Schützen Kinderrechte vor Adultismus in der Kita? Kinder machen täglich aufgrund ihres Alters Diskriminierungserfahrungen durch Erwachsene oder ältere Kinder. Diese Diskriminierungsform wird Adultismus genannt. Da die Kindertageseinrichtungen (im Folgenden Kita genannt) Teil der Gesellschaft sind, finden Ungleichheit und Diskriminierung auch in dieser statt. Kinder sammeln in Kitas erste Erfahrungen mit öffentlichen Einrichtungen und erwerben soziales Wissen über das Funktionieren einer Gesellschaft.
Aus diesem Grund sind pädagogische Fachkräfte gefordert, sich mit den Prozessen, Machtverhältnissen und entwicklungsfördernden Bedingungen für das Aufwachsen von Kindern auseinanderzusetzen. Da laut Artikel 2 der UN-Kinderrechtskonvention Kinder vor Diskriminierung zu schützen sind, Kinder jedoch täglich Erfahrungen mit Adultismus als Diskriminierungsform machen, stellt sich die Frage, wie Kinder vor Diskriminierung geschützt werden können.
Einen unterstützenden und klärenden Bezugs- und Orientierungsrahmen für die Beantwortung alltäglicher Fragen bietet nach Günnewig und Reitz die UN-Kinderrechtskonvention. Bietet die UN-Kinderrechtskonvention auch für die Auseinandersetzung mit Adultismus einen Bezugs- und Orientierungsrahmen und kann diesem entgegenwirken?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Diskriminierung
3 Adultismus
3.1 Begriffsklärung
3.2 Das adultistische Bild vom Kind
3.3 Die pädagogische Matrix
3.4 Erscheinungsformen
3.4.1 Individuelle Ebene
3.4.2 kulturelle Ebene
3.4.3 institutionelle Ebene
3.4.4 Strukturelle Diskriminierung
3.5 Auswirkungen
4 UN-Kinderrechte
4.1 Geschichte der UN-Kinderrechtskonvention
4.2 Entwicklung der Kinderrechte in Deutschland
4.3 Das Bild vom Kind der UN-Kinderrechtskonvention
4.4 Adultismuskritik an der UN-Kinderrechtskonvention
5 Aus der UN-Kinderrechtskonvention abgeleitete Anforderungen an die pädagogischen Fachkräfte, um Adultismus in der Kita einzudämmen
5.1 Individuelle Ebene
5.2 Kulturelle Ebene
5.3 Institutionelle Ebene
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Forschungsfrage, inwieweit Kinderrechte als Instrument dienen können, um adultistisches Verhalten pädagogischer Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen zu minimieren und Kinder vor dieser spezifischen Diskriminierungsform zu schützen.
- Grundlagen von Diskriminierung und Definition von Adultismus
- Das "adultistische Bild vom Kind" vs. das Bild vom Kind in den UN-Kinderrechten
- Die "pädagogische Matrix" und ihr Einfluss auf Machtverhältnisse in der Kita
- Analyse ausgewählter UN-Kinderrechte als Handlungsanforderung für pädagogische Fachkräfte
- Bedeutung von Selbstreflexion und Biografiearbeit für eine adultismuskritische Pädagogik
Auszug aus dem Buch
3.1 Begriffsklärung
Der Begriff Adultismus setzt sich aus dem englischen Wort adult – übersetzt erwachsen – und der Endung –ismus, welche auf eine gesellschaftliche Machtstruktur verweist, zusammen (vgl. Ritz, 2014, S. 1). Bislang ist Adultismus wenig erforscht. In den 90er Jahren wurde der Begriff erstmalig in den USA im Kontext von Social Justice und den UN-Kinderrechtskonventionen erwähnt (vgl. Redzewski, 2012, S. 24). Adultismus stellt das Machtungleichgewicht zwischen Kindern und Erwachsenen dar. Erwachsene gehen davon aus, dass sie aufgrund ihres Alters „intelligenter, kompetenter, schlicht besser sind als Kinder und Jugendliche“ (Ritz, 2013, S. 165). Aus diesem Grund können sie über diese bestimmen und verfügen (vgl. Czollek et al., 2019, S. 88). Meist entsteht Adultismus in der Konstellation Erwachsener – Kind. Er kann jedoch auch zwischen älteren und jüngeren Kindern auftreten (vgl. Richter, 2013, S. 5). Da Bestimmungsmöglichkeiten über die Anliegen von Kindern und Jugendlichen bei den Erwachsenen liegen, ist Adultismus im Alltag von Kindern und Jugendlichen „omnipräsent“ (Bordo Benavides, 2018, S. 26). Erwachsene verfügen über die Macht, Regeln und Gesetze festzulegen, Tagesabläufe zu bestimmen, Verhalten zu reglementieren uvm.
