Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen bei vorwiegender Bürotätigkeit. Berücksichtigung der psychologischen Modelle der Verhaltens- sowie Verhältnisprävention


Hausarbeit, 2021

32 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkurzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Kardiovaskulare Erkrankungen
2.1 Die Koronare Herzkrankheit
2.2 Angina Pectoris und Myokardinfarkt
2.3 Risikofaktoren

3 Modelle des Gesundheitsverhaltens
3.1 Klassen von Modellen des Gesundheitsverhaltens
3.2 Die sozial-kognitive Theorie von Bandura
3.3 Das transtheoretische Modell der Verhaltensanderung von Prochaska und DiClemente
3.4 Das sozialkognitive Prozessmodell gesundheitlichen Handelns von Schwarzer

4 Modelle der Arbeitsverhaltnisse
4.1 Das Job-Demand-Control-Modell von Karasek und Theorell
4.2 Das Effort-Reward-Imbalance-Modell von Siegrist

5 Praventionsvorschlage fur die Organisation
5.1 Verhaltenspraventive MaBnahmen
5.2 Verhaltnispraventive MaBnahmen

6 Kritische Diskussion
6.1 Modelle des Gesundheitsverhaltens
6.2 Modelle der Arbeitsverhaltnisse
6.3 Starken und Schwachen der erarbeiteten PraventionsmaBnahmen

7 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abkurzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Schematische Darstellung der sozial-kognitiven Theorie von Bandura

(Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Goldgruber, J.: 2012, S. 40)

Abbildung 2: Schematische Darstellung des HAPA-Modells nach Schwarzer (Quelle:

Eigene Darstellung in Anlehnung an Goldgruber, J.: 2012, S. 43)

Abbildung 3: Veranschaulichung des Job-Demand-Control-Modells (Quelle: Eigene

Darstellung in Anlehnung an Eberhard, U., Wulser, M.: 2018, S. 84)

Abbildung 4: Graphische Darstellung des ERI-Modells von Siegrist (Quelle: Eigene

Darstellung in Anlehnung an Eberhard, U., Wulser, M.: 2018, S. 102)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Verhaltenspraventive MaBnahmen zur betrieblichen Pravention kardiovaskularer Erkrankungen (Quelle: Eigene Darstellung)

Tabelle 2: Verhaltnispraventive MaBnahmen zur betrieblichen Pravention kardiovaskularer Erkrankungen (Quelle: Eigene Darstellung)

1 Einleitung

Kardiovaskulare Erkrankungen gehoren zu den haufigsten Erkrankungen der westlichen Welt und stellen auch die haufigste Todesursache dar.1 Ziel dieser Arbeit ist es, aus theoretischen gesundheitspsychologischen Grundlagen, sowohl verhaltenspraventive als auch verhaltnispraventive MaBnahmen zu erarbeiten, die den Mitgliedern einer Organisation, in der vorwiegend Buroarbeiten verrichtet werden, von Nutzen sein sollen. Die erarbeiteten MaBnahmen dienen der Pravention kardiovaskularer Erkrankungen (KVE). Dabei sollen die Risikofaktoren vermieden oder zumindest reduziert und Schutzfaktoren wie z. B. eine gesunde Ernahrung und ausreichend Bewegung gestarkt werden.

Zunachst wird im zweiten Kapitel dargestellt, was KVE sind und wie sie sich in den haufigsten Fallen auBern. AuBerdem werden in diesem Kapitel die Risikofaktoren erlautert, die die Ausbildung von KVE begunstigen konnen. Im dritten Kapitel werden die theoretischen Grundlagen der Gesundheitspsychologie abgebildet. Um Gesundheitsverhalten und dessen Anderung zu erklaren, werden die sozial-kognitive Theorie (SKT) von Bandura, das transtheoretische Modell der Verhaltensanderung (TTM) von Prochaska und DiClemente sowie das sozial-kognitive Prozessmodell gesundheitlichen Handelns (HAPA-Modell) von Schwarzer herangezogen. Diese Modelle bilden die theoretischen Grundlagen fur die verhaltenspraventiven MaBnahmen. Im vierten Kapitel werden die theoretischen Grundlagen zur Verhaltnispravention dargestellt. Um die Wirkung zwischen Gesundheit und Arbeit zu erklaren, werden das Job-Demand-Control-Modell von Karasek und Theorell sowie das Effort-Reward- Imbalance-Modell von Siegrist vorgestellt. Im anschlieBenden Kapitel werden aus den theoretischen Grundlagen abgeleitete konkrete verhaltens- und verhaltnispraventive MaBnahmen zur Pravention von KVE tabellarisch dargestellt. Im sechsten Kapitel findet eine kritische Auseinandersetzung mit den theoretischen Grundlagen und deren empirischen Befunde statt. AuBerdem werden die erarbeiteten verhaltens- und verhaltnispraventiven MaBnahmen kritisch diskutiert. Mit dem siebten Kapitel endet diese Arbeit mit einem Fazit und Ausblick.

