Für diese Arbeit stellt sich die Frage, inwiefern Ethnizität als Konstrukt als geostrategisches und politisches Mittel von Seiten Russlands genutzt wird, um die eigenen Interessen zu festigen. Es soll zunächst damit begonnen werden, die theoretische Grundlage zu klären, wobei der Schwerpunkt auf dem Prinzip der Ethnizität beruht. Dabei sollen moderne Theorien des Bordering und Othering unterstützend hinzugezogen werden, da sie eine immer wichtigere und eng verflochtene Rolle bei der Auseinandersetzung mit Ethnizität spielen. Die letzteren beiden Theorien werden in dieser Arbeit jedoch nicht in vollem Umfang analysiert, sondern lediglich im erforderlichen Rahmen. Die jüngere Forschungsgeschichte bietet aber genügend Forschungsarbeiten zu den Border-Studies, die sich insbesondere mit alltäglichen Grenzziehungen, sowie geopolitischer Strategien auf globaler Ebene, als auch auf die EU als Staatenkonglomerat und seinen Grenzen beziehen.
Der zweite Teil der Arbeit soll die theoretische Ausarbeitung in die Praxis eingliedern. Zunächst wird ein Querschnitt über die Interessen der großen Parteien des Ukrainekonflikts bereitgestellt, um das Handeln der Akteure besser zu verstehen. An dieser Stelle soll angemerkt werden, dass es sich nicht um eine detaillierte Abfolge der historischen Ereignisse dieses Konflikts handelt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den politischen Interessen Russlands und seiner Reaktion auf „westliche“ Interventionen.
Der zweite Abschnitt des praktischen Teils zielt letztlich auf die Beantwortung der Forschungsfrage ab und verknüpft die theoretischen Grundlagen mit den geopolitischen Interessen. Dabei wird anhand einiger Beispiele gezeigt, wie Russland den Ethnizitätsbegriff ausweitet und benutzt, um seine Einflusssphäre zu stärken und seine Interessen zu manifestieren.
Im Schlussteil soll eine Zusammenfassung ebenso Bestandteil sein, wie weiterführende Fragen, die sich während der Forschungsarbeit ergeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ethnizität im geographisch-soziologischem Kontext
2.1 Ethnizität und seine Begriffsbedeutung
2.2 Wir und die Anderen - Bordering und Othering als Abgrenzungsprozesse
3. Die geopolitische Situation in der Ostukraine – ein Überblick
3.1 Die politische Situation der Ukraine
3.2 Die Interessen Russlands
3.3 Die Interessen „des Westens“
4. Ethnizität als geostrategisches Instrument - russische Minderheit als Mittel zum Zweck?
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die theoretische Konstruktion von Ethnizität sowie die damit verbundenen Abgrenzungsprozesse (Bordering und Othering) im Kontext des Ukraine-Konflikts, um aufzuzeigen, wie Russland die russischsprachige Minderheit instrumentalisiert, um eigene geostrategische und geopolitische Interessen zu verfolgen und zu festigen.
- Theoretische Grundlagen von Ethnizität, Bordering und Othering
- Geopolitische Interessenkonflikte zwischen der Ukraine, Russland und dem Westen
- Rolle von Identitätskonstruktionen und emotionaler Mobilisierung
- Instrumentalisierung ethnischer Minderheiten als geostrategisches Machtmittel
Auszug aus dem Buch
4. Ethnizität als geostrategisches Instrument - russische Minderheit als Mittel zum Zweck?
Nachdem im vorherigen Kapitel die eigentlichen Intentionen, wobei die wohl von Außenstehenden nie zweifelsohne als absolut richtig und festgesetzt verstanden werden können, deutlich gemacht wurden, soll abschließend geklärt werden, unter welchem Vorwand diese Ziele erreicht werden sollen. Die Regierung in Moskau scheint sich dabei der russischen Minderheit in der Ukraine zu bedienen, um eigene Interesse einzufordern. Einige Beispiele für die Instrumentalisierung der ethnischen Russen sollen beschrieben werden. Zur allgemeinen Lage schreibt Feder (Feder 2015): „[…] the conflict in Ukraine as a struggle to protect the rights and lives of ethnic Russians has a potential to further destabilise the region“.
