Vergleich der interaktionistischen Rollentheorie Goffmans mit der strukturtheoretischen Rollentheorie Dahrendorfs


Hausarbeit, 2013

17 Seiten, Note: 2,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Allgemeine Informationen und Relevanz der ausgewahlten Rollentheorien

2. Interaktionistische Rollentheorie nach Goffman
2.1 Darstellungen
2.2 Eindrucksmanipulation
2.3 Interaktionsrituale

3. Strukturtheoretische Rollentheorie nach Dahrendorf
3.1 Homo Sociologicus
3.2 Soziale Rolle
3.3 Position und Positionsfeld
3.4 Erwartungsarten
3.5 Bezugsgruppen

4. Gemeinsamkeiten der Rollentheorien nach Goffman und Dahrendorf
4.1 Begriff der Rolle
4.2 Die Bedeutung von Erwartungen
4.3 Vorhandensein von Handlungsspielraumen
4.4 Anwendung des Theater-Modells

5. Unterschiede der Rollentheorien nach Goffman und Dahrendorf
5.1 Deskriptives und erklarendes Modell

6. Zusammenfassung und Interpretation der Ergebnisse

Literaturverzeichnis

1. Allgemeine Informationen und Relevanz der ausgewahlten Rollentheorien

Der Soziologe Erving Goffman ist bekannt fur seine Beobachterperspektive und ana- lytische Betrachtungsweise (vgl. Reiger 1992: II (Vorwort von Kiss)). Er zahlt zu den soziologischen Klassikern, obwohl er keine Theorie entwickelte. Zwar wird im Fol- genden die Rede von Goffmans Rollentheorie sein, jedoch kann diese nicht im her- kommlichen Sinne als Theorie aufgefasst werden, da sie sich zu einem groften Teil auf empirische Beobachtungen stutzt (vgl. Reiger 1992: I (Vorwort von Kiss)). Da er auf die manipulativen Seiten von Interaktionen aufmerksam machte, schuf er einen theoretischen Gegenpol zu den vorherrschenden Theorien seiner Zeit (vgl. Reiger 1992: II (Vorwort von Kiss)). Goffmans Werke losten ein groftes Interesse aus, was sich daran zeigte, dass seine Werke immer wieder neu aufgelegt wurden, sogar in vielen verschiedenen Sprachen (vgl. Reiger 1992: 7). Die Tatsache, dass sich auch andere Wissenschaftler mit seinen Werken beschaftigten zeigt die hohe Bedeutung Goffmans in wissenschaftlichen Kreisen. Seine Arbeiten sind auch in anderen Wis- senschaftsgebieten von Relevanz (vgl. Reiger 1992: 12). „The Presentation of Self in Everyday Life" ist das einflussreichste Buch der modernen Soziologie und das meist gelesene Werk Goffmans (vgl. Jacobsen 2010: 99). Deshalb werde ich mich in dem Kapitel uber Goffmans Rollentheorie hauptsachlich mit dem Inhalt dieses Werkes befassen, wobei ich die deutsche Ubersetzung dieses Buches zugrunde lege. Dane- ben wird auch ein Kapitel aus Goffmans Werk „Interaktionsrituale“ behandelt.

Die Theorie des homo sociologicus ist das einflussreichste rollentheoretische Werk in Deutschland (vgl. Joas 1973: 17). Deshalb werde ich dieses mit Goffmans Rollen- theorie vergleichen. Zunachst werden beide Theorien ausfuhrlich dargestellt und mit anschaulichen Beispielen erlautert, um im Anschluss zentrale Gemeinsamkeiten und Unterschiede festzustellen.

Dahrendorfs strukturtheoretische Rollentheorie entfachte eine umfangreiche soziolo- gische Diskussion uber das Menschenbild des homo sociologicus, die die Rollen- theorie allerdings nicht weiterbrachte (vgl. Joas 1973: 19), da es nicht Dahrendorfs Absicht war, mit dem Modell des homo sociologicus empirische Annahmen aufzustel- len (vgl. Joas 1973: 20). Aus diesem Grund werde ich mich nicht mit diesen Debatten befassen.

