Diese Arbeit möchte folgender Frage auf den Grund gehen: Welche Chancen bietet und welche Grenzen hat die Kindergrundsicherung als Maßnahme zur Bekämpfung von Kinderarmut?
„Die Vertragsstaaten erkennen das Recht jedes Kindes auf einen seiner körperlichen, geistigen, seelischen, sittlichen und sozialen Entwicklung angemessenen Lebensstandard an.“, heißt es in Artikel 27 Abs. 1 der UN-Kinderrechtskonvention von 1989, zu deren Unterzeichnern auch Deutschland gehört.
Doch dieses Recht ist durch ein Leben in Armut stark gefährdet. Glücklicherweise hat die Bekämpfung von Kinderarmut in den letzten Jahrzehnten einen zunehmend wichtigeren Stellenwert in Deutschland eingenommen. Das Starke-Familien-Gesetz von 2019 ist eine der aktuellsten Bemühungen, den Familienlastenausgleich fair zu gestalten und dabei auch Kinderarmut zu senken.
Einigen Parteien und NGOs geht dieses Maßnahmenpaket jedoch nicht weit genug: Sie fordern die Einführung einer Kindergrundsicherung. Diese solle Kinderarmut nachhaltiger bekämpfen können als beispielsweise ein reformierter Kinderzuschlag. In die Überlegungen zur Kinderarmut spielen auch immer Fragen zu Kinderrechten eine Rolle: Was steht Kindern in welchem Umfang zu?
Auf der einen Seite gelten Kinder als unschuldig an ihrer Armutslage und sollten deswegen besonders vom Staat geschützt und gefördert werden, auf der anderen Seite wird die Versorgung der Kinder weitgehend als Aufgabe der Eltern betrachtet, in die sich der Staat nur zögerlich einmischt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hintergrundwissen
2.1 Kinderarmut im Überblick
2.2 Kindergrundsicherung im Überblick
3. Chancen und Grenzen der Kindergrundsicherung
3.1 Chancen
3.2 Grenzen
4. Fazit
5. Quellen
5.1 Printquellen
5.2 Internetquellen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Chancen und Grenzen der Kindergrundsicherung als politisches Instrument zur nachhaltigen Bekämpfung von Kinderarmut in Deutschland. Dabei wird das Modell des Bündnisses KINDERGRUNDSICHERUNG analysiert, um zu klären, inwieweit dieses Konzept geeignet ist, materielle Armut zu mindern und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.
- Definition und Ausmaß der Kinderarmut in Deutschland
- Struktur und Funktionsweise des Modells der Kindergrundsicherung
- Analyse der potenziellen Chancen (Stärken) des Modells
- Kritische Beleuchtung der Grenzen und Schwachstellen
- Diskussion von Finanzierungsmöglichkeiten und alternativen Ansätzen
Auszug aus dem Buch
3.1 Chancen
Der offensichtlichste Vorteil der Kindergrundsicherung ist natürlich die Verbesserung der Einkommenssituation von Kindern. Da Einkommensarmut einen entscheidenden Teil von Armut ausmacht, wäre diese Verbesserung allein bereits ein großer Schritt. Stork weist darauf hin, dass die viel zitierte Bildung kein Ersatz für eine gerechte Reichtumsverteilung sei, besonders hinsichtlich des selektiven Bildungssystems. Eine von der Hans-Böckler-Stiftung beauftragte Studie kam 2009 zu dem Ergebnis, dass die Kindergrundsicherung Kinderarmut am nachhaltigsten bekämpfen würde und die Armutsquote bei Kindern unter 15 Jahren von damals 16,5 % auf 3,3 % senke. Diese beachtliche Verbesserung soll an dieser Stelle angemessen gewürdigt werden.
