Vor dem Hintergrund einer sich weltweit ausdehnenden Digitalisierung in Marketing und Vertrieb nimmt schrittweise auch die Bedeutung von User Experience (UX) zu. Besonders in der Kommunikation zwischen Kunden und Unternehmen bahnen sich immer größere Veränderungen an, die sich vor allem in zeit- und ortsunabhängiger Kommunikation sowie in ständiger Erreichbarkeit äußern. Somit besteht eine wichtige Herausforderung der heutigen Zeit darin, die gesamte Masse an Informationen zu bündeln und sie so aufzubereiten, dass sie für den Kunden verständlich und nutzbar sind.
Im Rahmen des dargestellten globalen Wandels und angesichts der Tatsache, dass UX einen zunehmend höheren Stellenwert im Marketing einnimmt, ist es wichtig einzuschätzen, inwiefern die Schaffung einer besonderen UX sowie dessen ständige Optimierung rentabel sind. Im nachfolgenden zweiten Kapitel werden vorab die theoretischen Grundlagen der Untersuchung erläutert und wichtige Begrifflichkeiten voneinander abgegrenzt. Darauf aufbauend werden im dritten Kapitel die verschiedenen Methoden zur Einschätzung der Rentabilität von UX aufgezählt. Anschließend wird im Rahmen einer kritischen Würdigung festgestellt, welche Methode zur Nutzenermittlung unter welchem Umstand am geeignetsten ist, bevor im vierten und letzten Abschnitt die wichtigsten Erkenntnisse des Methodenvergleichs zusammengefasst werden. Die vorliegende Arbeit bezieht sich ausschließlich auf UX im digitalen Bereich.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Kosten-Nutzen-Analysen
2.2 User Experience
3 Methoden zur Einschätzung der Rentabilität von User Experience
3.1 Allgemeines Vorgehen bei Kosten-Nutzen-Analysen für User Experience
3.2 Ansätze zur Ermittlung des Nutzens von User Experience
3.2.1 Modellierungsverfahren
3.2.2 Befragungsverfahren
3.3 Ansätze zur Ermittlung der Kosten von User Experience
3.4 Kritische Würdigung der bestehenden Methoden
4 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit verfolgt das Ziel, Methoden zur Einschätzung der Rentabilität von User Experience (UX) im digitalen Kontext zu identifizieren und kritisch zu bewerten. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, wie Unternehmen den Nutzen einer optimierten User Experience quantifizieren und gegenüber den Kosten rechtfertigen können, um die Investitionsentscheidung in UX-Maßnahmen fundiert zu unterstützen.
- Grundlagen der Kosten-Nutzen-Analyse und der User Experience
- Differenzierung zwischen Hard und Soft Benefits im Kontext der UX
- Darstellung von Modellierungsverfahren zur Analyse der User Experience
- Einsatz und Auswertung von Befragungsverfahren wie dem UEQ und der SUS
- Kritische Analyse und Vergleich der vorgestellten Methoden zur Rentabilitätseinschätzung
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Modellierungsverfahren
Das Vorgehen bei Modellierungsverfahren startet mit der Festlegung der Faktoren, durch welche die UX beeinflusst wird. Indikatoren für eine erfolgreiche UX können z.B. die Zufriedenheit, die Joy of Use und die Einfachheit von Usecases sein. Diese werden wiederum von Erfolgsfaktoren wie etwa der Utility, Usability, Ästhetik, Accessibility und der Erfüllung des Markenversprechens positiv oder negativ beeinflusst (vgl. Wörmann, 2014). Um Erfolgsfaktoren greifbarer zu machen, braucht es Attribute, welche im Rahmen des Usability-Tests gemessen werden. Diese können z.B. die Kontinuität, Fehlerraten, Erlernbarkeit, Aufgabenbearbeitungsdauer, Anzahl an Klicks oder Wiedererkennung sein (vgl. Pohlmann, 2017). Mithilfe dieser Parameter können für die Beurteilung der Usability und damit auch der UX kritische Werte ermittelt werden, anhand welcher ein Ist-Soll-Vergleich vorgenommen werden kann (vgl. Stoessel, 2002, S. 76). Anschließend wird die Interaktion zwischen Nutzer und System in eine Reihe distinkter Schritte unterteilt, wobei jeder Schritt mit einer Zeitangabe versehen wird, die für seine Ausführung erforderlich ist (vgl. Weber, 2007, S. 64).