Die Darstellung von Goffmans Rollentheorie wird in dieser Arbeit einen grofteren Raum in Anspruch nehmen als die Theorie Dahrendorfs, weil Goffmans Ausfuhrun- gen umfangreicher sind als die Schrift Dahrendorfs.

2. Interaktionistische Rollentheorie nach Goffman

2.1 Darstellungen

Die Darstellung nimmt eine zentrale Rolle in Goffmans Theorie ein. Er bezeichnet die Darstellung als „Gesamtverhalten[...] eines Einzelnen [...], das er in Gegenwart einer bestimmten Gruppe von Zuschauern zeigt und das Einfluft auf diese Zuschauer hat." (Goffman 2010: 23). Bei der Darstellung wird Informationskontrolle betrieben (vgl. Jacobsen 2010: 260). Es wird also nur das dargestellt, was die jeweilige Person dar- stellen will und bestimmte Informationen werden verborgen. Richard Jenkins druckt das folgendermaften aus: „It is the art of attempting to impress others with the self­image that one is intending and attempting to express; getting others to see one as one wants to be seen, with respect to intentions, attitudes, status, access to re­sources, and so on“ (Jacobsen 2010: 260). Goffman spricht in diesem Zusammen- hang auch davon, dass Menschen eine Rolle spielen (vgl. Goffman 2010: 18). Diese wird definiert als „vorherbestimmte[s] Handlungsmuster“ (Goffman 2010: 18), das vor Zuschauern prasentiert wird (vgl. Goffman 2010: 18). Eine Darstellung wird nur vor Zuschauern aufgefuhrt, also nur auf der sogenannten Vorderbuhne. Eine Vorderbuh- ne bezeichnet einen Ort, an dem eine Darstellung vor Zuschauern dargeboten wird (vgl. Goffman 2010: 100). Die Hinterbuhne ist nach Goffman „der zu einer Vorstel- lung gehorige Ort, an dem der durch die Darstellung hervorgerufene Eindruck be- wuftt und selbstverstandlich widerlegt wird.“ (Goffman 2010: 104). Ist eine Person in Anwesenheit einer Bekannten freundlich und hoflich, kann diese bei einem Zusam- mentreffen mit Freunden uber diese Bekannte lastern, wahrend sie dabei nicht an- wesend ist. In diesem Beispiel findet das Gesprach mit der Bekannten auf der Vor- derbuhne statt, weil die Person vor der Bekannten eine Darstellung vorfuhrt. Das Zu- sammentreffen mit den Freunden ereignet sich auf der Hinterbuhne, da hier sichtbar wird, dass das Verhalten der Person nur eine Darstellung war und der Eindruck, der auf der Vorderbuhne hinterlassen wurde auf der Hinterbuhne widerlegt wurde.

Ein Teil der Darstellung ist die Fassade. Diese kann allgemein bezeichnet werden als „standardisiertes Ausdrucksrepertoire", an dem sich eine Person bei ihrer Darstellung 4 bewusst oder unbewusst bedient (Goffman 2010: 23). Die Fassade lasst sich in Buh- nenbild und personliche Fassade unterteilen, wobei die personliche Fassade wiede- rum aus der Erscheinung und dem Verhalten besteht (vgl. Goffman 2010: 24). Im Folgenden werden alle Teile der Fassade erlautert. Das Buhnenbild beinhaltet den raumlichen Aufbau bei der Darstellung (vgl. Goffman 2010: 23). Betrachtet man als Beispiel ein Soziologie-Seminar an der LMU, dann gehoren die gewohnlich U-formig angeordneten Tische sowie der Tisch vor dem U zum Buhnenbild. Typischerweise befindet sich auf dem Platz vor dem U eine Person, die die Stunde leitet. Auch eine Tafel, Projektor, Beamer und die Stuhle gehoren zum Buhnenbild.

