Leistungsbeurteilung durch Noten im Mathematikunterricht. Ist sie sinnvoll?


Hausarbeit, 2021

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmung

3. Formen der Leistungsfeststellung

4. Formen der Leistungsbeurteilung

5. Funktionen von Noten

6. Argumente für Noten im Mathematikunterricht

7. Kritik

8. Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Nahezu jeder Mensch strebt nach Leistung und beruflichem Erfolg, was in der heutigen Gesellschaft eine essenzielle Bedeutung besitzt. Dieses Streben kann schon bei Kindern vor ihrer Einschulung vorgefunden werden, z. B. wenn sie die Besten in diversen Spielen sein wollen, wenn sie den Eltern ein selbstgemaltes Bild schenken und sehnlichst auf eine positive Reaktion warten usw. Das Streben nach Leistung und Erfolg begleitet viele Menschen beständig im Alltag, aber auch im Beruf und vor allem in der schulischen Laufbahn, in der das Bedürfnis nach positiver Leistungsbeurteilung deutlich zunimmt. Denn Schulleistungen bestimmen teilweise den beruflichen Weg sowie die Position in der Gesellschaft. Daher kann eine gute Schulleistung eine fundamentale Grundlage für eine erfolgreiche Zukunft auf beruflicher und sozialer Ebene bilden.

Ebenso hat beinahe jeder Mensch eine negative Leistungsbeurteilung im Alltag und in seiner schulischen Laufbahn erfahren, wie z. B. im Mathematikunterricht. Diese Erfahrung kann wiederum demotivieren und dazu führen, dass man an sich und seiner eigenen Leistung zweifelt, und schlimmstenfalls bewirkt diese Erfahrung, dass Kinder sich eventuell aus Angst vor negativen Noten oder aus Gleichgültigkeit aufgeben, da sie sich nicht mehr zutrauen, auch nicht mehr versuchen möchten. All dies wirft die Frage auf, ob eine Leistungsbeurteilung durch Noten sinnvoll ist. Aus diesem Grund wird diese Frage, bezogen auf den Mathematikunterricht, in der vorliegenden Hausarbeit für das Seminar „(II) Mathematik als Erfahrung/Konstruktion – B“ (122024) in den Mittelpunkt der Betrachtung gerückt.

Dafür wird zunächst der Begriff „Leistungsbeurteilung“, der einen Hauptbestandteil dieser Ausarbeitung darstellt, erläutert. Anschließend werden die Formen der Leistungsfeststellung beleuchtet. In einem weiteren Teil wird auf die Formen der Leistungsbeurteilung eingegangen. Daraufhin werden die Funktionen von Noten betrachtet und somit der Grund für die Einführung von Noten. Im Hauptteil werden die Argumente für eine Vergabe von Noten im Mathematikunterricht sowie die Kritik, also Gegen-argumente, zur Notenvergabe untersucht. Im Anschluss folgen eine Zusammenfassung und ein Ausblick über die erworbenen Erkenntnisse zu den oben genannten Themen-punkten bezüglich der Leistungsbeurteilung im Mathematikunterricht.

2. Begriffsbestimmung

Für die Auseinandersetzung mit der Frage, ob eine Leistungsbeurteilung durch Noten im Mathematikunterricht sinnvoll ist, müssen zunächst einige Grundbegriffe wie „Leistung“, „Leistungsstreben“, „Leistungsanforderung“ und „Leistungsorientierung“ näher analysiert werden. Dies ist eine Auswahl von bedeutsamen Begriffen für die Analyse der oben aufgeführten Fragestellung. Es existiert eine Vielzahl an weiteren Begriffen diesbezüglich, auf die im weiteren Verlauf jedoch aus Platzgründen nicht weiter ein-gegangen wird.

Leistung

Der Begriff Leistung wird nach der indogermanischen und der gotischen Sprache definiert als ein vorgegebener Weg, dem man folgen bzw. an dem man sich orientieren soll. Im Falle von Schulkindern wird der Weg durch Lehrkräfte vorgegeben. Sie sollen diesem Weg bestmöglich folgen und bestimmte Anforderungen erfüllen. Es sind diverse Gütemaßstäbe vorhanden, wie z. B. die benötigte Zeit bis zur Erbringung einer Leistung, die verwendete Kreativität oder die Präzision einer geleisteten Arbeit.1

„Leistung ist der Vollzug und das Ergebnis einer Tätigkeit, die mit Anstrengung verbunden, auf die Erlangung eines Zieles gerichtet und auf Gütemaßstäbe und Anforderungen bezogen ist.“2