2 Kardiovaskulare Erkrankungen

KVE oder auch Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems genannt, sind in Deutschland und der gesamten westlichen Welt die haufigste Todesursache.2 3. Sie verursachen im­mense Kosten sowohl im Gesundheitswesen als auch in der Wirtschaft.4 Im engeren Sinn zahlen zu den kardiovaskularen Erkrankungen alle degenerativen Erkrankungen. Dege- nerativ bedeutet, durch VerschleiB bedingte Erkrankungen. Diese umfassen die arterielle Hypertonie, die periphere arterielle Verschlusskrankheit, die koronare Herzkrankheit (KHK), Herzinfarkt und Apoplex. Im weiteren Sinn zahlen zu den KVE auch nicht dege­nerative Erkrankungen wie Endokarditis, Myokarditis, Perikarditis, Herzklappenfehler, Aneurysmen, Hypertonie und Herz-Rhythmus-Storungen. Im Rahmen dieser Hausarbeit wird im speziellen lediglich auf die KHK eingegangen, da sie die haufigste Form der KVE darstellt, wobei KVE mit der KHK dieselben Risiko- bzw. Schutzfaktoren gemein haben.

2.1 Die Koronare Herzkrankheit

Die KHK zahlt zu den ischamischen Herzkrankheiten. Sie ist dann vorhanden, wenn eine Sauerstoffminderversorgung des Herzens durch eine Verengung der Herzkranzarterien vorliegt. Ist das KoronargefaB vollstandig verschlossen, so entwickelt sich hieraus ein Myokardinfarkt.5 Die KHK auBert sich am haufigsten in Form eines akuten Myokardin- farktes oder der Angina Pectoris.6 AuBerdem kann sie Herz-Rhythmus-Storungen und eine chronische Herzinsuffizienz verursachen.7 Der Myokardinfarkt und Angina Pectoris entstehen durch arteriosklerotische Prozesse der HerzkranzgefaBe.8 Die Arteriosklerose ist eine degenerative Veranderung der BlutgefaBe, wobei Elastizitatsverlust, Regulations- storungen des GefaBtonus und eine Einengung des Arterienlumens aufkommen.9 Als ty- pische Beschwerden der KHK gelten die Angina Pectoris, Dyspnoe oder Synkopen, Angstzustande, Ermudungszeichen, Inappetenz, haufiger Hustenreiz, vermehrte SchweiBneigung, PulsunregelmaBigkeiten und allgemeine Schwache.10

2.2 Angina Pectoris und Myokardinfarkt

Die Angina Pectoris stellt die haufigste Erstmanifestation der KHK dar. Sie ereignet sich dann, wenn die KoronargefaBe bereits erheblich arteriosklerotisch verengt sind. Es ent- stehen brennende und reiBende Schmerzen im Brustraum, die jedoch auch in Arme, Ru- cken-, Nacken-, Hals und Kieferbereich ausstrahlen konnen. Diese Schmerzen treten an- fallartig, ausgelost durch Belastung oder Anstrengung auf.11 Dauern die Beschwerden mehr als 5 Minuten an, so besteht ein lebensbedrohlicher Zustand mit Myokardinfarkt- Gefahr. Beim Myokardinfarkt, auch Herzinfarkt oder akutes Koronarsyndrom genannt, handelt es sich um eine Sauerstoffminderversorgung des Herzmuskels, was zu einem Ab- sterben des Herzmuskelgewebes fuhrt.12 Der Myokardinfarkt entsteht also auf dem Boden einer KHK als Folge eines vollstandigen Verschlusses eines KoronargefaBes.13 Obwohl der Myokardinfarkt sich fur die meisten Patienten aus heiterem Himmel ereignet, konnen im Nachhinein folgende Beschwerden, die als Vorboten betrachtet werden konnen, fest- gestellt werden: Brustenge (Angina Pectoris), Ubelkeit, Angstgefuhle, Unruhe, kalter SchweiB, Luftnot, Schwindel, Schwachegefuhl und Hautblasse. Halten diese Beschwer- den langer als 15 bis 20 Minuten an, so besteht Lebensgefahr mit Verdacht auf akutes Koronarsyndrom.14