Als personliche Fassade charakterisiert Goffman die „Ausdrucksmittel [...], die wir am starksten mit dem Darsteller selbst identifizieren und von denen wir erwarten, daB er sie mit sich herumtragt." (Goffman 2010: 25). Dazu gehoren beispielsweise die Klei- dung, physische Erscheinung, Haltung und der Gesichtsausdruck. Wie bereits er- wahnt, ist die Erscheinung ein Teil der personlichen Fassade. Diese gibt Auskunft uber den sozialen Status und die momentane Situation eines Darstellers. Durch die Erscheinung sind Studierende und Dozent nicht eindeutig zu identifizieren. In der Regel ist der Dozent alter als die Studierenden und kann formlicher gekleidet sein. Werden der soziale Status des Dozenten und der der Studierenden doch erkannt, dann informiert dieser daruber, dass der Dozent wahrend des Seminars arbeitet und die Studierenden ihrem Studium nachgehen, sich also gerade in einer formellen ge- sellschaftlichen Rolle befinden. Das Verhalten einer Person teilt seinem Gegenuber mit, welche Rolle er in der Interaktion einnehmen mochte (vgl. ebd.). Um auf das ge- nannte Beispiel zuruckzukommen: Verhalten die Studierenden sich interessiert, auf- merksam und beteiligen sich an Diskussionen, dann kann dies zeigen, dass sie moti- viert sind. Grenzt der Dozent den Stoff fur die Klausur ein, dann kann dies unter an- derem demonstrieren, dass er von den Studierenden als verstandnisvoller Dozent gesehen werden will, der genau weiB, dass die Studierenden sehr viel zu tun haben.

2.2 Eindrucksmanipulation

Bei der Eindrucksmanipulation geht es darum, bestimmte Storungen zu vermeiden, die bei einer Vorstellung auftreten konnen (vgl. Goffman 2010: 189). Zunachst werde ich mogliche Storungen darstellen und im Anschluss daran Schutzmaftnahmen be- handeln.

Mit unbeabsichtigten Gesten kann ein Darsteller eine Vorstellung in Verruf bringen (vgl. Goffman 2010: 189). Wenn beispielsweise ein Dozent nicht mehr weift, was er sagen wollte und dann in seine Notizen schaut, konnten die Studierenden denken, dass er nicht kompetent ist, weil es den Anschein haben konnte, dass er Zusam- menhange nicht eigenstandig wiedergeben kann.

Eine zweite Art von Storung ist das unpassende Eindringen. Dabei begibt sich ein Auftenstehender unerwartet in eine Vorstellung oder ein Zuschauer erlebt die Dar- steller hinter der Buhne (vgl. Goffman 2010: 189f). Als Beispiel kann ein Dozent ge- nannt werden, der zufallig ein Gesprach von Studierenden mitbekommt, in dem sie uber diesen Dozenten lastern, obwohl sie sich in seiner Anwesenheit nicht entspre- chend auftern. Durch dieses Ereignis erfahrt der Dozent, dass die Studenten ihm gegenuber nur eine Darstellung auffuhren.

Eine weitere Storung, die bei einer Darstellung auftreten kann ist ein Fauxpas. Bei einem Fauxpas handelt es sich um „bewuftte Aussagen oder [...] Handlungen [...] deren volle Bedeutung demjenigen, der sie in die Interaktion einfuhrt, nicht bewuftt ist." (Goffman 2010: 190). Es handelt sich beispielsweise um ein Fauxpas, wenn ein Dozent zu einem Studenten sagt: „Michael, was ist heute los mit Ihnen? Sie sehen aus als ob Sie auf einer Beerdigung sind!" und der Student tatsachlich vor kurzem auf einer Beerdigung war. Da der Dozent davon aber nichts weift, ist ihm nicht be- wusst, dass sein Kommentar unangemessen ist.

Auch eine Szene stellt fur eine Darstellung eine Storung dar. Bei einer Szene ver- nichtet oder bedroht ein Individuum das Trugbild der Ubereinstimmung (vgl. Goffman 2010: 191). Fragt der Dozent zum Beispiel eine Gruppe von Studierenden, wie die Gruppenarbeit lauft und ein Student sagt, dass er alles alleine machen muss, kann dieses Ereignis als Szene bezeichnet werden, weil der Student damit die Gruppe bloftstellt und ihr Verhalten anprangert.

Um Storungen der Darstellung zu verhindern, mussen alle Anwesenden bei einer Interaktion uber bestimmte Eigenschaften verfugen und diese auch einsetzen, um die Darstellung zu retten (vgl. Goffman 2010: 193). Nun werden die notwendigen Eigenschaften erlautert.

