Eine Analyse der Zypernpolitik der Garantiestaaten 1954-1974 und Zypern


Seminararbeit, 2000
16 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

I. Einleitung

II. Eine Analyse der Zypernpolitik der Garantiestaaten 1954-1974 und Zypern heute als EU-Beitrittskandidat
1. Der Weg zur Unabhängigkeit Zyperns
2. Zypernpolitik der Regierungen Großbritannien, Griechenland und Türkei in den Jahren 1954 bis 1974
2.1 Zypernpolitik Großbritanniens: von der Kolonialmacht zum Vermittler
2.1.1 Zyperns Beeinflussung durch “desintegrierende Faktoren”
2.2 Zypernpolitik Griechenlands: Zypern als Instrument um von innenpolitischen Problemen abzulenken
2.2.1 Zypern als Aussenpolitisches Objekt
2.2.2 Die Militärregierung von 1967 - 1974
2.3 Zypernpolitik Türkei’s: Zwischen Kompromissen und Verpflichtungen als Garantiestaat
3. Das heutige Zypern als Beitrittskandidat zur Europäischen Union
3.1 Reaktionen in Griechenland und in der Türkei auf den Beitritts- Antrag Zyperns in die EU
3.2 Resonanz der EU-Staaten zum Eintrittsantrag Zyperns in die EU von 1990
3.3 Bewertung und Perspektiven eines EU-Eintritt Zyperns

III. Schlußbemerkung

Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Es besteht seit längerem ein Konflikt zwischen Griechenland und der Türkei. In erster Linie geht es hierbei um die geteilte Insel Zypern. Diese Teilung besteht seit der Invasion türkischer Truppen auf den Nordteil der Insel, im Jahre 1974. Die “Türkische Republik Nord-Zypern” wird bis heute nur von der Türkei anerkannt.

Dieser Konflikt lässt sich nur erklären, wenn man in die Geschichte Zyperns zurückgeht. Als ein wichtiges Ereignis hierzu wäre die Entstehung der Republik Zypern zu erwähnen, sowie es überhaupt zur Bildung einer Republik kam.

In der folgenden Arbeit werde ich mich mit Hilfe einer Analyse näher mit der damals betriebenen Zypernpolitik der Staaten befassen, die 1960 einen Garantievertrag unter- schrieben haben, welcher besagt, dass falls eines der Garantiestaaten, den in der Verfassung der Republik Zypern festgelegten Regelungen zuwiderhandelt, die beiden anderen Parteien dazu berechtigt bzw. verpflichtet sind in Zypern zu intervenieren. Grundlegende Frage dieser Untersuchung soll es sein wie die jeweiligen Garantiestaaten im Laufe der Zeit zwischen 1954 bis 1974 ihre Zypernpolitik gestaltet haben, dabei soll auch betrachtet werden, wie exogene Faktoren auf Zypern bzw. auf die aus zwei Volksgruppen besteh- ende, Inselbevölkerung desintegrierent gewirkt haben und es trotz vieler Verhandlungen und Abkommen zu keiner Lösung des Zypernproblems gekommen ist. Nach ca. 26 Jahren, der letzten stärkeren Auseinandersetzung zwischen Griechenland und der Türkei auf Zypern, ist heute nun die Situation anzuschauen, in welcher sich Zypern als geteilte Insel befindet. Im Jahre 1990 stellte Süd-Zypern einen Antrag auf Beitritt in die EU. Jedoch ist dieser Wunsch mit Problemen behaftet, die die Aufnahme Zyperns, als geteilte Republik, in die EU nicht ermöglichen. Es sei gesagt dass die Probleme weitgehend nicht ökonomischen Aspekten entspringen, sondern rein politischer Natur sind. Weiterhin soll geklärt werden, welche politischen Perspektiven zum Beitritt Zyperns in die EU gegeben sind.

II.Eine Analyse der Zypernpolitik der Regierungen Großbritannien, Griechenland und der Türkei in den Jahren 1954 bis 1974

1. Der Weg zur Unabhä ngigkeit Zyperns

Nach der Niederlage des Osmanischen Reiches im osmanisch-russischen Krieg 1877/78 schließt der Sultan am 4. Juni 1878 mit Großbritannien Verträge ab, die einen Schutz gegen zukünftige russische Angriffe gewährleisten. Im Gegenzug wird Zypern an Großbritannien verpachtet. Als 1914 das Osmanische Reich auf deutscher Seite in den ersten Weltkrieg eintritt, wird Zypern von Großbritannien am 5. November 1911 annektiert. Im Vertrag von Lausanne (1923) erkennt die Türkei die Annexion Zyperns durch Großbritannien an. Auf diesen Aspekt wird im Kapitel 2.3 tiefgründiger eingegangen. Zwei Jahre später ernennt GB (Großbritannien) Zypern zur Kronkolonie.

