Das Grüne Heft - Mein Konflikt mit meiner anthroposophischen Erziehung


Ausarbeitung, 2001

135 Seiten


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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Teil I: Grundlagen
"Du weißt ja gar nicht, wie gut du’s hast"
Gibt es Richtig und gibt es Falsch?
Die Funktion des Denkens
Der Irrtum von Geist und Körper

Teil II: Briefauszüge
Einleitung
Brief an Biene Uhde
Auszüge aus Briefen an meinen Bruder Roland
Posthumes Gespräch mit Vater

Teil III: Nachträge
"Übersinnliche Erfahrungen"
Nachtrag zum Thema Christentum
Nachtrag zum Thema Naziverbrechen
Welche Schule brauchen wir?
Schlußwort

Teil IV: Leserreaktionen
Zuschriften
Brief von R. K.
Gespräch mit M. E.
Gespräch mit H. Z.
Gespräch mit H.S.
Gespräch mit S. H.
Gespräch mit S. C.
Gespräch mit einer anonymen Leserin
Gespräch mit S. W.
Gespräch mit einem Musikstudenten
Fragmente aus Briefen an meinen Neffen Jun

Vorwort

Dieses Dokument richtet sich an alle, die in irgend einer Form mit der Waldorfschule zu tun haben oder hatten: An Menschen, die pädagogisch tätig sind, waren oder werden wollen, an Schüler, Absolventen und Eltern, die ihre Kinder in die Waldorfschule geschickt haben oder noch schicken wollen, an alle, die selbst Schwierigkeiten mit der Erziehung durch die Waldorfschule hatten oder noch haben, aber auch an alle, die den Mut und das Interesse haben, überlieferte und übernommene Inhalte aus Religion und Philosophie daraufhin zu prüfen, in wie weit sie mit der Wirklichkeit, auf die sie sich beziehen, übereinstimmen.

Teil I: Grundlagen

"Du weißt ja gar nicht, wie gut du’s hast"

Ich entstamme einer durch ihren Vater tief anthroposophisch geprägten Familie und wurde in dem ehrlichen Glauben erzogen, Rudolf Steiners Sicht der Dinge sei die einzig wahre und der von ihm gewiesene Weg der einzig gangbare in diesem Leben.

Schon früh aber begann sich in mir ein Konflikt anzubahnen. Die Beteuerungen meiner Eltern und meiner Geschwister, später dann auch meiner Lehrer in der Waldorfschule, wie gut ich’s hätte mit einer solchen Erziehung, standen in wachsendem Widerspruch zu meinem tatsächlichen Lebensgefühl, das in dieser Zeit alles andere als glücklich war und von dunkler Angst, Appetitlosigkeit, Bauchweh und dem schlimmen Gefühl, minderwertig zu sein und nicht ernstgenommen zu werden, beherrscht wurde. Neben schwierigen persönlichen Konstellationen, die hier nicht erörtert werden sollen, war die anthroposophische Weise, unsere Wirklichkeit, unsere Mitmenschen zu sehen und zu beurteilen, ein entscheidender Grund für meine innere Zerrissenheit.

Irgend etwas in mir hat wild rebelliert gegen das Bild mit den vielen Daseinsformen, aus denen ich angeblich bestünde, denn wo war ich? Mit was von alldem sollte ich mich identifizieren? Mit meinem "banalen Körper", den man nach dem Tod als "leere Hülle" zurückläßt? Dann schon lieber mit meinem "unsterblichen Geist". So hab ich mich zunächst mit Feuereifer auf die Anthroposophie gestürzt, um mir meine "geistige Existenz" zu beweisen, habe Steiners wichtige Werke wie die "Philosophie der Freiheit" Kapitel für Kapitel mehrmals gelesen und schriftlich festgehalten, habe es auch in der Länge der von Steiner empfohlenen Konzentrationen ein ganzes Stück weit gebracht, habe neben diesen Konzentrationen ständig versucht, die Welt und mich selbst zu verstehen und zu erkennen, habe zeitweise wirklich wie ein Besessener nachgedacht, tagelang, wochenlang, bin oft in den Wald gefahren, um mich irgendwo ins Gestrüpp zu legen und tief denkend meine Existenz zu finden. Doch auf jede Antwort, die ich fand, und die ein kurzes Glücksgefühl in mir wachrief, folgten sofort hundert neue Fragen, Zweifel und die alte Existenzangst. Bis eines Tages der Moment kam, wo sich mir das Denken selbst zu erkennen gab, wo ich merkte, was ich da eigentlich versuche, wenn ich etwas gedanklich begreifen will, daß ich nachbilden, sein will, was schon da ist, und wie unmöglich ein solches Unterfangen ist. Mein gesamter kunstvoll zusammengesetzter Gedankenaufbau stürzte zusammen und ich war gezwungen, seit Jahren einmal wieder mit freiem, leerem Kopf, beinahe etwas blöd, nur aus meinen Augen zu sehen und so an die Dinge zu glauben, wie ich sie sah und hörte und fühlte. Und endlich spürte ich wieder echte Kraft in mir, ich fühlte mich ein bißchen wie neu, ich war glücklich, die Wirklichkeit um mich zu haben, und fast von einem Tag auf den anderen hat sich mein Kopf beruhigt, hat sich alles im wahrsten Sinne des Wortes an den richtigen Platz gerückt.

Es geht mir im folgenden nicht darum, Menschen anzuklagen, sondern lediglich darum, einen Beitrag zu einem besser funktionierenden Kontakt mit der Wirklichkeit und auch zwischen Menschen zu leisten, und in diesem Zusammenhang das mir durch meine Erziehung vermittelte Weltbild auf seine Gültigkeit hin zu überprüfen.