Zusätzlich soll die bisher ungleiche Förderung durch Sozialgeld, Kindergeld und Steuerfreibeträge von Kindern korrigiert werden, denn der Staat sei verpflichtet, jedem Kind gleiche Chancen zu gewähren. Die bisherigen Regelungen bevorteilten wohlhabendere Familien. In dem vorgesehenen Modell, welches eine gestufte Kindergrundsicherung vorsieht, würde der Betrag zwar unabhängig vom Vermögen der Eltern gezahlt, jedoch wird der Steuersatz der Eltern mit Progressionsaussetzung angewandt, wodurch arme Haushalte keine Abzüge erhalten, die Leistung aber bei BesserverdienerInnen schrittweise abschmelze. Während bisher also im dualen Familienlastenausgleich (bestehend aus Kindergeld und Steuerfreibeträgen für Kinder) der obere Einkommensbereich entlastet würde, gäbe es dann eine sinkende Förderung für finanziell leistungsstärkere Eltern. Von dem neuen System würden besonders Alleinerziehende profitieren, die bisher generell häufig von Armut betroffen sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die rechtliche Basis der Kinderrechte dar, skizziert die Problematik der Kinderarmut in Deutschland und erläutert die Forschungsfrage sowie das gewählte Modell der Kindergrundsicherung.
2. Hintergrundwissen: Das Kapitel bietet einen Überblick über die Entstehung und Definition von Kinderarmut in Deutschland sowie eine detaillierte Erläuterung des Modells zur Kindergrundsicherung.
3. Chancen und Grenzen der Kindergrundsicherung: Hier werden die Stärken des Modells, wie Einkommensverbesserungen und Bürokratieabbau, den kritischen Aspekten wie Finanzierungsfragen und dem Bedarf an ergänzenden sozialen Dienstleistungen gegenübergestellt.
4. Fazit: Das Fazit bewertet die Kindergrundsicherung als wertvollen Baustein für ein gerechtes Familienfördersystem und diskutiert die Notwendigkeit einer langfristigen Implementierung unter Berücksichtigung alternativer Konzepte.
5. Quellen: Auflistung der verwendeten wissenschaftlichen Literatur, Berichte und Internetquellen zur Untermauerung der Argumentation.
Schlüsselwörter
Kindergrundsicherung, Kinderarmut, Existenzminimum, Kinderrechte, Familienlastenausgleich, soziale Teilhabe, Armutsprävention, Sozialpolitik, Bildungsbenachteiligung, Kinderzuschlag, Gerechtigkeit, Wohlfahrtsstaat, Kindergeld, Umverteilung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Hausarbeit befasst sich mit dem Konzept der Kindergrundsicherung als Maßnahme zur Bekämpfung von Kinderarmut in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten zählen die Definition von Kinderarmut, das aktuelle Familienfördersystem, die Chancen und Schwächen der Kindergrundsicherung sowie die Bedeutung von Bildungs- und Teilhabechancen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Chancen und Grenzen des Modells der Kindergrundsicherung kritisch zu hinterfragen, um zu prüfen, ob es eine effektive Strategie gegen Kinderarmut darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse, die verschiedene wissenschaftliche Ansätze und Berechnungsmodelle zur Kindergrundsicherung zusammenführt und kritisch bewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit erläutert?
Im Hauptteil werden zunächst die Chancen des Modells – wie Transparenz, Stärkung einkommensschwacher Familien und Entbürokratisierung – dargestellt und anschließend den Grenzen, wie komplexen rechtlichen Hürden und der Notwendigkeit ganzheitlicher Fördermaßnahmen, gegenübergestellt.
Welche zentralen Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Kindergrundsicherung, Kinderarmut, Existenzminimum, soziale Teilhabe und Familienlastenausgleich.
Warum ist die Berechnung des Existenzminimums bei Kindern so komplex?
Die Berechnung ist schwierig, da sie auf Wertungen basiert, welche Ausgaben als notwendig für die kindliche Entwicklung angesehen werden, und da die aktuelle Orientierung am Konsumverhalten Erwachsener den spezifischen Bedarfen von Kindern oft nicht gerecht wird.
Könnte die Kindergrundsicherung das Problem der Kinderarmut allein lösen?
Nein, die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die Kindergrundsicherung zwar ein wichtiger Baustein ist, jedoch durch weitere Maßnahmen wie den Ausbau kommunaler Präventionsnetze und soziale Dienstleistungen ergänzt werden muss, um wirksam zu sein.
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- Luise Weinhold (Author), 2020, Die Kindergrundsicherung und das Modell zur Bekämpfung von Kinderarmut. Chancen und Grenzen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1036014