Leistungsstreben

Das Bestreben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, wird als Leistungsstreben definiert. Jeder Mensch sucht als kleines Kind fortlaufend bis zum Tod nach Anerkennung aus seinem Umfeld und versucht diese durch verschiedene Taten zu erlangen. Dies kann beispielsweise zur Förderung des Selbstbewusstseins führen und bei älteren Menschen sogar zur Genesung, wenn ihnen die Möglichkeit gewährt wird zu zeigen, wozu sie noch nützlich sind.3

Leistungsanforderung

Die konkrete Erläuterung von Erwartungen bezüglich einer zu erbringenden Leistung wird auch unter dem Begriff Leistungsanforderung, die eine Fremd- oder Selbstanforderung sein kann, bestimmt. Eine beliebige außenstehende Person legt Erwartungen mit einem bestimmten Maßstab vor, denen die Leistung erbringende Person folgt, oder letztere stellt für sich eigene Erwartungen fest und richtet sich nach diesen. Jedoch werden auch Selbstanforderungen in der Regel durch Fremdanforderungen beeinflusst und geformt.4

Leistungsorientierung

Die Leistungsorientierung ist die Absicht, gute Leistungen zu erbringen, und beschreibt, worauf jedes Individuum, Gruppe oder Gesellschaft diesbezüglich Wert legt. Jeder Mensch hat das Bedürfnis, etwas Bestimmtes zu erreichen, richtet sich danach, motiviert sich dazu und versucht letztendlich dieses Ziel zu erreichen. Jedoch ist es hier wichtig, dass man sich nicht nur mit dem Geleisteten oder den angestrebten Zielen identifiziert, sondern auch ein Leben ohne Grundlagen bzw. Bedingungen führt.5

3. Formen der Leistungsfeststellung

Eine Leistungsfeststellung kann auf vielfältige Weise erfolgen. Beispielsweise ist eine bekannte Form das Schreiben eines Mathematiktests. Die verschiedenen Formen der Leistungsfeststellung können unter den drei folgenden Oberbegriffen klassifiziert wer-den:

3.1 Mitarbeit im Mathematikunterricht

Unter die Mitarbeit im Mathematikunterricht fallen allgemein die in die Unterrichtsarbeit eingebundenen mündlichen, schriftlichen und praktischen Leistungen. Weitere Formen sind Hausübungen, Leistungen, die bei der Erarbeitung und Sicherung von Lehrstoffen erbracht werden, und das Erfassen, Verstehen und Anwenden von Erarbeitetem.6

3.2 Mündliche Leistungsfeststellung

Mündliche Prüfungen und Übungen gehören zur mündlichen Leistungsfeststellung und finden durch z. B. Präsentationen oder Redeübungen statt. Ziel ist es, bestimmte Inhalte für die Mitschülerinnen und Mitschüler darzustellen und zu präsentieren. Im Mittel-punkt steht die vortragende Person und die zu vermittelnde Botschaft, die auch im Dia-log mit den Klassenkameradinnen und -kameraden erfolgen kann. Als Unterstützung werden Hilfsmittel wie z. B. ein Flip Chart, White Board, Folien usw. verwendet.7

3.3 Schriftliche Leistungsfeststellung

Mithilfe von Schularbeiten oder Mathematiktests kann die Leistung individuell in schriftlicher Form festgestellt werden.8 Beispielsweise sind informelle Testtypen wie Klassenarbeiten Formen dieser Leistungsfeststellung. Sie sind methodisch vereinfacht, wurden von den Lehrkräften selbständig erstellt und orientieren sich an dem Unterricht und den Leistungen der Klasse. Die Validität und Reliabilität nehmen hier eine bedeutsame Rolle ein.

Ein Vorteil dieser Leistungsfeststellung ist die schriftliche Erhebung, da man die Ergebnisse, im Gegensatz zu den anderen Formen der Leistungsfeststellung, öfters betrachten kann.9