In anthroposophischen Kreisen wird Kritik meist dort akzeptiert, wo sie sich auf konkrete Mißstände etwa in der Waldorfschule, oder auch auf die charakterlichen Veränderungen anthroposophisch denkender Menschen bezieht. Jenes Typische, Schwebende, Erleuchtete, das viele Anthroposophen annehmen, wird meist ohne weiteres selbstkritisch zugegeben. Man weigert sich aber, einen direkten Kausalzusammenhang zu Steiners Philosophie zu sehen, diese Wirkungen seien also nicht intendiert, sondern man habe Steiner eben noch nicht verstanden oder gar mißbraucht. Steiners komplizierte Gedankengebäude, obwohl durch keine Wahrnehmung je bestätigt, werden geglaubt wie die Erzählung von einer fernen Insel, die man selbst noch nie gesehen hat, und sind für Kritik weitgehend tabu. Ich möchte nun aber genau diesen philosophischen Hintergrund in Frage stellen, denn ich glaube, daß er die Ursache ist gerade für jene charakterlichen Verstörungen, daß diese also nicht trotz Steiners Einfluß eintreten, sondern geradezu zwangsläufig von ihm hervorgebracht werden.

Auf welcher Grundlage aber soll das geschehen, wenn es mehr sein soll als ein belangloses Austauschen von "Meinungen", "persönlichen Ansichten" oder "Denkmöglichkeiten"?

Damit kommen wir zur ersten Frage:

Gibt es Richtig und gibt es Falsch?

Ein Mathematiker hätte sicherlich keine Schwierigkeiten, diese Frage mit ja zu beantworten, ebensowenig ein Naturwissenschaftler, und wohl auch ein Musiker nicht, wenn er an falsch gelernte Töne denkt, das heißt überall da, wo feste Voraussetzungen wie die Gesetze der Natur oder auch von Menschenhand geschaffene wie ein Notentext vorliegen, gibt es die Möglichkeit, diese Voraussetzungen richtig oder falsch zu erfassen, zu interpretieren, zu lernen. Wenn wir aber in philosophische oder religiöse Bereiche vorstoßen, scheint die Frage von richtig und falsch plötzlich nicht mehr so eindeutig zu sein, sondern da geht es jetzt um eine Vielzahl verschiedener Glauben und Mysterien, und unsere Phantasie erhält die Erlaubnis, sich ungehemmt ausleben zu dürfen. Ich will im folgenden versuchen zu verdeutlichen, daß auch Religion und Philosophie auf der Grundlage der Wirklichkeit auf ihren Gehalt an Richtig und Falsch überprüfbar und an ihm zu messen sind, und durchaus nicht das Recht haben, hinter einem angelernten Glauben oder gar auf Grund einer behaupteten "Hellsichtigkeit" eines Einzelnen die eigenen Gedankengebäude als neue Wirklichkeiten verkaufen zu dürfen. Die Wirklichkeit, von der die Naturwissenschaften ja nur einen kleinen "Anteil" zu erfassen vermögen, nämlich die Klärung dessen, was von außen verstehbar ist und durch die Wahrnehmung bestätigt werden kann, hat für jede seriöse religiöse oder philosophische Auseinandersetzung die Grundlage und den Prüfstein zu bilden, hat unser Gott zu sein, wenn man nicht hoffnungslos ins Falsche abschweben will. Wer an dieser Stelle bereits Zweifel hat, wird an meinem Heftchen wohl kaum Freude haben.

Woher kommt nun die relative Klarheit und Unstrittigkeit auf der naturwissen-schaftlichen Seite und eine solche Fülle mehr oder weniger nebuloser Ahnungen auf der religiösen und philosophischen Seite? Weil es bei dieser "anderen Seite" um die Frage nach dem "Innen" geht, nach dem Sein. Da jedes Ding aber nur sich selbst sein kann, und da auch wir nur uns selbst sein können, kann es nicht darum gehen, eine "richtige" Antwort auf diese Frage zu finden, wie Religion und Philosophie das seit Urzeiten vergeblich versuchen, sondern es kann nur darum gehen, einzusehen, daß die Beantwortung dieser Frage ein Ding der Unmöglichkeit ist. Denn das Sein eines Dinges ist nicht übertragbar, und schon gar nicht in gedankliche Form.

Die Wirklichkeit ist ein einziges Wunder und Rätsel, das aus der Unendlichkeit kommt und in die Unendlichkeit geht. Wir können mit diesem Wunder in Kontakt kommen, sind ein Teil von ihm, aber wir können es in unserem Kopf nicht ein zweites Mal erschaffen. So ist ein Denken, das die Grenzen seiner Erkenntnisfähigkeit klar erkennt und sich in den Dienst eines sinnlichen Kontakts mit der Wirklichkeit stellt, richtig, ein Denken aber, das diese Sinneseindrücke dazu mißbraucht, eine eigene Wirklichkeit zusammenzuschustern, und an diese dann womöglich mehr glaubt als an die reale, falsch. Damit soll nun nicht die Freiheit unseres Denkens oder unserer Phantasie eingeschränkt werden. Man darf mit seinem Denken anstellen, was man will, nur: Man sollte wissen, was man tut, man sollte merken, wenn man den Kontakt mit der Wirklichkeit verläßt, sonst wird man sehr schnell zum Opfer seiner eigenen Vorstellungswelt.

