Gerade in den Groß- und Mittelstädten aber auch in den Landkreisen wurde den Kommunen schon damals eine hohe Bedeutung in den Integrationsaufgaben beigemessen, da der größte Teil integrationsbezogener Verwaltungsaufgaben auf den Kommunen lastet. Um dieser Bedeutung gerecht zu werden muss die kommunale Integrationsverwaltung strukturell auf verbesserte Koordination und Kooperation ausgerichtet sein. Wie aber kann eine solche Strukturierung aussehen? Einen Ansatz bietet die Möglichkeit der Einführung eines sogenannten integrierten Amtes. Ein solches Amt könnte beispielsweise zur Verbesserung der Koordination von Kursangeboten oder der Vermittlung zu relevanten Dienstleistern dienen. Diese Arbeit soll sich daher im Folgenden mit den Herausforderungen und Chancen der Implementierung eines solchen Amtes auseinandersetzen und im Anschluss in einem kurzen Fazit erläutern, inwiefern diese als sinnvoll und machbar erscheint.
Inhaltsverzeichnis
1. Ausgangslage und Problemfeldanalyse
1.1 Kommunale Akteure in der Integrationsverwaltung
1.2 Bestehende Handlungsempfehlungen
1.2.1 integriertes Amt
1.2.2 Querschnittsamt
2. Integriertes Amt
2.1 One-Stop-Agencies und das NSM
2.2 Integrationsverwaltung im integrierten Amt
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Herausforderungen einer zentralisierten Verwaltungsstruktur in Form eines „integrierten Amtes“ für die kommunale Integrationsverwaltung. Ziel ist es, zu bewerten, inwiefern ein solcher Ansatz zur Verbesserung von Koordination und Effizienz beitragen kann und welche strukturellen sowie politischen Hürden einer Implementierung entgegenstehen.
- Analyse der Akteurslandschaft in der kommunalen Integrationsverwaltung
- Vergleich zwischen integrierten Ämtern und Querschnittsämtern
- Untersuchung der Relevanz von One-Stop-Agencies im Kontext des Neuen Steuerungsmodells (NSM)
- Bewertung von Erfolgsfaktoren und institutionellen Widerständen bei Verwaltungsreformen
- Diskussion der Vereinbarkeit von ordnungsrechtlichen und wohlfahrtsstaatlichen Integrationsaufgaben
Auszug aus dem Buch
1.2.1 integriertes Amt
Eine Möglichkeit ist daher das Schaffen eines integrierten Amtes bzw. eines sog. Fachbereichs. Für eine besonders effektive Performanz eines solchen Amtes, müsste zur Bewältigung des umfassenden Integrationsmanagements eine komplett neue Einheit implementiert werden, welche wiederum möglichst alle relevanten Aufgabenbereiche der Integration im weiteren Sinne koordinieren kann. Dazu würde dann neben der Bearbeitung der ordnungsrechtlichen Migrationsthemen auch die Vermittlung (aller verfügbaren) integrationspolitischen, wohlfahrtsstaatlichen Angebote ermöglicht werden (vgl. Abb. 1).
Hierbei handelt es sich um eine „One-Stop-Agency“, also in diesem Fall eine Behörde oder ein Amt, an welchem (fast) alle notwendigen und freiwilligen Prozedere, die den Bereich der Integration berühren, gebündelt sind und erledigt werden können. Ein Beispiel für einen solchen Ansatz bieten die sog. Welcome-Center in Hamburg oder Dresden (vgl. Brandenstein et al. 2017: 352).
Vorteilhaft bei diesem Ansatz ist einerseits natürlich die vereinfachte Koordination der verschiedenen Aufgaben und Angebote sowie die „»kurzen Wege« für Kunden und Mitarbeiter (…), wodurch Schnittstellenprobleme reduziert werden können.“ (Hafner 2019: 111). Außerdem bietet eine klare Verantwortlichkeit ein verbessertes planbares Verhalten durch die striktere Abgrenzung von Kompetenzen (vgl. Bogumil et al. 2010). Durch die Bündelung von Kompetenzen und Zuständigkeiten können zwar Transferkosten eingespart werden, nichtsdestotrotz sind die Umstrukturierungskosten zu einem integrierten Amt sehr hoch, wobei auch noch ggf. Widerstände, hervorgerufen durch Ressortegoismen, einen wesentlichen Hemmnisfaktor darstellen können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Ausgangslage und Problemfeldanalyse: Dieses Kapitel identifiziert die komplexen Akteursstrukturen der Integrationsverwaltung und erläutert die Notwendigkeit einer effektiven Interessenbündelung zwischen ordnungsrechtlichen und wohlfahrtsstaatlichen Zielen.