2.3 Risikofaktoren

Die KHK stellt ein ausgewiesenes Exempel fur das betrachtliche Risikopotenzial dar, das mit den Lebensstilen in den westlichen Industrienationen in Verbindung gebracht werden kann.15 Die KHK ist eine lebensstilbedingte Erkrankung, welche auch als Zivilisations- erkrankung bezeichnet wird. Hierbei weist der Lebensstil gesundheitsschadliche und ri- sikoreiche Verhaltensweisen auf, die die Entstehung von lebensstilbedingten Erkrankun- gen begunstigen.16 Die bedeutsamsten Risikofaktoren der KVE sind verhaltensbedingt und daher beeinflussbar. Die Interheart-Studie hat in 52 Landern mit 30.000 Teilnehmern neun Risikofaktoren bzw. Schutzfaktoren identifiziert, die zur Vorhersage eines Myokar- dinfarkts bedeutsam sind:17 18 19

- Rauchen
- Diabetes Mellitus
- Hypertonie
- Adipositas
- Abnormale Lipidwerte
- Psychosoziale Faktoren
- UbermaBiger Alkoholkonsum
- Bewegungsmangel
- Ungesunde Ernahrung

Jeder Patient mit manifestem oder auch latentem Diabetes Mellitus ist als potentieller KHK-Patient zu betrachten. Psychosoziale Faktoren, wie beruflicher Stress, finanzielle Belastungen, Ehekrisen, Depressionen, und kritische Lebensereignisse konnen als Risi- kofaktor eine zusatzliche Rolle spielen. Stress zahlt hierbei als ein moglicher Ausloser eines akuten Myokardinfarktes, jedoch seltener als eigenstandiger Teil der Arterioskle 19 rose.

3 Modelle des Gesundheitsverhaltens

Da die Verhaltenspravention an den beeinflussbaren Gesundheits- bzw. Risikofaktoren ansetzt, ist es bedeutsam ein Modell heranzuziehen, das das Verhalten einer Person be- schreibt und optimalerweise vorhersagen kann. Gesundheitsverhalten wird definiert als ein Verhaltensmuster, Handlung, Verhalten oder auch Gewohnheit, die mit der Aufrecht- erhaltung, Wiederherstellung, Forderung oder Verbesserung der Gesundheit zusammen- hang und die Lebenserwartung verlangert.20 21 Gesundheitsverhalten kann auch als Un- terlassung von Risikoverhalten verstanden werden, also wenn gesundheitsgefahrdende Verhaltensweisen vermieden und reduziert werden.22 Zunachst werden die Klassen der Modelle, die Gesundheitsverhalten erklaren, erlautert. Folgend wird die sozial-kognitive Theorie (SKT) von Bandura vorgestellt, anschlieBend das transtheoretische Modell der Verhaltensanderung (TTM) von Prochaska und DiClemente und schlieBlich das sozial- kognitive Prozessmodell gesundheitlichen Handelns (HAPA-Modell) von Schwarzer, welche jeweils ein Modell der drei verschiedenen Klassen darstellen.