Die Funktion des Denkens

Unser Bild, unser Verständnis der Wirklichkeit wird gebildet durch die Informationen, die in unser Bewußtsein dringen, und, durch das Gedächtnis festgehalten, nun in unserem Kopf als das weiterleben, was wir unser Denken nennen. Wenn wir nun bestrebt sind, den Inhalt unseres Denkens in größtmögliche Übereinstimmung mit den originalen Existenzen der Wirklichkeit zu bringen, also richtige Bilder und ein richtiges Verständnis der Wirklichkeit in uns zu tragen, müssen wir vor allem zwei Dinge erkennen: Erstens, daß eine Information nicht dasselbe ist wie die reale Existenz, von der sie abgegeben wurde, das heißt wir müssen erkennen, daß wir mit unserem Denken niemals das Sein, die Wahrheit einer Sache in unseren Kopf holen können, sondern nur das, was als Information über die Wahrnehmung von uns aufnehmbar ist. (Wenn Steiner in seiner "Philosophie der Freiheit", Kapitel 5 "Das Erkennen der Welt", schreibt: "Die Frage nach dem Was einer Wahrnehmung kann also nur auf die begriffliche Intuition gehen, die ihr entspricht", so formuliert er damit genau diese Verwechslung des eigenen Innenlebens mit dem Sein fremder Existenzen.) Wir können also mit unserem Denken den Kontakt zu einer fremden Existenz vertiefen, das heißt, das Denken kann unser Wahrnehmungssystem strukturieren zu der Fähigkeit, die Informationen, die uns von einer Existenz erreichen, immer genauer zu empfangen, aber wir können diese fremde Existenz niemals selbst sein.

Der zweite Punkt, der sorgfältig zu überprüfen ist, um ein richtiges Funktionieren unseres Denkens zu gewährleisten, ist die Klärung der Herkunft einer jeden Information, die uns erreicht, das heißt zu unterscheiden, ob es sich um eine Originalinformation aus erster Hand, eine Wahrnehmung handelt, oder ob sie lediglich von anderen Menschen übernommen wurde oder aber das Produkt eines eigenen gedanklichen Nachbildungsversuchs ist. In diesem zweiten Fall wäre sie unbedingt als aus zweiter Hand stammend zu bewerten, es sei denn, sie bestätigt sich durch eine direkte Wahrnehmung. (In diesem Zusammenhang erscheint Steiners Suggestion, man müsse seine Gedanken nur oft genug lesen und verinnerlichen, dann würden es eigene Gedanken und Erkenntnisse werden, in einem besonders fragwürdigen Licht, als Versuch nämlich, im anderen das Vertrauen zur eigenen sinnlichen Wahrnehmung und zur eigenen Fähigkeit der Beurteilung und Wertung zu untergraben.) Ein gedanklicher Prozeß darf niemals als direkter Wahrnehmungsprozeß interpretiert werden, wie das wiederum Steiner tat, wenn er seine Gedanken als Wahrnehmungen aus "höheren Welten" verstanden wissen wollte, nein, unser Gedankenleben ist ein Verarbeitungsprozeß realer Sinneswahrnehmungen und muß unbedingt in diesem Sinne bewertet werden.

Wem das nicht spontan einleuchtet, der möge einmal folgende Punkte prüfen:

1.) Gibt es irgend etwas in der Substanz unseres Denkens, das nicht ursprünglich durch die Sinnesorgane (wozu übrigens die gesamte Hautoberfläche, eigentlich jede empfindungsfähige Stelle des Körpers zu rechnen ist), empfangen wurde?

2.) Wenn eine Wahrnehmung real ist, das heißt wenn es eine Botschaft ist, die von einer fremden Existenz zu mir kommt, habe ich keinen Einfluß auf sie, ich kann sie höchstens ignorieren, aber ich kann, was ich beispielsweise sehe oder höre, nicht verändern, da es wirklich von außen zu mir kommt. Mit einem inneren Bild aber kann ich anstellen, was ich will, da es ein Vorgang in mir selbst ist, ganz abgesehen davon, daß es qualitativ, was Klarheit und Differenzierung angeht, weit hinter einem real gesehenen Bild zurückbleibt, und nur in Ausnahmesituationen, in manchen Träumen, unter Drogeneinfluß usw. in die Nähe einer realen Wahrnehmung gelangen kann. Natürlich haben wir in diesen Zuständen, wenn das Bewußtsein ausgeschaltet ist, keinen bewußten Einfluß auf unser Innenleben, aber es ist auch keine Wahrnehmung möglich, und man möge sich davor hüten, es als eine von außen kommende Wahrnehmung zu mißdeuten, denn es handelt sich um einen Zustand, in dem die Kräfte in uns, darunter auch die Erinnerungen an unsere Sinneswahrnehmungen, frei spielen können, ohne sich reflektierend zu kontrollieren.

Zwar ist das Denken bei einem realen Wahrnehmungsprozeß von Anfang an direkt beteiligt, indem es beispielsweise die durch die verschiedenen Sinnespforten empfangenen Eindrücke koordiniert und mit dem Gedächtnis die Perspektive der Zeit zu erfassen ermöglicht, aber es ist nie selbst Wahrnehmung.

Der Irrtum von Geist und Körper

Die Vorstellung, der Mensch bestünde grundsätzlich aus zwei verschiedenen Daseinsformen, die sich trennen können, resultiert daraus, daß man zwei verschiedene räumliche Standorte der Betrachtung mit zwei verschiedenen Existenzformen verwechselt. So wird das Erleben der eigenen Existenz von innen, das Seinserlebnis, zu etwas "Geistigem", das Erleben dieser eigenen Existenz oder fremder Existenzen über die Wahrnehmung von außen zu etwas "Materiellem". So wenig aber sich ein reales Sein von seiner Außenansicht trennen kann, so wenig ist eine Trennung von "Geist" und "Körper" möglich, sondern es handelt sich um verschiedene "Schauseiten" einer Identität, einer ganzheitlichen Organisation.

Der Irrtum des chemisch-physischen, des materiellen Bildes von der Wirklichkeit besteht darin, zu glauben, das Wunder einer Existenz mit dem, was ein menschlicher Verstand von außen an ihm erkennen und beobachten kann, bereits in seiner Ganzheit erfaßt zu haben. So wird eine "niedere", "banale", jämmerliche Daseinsform erschaffen, die es in Wirklichkeit nicht gibt, und die gar nicht existieren könnte. So etwas, als das beispielsweise der Körper wissenschaftlich gesehen wird, kann kein Mensch sein, man kann es nur so sehen, von außen. Auch wenn man dem Körper eine von mir unabhängige Existenz zuspräche, könnte er so etwas nicht sein, er könnte sich nur so im Spiegel sehen, oder indem er seinesgleichen seziert.

