Wie verhält sich ein guter Freund oder eine gute Freundin? Sozialwissenschaftliche Perspektive (Sachunterricht Klasse 1/2)


Unterrichtsentwurf, 2020

13 Seiten

Anonym


Leseprobe

0. Individuelle Kompetenzentwicklung der Lehrenden

In dieser Stunde lege ich Wert auf eine Stundenplanung, die verschiedenen Differenzierungsstufen passgenau gerecht wird.

1. Thema der Sequenz

Ich - Du - Wir (Beziehungen und Familie leben und gestalten)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Kompetenzen und Standards

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Individuelle Kompetenzentwicklung der Lernenden

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Allgemeine Lernvoraussetzungen

4. Didaktisch-methodische Entscheidungen und Begrundungen

4.1 Begrundung des Themas

Das Auseinandersetzen mit den Eigenschaften eines guten Freundes soll Anschluss an die bereits bestehenden Erfahrungen aus der Lebenswelt der Kinder ermoglichen. Laut Kahlert nehmen Kinder bereits in der Kita stark vereinfachte Unterscheidungen moralischer bzw. nicht moralischer Handlungsweisen und Eigenschaften wahr. Sie unterscheiden zwischen gerecht und ungerecht, zwischen gut und bose sowie zwischen richtig und falsch. Mit der Einordnung der Eigenschaften eines guten Freundes soll die ethische Fachperspektive des Sachunterrichts erschlossen werden, indem die SuS erarbeiten, welche Verhaltensweisen fur eine gelingende Freundschaft wichtig sind. Vorhandene Erfahrungen und Wissen sollen vertieft, Werte einer Freundschaft als Richtschnur eigenen Handelns an die Hand gegeben werden.1

Diese Erweiterung ist fur den Alltag der Kinder, besonders aber fur die Kompliment-Stunden in der Klasse wertvoll. Jeden Freitag gibt es in der Klasse eine feste Kompliment-Zeit, in der die SuS Klassenkameraden Komplimente fur die zuruckliegende Woche machen durfen. Die Kinder freuen sich immer sehr auf diese Zeit und verteilen voller Freude Komplimente. Hauptsachlich sprechen die SuS dann ihren Freunden in der Klasse Komplimente aus. Es werden aber auch Kinder erwahnt, mit denen die SuS nicht befreundet sind, die aber geholfen und unterstutzt haben oder mit denen in der Pause gespielt wurde. Die SuS achten dabei bewusst auf ihre Wortwahl und kennzeichnen Freunde tatsachlich mit dieser Bezeichnung. Bei anderen Kindern wird nur der Name genannt.

Obwohl die SuS mit Feuereifer dabei sind und versuchen, abwechslungsreiche Komplimente zu geben, ist dennoch festzustellen, dass sie haufig die gleichen Verhaltensweisen und Eigenschaften komplimentieren. Die in der Stunde zu erarbeitenden und zu kategorisierenden Eigenschaften sollen das sprachliche wie inhaltliche Repertoire der Kinder im Bezug auf Freundschaften erganzen. Die SuS sollen neue Aspekte von Freundschaft kennenlernen und auf ihre Mitschuler ubertragen. Ziel ist es, die neu gewonnenen Aspekte in der Kompliment-Zeit aktiv anzuwenden. So erweitert und festigt sich der Wortschatz wie auch die soziale Kompetenz nachhaltig. Der Freunde- Pass, der am Ende der Stunde ausgegeben wird, kann anfangs noch eine kleine Stutze sein. Den Kindern ist die Kompliment-Zeit sehr wichtig, neue Komplimente, die in einer Runde noch nicht genannt wurden oder gar zum ersten Mal in der Klasse fallen, werden von den Zuhorern oft mir Applaus belohnt.