Ein Ensemble definiert Goffman als eine Gruppe, die die zusammen eine Rolle er- schafft (vgl. Goffman 2010: 75). Ein Mitglied eines Ensembles besitzt dramaturgische Loyalitat, wenn es vorgibt, bestimmte moralische Pflichten angenommen zu haben, um die Darstellung des Ensembles nicht zu widerlegen (vgl. Goffman 2010: 193). Sagt ein Dozent den Studierenden, dass das was sie an der Universitat lernen nicht relevant ist, sondern nur dazu dient, einen Abschluss vorweisen zu konnen, dann ist er nicht dramaturgisch loyal, weil diese Aussage vermutlich nicht im Sinne der Uni- versitat ist. Eine starke Gruppensolidaritat innerhalb eines Ensembles kann eine mangelnde Loyalitat der Mitglieder verhindern, weil dann Zweifel und Schuldgefuhle seltener aufkommen. Wechselt das Ensemble in regelmaftigen Abstanden das Publi- kum, kann auch eher eine dramaturgische Loyalitat gewahrleistet werden, weil dann seltener Bindungen aufgebaut werden und infolgedessen der Anschein leichter auf- rechterhalten werden kann (vgl. Goffman 2010: 195). Sitzen bei einem Dozenten je- des Semester andere Studierende im Seminar, so fallt es ihm wahrscheinlich leich- ter, dramaturgische Loyalitat aufzubringen, als wenn er jedes Semester dieselben Studierenden betreut.

Fur den Besitz von dramaturgischer Disziplin „muft [ein Ensemblemitglied] intellektuelle und emotionale Anteilnahme an der Tatigkeit, die er darstellt, zur Schau stellen und muft sich zugleich davor huten, von dem eigenen Schauspiel wirklich mitgerissen zu werden, damit er seiner eigentlichen Aufgabe gerecht wird, namlich eine erfolgreiche Vorstellung zu geben." (Goffman 2010: 196).

Hat ein Dozent an einem Tag keine Lust, sein Seminar abzuhalten, dann muss er es trotzdem tun, um seine Darstellung nicht zu gefahrden. Lasst er das Seminar trotz- dem ausfallen, so darf er den Studierenden nicht mitteilen, dass es aufgrund seiner eigenen Unlust ausfiel, damit die dramaturgische Disziplin gegeben ist (vgl. ebd.).

Nach Goffman kann von dramaturgischer Sorgfalt gesprochen werden, wenn eine Darstellung mit Voraussicht und Planung organisiert wird. Dramaturgische Sorgfalt kann beispielsweise sichergestellt werden, wenn ein Ensemble nur Mitglieder auf- nimmt, die loyal und diszipliniert sind, wenn es die Anzahl der Mitglieder moglichst gering halt oder wenn es gibt nur kurze Vorstellungen, um die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Storungen zu verringern (vgl. Goffman 2010: 198f).

Im Folgenden wird es um Schutzmaftnahmen gehen. Diese konnen vom Publikum getroffen werden, um die Darstellung nicht zu gefahrden (vgl. Goffman 2010: 208).

Eine Schutzmaftnahme treffen Auftenseiter, indem sie zum Beispiel keine Bereiche betreten, zu deren Zutritt sie nicht aufgefordert wurden. Wenn sie es doch tun, dann geben sie den Darstellern ein Signal, zum Beispiel eine Mitteilung oder sie klopfen an, um sie vor Zuschauern zu warnen. Dies ist eine Art von Takt. Eine weitere Schutzmaftnahme treffen Auftenseiter, wenn sie sich in horbarer Nahe befinden. Dann tun sie so, als ob sie uninteressiert, unbeteiligt und unaufmerksam sind. Das Publikum muss bei einer Darstellung Aufmerksamkeit und Interesse signalisieren. Aufterdem mussen Widerspruche, Unterbrechungen, Ablenkungen, Fauxpas und Szenen vermieden werden. Die Zuschauer tun so als hatten sie es nicht bemerkt, wenn ein Darsteller irgendetwas macht oder sagt, das mit der bisherigen Darstellung unvereinbar ist. Dies tun sie, um ihm zu helfen. Auch wenn ein Darsteller ein Anfan- ger ist, berucksichtigt das Publikum diese Tatsache (wenn sie davon weift) und spricht den Darsteller nicht auf Storungen der Darstellung an (vgl. Goffman 2010: 208ff.).