Der Glaube an "höhere geistige Welten" beruht im Grunde auf genau demselben Irrtum, nämlich auf der Annahme einer solch "niederen" materiellen Existenz. Da man aber in diesem Materiebild das Wunder des Lebens und des Daseins nicht entdecken konnte, mußte man neu erfundene "geistige Existenzen" einführen, um zu einer Erklärung zu kommen. (Wenn sich also beispielsweise etwas Lebendiges bewegt, kann Steiner sich das nur erklären, indem er sich einen "Geist" vorstellt, der die "Materie" bewegt, denn dieser selbst traut er das Wunder nicht zu. Beim "Geist" angelangt aber hört er auf, zu fragen: Wer bewegt den Geist? In dieser abstrakten Form glaubt er an das Wunder des Sichbewegens. Wir sollten an dieses Wunder aber genau an der Stelle glauben, an der es tatsächlich geschieht.) Übersehen wurde dabei, daß diese "geistigen Existenzen" niemals über die Wahrnehmung empfangen wurden, (es sei denn, man maßte sich spezielle "Wahrnehmungsorgane" und "Hellsichtigkeit" an), sondern der gedanklichen Auseinandersetzung mit realen Sinneswahrnehmungen entsprangen und dem Bemühen, diese in ihrer Komplexheit zu begreifen.

Die zwei Erlebnisorte einer Existenz, nämlich das Sichsein, die eigentliche Wahrheit, auf der einen Seite, und das von außen Wahrnehmbare auf der anderen Seite, sind in vollkommen unvereinbarer Weise verschieden. Trotzdem geht es zwingend um ein und dieselbe Identität. In Bezug auf den Menschen bedeutet das also: Geist und Körper sollten nicht eine Einheit bilden, wie das die gängige Vorstellung ist, nein, sie sind bereits ein und dasselbe. Die Begriffe "Geist" und "Körper" sind nur dann anwendbar, wenn man etwa die Funktionen des Kopfes von den Funktionen des Leibes unterscheiden will.

Die Überwindung der Geist-Körper-Vorstellung bedeutet keinesfalls ein Ignorieren all des Wunderbaren, das man sich bisher glaubte, "geistig" vorstellen zu müssen. Sie bedeutet im Gegenteil ein Abschied von jeder Art banal materialistischer Wirklichkeitsvorstellung. Nicht das Wunderbare ist das, was es nicht gibt, sondern das Banale.

Welche Konsequenzen ergeben sich nun aus derartigen Einsichten? Das oft geringschätzige Verhältnis vorallem mehr "geistig" orientierter Menschen zu ihrem Leib und zu ihrer sinnlichen Wahrnehmung der Wirklichkeit sollte ersetzt werden durch den wissenden Glauben, daß wir diesen Leib selbst sind und daß wir mit dieser Wahrnehmung Kontakt mit der Außenseite von etwas haben, dessen Innenseite in seinem Wunder für uns unerreichbar ist, ob es sich nun um ein Lebewesen oder einen "toten" Gegenstand handelt. Und die starke Überbetonung des eigenen Innenlebens wieder vorallem jener "geistig" orientierten Menschen und seine Einschätzung als neue "geistige Umwelt" sollte revidiert werden durch das Wissen, daß es sich bei diesem Innenleben ausschließlich um das eigene Innen handelt, in unserem Kopf und Leib lokalisierbar ist und nicht mit der Umwelt verwechselt werden darf.

Wir sollten versuchen, die Wunschvorstellung von einem Weiterleben dieses eigenen Innern nach dem Tod zu überwinden und uns als das annehmen, was wir sind: Eine lebendige stoffliche Existenz, die nach dem Tod in einen größeren Zusammenhang zurückkehrt.

Und unsere jenseitig orientierten Religionen sollten durch den Glauben an das Wunder der Wirklichkeit erneuert werden.

Teil II: Briefauszüge

Einleitung

In den vergangenen Jahren hatte ich einen intensiven Briefwechsel mit meinem Bruder Roland, der immer mehr zu einer Aufarbeitung meines Konflikts mit meinem anthroposophischen Elternhaus wurde und durch den ich angeregt wurde, meine Sicht der Dinge nach und nach ausführlich niederzuschreiben und schließlich auch dieses Heftchen zu verfassen. Im folgenden will ich nun auf meine ursprünglichen Briefformulierungen zurückgreifen, soweit sie die anstehenden sachlichen Themen betreffen, weil ich das Gefühl habe, daß ich mich da spontaner und lebendiger ausdrücken konnte als in der anfangs versuchten Fassung ohne direkten Ansprechpartner, auch wenn sicherlich die Ordnung zu wünschen übrig läßt (ich habe einfach chronologisch geordnete Brieffragmente aneinandergereiht) und sich das eine oder andere wiederholt. An einigen Stellen habe ich Änderungen oder Ergänzungen vorgenommen und auch verschiedene Briefe miteinander kombiniert, wenn ich damit das Gemeinte klarer machen konnte. Gerne hätte ich auch Rolands Erwiderungen abgedruckt, bekam dafür aber leider keine Genehmigung.

Entzündet hat sich dieser Dialog an der Kriegsvergangenheit meines Vaters mit seinen Brüdern und deren Vater Hermann, die uns erst jetzt in Form von Briefen näher bekannt wurde. Daher geht es zunächst auch um moralische Fragen wie "Gut" und "Böse", und ich habe am Ende noch einige Gedanken zum Thema Naziverbrechen angefügt.

Da in den Briefen immer wieder von Heinrich Jacoby die Rede sein wird, soll den Anfang aber ein Brief von mir an Biene Uhde bilden, in dem ich ihr in groben Zügen von den Entdeckungen dieses Forschers und Pädagogen berichte, die ich hier hauptsächlich auf das Klavierspiel beziehe, die aber für alle Lebensbereiche hilfreich sind.