Auffällig im Verlauf der ukrainischen Krise ist der Umgang mit einer identitätsstiftenden und abgrenzenden Wortwahl bestimmter Interessengruppen. Besonders von russischer Seite wird dabei der Heimatbegriff immer häufiger aufgeworfen. Dieser ist mit starken Emotionen konnotiert, der eine klare Verbindung zu einem bestimmten Raum herstellt. Diese emotionale Gefühlslage wird seitens russischer Akteure ausgenutzt, um die klare Verbindung zwischen russisch-Ukrainern und dem „Heimatland Russland“ herzustellen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Kontroversität des Ethnizitätsbegriffs und führt in die Fragestellung ein, wie Russland Ethnizität als geostrategisches Instrument im Ukraine-Konflikt nutzt.
2. Ethnizität im geographisch-soziologischem Kontext: Dieses Kapitel erläutert theoretische Ansätze der Ethnizitätsforschung sowie die Konzepte Bordering und Othering als Mechanismen zur Identitätsbildung und Abgrenzung.
3. Die geopolitische Situation in der Ostukraine – ein Überblick: Das Kapitel bietet einen Überblick über die gegensätzlichen Interessen der Ukraine, Russlands und westlicher Staaten in der aktuellen Krise.
4. Ethnizität als geostrategisches Instrument - russische Minderheit als Mittel zum Zweck?: Hier wird analysiert, wie Russland historische Narrative und emotionale Bindungen nutzt, um die russischsprachige Minderheit in der Ukraine politisch zu instrumentalisieren.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass Ethnizität ein machtvolles Instrument in geopolitischen Konflikten darstellt und betont die Notwendigkeit einer Verständigung innerhalb der pluralistischen Gesellschaft der Ukraine.
Schlüsselwörter
Ethnizität, Geopolitik, Ukraine-Konflikt, Russland, Minderheiten, Bordering, Othering, Identität, Instrumentalisierung, Nationalismus, geostrategische Interessen, Osteuropa, soziale Konstruktion, Machtpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, inwieweit Ethnizität als politisches und geostrategisches Konstrukt von Russland genutzt wird, um Einfluss auf die Ukraine auszuüben und eigene Interessen durchzusetzen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die soziologische Theorie von Ethnizität (inklusive Bordering und Othering), die politische Dynamik des Ukraine-Konflikts und die geostrategischen Interessen der beteiligten Akteure.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu untersuchen, wie die russische Regierung die russischsprachige Minderheit in der Ukraine als Mittel zum Zweck instrumentalisiert, um ihre geopolitische Einflusssphäre zu festigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Ausarbeitung soziologischer Begriffe und deren Anwendung auf aktuelle geopolitische Ereignisse in der Ukraine unter Auswertung bestehender Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen (Ethnizität, Bordering, Othering), die politischen Standpunkte der Ukraine, Russlands und des Westens sowie die praktische Instrumentalisierung der Diaspora.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Ethnizität, Geopolitik, Ukraine, Russland, Bordering, Othering, Identität und Instrumentalisierung.
Welche Rolle spielen die Medien bei der Instrumentalisierung?
Medien werden laut Arbeit als Mittel genutzt, um durch die Projektion einer "erfolgreichen gemeinsamen Vergangenheit" ein starkes Wir-Gefühl zu erzeugen und die Identität der russischen Minderheit in der Ukraine emotional an Russland zu binden.
Wie definiert der Autor das Konzept des "Othering"?
Othering wird als Prozess beschrieben, bei dem durch die gleichzeitige Konstruktion einer Eigengruppe (Wir) und einer Fremdgruppe (Andere) negative Eigenschaften zugeschrieben werden, um die eigene Identität zu stärken und Abgrenzung zu legitimieren.
Warum bezeichnet die Arbeit Ethnizität als "hochemotionales" Instrument?
Weil es sich auf als "authentisch" und "zwingend" wahrgenommene Merkmale wie Abstammung und Kultur bezieht, was rationale Debatten erschwert und ein hohes Konfliktpotenzial birgt.
Wie steht die Arbeit zum Vorwurf eines "Genozids" durch Russland?
Die Arbeit wertet diesen Vorwurf als ein bewusst eingesetztes rhetorisches Mittel russischer Akteure, das an Emotionalität kaum zu überbieten ist, um die Abspaltung prorussischer Regionen vom ukrainischen Kernland zu rechtfertigen.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2019, Ethnizität als geopolitisches Instrument? Russlands Politik in der Ukraine vor dem Hintergrund von Ethnizität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1034855