folgen sexuellen Missbrauchs an Kindern

Unter Berucksichtigung des zeitlichen Abstands zwischen Kindesmisshandlung und deren Auswirkungen gilt es zwei Typen von Auswirkungen zu unterscheiden: Die Kurzzeitfolgen stellen den ersten Typ dar und treten ublicherweise innerhalb von zwei Jahren nach dem Missbrauchsbeginn auf. Im Gegensatz zu den Kurzzeitfolgen treten die Langzeitfolgen in der Regel erst spater im Erwachsenenalter oder in der Endphase des Jugendalters auf (Deegener, 2005, S.94).

Kurzzeitfolgen sind einerseits fur den sexuellen Kindesmissbrauch spezifische Verhaltensauffalligkeiten und andererseits psychische und psychosomatische Syndrome und Symptome, die auf den sexuellen Missbrauch zuruckgefuhrt werden konnen. Dies setzt voraus, dass nach professioneller Abklarung Hinweise fur einen fruheren Missbrauch erkennbar sind (Bange et al., 2004, S.318).

Es gibt vier Gruppen von Storungen, in denen haufig Kurzzeitfolgen der sexuellen Kindesmisshandlung auftreten:

Die erste Storungsgruppe beinhaltet emotionale Storungen. Unter emotionale Storungen fallen beispielsweise Angststorungen, Depressionen, Suizidgedanken oder auch ein niedriges Selbstwertgefuhl.

Die zweite Gruppe bilden die somatischen und psychosomatischen Storungen, wie zum Beispiel Verletzungen im genitalen, analen oder oralen Bereich, anhaltende Bauchschmerzen sowie Bettnasse und Einkoten.

Fruhe sexuelle Beziehungen, offenes Masturbieren oder ausufernde Neugier an Sexualitat sind als Teil der dritten Storungsgruppe Beispiele von Storungen des Sexualverhaltens.

Storungen des Sozialverhaltens wie das Weglaufen von Zuhause, Hyperaktivitat, sowie aggressives- oder Ruckzugsverhalten sind Bestandteil der vierten Storungsgruppe (Bange et al., 2004, S.318; Deegener, 2005, S.95).

Bezuglich der Langzeitfolgen von sexuellem Missbrauch ist zu beobachten, dass einige Kurzzeitfolgen, die sich in Form von unterschiedlichen Storungen realisieren konnen, auch noch mehrere Jahre nach dem Missbrauch auftreten konnen. So haben Jugendliche im Alter von 13-18 Jahren, die missbraucht wurden, vermehrt Depressionen, Suizidgedanken oder ziehen sich aus ihrem sozialen Umfeld zuruck. Mit zunehmender Verstandesreife oder der ersten sexuellen Beziehung konnen sich psychische Belastungen entwickeln, die im Kindesalter noch nicht als Symptom erkannt worden sind. Hierbei spricht man von den sogenannten „Sleeper-Effekten“ (Engfer, 2005, S.21).

Da sich psychische Belastungen unter anderem in sexuellen Beziehungen in Form von den o.g. „Sleeper-Effekten“ manifestieren konnen, stellt sich die Frage, inwiefern sich der sexuelle Missbrauch im Kindesalter auf die sexuelle Auslebung im Erwachsenenalter auswirken kann.

Im Folgenden werden die Auswirkungen des sexuellen Missbrauchs auf die sexuelle Funktionsfahigkeit, die sexuelle Praferenz und die sexuelle Orientierung von sexuell misshandelten Kindern erlautert.

2.1 Sexuelle Dysfunktion

Sexueller Missbrauch und Misshandlungen stellen Risikofaktoren fur die Entwicklung psychischer Probleme, sexueller Storungen und sexueller Auffalligkeiten dar (Fergusson et al., 2013, S.664-674). Die Effekte sexuellen Missbrauchs auf die sexuelle Entwicklung werden in diversen Studien thematisiert. So gilt sexualisiertes Verhalten bei Kindern als Folge bzw. Indikator von Missbrauchserfahrungen (Gorgen et al., 2012, S.10). Zudem belegen klinische Erfahrungen, dass sexuelle Storungen im Erwachsenenalter oft vorkommen, wenn eine den Korper und die Sexualitat betreffende Traumatisierung im Kindesalter stattgefunden hat. Das hat zur Folge, dass Sexualitat nicht mehr problemlos erlebt werden kann. Die Probleme der Sexualitat infolge von sexuellen Missbrauchserfahrungen wirken sich unter Umstanden auf wichtige sexuelle Funktionen aus (Egle et al., 2015, S.460).