Beim Studium von Jacobys Arbeit, die mir erst kürzlich bekannt wurde, hatte ich das Gefühl, endlich einmal jemandem zu begegnen, der von der gleichen Wirklichkeit spricht, die ich erlebe, der von Menschen spricht, die gleich gebaut sind und gleich funktionieren wie ich, und der diese Funktionsweise wie kein anderer durchschaut hat. Daher ist es mir ein Anliegen, Interesse zu wecken für diese Art des echten, funktionierenden und daher hilfreichen Realismus, in dem ich die Innovation sehe, die wir vorallem im Schul- und Erziehungsbereich so dringend brauchen. Sein Hauptwerk "Jenseits von ‘Begabt’ und ‘Unbegabt’ ", in dem in Form von Kursprotokollen die Grundlagen "zweckmäßigen Verhaltens" als Voraussetzung für die Entfaltung des Menschen dargestellt sind, sei hiermit wärmstens empfohlen.

Brief an Biene Uhde

20/5/96

Liebe Biene! [...] Ich will versuchen, auf Deine Frage nach der Technik ein wenig einzugehen. Welches Jacoby-Buch hast Du erwischt? Für mich sagt er alles über Technik, was es Nützliches zu sagen gibt. Sein Ansatz ist ja der des "zweckmäßigen Verhaltens", das heißt eine Besinnung auf ein der eigenen "biologischen Ausrüstung" gemäßes Verhalten, wobei es nicht darum geht, diese Ausrüstung verbessern zu wollen, was erstens nicht geht und zweitens nicht nötig ist, da diese Ausrüstung in einzigartiger Weise komplett ist. Es geht vielmehr darum, das, was ohnehin vorhanden ist, zuzulassen, Vorgänge, die sich ohnehin abspielen, geschehen zu lassen, nicht mehr "machen wollen", was mit unserem beschränkten Wissen gar nicht geht, sondern "Es" machen zu lassen. Es geht also darum, unser Bewußtsein "auf Empfang" zu stellen, nicht mehr zu kommandieren und zu "machen", sondern "antennig" wahrzunehmen, was und wie etwas geschehen will. Wir haben eigentlich nur die Wahl, die Vorgänge in uns, unsere Bewegungen entweder geschehen zu lassen oder sie zu stören, was wir tun, wenn wir sie "machen" wollen. Unser Bewußtsein hat gar nicht die Möglichkeit, eine Bewegung zu "machen" - man stelle sich nur einmal vor, welch ungeheures Wissen um die anatomischen oder gar mikrobiologischen Vorgänge dafür nötig wäre. Daher führt jeder Versuch, dies trotzdem zu tun, zu einer Störung der betroffenen Vorgänge. Ein zweckmäßig eingesetztes Bewußtsein gibt einer Bewegung die Möglichkeit, sich zu steuern, darf sich aber nicht in den Vorgang einmischen, sondern sollte zulassen, was ohnehin unbewußt abläuft. Auf den bewegungsmäßigen Aspekt des Klavierspiels bezogen bedeutet das, die Empfindungen im Körper, in der Hand, aufzunehmen, zu fragen, wie sich die Finger selbst bewegen wollen, die Kräfte zu spüren, die nötig sind, um beispielsweise einen Finger zu heben, das heißt zu spüren, welches Gewicht bewegt werden muß, welchen Druck die Tasten entgegenbringen, also "anwesend" zu sein und mit der Aufgabe "in Kontakt" zu kommen. Das A und O ist aber das Ohr, welches die Finger in viel feinerer und sinnvollerer Weise leiten kann als die Konzentration auf die Bewegung als solche.

Interessant ist auch, daß sämtliche Wahrnehmungsvorgänge wie Sehen und Hören usw. umso vollkommener sind, je weniger wir sie bewußt herbeiführen, "machen" wollen. Jeder Muskel, der sich durch "angestrengtes Hinhören", "genaues Hinsehen" usw. spannt, behindert und stört den Vorgang, der sich ja vollkommen und zwingend von selbst abspielt. Es geht also auch darum, das Bewußtsein und die Wahrnehmung geschehen zu lassen, also einen Zustand der Stille zu erreichen, in der sich alle Vorgänge in der ihnen gemäßen Weise abspielen können, die Kraft, das "Es" zu spüren, welches tatsächlich alles ordnet und steuert. Wenn dann Kunst in dieser Weise "geschieht", ist es auch nichts "Höheres" mehr, was nur Auserwählte erreichen, sondern ein ganz natürlicher Vorgang, der jedem Menschen möglich ist und innewohnt. Ich könnte noch viel mehr schreiben, aber ich glaube, Jacoby sagt es klarer, und so hoffe ich, daß Du "Jenseits von ‘Begabt’ und ‘Unbegabt’ " noch irgendwie auftreiben und diese Schätze selbst heben kannst.

Eine seiner äußerst heilsamen Anregungen ist: Hab keine Angst, etwas falsch zu machen. Mache mit Freude falsch, denn wir entdecken das Richtige nur im Gegensatz zum Falschen. Und selbst das Richtige ist solange falsch, solange es nur angelernt und nicht selbst erarbeitet und als richtig erkannt wurde. Er verweist immer wieder auf die Art, wie Kleinkinder sprechen lernen, wie aus einem völlig unbeholfenen Plappern die perfekte Beherrschung der Muttersprache wird, ohne daß man sich je über Zungenstellungen und Lippenbewegungen Gedanken gemacht hat. Das wäre die ideale Weise, zur Musik zu kommen, wobei man erst zum Instrument greifen sollte, wenn die eigene Stimme nicht mehr ausreicht für die einem innewohnende Musik und man dann das Klavier (oder andere Instrumente) wirklich als Instrument, als Hilfsmittel begreift. Improvisierend müßte man sich dann mit dem Klavier vertraut machen, bevor man bereits geschriebene Stücke anderer Leute studiert. Ich kann diesen Weg mit meinen Kindern noch kaum gehen, denn ich bin ihn selbst nicht gegangen, obwohl ich mich erinnern kann, wie ich stundenlang "herumgeklimpert" habe, bevor ich den ersten "ordentlichen" Unterricht bekam. Und ich sehe natürlich auch, wie vollkommen sich die Haltung eines Kindes verändert, wenn es nach dem Abbuchstabieren eines C-Dur-5-Ton-Stücks dazu aufgefordert wird, einmal einfach draufloszuspielen, was ihm gerade einfällt, etwa nur auf den schwarzen Tasten mit viel Pedal, damit es "chinesisch" klingt. Unterstütze also den Improvisiertrieb und verzichte auf Fingerübungen. Fingerübungen sind nur dann sinnvoll, wenn das Kind selbst merkt, daß es eine Aufgabe auf Grund von bewegungsmäßigem Fehlverhalten nicht lösen kann, und wenn sie biologisch zweckmäßig ausgeführt werden. [...] Jetzt aber Schluß. Schreib bald wieder, liebe Biene, Immer Dein Christoph.