3.1 Klassen von Modellen des Gesundheitsverhaltens

Kontinuierliche Pradiktionsmodelle gehen von bestimmten Variablen wie z. B. Selbst- wirksamkeitserwartungen oder Risikowahrnehmung aus, und bewerten diese als pradik- tiv fur ein bestimmtes Gesundheitsverhalten.23 Die Grundannahme dieser Modelle besteht darin, dass Personen auf einem Kontinuum einer Verhaltenswahrscheinlichkeit liegen.24 Dabei erhoht sich mit steigender Auspragung auf den entsprechenden Variablen bzw. Pradiktoren auch die Wahrscheinlichkeit der Verhaltensausubung. Fur PraventionsmaB- nahmen heiBt dies, dass die Personen unabhangig davon, wo sie gerade auf einem ange- nommenen Wahrscheinlichkeitskontinuum stehen, durch die Erhohung der Faktoren na- her in Richtung Verhaltensanderung gelenkt werden konnen. Demnach sollten alle Teil- nehmer gleichermaBen durch dieselben PraventionsmaBnahmen profitieren.25 Im Gegen- satz dazu, gehen Stadienmodelle davon aus, dass ein Verhalten stufenweise verandert wird und diese Stufen bzw. Stadien nacheinander durchlaufen.26 Dies bedeutet, dass die Ziele von Personen auf verschiedenen Stufen, stark voneinander abweichen. Somit rea- gieren diese Personen nur auf Interventionen, die ihrer Veranderungsstufe angepasst sind.27 Hybridmodelle, auch integrative Modelle genannt, kombinieren die Annahmen der kontinuierlichen Pradiktionsmodelle mit denen der Stadienmodelle.28

3.2 Die sozial-kognitive Theorie von Bandura

Die SKT von Bandura stellt eines der kontinuierlichen Pradiktionsmodelle des Gesund- heitsverhaltens dar. In dieser Theorie wird angenommen, dass Ziele (Intentionen) maB- geblich beeinflussen, ob ein Verhalten geandert oder aufrechterhalten wird. AuBerdem werden diese Ziele (Intentionen) durch die Selbstwirksamkeitserwartungen bestimmt.29 Es wird weiter angenommen, dass kognitive, motivationale, emotionale und aktionale Prozesse durch subjektive Erwartungen, und zwar vor allem durch Selbstwirksamkeits- erwartungen und Handlungsergebniserwartungen gesteuert werden.30 Die Variablen bzw. Kernannahmen der Theorie, deren Einfluss von den Zielen (Intentionen) mediiert werden, sind:

- die Selbstwirksamkeitserwartungen (SWE)
- die Handlungsergebniserwartungen (HEE) sowie
- soziokulturelle, behindernde und unterstutzende Faktoren (z. B. soziale Unterstut- zung).31

Die SWE haben einen direkten Einfluss auf das Verhalten, wahrend die HEE und sozio- kulturellen Faktoren indirekt uber die Ziele (Intentionen) wirken. Die HEE und soziokul- turellen Faktoren wiederum werden durch die SWE beeinflusst.32 In Abbildung 1 wird dies vereinfacht schematisch dargestellt. Knoll et al. geben als Beispiel einen Herzpati- enten, der daruber nachdenkt sein koronares Risiko durch eine Ernahrungsumstellung zu senken.33 Dies geschieht wahrscheinlich durch Abwagung der Vor- und Nachteile der Ernahrungsumstellung. Dies kann in Form von HEE geschehen, also den Konsequenzen,

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Schematische Darstellung der sozial-kognitiven Theorie von

Bandura (Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Goldgruber, J.: 2012, S. 40) die fur das eigene Handeln erwartet werden.34 Diese HEE konnen sowohl positiv als auch negativ ausfallen und bestehen aus folgenden Komponenten:35 36

- physische Komponenten („Wenn ich Sport mache, werde ich fitter“)
- soziale Komponenten („Wenn ich einen Halbmarathon schaffe, werde ich aner- kannt“)
- selbstevaluative Komponenten („Wenn ich sportlich was leiste, kann ich stolz auf mich sein.“)

Der Herzpatient konnte als positive HEE denken: „Wenn ich meine Ernahrung umstelle, dann senke ich das Risiko fur einen Herzinfarkt.“ Er konnte jedoch auch eine negative HEE haben: „Wenn ich mich gesunder ernahre, schmeckt mir das Essen nicht mehr.“ Hat der Herzpatient eine positive HEE, so sagt dies noch nichts daruber aus, ob er sein Vor- haben auch tatsachlich umsetzten und durchhalten wird. Ausschlaggebend hierfur ist die SWE.34 35 36 37 Diese umfasst die Einschatzung der eigenen Kompetenz, ein Verhalten auch an- gesichts von Schwierigkeiten ausfuhren zu konnen.38 Dies bedeutet, dass der Herzpatient sein Verhalten trotz uberwiegender Vorteile nicht andern wird, da er es sich selbst nicht zutraut sein Essverhalten langfristig zu verandern. Nach Bandura sind die SWE und die HEE wichtige Pradiktoren fur Verhalten und Ziele.39 Bandura nennt vier Quellen, durch die die Selbstwirksamkeit beeinflusst wird:40