2.1.1 Sexualtrieb (Libido)

Bezuglich der Auswirkungen von sexuellem Missbrauch auf den Sexualtrieb wurde in Untersuchungen herausgefunden, dass sexuell misshandelte Frauen ein signifikant geringeres Interesse an Sexualitat haben und sexuelle Begegnungen eher vermeiden (Staples et al., 2012, S.341-350; Lutfey et al., 2008, S.957-964). Des Weiteren wurde herausgefunden, dass sich Frauen, die sexuell missbraucht wurden, nach sexuellen Handlungen nur selten zufrieden fuhlen, durch sie weniger erregt werden und sie sexuell weniger ansprechbar sind (Jackson et al., 1990, S.211-221).

2.1.2 Orgasm usfahigkeit

Sexueller Missbrauch im Kindesalter kann sich auch auf die Orgasmusfahigkeit im Erwachsenenalter auswirken. Dabei sind Orgasmusstorungen ein wesentlicher Bestandteil (Bragagna, 2014, S.82). Anhand einer Studie von Jackson (Jackson et al., 1990, S.211-221) erleben sexuell missbrauchte Menschen seltener einen Orgasmus als nicht missbrauchte Menschen. Die Fahigkeit, einen Orgasmus zu erreichen, haben viele in der Kindheit missbrauchte Frauen, jedoch entstehen bei ihnen danach Schuldgefuhle oder sie fuhlen sich danach grundsatzlich schlecht (Hirsch, 1994).

Zu der Frage, ob sich Orgasmusstorungen als Folge von sexuellem Missbrauch im Kindesalter bei Mannern genauso wie bei Frauen finden, behauptet die Studie von Kinzl (Kinzl et al., 1997, S.41-45), dass bei Mannern keine Orgasmusstorungen zu erkennen waren. Andererseits kam es haufig zu Erektionsstorungen und verfruhtem Samenerguss. (Bange, 2007, S.67).

2.1.3 Masturbation

Die Folgen des sexuellen Missbrauchs konnen sich schon im Kindesalter in Form von sexuell nicht altersentsprechendem Verhalten au^ern. So kann es zu Verhaltensweisen kommen, in denen das Kind exzessiv masturbiert oder sich Gegenstande in die Geschlechtsorgane einfuhrt (Beckmann, 2009, S.48; Egle et al., 2015, S.468) .

Die Selbstbefriedigung kann in zwanghafter Form durchgefuhrt werden, um den Parasympathikus zu stimulieren und somit Entspannungsreaktionen hervorzurufen. Das Masturbieren in Gegenwart Anderer sowie das Fortsetzen der Masturbation trotz gegenteiliger Aufforderung sind Verhaltensweisen die auf Missbrauchserfahrungen hinweisen konnen (Bommert, 1993). Dieses Verhalten wird nach dem Jugendschutzgesetz als sexuell verwahrlostes Verhalten eingestuft, jedoch wurde darauf bislang nur mit Heimeinweisungen oder Fremdunterbringungen reagiert, ohne die Grunde fur dieses Verhalten zu hinterfragen (Hartwig, 1990). Eine diesbezugliche Neuorientierung ist zwar zu erkennen, jedoch gibt es immer noch zu geringe Hilfs- und Interventionsmoglichkeiten (Egle et al., 2015, S.469).

Sexueller Missbrauch wirkt sich auch auf das Masturbationsverhalten in der Adoleszenz aus. So wurden Studenten und Studentinnen mit Missbrauchserfahrungen nach der Bewertung von verschiedenen sexuellen Handlungen befragt. Die Masturbation wurde dabei von missbrauchten Frauen als besonders erfreulich beurteilt. Das wurde als ein Zeichen von Uberstimulierung bei gleichzeitiger Angst vor heterosexuellem Kontakt interpretiert (Richter-Appelt, 1998, S.152-159).

Bei Mannern gehoren eine groRe Anzahl an Sexualpartnern, haufige sexuelle Aktivitaten sowie oftmaliges Masturbieren in Verbindung mit dem Konsum von Pornographie zu den am haufigsten auftretenden Folgen des sexuellen Missbrauchs, was als zwanghaftes Sexualverhalten bezeichnet wird (Steever et al., 2001, S.189-204).