Auszüge aus Briefen an meinen Bruder Roland

[ohne Datum]

Was Du über "Gut" und "Schlecht" und das "Höherstehen" des Guten schreibst, so finde ich in der Tat diese Sichtweise wenig hilfreich und der Wirklichkeit kaum angemessen. Auch hier finde ich den Jacoby’schen Ansatz von "zweckmäßigem" und "unzweckmäßigem" Verhalten viel überzeugender, sachlicher, und daher nützlicher. Bei einem, der glaubt, Gutes zu tun, ist ein gewisser Grad von Selbstbeweihräucherung unumgänglich, und ein "guter" Mensch wird zu einem, den er für "schlecht" hält, nie einen echten Kontakt herstellen können. Ich halte nichts für unklüger, als einen anderen Menschen "böse" zu finden oder das eigene Handeln als "gut" einzustufen. Wenn ich nun dieser "Böse" wäre und Du würdest als "Guter" zu mir kommen, um das "Gute" in mir zu wecken, ich würde Dich zum Teufel jagen, und zwar zu Recht. Vielleicht erinnerst Du Dich an die wenigen, aber äußerst bedeutenden Sätze, die Jacoby zum Thema Naziverbrecher hinterließ. Selbst dieser absolute Gipfel des Schlechten und Bösen ist letztlich mit eben dieser Gut-Schlecht-Werteskala nicht faßbar, nicht verstehbar, und damit eine Wiederholung nicht ausschließbar. Verstehen heißt in einem solchen Zusammenhang auf keinen Fall billigen. Aber wir können unsere Fehler nur dort korrigieren, wo wir sie verstehen, und wir erlangen dieses Verständnis nur über den Weg einer echten Kontaktaufnahme und einer gründlichen sachlichen Untersuchung der Vorgänge. Einen Mörder als böse Bestie zu sehen ist zwar äußerst verständlich, aber es ist nicht zweckmäßig - im Sinne einer Verhinderung weiterer Morde. Hilfreicher wäre es, einmal den ganzen Ballast von menschlichen Wertvorstellungen wie "gut" und "böse", "höher" oder "tiefer" stehend über Bord zu werfen und sachlich zu untersuchen, welche Gründe, Entwicklungen und Situationen dazu führen, daß ein Mensch sich destruktiv verhält.

Hinsichtlich des Klavierspiels denke ich auch oft an "höher" und "tiefer" stehend, wenn ich beispielsweise Rachmaninoff mit mir selbst vergleiche, aber ich spüre, daß es den Kern nicht ganz trifft. Wäre es nicht richtiger, von verschiedenen Stadien der Entwicklung zu sprechen? Die Vorstellung von "höher" und "tiefer" oder vom "Besonderen" ist gerade auch in der Kunst überhaupt nicht hilfreich. Auch das hat mir bei Jacoby eingeleuchtet. So ist auch unsere Familie nichts Besonderes, oder alle Familien der Welt sind etwas Besonderes. –

23/10/96

Ich glaube, wir geraten langsam in Gefahr, uns um Begriffe zu streiten, da sie eben nicht identisch sind mit der Wirklichkeit, sondern nur Hinweise, und ich glaube, es ist wichtig, das zu erkennen und den Versuch aufzugeben, die Wirklichkeit begrifflich nachbilden zu wollen und sie in dieser Form für das Original zu halten. Es kann also durchaus sein, daß Du, wenn Du von Geist und Körper sprichst, etwas meinst, was ich auch so nachvollziehen kann, wenn Du beispielsweise die Funktionen von Kopf und Leib ansprichst. Wenn Du aber, nach allgemeinem Verständnis der Religion oder Philosophie, mit Geist und Körper zwei verschiedene Daseinsformen meinst, die sich trennen können, so halte ich das für den Irrtum, den ich so verhängnisvoll finde. Ich habe auch nie die Formulierung, Geist und Körper sollten eine Einheit bilden, unterstreichen können, weil darin ja genau diese Dualität vorausgesetzt wird. Ich widerspreche Dir da also ganz eindeutig und sage: es ist ein und dasselbe, eine Identität, eine Organisation, unteilbar, komplett, nur von verschiedenen Standpunkten aus erlebt, nämlich einmal so, wie es von außen wahrnehmbar ist, und einmal seine nicht in Begriffe übersetzbare Wirklichkeit, Wahrheit (für mich im Grunde dasselbe), sein Sein schlechthin.