- direkte (eigene) Erfahrungen
- indirekte/stellvertretene Erfahrungen (Modelllernen)
- verbale Verstarkung (durch Uberredung/Zuspruch)
- physiologische und affektive Zustande

Eigene Erfahrungen beeinflussen die SWE am starksten, gefolgt vom Modelllernen, also dem Lernen durch Vorbilder. Einen geringeren Einfluss hat die verbale Verstarkung durch Uberredung oder Zuspruch durch das soziale Umfeld. Den geringsten Einfluss ha- ben die physiologischen und affektiven Zustande.41

3.3 Das transtheoretische Modell der Verhaltensanderung von Prochaska und DiClemente

Das TTM ist den Stadienmodellen zuzuordnen und stellt davon das bekannteste dar. Ur- sprunglich wurde es im Rahmen der Rauch erentwohnung entwickelt, jedoch findet es inzwischen in vielen Bereichen der Gesundheitsverhaltens Anwendung.42 In diesem Mo- dell werden sechs Stadien bzw. Stufen unterschieden:43 Prakontemplation, Kontempla- tion, Vorbereitung, Handlung, Aufrechterhaltung und Termination. In der Phase der Prakontemplation ist sich die Person nicht bewusst, dass eine Verhaltensanderung not- wendig ist. Sie hat nicht vor ihr Verhalten in den nachsten sechs Monaten zu verandern.44 Bleiben wir beim Beispiel des Herzpatienten. Dieser konnte vom Arzt informiert werden, dass er dringend seinen Lebensstil andern muss, da er bereits Beschwerden hat. Dann denkt der Herzpatient daruber nach, sein Verhalten zu andern, da ihm nun ein Anlass gegeben ist. Er hat dabei aber noch keine konkreten Vorstellungen. Dies beschreibt die Stufe der Kontemplation. Auf dieser Stufe befinden sich Personen, die uber eine Verhal- tensanderung innerhalb der nachsten sechs Monate, nicht aber innerhalb des nachsten Monats nachdenken.45 In der Vorbereitungsphase hat der Herzpatient eine konkretes Ziel- verhalten, das er innerhalb des nachsten Monats anstreben mochte und plant dieses und bereitet sich darauf vor. Dies konnte so aussehen, dass er sich eine Jahreskarte fur das Schwimmbad besorgt und sich gesunde Rezepte heraussucht. In der Handlungsphase setzt er sein Zielverhalten seit mindestens einem Tag und langstens seit sechs Monaten um und versucht dieses aufrechtzuerhalten. Hierfur bedarf es einiger Anstrengungen. In der Phase der Aufrechterhaltung stabilisiert der Herzpatient seine Verhaltensanderung durch aktive Vermeidung von Ruckfallen. Dies erfordert nun deutlich weniger Anstren- gungen als in der vorherigen Phase. Diese Phase dauert bis zu funf Jahre an.46 Auf der letzten Stufe, der Termination, hat der Herzpatient seine Verhaltensanderung langfristig erfolgreich aufrechterhalten. Es besteht nun ein sehr geringes Ruckfallrisiko, da keine Anstrengungen zur Aufrechterhaltung der Verhaltensanderung erfordert werden. Die Verhaltensanderung ist schlieBlich zur Gewohnheit geworden. AuBerdem verfugt der Herzpatient nun uber eine hohe SWE und verspurt keinerlei Versuchung mehr, in sein altes riskantes Verhaltensmuster zuruckzufallen.4748495051525354555657

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 Vgl.: Hofer, S.: 2018, S. 679