Die ersten Unruhen unter britischer Herrschaft beginnen am 21.10.1931, als griechische Zyprioten unter der Idee der Enosis, die Anbindung Zyperns an Griechenland erreichen wollen. Im Jahre 1954 wächst der Druck der Enosis-Bewegung so stark an, dass Attentate auf Briten und Übergriffe auf die Polizei, die zum größten Teil aus Zyperntürken bestand, sowie Straßenschlachten bürgerkriegsähnliche Ausmaße annehmen. Die Zyperngriechen erkennen den Ernst der Lage, allen voran Bischof Makarios I und verzichten auf die Enosis, stattdessen propagieren sie eine unabhängige Republik Zypern. Birand schreibt in seinem Werk “30 Heisse Tage” über eine Ohnmacht Großbritanniens und die Ratlosigkeit der Zyperntürken, welche mit einem unabhängigen Zypern besser gestellt wären, als einer griechisch-regierten Insel (Birand, 1999:160) Da auch GB durch eigene innenpolitische Probleme nicht die Motivation hat, sich nach einer anderen Lösung als der Unabhängig- keit umzuschauen, geht der Wunsch der Zyperngriechen 1960 in Erfüllung. Im Anschluss an die Abmachungen von Zürich und London aus den Jahren 1959, wird durch den Gründungsvertrag und den Garantievertrag die Republik Zypern ins Leben gerufen. Es wurde eine Verfassung mit 199 Artikeln ausgearbeitet, die die Rechte beider Bevölkerungs- gruppen sichern soll. Jedoch sollte dieser Schritt für die Zyperngriechen nur eine weitere Phase in der Anbindung Zyperns an das “griechische Mutterland” darstellen.

Im folgenden ist nun zu betrachten, wie die Sichtweisen der Garantiestaaten aussahen, als die Republik Zypern entstand und wie sie sich im Laufe der Zeit bis 1974 verändert haben.

2.1 Zypernpolitik Großbritanniens: von der Kolonialmacht zum aussenstehenden Vermittler

Großbritanniens Gedanke, seine Macht im Mitteelmeerraum zu etablieren, basiert unter anderem auf der aufkommenden imperialistischen Ära. Wie schon in Kapitel 1 erwähnt, war es für sie ein willkommenes Angebot Zypern zur Pacht zu übernehmen. Ronald Storrs erwähnt in seinem Werk “Orientations” ein gewisses Zweckdenken der Engländer, er schreibt: “England hat Zypern zu strategischen und machtpolitischen Zwecken besetzt und nicht zur Rettung oder nur zur vorgeblichen Rettung der Zyprioten aus den Übeln der türkischen Herrschaft” (Storrs, 1945: 463). Uwe Berner bekräftigt diesen Aspekt in seinem Werk “Das vergessene Volk”, in welchem er schreibt dass Zypern für GB als Zwischen- station auf dem Seeweg nach Indien dienen sollte (Berner, 1992:25-26).Unter anderem erkennt man auch GB’s Zweckdenken an Zypern, klar und deutlich daran als England 1915 offiziel die Insel Zypern Griechenland anbietet, falls Griechenland auf der Seite der Allierten am Krieg teilnehmen würde. Zypern soll für die Zukunft des britischen Empires ein “Spielball” werden, der dann eingesetzt werden soll, wenn möglichst viel Profit zu erwarten ist. Die Bevölkerung auf Zypern hatte unter dieser Art von betriebener Politik GB’s zu leiden, da ihre Interessen kaum beachtet werden. Stattdessen führte GB eine “divide et impera” Politik (Teile, so kannst du herrschen) (Gürbey, 1988:45).Dies hatte zur Folge dass GB’s Politik auf den Integrationsprozeß im politischen System Zyperns hemmend gewirkt hat.

2.1.1 Zyperns Beeinflussung durch “desintegrierende Faktoren”

In der Literatur werden zumeist sogenannte “exogene desintegrierende Faktoren” beachtet, die während der politischen Herrschaft Englands auf Zypern negativ eingewirkt haben. Gülistan Gürbey hat zwei dieser Faktoren im folgenden so eingeteilt (Gürbey, 1988:50):

a) Die Verwandlung der beiden auf Zypern lebenden ethno-religiösen Gruppe in zwei national gesinnte Gruppen

Die Gegensätze zwischen griechischen und türkischen Zyprern werden von GB als Instrument

[...]

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Details

Titel
Eine Analyse der Zypernpolitik der Garantiestaaten 1954-1974 und Zypern
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Veranstaltung
Internationale Beziehungen
Note
1,3
Autor
Jahr
2000
Seiten
16
Katalognummer
V103603
ISBN (eBook)
9783640019816
ISBN (Buch)
9783656366324
Dateigröße
393 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Eine, Analyse, Zypernpolitik, Garantiestaaten, Zypern, Internationale, Beziehungen
Arbeit zitieren
Günay Aygün (Autor), 2000, Eine Analyse der Zypernpolitik der Garantiestaaten 1954-1974 und Zypern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/103603

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