Ich glaube, der einzige Weg, aus dieser Verwirrung herauszukommen, liegt im Verständnis dessen, was in uns selbst vorgeht, vorallem im Kopf, im Denk- und Vorstellungsbereich. Das fängt damit an, daß man diese Vorgänge überhaupt erst einmal lokalisiert. Wenn wir die Augen schließen, haben wir ja ein Gefühl kosmischer Weite, das nicht an den Grenzen unseres Körpers zu enden scheint, höchstens da, wo wir die Erde berühren, da die Luft nicht genügend Widerstand bietet, um uns unsere Grenzen spüren zu lassen. Ich glaube, das allein führt bei vielen schon dazu, diesen inneren Kosmos als eine vom Körper ablösbare Seinsform mißzuverstehen, und die eigenen Bilder oder Gedanken als neue Wirklichkeiten zu empfinden. Zu erkennen, daß es sich bei diesem Kosmos um das eigentliche Sein unseres Körpers handelt, daß dieser Kosmos lokalisierbar ist, daß unsere Gedanken und Vorstellungen unsere eigenen Reaktionen auf die aus der Umwelt erfahrenen Wahrnehmungen sind und nicht mit den außer uns befindlichen Realitäten identisch sind, das wäre der wichtigste Schritt zu einem echten Kontakt mit der Wirklichkeit, zu einer Gesundung unserer Verwirrung. Dies also noch einmal der Versuch, meinen Glauben in einigen Sätzen zu beschreiben.

Noch einiges zu dem, was Du schreibst: Zunächst finde ich es wenig stichhaltig, zu glauben, ein Begriff würde nur deshalb auf eine Wahrheit hinweisen, weil er sich herausgebildet hat. Das müßtest Du eigentlich nach kurzem Nachdenken zugeben müssen (angefangen bei Jacobys "Sonnenuntergang").

Auch die Sache mit der Eigenliebe als Keim des Schlechten und der selbstlosen Nächstenliebe als Keim des Guten findet bei mir wenig Gegenliebe. Wir alle haben in uns eine steuernde Kraft, die uns das tun läßt, was für unser Wohlbefinden zuträglich ist, und das meiden läßt, was uns nicht gut tut. Es ist dies die Kraft, die uns am Leben hält. Und selbst wenn jemand schlimme Strapazen auf sich nimmt, um anderen zu helfen, folgt er dieser Kraft, die eben nicht "schlecht" ist und nicht mit abschätzigen Begriffen wie "Lustprinzip" oder "Eigenliebe" zu begreifen ist. Hier sehe ich auch einen großen Gegensatz zwischen Jacoby und der Kirche. Für die Kirche ist der Mensch von Natur aus mit seinen Trieben und Bedürfnissen "schlecht" und muß sich anstrengen, diese Kräfte zu überwinden, um "gut" zu werden. Bei Jacoby geht es darum, das, was von Natur aus da ist, zuzulassen und von allem Störenden zu befreien, um eine Entfaltung des Menschen möglich zu machen. Für mich ist es ein wichtiger Schritt zur Aufrichtigkeit, daß man dieser inneren Kraft, der wirklichen Eigenliebe, folgt - jeder folgt ihr, aber daß man weiß, daß man’s tut, - daß man mit großer Aufmerksamkeit lernt, das zu tun, was einem gut tut - und das ist oft schwierig zu erkennen, denn nur solche Verhaltensweisen tun uns gut, die auch mit der Umwelt zusammen funktionieren, - und ich bin überzeugt, daß man auf diesem Wege auch am segensreichsten für seine Umgebung wirken kann, und zwar nicht aus sentimentalen, sondern aus sachlichen Gründen und Einsichten heraus. Jemand, der glaubt, sich verleugnen zu müssen, um nur für andere da zu sein, ist für mich ein im Grunde unehrlicher Mensch, und ich würde seine Gesellschaft meiden. Also ich kann nach wie vor mit "Gut" und "Böse" nichts anfangen, ja mehr noch: ich halte ein Denken in diesen Kategorien für gefährlich, ist doch meist das, was sich für gut hält das, was das Böse hervorbringt.

11/12/96

Eines ist inzwischen deutlich geworden: Wir sind doch sehr verschieden. Ich glaube, es ist gut, das als Tatsache zu akzeptieren. Es geht mir überhaupt nicht darum, eine "Meinung" zu vertreten oder in edlem Wettstreit von Argumenten jemanden überzeugen zu wollen. So etwas ist ohnehin nur möglich, wenn von vorneherein ein weitgehender Gleichklang gegeben ist. Die einzigen Erkenntnisse, die für einen selbst wirklich Wert haben, sind die, die man selbst "macht" aus innerer Notwendigkeit heraus. Wenn man nun im Grunde zufrieden ist mit seiner Sicht der Dinge, besteht kein Handlungsbedarf, und man kann Diskussionen wie die unsere spielerisch betreiben, ohne wirklich betroffen zu sein. Wenn sich aber Fragen ergeben, die existentiell interessieren und drängen, muß man die Antworten letztlich selbst finden, man erfährt sie nicht von anderen, keiner kann einem etwas erzählen, für das man sich nicht schon eine Verständnisbereitschaft erarbeitet hat, oder andersherum, man kann nichts begreifen von den Worten anderer, das man nicht selbst schon bis zu einem gewissen Grad verstanden hat. So finde ich nur klug, wenn Du alles mögliche lesen und hören kannst, ohne Dir eine Meinung zu bilden. Ich vermute, daß diese Fähigkeit Dir auch Deinen eigenen Kopf vor der Anthroposophie gerettet hat. Eine Meinung zu haben, ist im Grunde albern. Sich eine Meinung bilden bedeutet nach meinem Verständnis ein subjektives Abwägen, Beurteilen, Interpretieren nach "gut-schlecht"-Wertmaßstäben, das in vielen Situationen notwendig sein mag, gegenüber anderen Lebewesen aber meist wenig segensreich ist und oft verletzend sein kann. Das Aufdecken von Wirklichkeitszusammenhängen, das sich an "richtig" und "falsch" orientiert, unterscheidet sich davon ganz grundsätzlich. Worum es mir geht, ist der Kontakt mit der Wirklichkeit, auch der eigenen Wirklichkeit aus Fleisch und Blut, ein zweckmäßiger Einsatz unseres Kopfes als möglichst verzerrungsfreier Spiegel, und ich sage deshalb "verhängnisvoll" zu Geist-Körper-Vorstellungen, weil das selbstproduzierte Hirngespinste sind, die wir niemals wirklich so wahrnehmen, und die dem Kontakt mit der Wirklichkeit nur störend im Weg stehen. Wenn Du nun glaubst, zu verstehen, was ich "meine", und anschließend fragst, was mit der "Seele" im Schlaf oder im Tod passiert, so hast Du eben gar nichts verstanden. Wenn da irgendetwas in Dir bohrt, das gelöst werden will, dann gehe Deinen Bildern wirklich auf den Grund, führe beispielsweise das "Materie"-Bild bis zur letzten Konsequenz, dann wird es sich irgendwann wirklich als Bild, als Dein eigenes Bild zu erkennen geben, und dann wird es verschwinden und den Blick nach draußen wieder freigeben.