2 Vgl.: Grande, G.: 2007, S. 81

3 Vgl.: Hofer, S.: 2018, S. 679

4 Vgl.: Grande, G.: 2007, S. 81

5 Vgl.: Fritzsche, K. et al.: 2016, S. 168

6 Vgl.: Hofer, S.: 2018, S. 679

7 Vgl.: Beise, U. et al.: 2013, S. 51

8 Vgl.: Hofer, S.: 2018, S. 679

9 Vgl.: Beise, U. et al.: 2013, S. 68

10 Vgl.: Lollgen, H.: 2019, S.3

11 Vgl.: Beise, U. et al.: 2013, S. 51

12 Vgl.: Gehring, J., Klein, G.: 2015, S. 19 f.

13 Vgl.: Beise, U. et al.: 2013, S. 53

14 Vgl.: Gehring, J. et al.: 2015, S. 21

15 Vgl.: Maaz, A. et al.: 2007, S. 8

16 Vgl.: Knoll, N. et al.: 2017, S. 184

17 Vgl.: Grande, G.: 2007, S. 83

18 Vgl.: Hofer, S.: 2018, S. 679

19 Vgl.: Lollgen, H.: 2019, S. 2

20 Vgl.: Knoll, N. et al.: 2017, S. 26

21 Vgl.: Lippke, S., Renneberg, B.: 2006, S. 35

22 Vgl.: ebenda

23 Vgl.: Schwarzer, R.: 2004, S.39

24 Vgl.: Knoll, N. et al.: 2017, S. 26

25 Vgl.: Heuse, S., Knoll, N.: 2018, S. 244

26 Vgl.: Lippke, S., Schuz, B.: 2020, S. 303

27 Vgl.: Schneider, W.: 2006, S. 427

28 Vgl.: Heuse, S., Knoll, N.: 2018, S. 251

29 Vgl.: Lippke, S. et al.: 2019, S. 3

30 Vgl. Knoll, N. et al.: 2017, S. 28

31 Vgl.: Renneberg, B., Hammelstein, P.: 2006, S. 42

32 Vgl.: Schwarzer, R.: 2004, S.61

33 Vgl.: Knoll, N. et al.: 2017, S. 28

34 Vgl.: Schwarzer, R. 2004, S. 62

35 Vgl.: Renneberg, B., Hammelstein P.: 2006, S. 42

36 Vgl.: Lippke, S., Schuz, B.: 2020, S. 301

37 Vgl.: Knoll, N. et al.: 2017, S. 28

38 Vgl.: Daniel, S., Jansen, L.: 2018, S 38

39 Vgl.: Knoll, N. et al.: 2017, S. 29

40 Vgl.: Jerusalem, M.: 2018, S. 133

41 Vgl.: Renneberg, B., Hammelstein, P.: 2006, S. 44

42 Vgl.: Scholz, U., Schwarzer, R.: 2005, S. 397

43 Vgl.: Faltermaier, T.: 2017, S. 216

44 Vgl.: Vogt, I.: 2018, S. 3 f.

45 Vgl.: Faltermaier, T.: 2017, S. 216

46 Vgl.: Scholz, U., Schwarzer, R.: 2005, S.398

47 Vgl.: Schneider, W.: 2006, S. 428

48 Vgl.: Goldgruber, S.: 2012, S. 42

49 Vgl.: Heuse, S., Knoll, N.: 2018, S. 252

50 Vgl.: Goldgruber, J.: 2012, S. 43

51 Vgl.: Faltermaier, T.: 2017, S. 214

52 Vgl.: Heuse, S., Knoll, N.: 2018, S. 252

53 Vgl.: Goldgruber, J.: 2012, S. 43

54 Vgl.: Lippke, S. et al.: 2019, S. 6

55 Vgl.: Schneider, W.: 2006, S. 429

56 Vgl.: Goldgruber, J.: 2012, S. 43

57 Vgl.: Lippke, S. et al.: 2019, S. 6

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen bei vorwiegender Bürotätigkeit. Berücksichtigung der psychologischen Modelle der Verhaltens- sowie Verhältnisprävention
Hochschule
SRH Hochschule Riedlingen
Note
1,3
Autor
Jahr
2021
Seiten
32
Katalognummer
V1035076
ISBN (eBook)
9783346444158
ISBN (Buch)
9783346444165
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kardiovaskuläre Erkrankungen, Verhältnisprävention, Verhaltensprävention, Modelle des Gesundheitsverhaltens, Modelle der Arbeitsverhältnisse, sozial-kognitive Theorie, Transtheoretisches Modell der Verhaltensänderung, HAPA-Modell, Job-Demand-Control-Modell, Effort-Reward-Imbalance-Modell
Arbeit zitieren
Nathalie Chatman (Autor:in), 2021, Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen bei vorwiegender Bürotätigkeit. Berücksichtigung der psychologischen Modelle der Verhaltens- sowie Verhältnisprävention, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1035076

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