4. Formen der Leistungsbeurteilung

Zur Leistungsbeurteilung im Mathematikunterricht werden die schriftlichen, mündlichen und praktischen Leistungen jeder Schülerin und jedes Schülers betrachtet. Jedoch sind nicht nur die Ergebnisse ausschlaggebend, sondern auch die Lernfortschritte und Anstrengungen, die während des Strebens nach der Leistung erfolgt sind. Ebenso wer-den die sozialen Kompetenzen und das Arbeitsverhalten beurteilt, die eine enorme Rolle für das selbständige Lernen und individuelle Lernfortschritte spielen. Im Rahmenlehrplan sind Kompetenzbereiche mit bestimmten Kompetenzerwartungen für den Mathematikunterricht festgelegt, die die Schülerinnen und Schüler bis zu einer bestimmten Zeit erlangen sollen und wonach sie auch bewertet werden. Ein Bereich wäre beispielsweise, Zusammenhänge zu erstellen, indem Schulkinder durch das Erkennen und Nutzen von Zusammenhängen Aufgaben lösen.10

Es steht nun fest, wonach bzw. nach welchen Kriterien sich Lehrpersonen bei der Leistungsbeurteilung richten, jedoch ist noch zu klären, in welchen Formen die Leistungs-beurteilung selbst stattfindet und stattfinden kann, also die Bezugsnormen.

Um eine Schülerleistung beurteilen zu können, richtet sich die Lehrkraft, neben den Formen der Leistungsfeststellung, nach einer Norm, die angibt, ob die Leistung positiv oder negativ ausgefallen ist. Bei dieser Norm lässt sich zwischen der individuellen Norm, der sozialen Norm und der kriterialen Norm differenzieren.

Die individuelle Norm betrifft die Leistungsentwicklung und den Fortschritt einzelner Schulkinder; ihre aktuellen und vergangenen Fähigkeiten werden verglichen. Bei der sozialen Norm steht die Leistung eines einzelnen Grundschulkindes im Vergleich zu den Fähigkeiten von Personen des sozialen Umfeldes. Die Personen, mit denen die Fähigkeiten verglichen werden, können variieren und z. B. aus derselben Klasse sein oder aus der Parallelklasse. Anhand dieser Norm wird auch der Schwierigkeitsgrad bestimmter Aufgaben bestimmt, denn besteht die Mehrzahl diese Aufgabe, so ist sie einfach zu lösen. Die dritte Form ist die kriteriale (sachliche) Bezugsnorm, bei der die Beurteilung nach sachlich-fachlichen Anforderungen stattfindet. Die individuelle Leistung wird anhand konstanter Richtwerte betrachtet und nach den Anforderungen (z. B. der Aufgabenstellung) der Sache selbst bewertet.11

Neben den zu beachtenden verschiedenen Normen liegen auch mehrere Bewertungs-möglichkeiten bzw. -formen vor. Die Bewertung von Leistungen erfolgt entweder synthetisch, das Gesamturteil ergibt sich aus der Bewertung der Einzelleistungen (z. B. falsch oder richtig geschriebene Wörter) oder analytisch, indem der Gesamteindruck durch verschiedene Gesichtspunkte überprüft wird (z. B. bei künstlerischen Aufgaben-stellungen). Alternative Möglichkeiten der Bewertungen sind Ziffernnoten oder verbale Formulierungen (z. B. mit dem Vermerk des Lernfortschrittes), quantitative oder qualitative Aspekte (z. B. durch Fehlerzahl oder Originalität), monologische (dem Kind lediglich mitgeteilt) oder kommunikative (dem Kind gegenüber argumentiert und mit ihm oder ihr abgestimmt) Bewertungen, Selbsteinschätzung (z. B. mithilfe von Lerntagebüchern) und vieles mehr.12

[...]


1 Vgl. Sacher, Werner 2014, S. 13.

2 Ebd.

3 Vgl. ebd.

4 Vgl. Sacher, Werner 2014, S. 14.

5 Vgl. ebd., S. 14f.

6 Vgl. Kunnert, Wolf 2000.

7 Vgl. Kürze & Würze GmbH o. D.

8 Vgl. Kunnert, Wolf 2000.

9 Vgl. Guder, Klaus-Ulrich 2011, S. 7.

10 Vgl. Stapenhortschule 2017, S. 3, 13.

11 Vgl. Atzert, Ramona u. a. 2020, S. 91.

12 Vgl. Stern, Thomas 2010, S. 91.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Leistungsbeurteilung durch Noten im Mathematikunterricht. Ist sie sinnvoll?
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,0
Autor
Jahr
2021
Seiten
14
Katalognummer
V1035359
ISBN (eBook)
9783346445025
ISBN (Buch)
9783346445032
Sprache
Deutsch
Schlagworte
leistungsbeurteilung, noten, mathematikunterricht
Arbeit zitieren
Rojda Bas (Autor:in), 2021, Leistungsbeurteilung durch Noten im Mathematikunterricht. Ist sie sinnvoll?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1035359

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