Innerhalb der Multiperspektivitat, die der Sachunterricht darlegen soll, werden in dieser Sequenz und Stunde Inhalte der sozialwissenschaftlichen Perspektive eruiert. Die SuS lernen hier u.a. die Vielfaltigkeit ihres personlichen Umfeldes kennen und lernen, Teil gesellschaftlicher Gruppen zu sein. Sie verstehen, dass soziales Handeln und Urteilen sowie das Erkennen guter und schlechter Eigenschaften zur Gestaltung einer Gemeinschaft beitragt. Sie sollen eigene Interessen und Bedurfnisse artikulieren sowie die von anderen benennen. So lernen sie, sich in einer Gemeinschaft zu orientieren sowie sich angemessen zu verhalten, egal ob diese Gemeinschaft privat (Familie, Freunde) oder gesellschaftlich (Schule, Freizeitgruppen) gepragt ist. Personale und soziale Kompetenzen der SuS werden geweckt, gefordert und gestarkt. Wichtig dabei ist, dass der Wille und die Meinung jedes einzelnen gehort und respektiert wird.

Handlungsorientierungen fur soziales Handeln und Urteilen innerhalb eines Sozialgefuges, das zur Gestaltung einer gelingende Gemeinschaft beitragt, sind ubergeordnete Lernziele der Sequenz/ Einheit.2

4.2 Begrundung der Methode

Grundsatzlich ist die Stunde so konzipiert, dass bereits ab dem Stundeneinstieg in allen Phasen das Helfer-System zur Anwendung kommt, indem die Zweitklassler Erstklassler unterstutzen.

Als Stundeneinstieg habe ich mich fur einen Horimpuls in Form des bekannten Kinderlieds „Wir“ von Irmela Brender entschieden. Im Sinne des facherubergreifenden Unterrichts in der SaPh haben die SuS dieses Lied schon einmal im Musikunterricht gehort. Es wurde aber nicht naher besprochen und diente NICHT als Erarbeitungsgrundlage fur einen bestimmten Inhalt. Die SuS haben lediglich die Melodie mitgesummt. Dieser Horimpuls zum Einstieg soll die auditive Wahrnehmung sowie die Kompetenz des Zuhorens und die Konzentrationsfahigkeit schulen.

Zum anderen hat er den Zweck der besonderen Motivation und soll das Interesse der SuS wecken.3

Weil Erst- und Zweitklassler gemeinsam lernen, habe ich ein ein Lied gewahlt, das neben der auditiven Aufbereitung auch in Form einer textlichen und visuellen Komponente zur Verfugung steht, um abzusichern, dass alle SuS den Inhalt erfassen. Erstklassler erfassen den Inhalt auditiv und visuell. Zweitklassler werden auf einer weiteren kognitiven Ebene aktiviert, indem sie die kurzen Strophen des Liedes lesen. Fur schwache Zweitklassler konnen der auditive sowie der visuelle Impuls unterstutzend wirken. Alle SuS sollen das Gehorte, dass 1:1 in Strophenform auf dem 1. Arbeitsblatt notiert ist, mit den zugehorigen Bildern verbinden. Hierbei unterstutzen Zweitklassler die Erstklassler.

Nachdem die SuS das Lied zweimal gehort und die kleine Aufgabe der Bild-Text-Zuordnung vorgenommen haben, erarbeiten die SuS im Klassenverbund, angeregt durch Impulsfragen der LAA, die Leitfrage fur die Stunde: „Wie verhalt sich ein guter Freund?“ Um diesen Sachverhalt zu visualisieren, ist auf der Folie in der Powerpoint-Prasentation die Ausgangslage zur Klarung des Sachverhalts abgebildet - zwei gute Freunde, die schaukeln. Der optische Zusammenhang zwischen den visuellen Impulsen des Fragezeichen-Wolkchens und guten Freunden, die schaukeln soll die Leitfrage „Wie verhalt sich ein guter Freund?“ auch SuS zuganglich machen, die noch nicht lesen konnen.

