In der Seminararbeit wird die Fragestellung untersucht, vor welchen Herausforderungen die (politische) Bildung in der deutschen Einwanderungsgesellschaft steht und ob Lösungsansätze existieren, um interkulturelles Lernen zur Entwicklung eines europäischen Bewusstseins zu nutzen.
Hierbei soll zunächst der historische Hintergrund der Migration in Deutschland thematisiert werden, um später ebenfalls auf kulturell bzw. religiös bedingte Problemstellungen aufmerksam zu machen. Ferner soll ein Blick auf die migrationspolitische Bildung eines weiteren westlichen Lands gezogen werden, um neben weiteren Ansätzen Lösungsstrategien zu entwickeln.
Ein Thema, das Deutschland und ebenso Westeuropa seit Jahrzehnten beschäftigt, ist die Migration von Millionen Menschen, welche in der derzeitigen Zeit wahrscheinlich einen neuen Höchstwert erreichen wird. Wie im Geleitwort der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration wahrzunehmen ist, treffen nicht nur neue Menschen aufeinander, sondern auch neue Religionen und Kulturen, welche mittlerweile die interkulturelle Landschaft der Bundesrepublik Deutschland immens verändert haben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Migration
3 Historischer Hintergrund der deutschen und europäischen Migrationsgesellschaft
4 Wozu interkulturelles politisches Lernen und Integrieren?
4.1 Politische Bildung in der Migrationsgesellschaft bisher
4.2 Der Einfluss der Milieus auf die Wahrnehmung der (politischen) Bildung
5 Herausforderungen für die (politische) Bildung
5.1 Islamismus als Herausforderung?
5.2 Junge Muslime in Deutschland im Rollenkonflikt
5.3 Islam und Politische Bildung?
6 Politische Bildung bezüglich der Migrationsgesellschaft in Frankreich
6.1 Migrationsgesellschaft Frankreich und Bildung
7 Neue Hinweise für die deutsche Migrationsgesellschaft?
7.1 Politikunterricht als Möglichkeit
7.2 Fokus auf die Sprachbildung
8 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen, vor denen die politische Bildung in der deutschen Migrationsgesellschaft steht, und analysiert, inwieweit das französische Bildungssystem als Vorbild für Lösungsansätze dienen kann, um ein europäisches Bürgerbewusstsein zu fördern.
- Historische Entwicklung der Migrationsgesellschaft
- Die Rolle von Milieus bei der Wahrnehmung politischer Bildung
- Herausforderungen durch Islamismus und Rollenkonflikte bei Jugendlichen
- Vergleich der Migrationsgesellschaften Deutschlands und Frankreichs
- Potenziale des Politikunterrichts und der Sprachbildung
Auszug aus dem Buch
5.2 Junge Muslime in Deutschland im Rollenkonflikt
Die Entfremdung gegenüber dem Westen, darunter ebenfalls Deutschland, verstärkte sich nach den Anschlägen am 11. September 2001 auf die beiden Türme des World Trade Centers in New York. „Viele Muslime, insbesondere die muslimischen Jugendlichen, fühlen sich heute… in dieser Gesellschaft benachteiligt und zu Unrecht pauschal verurteilt“22. Es ist ferner nicht selten, dass manche muslimische Jugendliche und Kinder die Erfahrung machen müssen, dass sie in Deutschland marginalisiert und diskriminiert werden. Darüber hinaus fehlt in der Öffentlichkeit ein sogenanntes „positives Image“ von Menschen mit Migrationshintergrund, sodass die Folgen und der daraus entstehende Frust bezüglich der altbehafteten Klischees muslimische Bürger und Bürgerinnen von einer gesellschaftlichen Partizipation in der deutschen Gemeinschaft abhalten (vgl. Menke, S.167).
Diese Stereotypen sind unter anderem einer der Gründe für die Identitätsprobleme junger Migranten und Migrantinnen. Daraus folgen weitere Entfremdungsformen bzw. eine Abspaltung gegenüber den europäischen und deutschen Werten. „Dies beschränkt sich allerdings nicht nur auf die deutsche Gesellschaft, sondern weitet sich auch auf die Migrationsgesellschaft aus, die sehr stark in ihren traditionellen Gewohnheiten durch Reform und Innovationsgedanken im Bezug auf den Islam leben will“23. Hinzufügend werden von den Elternteilen die islamisch-geprägten Herkunftsländern heroisiert, obwohl sie selbst aus vielfältigen Gründen wie Armut, Krieg und politische Verfolgung das Land verlassen mussten (vgl. Menke, S.171f).