Ein hervorstechendes Merkmal bei Adultismus ist, dass Erwachsene Regeln aufstellen, die ausschließlich für Kinder gelten (vgl. Richter, 2013, S. 7). Dadurch erleben Kinder, dass sie nicht ernstgenommen und ihre Ansichten eine geringere Bedeutung als die der Erwachsenen haben. Sie erfahren, dass die Macht bei den Erwachsenen liegt (vgl. NCBI Schweiz et al., 2004, S. 11).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Kinderrechte und des Adultismus sowie Vorstellung der zentralen Forschungsfrage.
2 Diskriminierung: Definition und theoretische Einordnung von Diskriminierung sowie Vorstellung der intersektionalen Perspektive und der verschiedenen Ebenen (individuell, kulturell, institutionell).
3 Adultismus: Theoretische Auseinandersetzung mit Adultismus als Machtstruktur, dem Bild vom Kind, der pädagogischen Matrix und den Erscheinungsformen auf verschiedenen Ebenen.
4 UN-Kinderrechte: Historische Herleitung der Kinderrechte, Vorstellung zentraler Akteure und eine kritische Auseinandersetzung mit der UN-Kinderrechtskonvention aus einer adultismuskritischen Perspektive.
5 Aus der UN-Kinderrechtskonvention abgeleitete Anforderungen an die pädagogischen Fachkräfte, um Adultismus in der Kita einzudämmen: Konkrete Anwendung von Kinderrechten auf den Kita-Alltag, gegliedert nach individueller, kultureller und institutioneller Ebene.
6 Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Ausblick auf notwendige weiterführende Entwicklungen in der frühkindlichen Bildung.
Schlüsselwörter
Adultismus, Kinderrechte, Diskriminierung, UN-Kinderrechtskonvention, Kita, Pädagogische Fachkräfte, Machtverhältnisse, Partizipation, Kindeswohl, Vorurteilsbewusste Bildung, Kindheitsbilder, Selbstreflexion, Biografiearbeit, Institutionelle Diskriminierung, Identität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen den Rechten von Kindern und dem Phänomen des Adultismus (der Diskriminierung von Kindern durch Erwachsene) im Kontext des Kita-Alltags.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf Diskriminierungstheorien, dem Konzept des Adultismus, den UN-Kinderrechten und deren praktischer Anwendung in der pädagogischen Arbeit in Kindertageseinrichtungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: „Schützen Kinderrechte vor Adultismus in der Kita?“ Ziel ist es, Möglichkeiten zur Minderung adultistischen Verhaltens aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse basiert und diese mit pädagogischen Handlungsanforderungen verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffs- und Matrixanalyse von Adultismus, die historische und kritische Einordnung der Kinderrechte sowie die konkrete Ableitung von Anforderungen an pädagogische Fachkräfte zur Umsetzung der Kinderrechte auf drei Ebenen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Adultismus, Kinderrechte, Diskriminierung, Kindeswohl und partizipative Pädagogik.
Wie definiert die Arbeit das „adultistische Bild vom Kind“?
Es wird als ein historisch gewachsenes, vorurteilsbehaftetes Bild beschrieben, das Kinder als unfertige, erziehungsbedürftige und machtlose Wesen wahrnimmt, deren Ansichten weniger Bedeutung beigemessen wird als denen Erwachsener.
Warum spielt die Biografiearbeit für pädagogische Fachkräfte eine Rolle?
Da alle Erwachsenen selbst als Kind Adultismus erfahren haben, ist die Auseinandersetzung mit der eigenen Kindheit notwendig, um unbewusste eigene Diskriminierungsmuster zu erkennen und professionell zu reflektieren.
- Arbeit zitieren
- Katrin Häßler (Autor:in), 2020, Adultismus und Kinderrechte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1033248