2.2 Paraphilie

Die Paraphilie oder auch Storung der Sexualpraferenz wird gemaR dem amerikanischen Diagnosemodul (DSM-IV) sowie der (ICD-10), der Internationalen Klassifikation von Krankheiten, folgendermaRen definiert: Paraphilie sind wiederkehrende, intensive sexuell erregende Fantasien, sexuell dranghafte Bedurfnisse oder Verhaltensweisen, die sich im Allgemeinen auf

1. nicht menschliche Objekte,
2. das Leiden oder die Demutigung von sich selbst oder eines Partners oder
3. Von Kindern oder anderen nicht einwilligenden oder nicht einwilligungsfahigen Personen beziehen und die
4. uber einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten auftreten.

Dabei konnen sie episodisch wie auch obligat auftreten und fuhren zu Leiden oder Beeintrachtigung in sozialen, beruflichen oder anderen Lebensbereichen (Berner & Briken, 2007, S.33).

2.2.1 Masochismus

Eine Form der Paraphilie ist der Masochismus. Sexueller Masochismus bedeutet, sexuelles Vergnugen daraus zu ziehen, dass man gedemutigt, geschlagen, gefesselt oder anderweitig misshandelt wird. Bei einer sexuell masochistischen Storung handelt es sich um sexuellen Masochismus, der erhebliches Leid verursacht oder die tagliche Lebensweise stark beeintrachtigt (Brown, 2019).

Bei Frauen, die sexuelle Missbrauchserfahrungen gemacht haben, veranschaulichen klinische Studien, dass Masochismus als eine Variante des selbstverletzenden Verhaltens hervorgeht. So gehen manche Frauen mit ihren Genitalien so gewaltsam um, wie es der Tater beim Missbrauch getan hat. Beispielsweise masturbieren sie mit Gegenstanden, wodurch sich die Frauen selbst verletzen. Einige Frauen lassen sich von Mannern sadistisch behandeln, so wie sie es in der Vergangenheit durch den Tater erlebt haben (Egle et al., 2015, S.471).

Ob Missbrauchserfahrungen im Kindesalter zu Masochismus fuhren kann, wurde empirisch selten untersucht. Jedoch konnte eine Studie darlegen, dass sexuell missbrauchte Frauen Sexualhandlungen ofter als nicht missbrauchte Frauen masochistisch ausfuhren (Nordling et al., 2000, S.53-63).

2.2.2 Padophilie

Auch die Padophilie stellt eine Storung der Sexualpraferenz dar, die in 2.3.2 genauer behandelt wird.

2.3 Sexuelle Orientierung

Sexuelle Orientierung ist ein Teil der sexuellen Identitat. Darunter versteht man das Begehren eines bestimmten Geschlechts. Unterschieden wird zwischen der Heterosexualitat, bei der Personen nicht das gleiche, sondern das andere Geschlecht begehren, der Homosexualitat, bei der gleichgeschlechtliche Personen geliebt werden, und der Bisexualitat, bei der mehrere Geschlechter begehrt werden. Zudem fallt auch beispielsweise die Asexualitat oder die Padophilie unter die sexuelle Orientierung (Kroll, 2002, S.361). Im folgenden werden die Homosexualitat wie auch die Padophilie im Bezug zur Fragestellung naher betrachtet.

2.3.1 Homosexualitat

Bei Mannern und Frauen mit sexuellen Missbrauchserfahrungen in der Kindheit ist eine homosexuelle Orientierung mit 21-46% haufiger zu finden als in der Normalbevolkerung (Coxell et al., 2000, S.574-578; Tomeo et al., 2001, S.535- 541). Forscher fanden heraus, dass ein Viertel der untersuchten lesbischen

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Details

Titel
Sexueller Missbrauch an Kindern. Auswirkung auf die sexuelle Auslebung im Erwachsenenalter
Hochschule
Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen; Gelsenkirchen
Note
1,0
Jahr
2020
Seiten
18
Katalognummer
V1032071
ISBN (eBook)
9783346438782
ISBN (Buch)
9783346438799
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sexueller, missbrauch, kindern, auswirkung, auslebung, erwachsenenalter
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Sexueller Missbrauch an Kindern. Auswirkung auf die sexuelle Auslebung im Erwachsenenalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1032071

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