In dieser Arbeit sollen die möglichen Folgen von Self-Tracking auf die Nutzer_innen genauer untersucht werden. Der Fokus liegt hierbei auf Self-Tracking im gesundheitlichen und sportlichen Bereich. Beispiele hierfür sind in den letzten Jahren immer populärer gewordene Fitness-Armbänder oder Fitness-Apps, mit denen Nutzer_innen ihre eigenen sportlichen Leistungen und Gesundheitszustände verfolgen können. Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht das moderne Self-Tracking, also die Verwendung von beispielsweise den oben genannten Geräten oder Programmen zur Datenaufzeichnung. Die Methode händischer Tagebuchaufzeichnungen über bestimmte Daten steht in dieser Arbeit weniger im Fokus.
In einem ersten Schritt werden die Auswirkungen von Self-Tracking im Allgemeinen betrachtet und einige Beispiele hierzu gegeben. Darauffolgend werden die Auswirkungen zum einen auf die Selbstwahrnehmung und zum zweiten auf das Verhalten der Nutzer_innen genauer beleuchtet: Wie nehmen Nutzer_innen sich selbst wahr, nachdem sie mit Daten über sich selbst in Kontakt gekommen sind? Verändert sich die Selbstwahrnehmung? Inwiefern ändert sich das Verhalten der Nutzer_innen nachdem sie Daten ihre körperlichen Leistungen betreffend erhalten und ausgewertet haben? Motiviert die Dokumentation der eigenen sportlichen Leistungen oder führt diese zu einem eher negativen Druck, der die Nutzer_innen belastet? Sowohl bezüglich der Selbstwahrnehmung als auch des Verhaltens wird zuerst auf mögliche positive und danach auf negative Aspekte eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlegende Auswirkungen von Self-Tracking
3 Auswirkungen auf die Selbstwahrnehmung der Nutzer_innen
3.1 Positive Auswirkungen auf die Selbstwahrnehmung
3.2 Negative Auswirkungen auf die Selbstwahrnehmung
4 Auswirkungen auf das Verhalten der Nutzer_innen
4.1 Positive Auswirkungen auf das Verhalten
4.2 Negative Auswirkungen auf das Verhalten
5 Exkurs: Auswirkungen des Sharings der gesammelten Self-Tracking-Daten
6 Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen des modernen Self-Trackings im Gesundheits- und Sportbereich auf die Selbstwahrnehmung und das Verhalten von Nutzer_innen, wobei insbesondere zwischen positiven Motivationsaspekten und negativen Druckszenarien abgewogen wird.
- Grundlagen und Definition von modernem Self-Tracking
- Einfluss von Tracking-Daten auf die Körperwahrnehmung und Emotionen
- Verhaltensänderungen durch digitale Selbstvermessung
- Soziale Aspekte: Auswirkungen des Sharings von Daten in sozialen Medien
- Gegenüberstellung von Motivation und Leistungsdruck
Auszug aus dem Buch
3.1 Positive Auswirkungen auf die Selbstwahrnehmung
Als erste positive Auswirkung des Self-Trackings ist die verbesserte Körperwahrnehmung zu nennen. Dies bedeutet, dass sich durch das Self-Tracking in bestimmten Bereichen die Wahrnehmung verbessern kann. Scheermesser et al. beschreiben dazu in ihrer Studie: „Teilnehmende der Fokusgruppen berichteten, dass sie durch das Messen ein Gefühl für ihren Puls beim Laufen entwickelt haben“ (2018, S. 60). Das Körpergefühl bezüglich ihrer eigenen Pulsfrequenz verbesserte sich demnach, nachdem die Nutzer_innen diesen mit Self-Tracking-Tools gemessen hatten.
Ebenfalls als positiv am Self-Tracking hervorzuheben ist das Gefühl eines Erfolges, wenn man die Ergebnisse seiner eigenen (sportlichen) Leistung schriftlich vor sich sieht. Hierzu berichtet Duttweiler in ihrem Kongressvortrag über ihre mit Studierenden der Sportwissenschaft geführten Interviews:
„In allen Interviews wird darüber hinaus deutlich, dass die Daten, die durch Self-Tracking-Gadgets generiert werden, Emotionen auslösen. So können sie Anlass zu Stolz und Freude sein: ‚Ich denke, wenn man selbst aufschreibt, dann hat man auch so eine schriftlich [sic!] Bestätigung: o gut. In dem, dass ich es aufschreibe, bin ich in dem Moment stolz darauf, was ich gemacht hab‘ (Interview Lang)“ (2014, S. 9).