Nun soll dargestellt werden, wie sich die Darsteller verhalten mussen, wenn das Pu- blikum Takt zeigt. Ein Darsteller sollte Hinweise des Publikums bemerken und sie entgegen nehmen (vgl. Goffman 2010: 212).

„Zweitens muss der Darsteller, wenn er Tatsachen verschleiern will, dies in Ubereinstimmung mit den Regeln der Etikette tun; er darf sich nicht in eine Lage begeben, aus der ihn keine Ent- schuldigung mehr, auch nicht das gutwilligste Publikum, retten kann." (Goffman 2010: 213).

Zum Beispiel muss ein Darsteller, wenn er nicht die Wahrheit sagt dies auf eine hu- morvolle Weise tun, weil er dann, wenn er ertappt wird die Ausrede verwenden kann, dass seine Aussage nur ein Witz war. Trotz der Techniken der Eindrucksmanipula- tion kann es aber auch zu Storungen kommen (vgl. ebd.).

2.3 Interaktionsrituale

Ehrerbietung und Benehmen stellen Interaktionsrituale dar, die im Folgenden behan- delt werden.

„Mit Ehrerbietung soll die Handlungskomponente bezeichnet werden, durch die symbolisch die Wertschatzung des Empfangers regelmaBig ubermittelt wird oder die Wertschatzung dessen, wofur dieser Empfanger als Symbol oder Reprasentant gilt.“ (Goffman 1986: 64).

Eine Moglichkeit, Ehrerbietung zu zeigen sind zeremonielle Handlungen, wie Begru- Bungen, Komplimente und Entschuldigungen. Goffman nennt sie auch Rituale. Aber auch Anredeformen konnen als Ehrerbietung betrachtet werden (vgl. Goffman 1986: 64ff). Als Beispiel kann hier eine Anrede mit einem Titel wie „Herr Prof. Dr." genannt werden. Ehrerbietung verfolgt den Zweck, eine Beziehung zwischen zwei Menschen darzustellen und zu bestatigen. AuBerdem wird damit Wertschatzung einer anderen Person gegenuber ausgedruckt (vgl. Goffman 1986: 64f). Ehrerbietung kann man sich selbst nicht gewahren, denn man kann sie nur von anderen empfangen (vgl. Goffman 1986: 65).

Auch Vermeidungsrituale stellen eine Form von Ehrerbietung dar. Diese sollen eine Distanz zwischen dem Handelnden und dem Empfanger aufrechterhalten, um die Sphare des Empfangers nicht zu verletzen (vgl. Goffman 1986: 70). So klopft man zum Beispiel an, bevor man das Zimmer einer Person betritt, um ihr Respekt zu er- weisen. Hat man es jedoch mit einer vertrauteren Person zu tun, so ist die notige Dis- tanz, die gewahrt werden muss geringer (vgl. Goffman 1986: 71). Beispielsweise spricht man sich dann mit dem Vornamen an oder fragt auch nach sehr personlichen Dingen. Die verbale Rucksichtnahme ist auch ein bedeutungsvolles Vermeidungsri- tual. „Avoidance rituals preserve a silence about embarrassing or discreditable epi- sodes.“ (Manning 1992: 75). Hat man zum Beispiel zufallig ein privates Telefonge- sprach seines Chefs mit seiner Freundin gehort und spricht ihn nicht auf intime De­tails des Gespraches an, hat man verbale Rucksichtnahme gezeigt.

[...]

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Details

Titel
Vergleich der interaktionistischen Rollentheorie Goffmans mit der strukturtheoretischen Rollentheorie Dahrendorfs
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
2,3
Jahr
2013
Seiten
17
Katalognummer
V1034434
ISBN (eBook)
9783346453044
ISBN (Buch)
9783346453051
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vergleich, rollentheorie, goffmans, dahrendorfs
Arbeit zitieren
Anonym, 2013, Vergleich der interaktionistischen Rollentheorie Goffmans mit der strukturtheoretischen Rollentheorie Dahrendorfs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1034434

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