Hinzu kommen teilweise kulturell geprägte sowie autoritäre Handlungsmechanismen und Traditionen, welche den deutschen Werten und Normen diametral entgegenstehen und den Jugendlichen mit Migrationshintergrund vor enormen sozialen und persönlichen Druck stellen. Ferner beeinflusst der finanzielle sowie soziale Status die Wahrnehmung auf Politik und Bildung. „Einerseits sind sie aus religiös gebotenem Respekt vor den Eltern nicht zu Kritik in der Lage, andrerseits sind sie mit den gegebenen Lebensmöglichkeiten und Erziehungsvorstellungen ihrer Eltern unzufrieden. Dies wird nochmals verschärft durch den alltäglichen Vergleich mit der fast gegensätzlichen Lebenssituation ihrer deutschen Gleichaltrigen“24. Dementsprechend fehlt für junge Migranten und Migrantinnen die Möglichkeit, sich von einer Phase des ideologischen Stillstands zu einer Phase sozialer und interkultureller Teilhabe fortzuentwickeln und somit aus einem Kreislauf des gesellschaftlichen Ausschlusses auszubrechen (vgl. Menke, S.172).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das Thema Migration in Deutschland und die Relevanz der Diasporasituation für die moderne Gesellschaft.
2 Migration: Klassifizierung des Migrationsbegriffs und Erläuterung der politischen und wirtschaftlichen Dimensionen von Migrationsbewegungen.
3 Historischer Hintergrund der deutschen und europäischen Migrationsgesellschaft: Überblick über die Migrationsgeschichte von der Industrialisierung bis hin zu den Anwerbeabkommen der 1950er Jahre.
4 Wozu interkulturelles politisches Lernen und Integrieren?: Untersuchung der Anforderungen an die Didaktik der Sozialwissenschaften in einer heterogener werdenden Schülerschaft.
4.1 Politische Bildung in der Migrationsgesellschaft bisher: Analyse der Entwicklung weg von der Ausländerpädagogik hin zu interkulturellen Konzepten.
4.2 Der Einfluss der Milieus auf die Wahrnehmung der (politischen) Bildung: Nutzung der Sinus-Studien zur differenzierten Betrachtung der Lebenswelten von Migranten.
5 Herausforderungen für die (politische) Bildung: Beleuchtung der sozialen Spannungsfelder, insbesondere bei bildungsfernen und religiös-verwurzelten Milieus.
5.1 Islamismus als Herausforderung?: Diskussion der Radikalisierungsgefahren infolge von Diskriminierungserfahrungen.
5.2 Junge Muslime in Deutschland im Rollenkonflikt: Darstellung der Identitätsprobleme junger Migranten zwischen familiären Traditionen und westlicher Lebensrealität.
5.3 Islam und Politische Bildung?: Analyse des Verhältnisses zwischen politischer Bildung und der Religion Islam.
6 Politische Bildung bezüglich der Migrationsgesellschaft in Frankreich: Vergleich der französischen Migrationswahrnehmung und dem Prinzip der Laizität mit der deutschen Situation.
6.1 Migrationsgesellschaft Frankreich und Bildung: Untersuchung des Einflusses des zentralisierten französischen Schulsystems auf die soziale Integration.
7 Neue Hinweise für die deutsche Migrationsgesellschaft?: Diskussion über notwendige Reformen im deutschen Bildungskontext basierend auf den gewonnenen Erkenntnissen.
7.1 Politikunterricht als Möglichkeit: Vorstellung des Konzepts Politikunterricht als Möglichkeitsraum zur Förderung intersubjektiver Zugänge.
7.2 Fokus auf die Sprachbildung: Bedeutung der Sprachförderung als Fundament für gelungene soziale Integration und politische Partizipation.
8 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Problemlagen und Plädoyer für eine adressatenorientierte Fachdidaktik.
Schlüsselwörter
Migration, Politische Bildung, Migrationsgesellschaft, Interkulturelles Lernen, Deutschland, Frankreich, Integration, Identität, Milieustudie, Jugendliche, Sprachbildung, Rollenkonflikt, Diskriminierung, Bürgerbewusstsein, Sozialisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Herausforderungen für die politische Bildung in der heutigen deutschen Einwanderungsgesellschaft vor dem Hintergrund der religiösen und kulturellen Vielfalt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Migrationsentwicklung, dem Einfluss soziokultureller Milieus, den Identitätsproblemen muslimischer Jugendlicher sowie einem Vergleich mit dem französischen Bildungsmodell.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt, vor welchen spezifischen Herausforderungen die politische Bildung in Deutschland steht und ob das französische System Lösungsansätze bietet, um ein europäisches Bürgerbewusstsein zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf fachdidaktischer Literatur, soziologischen Studien (wie den Sinus-Studien) und einer vergleichenden Untersuchung politischer Bildungskonzepte basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die historische Einordnung, die Bedeutung der Milieu-Zugehörigkeit, die spezifischen Rollenkonflikte junger Muslime und die Möglichkeiten des Politikunterrichts sowie der Sprachförderung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Migration, Politische Bildung, Integration, Interkulturelles Lernen, Identität und Sprachbildung.
Warum wird Frankreich als Vergleichsland herangezogen?
Frankreich wird aufgrund seiner kolonialen Vergangenheit und der langen Tradition als Einwanderungsland, geprägt durch die Prinzipien der Französischen Revolution, als Referenzpunkt für ein anderes Nationenverständnis genutzt.
Welche Rolle spielt die Sprache für die Integration laut Autor?
Die Sprache wird als essenzielles Fundament für den sozialen und bildungstechnischen Erfolg sowie für die politische Partizipation von Migranten gewertet.
- Quote paper
- Krishan Abbasi (Author), 2020, Politische Bildung in der Migrationsgesellschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1036002