1.1 Kommunale Akteure in der Integrationsverwaltung: Es wird dargelegt, dass keine einheitliche Verwaltungsstruktur existiert, was zu einer hohen Abhängigkeit von Landespolitik und lokalen Umwelteinflüssen führt.
1.2 Bestehende Handlungsempfehlungen: Hier werden theoretische Ansätze zur Strukturierung der Verwaltung vorgestellt, wobei insbesondere rechtliche Rahmenbedingungen und Organisationshoheit thematisiert werden.
1.2.1 integriertes Amt: Dieses Kapitel stellt das Modell der "One-Stop-Agency" vor, das durch Bündelung von Kompetenzen die Koordination verbessern soll, aber mit hohen Implementierungskosten verbunden ist.
1.2.2 Querschnittsamt: Es wird die Funktionsweise von Querschnittsämtern erläutert, die Aufgaben aus verschiedenen Ämtern lösen, jedoch häufig an fehlenden Durchsetzungsbefugnissen und der institutionellen Komplexität scheitern.
2. Integriertes Amt: Der Hauptteil analysiert die Vorteile und Probleme einer zentralisierten Struktur unter Berücksichtigung moderner Managementinstrumente.
2.1 One-Stop-Agencies und das NSM: Hier wird der Bezug zum Neuen Steuerungsmodell hergestellt, um zu zeigen, wie Kundenorientierung und Effizienzsteigerung als Treiber für Verwaltungsreformen dienen können.
2.2 Integrationsverwaltung im integrierten Amt: Es wird aufgezeigt, wie eine Unterteilung in Abteilungen (Migration, Integration, Leistung/Unterbringung) die Kooperation erzwingen kann, während gleichzeitig die Schwierigkeiten durch verwaltungsinternen Widerstand und rechtliche Hürden diskutiert werden.
Schlüsselwörter
Kommunale Integrationsverwaltung, Integriertes Amt, Querschnittsamt, One-Stop-Agency, Neues Steuerungsmodell, Verwaltungsmodernisierung, Koordination, Kooperation, Organisationsstruktur, Integrationsmanagement, Migrationssteuerung, Behördenstruktur, Verwaltungsreform, Wohlfahrtsstaat, Kommunale Selbstverwaltung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die organisatorische Gestaltung der kommunalen Integrationsverwaltung und bewertet, ob durch die Einführung zentralisierter Strukturen wie eines „integrierten Amtes“ die Koordination und Effizienz verbessert werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Verwaltungsmodernisierung, die Bündelung von Kompetenzen im Bereich Migration und Integration sowie der Umgang mit Widerständen innerhalb bürokratischer Organisationen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel besteht darin, die Nützlichkeit und die praktische Machbarkeit der Implementierung eines integrierten Amtes in der kommunalen Verwaltung kritisch zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literatur- und Forschungsstandanalyse aktueller Empfehlungen zur Verwaltungsstrukturierung sowie einer kritischen Auswertung von Modellen des Neuen Steuerungsmodells (NSM).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Konzepte der "One-Stop-Agency", das integrierte Amt sowie das Querschnittsamt in ihrer Struktur, Funktionalität und den damit verbundenen Herausforderungen detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Verwaltungsreform, Integrationsmanagement, Koordination und kommunale Selbstverwaltung charakterisiert.
Wie unterscheidet sich das integrierte Amt vom Querschnittsamt?
Während das Querschnittsamt häufig nur eine beratende Funktion innehat und bei der Durchsetzung von Beschlüssen auf die Kooperation dezentraler Einheiten angewiesen ist, zielt das integrierte Amt auf eine gebündelte Verwaltungseinheit mit eigener Kompetenz und Verantwortung ab.
Welche Rolle spielen „weiche Faktoren“ bei der Umstrukturierung?
„Weiche Faktoren“ wie die Change-Bereitschaft der Entscheidungsträger, Ressortegoismen und die Einstellungen der administrativen Akteure sind entscheidend für den Erfolg oder das Scheitern einer Reform.
Warum wird die Umsetzung eines integrierten Amtes als schwierig eingestuft?
Die Umsetzung ist schwierig aufgrund hoher Transformationskosten, komplexer rechtlich-legislativer Hürden sowie des Widerstands der Beschäftigten, die bestehende Strukturen aufgeben müssten.
Welche Bedeutung hat das NSM für diese Arbeit?
Das Neue Steuerungsmodell dient als theoretische Grundlage, um die Möglichkeiten der kundenorientierten Dienstleistung und der Effizienzsteigerung durch betriebswirtschaftliche Ansätze in der öffentlichen Verwaltung zu begründen.
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- David Himmelmann (Author), 2021, Das integrierte Amt in der kommunalen Integrationsverwaltung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1032696