Die SuS starten direkt in einer Gruppenarbeit in 3er-Formation in die Stunde. Diese wird beibehalten, bis die SuS sich zum zweiten Teil der Erarbeitungs- und der Sicherungsphase im Kinositz einfinden.

Da die Klasse aus acht Zweitklasslern und 16 Erstklasslern besteht, habe ich eine Aufteilung gewahlt, die es ermoglicht, dass jeweils ein Zweitklassler mit zwei Erstklasslern zusammenarbeitet. Aufgaben, Material und Erklarungen sind allerdings so gestaltet, dass der Zweitklassler mit der Unterstutzung zweier Erstklassler nicht uberfordert ist. Alle Materialien bieten neben den textlichen auch auditive oder visuelle Impulse (siehe 4.6. methodisch-didaktische Struktur der Stunde).

Alle Inhalte sind zudem so gestaltet, dass auch die beiden Erstklassler einer Gruppe ohne die Hilfe des Zweitklasslers miteinander ins Gesprach kommen konnen. Das Material, die Aufgabenstellung und die Sitzordnung ermoglicht aber auch eine Differenzierung nach oben, die bei jedem Kind spontan anwendbar ist, falls benotigt (Siehe 4.4. erwartete Schwierigkeiten und DifferenzierungsmaBnahmen).

Die Gruppen mit drei Mitgliedern wurden gewahlt, weil die SuS in der Erarbeitungsphase I, die der Aktivierung eigener Uberlegungen und Erkenntnisse dienen soil, dadurch an einem Gruppen-Produkt arbeiten, das zugleich drei individuelle Meinungen wiedergibt. Das ware bei mehr als drei Gruppenmitgliedern aus Zwecken der Ubersichtlichkeit nicht moglich, ist aber Grundlage fur die Erarbeitungsphase II, welche die Auseinandersetzung mit ausgewahlten AuBerungen und Erkenntnissen sicherstellen soll.

Zudem verdeutlicht ein Arbeitsprodukt, das zugleich drei individuelle Ergebnisse manifestiert, einen Aspekt des Lernzuwachses der Stunde: Die SuS sollen erkennen, dass jedes Kind die Eigenschaften eines Freundes anders kategorisiert. Dass die Werte von Freundschaft bei vermutlich gleichen Schnittmengen sehr individuell in der Anordnung nach Wichtigkeit sind. Diese Erkenntnis etabliert soziales Lernen und emotionale Intelligenz bei den SuS.

Die erste auditive Begegnung mit dem Gegenstand Freundschaft wird zum Thema, indem der Inhalt mit der Perspektive verbunden wird, unterschiedliche Meinungen zu klaren, nach Kahlert eines der wichtigsten didaktischen Ziele des Sachunterrichts.4

Auf einem Gruppen-Arbeitsbogen sollen die SuS in der Erarbeitungsphase I Eigenschaften eines Freundes nach personlicher Wichtigkeit einsortieren, die fur jedes Kind gleich sind und zuvor im Klassenverbund erlautert wurden. Auf dem Arbeitsbogen wird jedem Kind eine Spalte zugewiesen, in die es die Eigenschaften entsprechend der personlichen Wichtigkeit einkleben soll. Die Eigenschaften werden den SuS in Form kleiner Streifen in einem Kuvert zur Verfugung gestellt. Aus zeitokonomischen Grunden wird auf das eigene Ausschneiden verzichtet.

Die Gruppenarbeit in 3er-Formation mit einem Produkt individueller Sichtweisen bietet den SuS eine Arbeitsform, die es Ihnen ermoglicht, eigenstandig Wissen zu ordnen, um sich mit ihrer sozialen Umwelt uberlegt, umsichtig und um Verstandigung mit anderen bemuht, auseinanderzusetzen.5 So soll auch eine methodische Absicherung der Erkenntnisse sichergestellt werden, die veranschaulicht, dass die Prioritaten der Werte von Freundschaft einer subjektiven Auslegung unterliegen.