Die Studierenden haben nicht länger nur im Kopf, welche Arten von sportlichen und gesundheitlichen Aktivitäten sie durchgeführt haben. Sie schreiben auf, was sie erreicht haben und daraus entsteht ein positives Erlebnis: sie sind stolz auf sich, so viel geschafft zu haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik des modernen Self-Trackings sowie Darlegung der Forschungsfragen hinsichtlich Verhalten und Selbstwahrnehmung.
2 Grundlegende Auswirkungen von Self-Tracking: Erörterung der neutralen Datengrundlage und der Möglichkeit zur Distanzierung, die durch moderne Tracking-Technologien entsteht.
3 Auswirkungen auf die Selbstwahrnehmung der Nutzer_innen: Analyse der emotionalen Folgen und der veränderten Körperwahrnehmung durch kontinuierliche Datenerfassung.
3.1 Positive Auswirkungen auf die Selbstwahrnehmung: Darstellung der verbesserten Körperwahrnehmung und des durch Dokumentation ausgelösten Stolzes.
3.2 Negative Auswirkungen auf die Selbstwahrnehmung: Untersuchung von Frustration, Entfremdung vom Körpergefühl und dem Gefühl des Scheiterns bei unzureichenden Ergebnissen.
4 Auswirkungen auf das Verhalten der Nutzer_innen: Beleuchtung der Veränderungen von Bewegungspraktiken und der Auswahl von Sportarten basierend auf deren Erfassbarkeit.
4.1 Positive Auswirkungen auf das Verhalten: Untersuchung von Eigenverantwortung, Gewohnheitsbildung und sozialer Motivation durch digitale Features.
4.2 Negative Auswirkungen auf das Verhalten: Analyse von Ablenkung durch Technikfokus sowie negativer Emotionen bei Datenverlust oder ungenauen Aufzeichnungen.
5 Exkurs: Auswirkungen des Sharings der gesammelten Self-Tracking-Daten: Betrachtung der neuen sozialen Rollenbilder und des entstehenden Drucks durch das Teilen von Leistungen.
6 Schluss: Fazit über die Ambivalenz des Self-Trackings, das sowohl motivierende als auch belastende Effekte auf die Nutzer_innen haben kann.
Schlüsselwörter
Self-Tracking, Selbstwahrnehmung, Körperwahrnehmung, Fitness-Apps, Sport, Datenerfassung, Leistungsdruck, Motivation, Gesundheitszustand, Digitalisierung, Nutzerverhalten, Quantified Self, Soziale Medien, Selbstoptimierung, Eigenverantwortung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Folgen der modernen digitalen Selbstvermessung, kurz Self-Tracking, auf das Verhalten und die Selbstwahrnehmung der Anwender im sportlichen und gesundheitlichen Kontext.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die Auswirkungen auf das individuelle Körpergefühl, die Motivation zur sportlichen Aktivität, die emotionale Bindung an Tracking-Daten sowie soziale Aspekte des Datenteilens.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit geht der Frage nach, wie sich der Einsatz moderner Self-Tracking-Geräte und -Apps auf das Verhalten und die Selbstwahrnehmung der Nutzer auswirkt und ob diese Effekte eher positiv oder negativ zu bewerten sind.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die verschiedene Studien und Interviews zu den psychologischen und sozialen Folgen von Self-Tracking zusammenführt und kritisch bewertet.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Selbstwahrnehmung und des Verhaltens, jeweils unterteilt in positive und negative Aspekte, ergänzt durch einen Exkurs zum Sharing von Daten.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Self-Tracking, Selbstoptimierung, Körperwahrnehmung, digitale Leistungserfassung sowie das Spannungsfeld zwischen Motivation und Leistungsdruck.
Wie verändert Self-Tracking das Körpergefühl?
Self-Tracking kann einerseits das Körpergefühl schärfen, führt aber andererseits häufig dazu, dass Nutzer den Daten mehr vertrauen als ihren eigenen körperlichen Empfindungen, was zu einer Entfremdung führen kann.
Welche Rolle spielt das "Sharing" von Daten?
Das Teilen der Daten in sozialen Medien kann einerseits die Motivation durch soziale Unterstützung steigern, andererseits erzeugt es einen permanenten Vergleichsdruck, der Stress und Belastung für die Anwender verursachen kann.
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- Nadja Rose (Author), 2021, A healthy habit? Welche Auswirkungen hat modernes Self-Tracking auf Verhalten und Selbstwahrnehmung der Nutzer_innen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1033296