Ein Beispiel für Modellierungsverfahren sind die GOMS-Ansätze, welche als heuristisches quantitatives Maß zur Ermittlung von Interaktionszeiten dienen. Hierbei wird die Interaktion in Ziele, Operatoren, Methoden und Selektionsregeln unterteilt. Der Begriff Ziele meint in diesem Kontext die Ziele des Nutzers, die er durch das Nutzen des Systems erreichen will. Operatoren sind die kleinsten abgrenzbaren Aktionen des Nutzers, welche eine kontextfreie, aber parametrisierbare Dauer aufweisen. Unter Methoden versteht man eine erlernte Abfolge von Operatoren, um die gesetzten Ziele zu erreichen. Zu guter Letzt beinhalten die Ansätze sogenannte Selektionsregeln, welche dazu dienen, eine Auswahl aus möglichen Methoden zu treffen, falls mehrere Methoden für das Erreichen des Ziels vorliegen (vgl. Newell et al., 1985, S. 215-217). Eine spezielle Variante, die aufgrund ihres relativ geringen Aufwands häufig in der Praxis angewendet wird, ist das Keystroke Level Model (KLM-GOMS). Hierbei wird lediglich auf ein Set von essenziellen Operatoren, wie etwa das Drücken eines Buttons oder das Bewegen des Mausezeigers, zurückgegriffen (vgl. Newell et al., 1985, S. 217-219).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die zunehmende Bedeutung von User Experience im digitalen Zeitalter ein und thematisiert die Notwendigkeit, UX-Investitionen hinsichtlich ihrer Rentabilität zu prüfen.
2 Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die Funktionsweise von Kosten-Nutzen-Analysen und grenzt den Begriff der User Experience von verwandten Konzepten wie der Usability ab.
3 Methoden zur Einschätzung der Rentabilität von User Experience: Hier werden unterschiedliche Ansätze zur Ermittlung von Nutzen und Kosten von UX, insbesondere Modellierungs- und Befragungsverfahren, detailliert vorgestellt und kritisch gewürdigt.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Relevanz von Kosten-Nutzen-Analysen für UX zusammen und unterstreicht die Bedeutung regelmäßiger Testungen zur Optimierung nutzerorientierter Designs.
Schlüsselwörter
User Experience, UX, Kosten-Nutzen-Analyse, KNA, Rentabilität, Usability, Modellierungsverfahren, Befragungsverfahren, User Experience Questionnaire, UEQ, System Usability Scale, SUS, Hard Benefits, Soft Benefits, Nutzwertanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Unternehmen die Rentabilität von Investitionen in User Experience (UX) durch den Einsatz von Kosten-Nutzen-Analysen einschätzen und rechtfertigen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die Definition und Bedeutung von UX, die Methodik der Kosten-Nutzen-Analyse sowie die Anwendung spezifischer Messverfahren wie Modellierungs- und Befragungsmethoden.
Welches ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, Methoden aufzuzeigen, mit denen sich der Nutzen von UX-Optimierungen quantifizieren lässt, um fundierte betriebswirtschaftliche Entscheidungen zu treffen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine Literaturanalyse durchgeführt, um bestehende Verfahren der Nutzenermittlung (Modellierung und Befragung) zusammenzutragen, diese zu erläutern und kritisch zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung theoretischer Grundlagen, die detaillierte Beschreibung quantitativer und qualitativer Messverfahren sowie eine kritische Würdigung dieser Methoden für die Praxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie User Experience (UX), Kosten-Nutzen-Analyse (KNA), Rentabilität, Usability, User Experience Questionnaire (UEQ) und System Usability Scale (SUS) bestimmt.
Wie unterscheidet sich der UEQ von der SUS in der Anwendung?
Während der UEQ den Gesamteindruck durch 26 bipolare Wortpaare misst und Design- sowie Benutzungsqualität differenziert, nutzt die SUS zehn Fragen auf einer Likert-Skala, um einen allgemeinen Usability-Wert zu berechnen.
Warum wird im Rahmen von UX-Tests oft eine Kombination aus verschiedenen Methoden empfohlen?
Die Kombination von Modellierungsverfahren für harte, quantifizierbare Fakten (Zeitersparnis) und Befragungsverfahren für weiche Faktoren (Zufriedenheit) ermöglicht eine ganzheitliche Betrachtung des Nutzens.
Was sind "Hard Benefits" im Kontext von UX?
Hard Benefits sind Vorteile, die sich direkt in monetären Größen oder Zeiteinsparungen quantifizieren lassen, wie beispielsweise durch effizientere Arbeitsprozesse oder höhere Erträge.
Was versteht man unter der "Think-Aloud-Methode" bei Usability-Tests?
Bei dieser Methode äußert die Testperson ihre Gedanken und Vorgehensweisen während der Bearbeitung einer Aufgabe laut, was den Versuchsleitern Einblicke in die kognitiven Prozesse und Schwierigkeiten beim Nutzen des Systems gibt.
- Arbeit zitieren
- Karina Riepl (Autor:in), 2019, Die Rentabilität von User Experience. Methoden zur Einschätzung und Kosten-Nutzen-Analysen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1033748