Ein weiterer Gewinn der Dreier-Gruppen zur Produktion eigenstandiger Ergebnisse ist das Tatige Lernen, eine Grundmaxime des Grundschulunterrichts. Die SuS kommunizieren (sprechen, zuhoren, fragen, diskutieren), kooperieren (unterstutzen, mitarbeiten), konstruieren (schreiben, strukturieren) und reflektieren (beurteilen) durchgehend gemeinsam in der Dreiergruppe sowie in der finalen Sicherung im Klassenverbund.6

Durch diese Form der Kommunikation und Kooperation lernen die SuS miteinander und voneinander. Dieses kooperative Lernen kann am ehesten gelingen, wenn eine weitere Voraussetzung gegeben ist, die in dieser Stunde ebenfalls Berucksichtigung findet: Die SuS sollen in moglichst vielfaltiger Weise angesprochen und aktiviert werden: Auditiv wie visuell, mundlich wie schriftlich und sozial wie emotional. „Je breiter die Schuler aktiviert und zum disziplinierten Miteinander- und Voneinander-Lernen geleitet und veranlasst werden, desto groBer ist die Chance, dass sie (...) ihre unterschiedlichen Talente zur Entfaltung bringen.“7

Fur die Erarbeitungsphase II wechseln die SuS die Sozialform und nehmen im Klassenverbund im Kinositz Platz. So soll gewahrleistet werden, dass alle SuS jederzeit einen Uberblick uber die gesammelten Ergebnisse und daraus resultierend, uber Unterschiede und Gemeinsamkeiten haben. So soll eine Auseinandersetzung mit ausgewahlten Inhalten gewahrleistet werden, welche die Erarbeitungsphase II charakterisiert. Auch Erstklassler ohne Lesekenntnisse konnen hier schnell Assoziationen treffen, da alle Eigenschafts-Streifen mit Bildchen versehen sind. Zusatzlich notierte Eigenschaften werden von den entsprechenden SuS erlautert.

[...]


1 Vgl. Kahlert, S. 239 f.

2 GDSU, Perspektivrahmen Sachunterricht, S. 27-31

3 Vgl. Kahlert, S. 206f.

4 Vgl. ebd., S. 207

5 Vgl. ebd., S. 25

6 Vgl. Klippert, Lernforderung im Fachunterricht 2016, S. 10

7 ebd., S. 13

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Wie verhält sich ein guter Freund oder eine gute Freundin? Sozialwissenschaftliche Perspektive (Sachunterricht Klasse 1/2)
Jahr
2020
Seiten
13
Katalognummer
V1034960
ISBN (eBook)
9783346443144
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kompletter Unterrichtsentwurf für eine Stunde zum Thema Freundschaft in einer jahrgangsübergreifenden Klasse 1/2 in Berlin. Habe sie im Rahmen meines Referendariats gehalten. Aus Datenschutzgründen fehlen die Beschreibung der Lerngruppe sowie aus rechtlichen Gründen die Materialien mit Bildern etc. Unterrichtsbesuche werden in Berlin nicht benotet, Entwurf kam aber super an. :)
Schlagworte
Sachunterricht, Unterrichtsentwurf, Freundschaft, Ich-du-wir, Wie verhält sich ein Freund, Klassenzusammenhalt, Wir-Gefühl, Sozialwissenschaftliche Perspektive Sachunterricht, Gesellscahftswisschschaften, Gruppenarbeit Sachunterrich, Kooperatives Lernen, Sachunterricht Klasse 1, Unterrichtsentwurf Sachkunde 1. Klasse, Thema Freunde Grundschule, Sachunterricht Didaktik, Didaktik Sachukunde, HSK, Klassengemeinschaft stärken
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Anonym, 2020, Wie verhält sich ein guter Freund oder eine gute Freundin? Sozialwissenschaftliche Perspektive (Sachunterricht Klasse 1/2), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1034960

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