Noch einmal zur Frage "Meinung": Ist zum Beispiel Jacobys Ansatz vom zweckmäßigen Verhalten auch eine "Meinung", die davon abweichende "Meinungen", das heißt weiterhin unzweckmäßiges Verhalten, als ebenso glückbringend tolerieren sollte?

1/1/97

Also gut, probieren wir noch einmal, wie weit wir gemeinsam gehen können: Beispiel: wir haben einen Stein vor uns. Die Wirklichkeit / Wahrheit dieses Steins ist doch nun ganz einfach dieser Stein da draußen, und wir kommen mit dieser Wirklichkeit in Kontakt, indem wir sie empfangend wahrnehmen, sehen, fühlen usw. In dem Moment, wo wir uns fragen: was ist das?, beginnen wir, die wahrgenommenen Eindrücke in uns selbst festzuhalten und zu studieren, das heißt sobald wir über eine Sache nachdenken, richten wir den Blick nach innen, wir sehen jetzt also nicht mehr die Wahrheit, sondern im Grunde uns selbst, und wir unternehmen den Versuch einer Nachbildung, einer Kopie der Wirklichkeit. Was geschieht nun? Das, was sich uns in Wirklichkeit als Identität gezeigt hat, zerfällt, zu einem gedanklichen Abbild erstarrt, in verschiedene Aspekte. Und jetzt findet die Trennung Geist - Körper statt. Das, was sich hart angefühlt hat, wird eine Sache, das Wunder der Schwerkraft eine andere. Wenn der Stein rund und schwarz war, würde vielleicht in Steiners Kopf ein Wesen der Rundheit und ein Wesen der Schwärze entstehen. Die Wirklichkeit aber liegt weiterhin einfach da draußen, unabhängig von den Vorgängen, die sie in uns ausgelöst hat. Können wir uns darauf einigen, daß es sich bis hierhin nicht um eine "Denkmöglichkeit" handelt, nicht um eine ständig neu zu revidierende Erkenntnis, sondern um eine schlichte Tatsache?

Wenn diese Zusammenhänge aber wirklich verstanden sind, lösen sich im Grunde alle Fragen von selbst, der Kopf beruhigt sich, unsere Gedankenkonstruktionen, die sich wie Krebsgeschwulste ausgebreitet hatten bei dem Versuch, immer neue "Warums" und "Was" (wie schreibt man die Mehrzahl von "Was"?) zu beantworten, verschwinden, und plötzlich spürt man wieder die Wirklichkeit selbst, kann auf Empfang stellen und fühlt sich glücklich. An die Stelle des vergeblichen Versuchs, die Wirklichkeit in uns zu finden oder nachzubilden, tritt nun die Notwendigkeit, an die Wirklichkeit da draußen zu glauben, an das Wunder der Existenz schlechthin, denn das Wunder fängt nicht erst mit dem Leben an: daß etwas existiert, ist bereits das Wunder, und wenn etwas existiert, ist es auch schon komplett, braucht keine "Hilfe" von "höheren" Existenzen. Eine teilbare Existenz ist höchste Absurdität.

Jetzt noch einmal zum Kontakt mit der eigenen Wirklichkeit. Haben wir grundsätzlich begriffen, was vorgeht, ist es nun durchaus nicht verboten, über etwas nachzudenken, aber wir werden das jetzt ganz anders tun und bewerten. Es ist im Grunde unser Verdauungsprozeß der empfangenen Wahrnehmungen, und wie jeder Verdauungsprozeß muß auch dieser immer wieder zu einem Abschluß kommen, das heißt jede gedankliche Arbeit muß das Ziel haben, ihre Aufgabe zu erfüllen und anschließend zu verschwinden, und nicht etwa unverdauliche Monstren hervorzubringen. Aber weiter zur eigenen Wirklichkeit: Was so verwirrend ist, ist wohl, daß wir eine Existenz sind, die die Möglichkeit hat, sich selbst wahrzunehmen, wahrzunehmen, was man gleichzeitig ist, und vielleicht fühlt man sich daher noch mehr befugt und fähig, eine gedankliche Nachbildung der eigenen Wirklichkeit zu versuchen. Man begibt sich dabei aber auf den gleichen Irrweg wie mit fremden Existenzen. Fangen wir an, ein Bild von uns zu entwerfen mit "Körper" und "Seele" usw., wenden wir den Blick praktisch von uns ab, sehen nicht mehr uns selbst, sondern ein Abbild, das ein wenn auch winziger Teil unserer Existenz ist, das heißt innerhalb unserer Existenz hervorgebracht wird, aber eben nicht mehr ist als ein Bild, ein Stromschlag innerhalb eines komplexen Universums (ich bin es also nicht, das Bild, das ich von mir sehe). Vielleicht kann man sogar so weit gehen, zu sagen, daß in dem Moment, wo ein innerlich wahrnehmbares Bild entsteht, sei es von der Umwelt oder von uns selbst, für die Dauer dieses Moments unser Wahrnehmungssystem gestört wird, das nämlich im gesunden Zustand diesen vorhin beschriebenen gedanklichen Verdauungsprozeß durchaus unbewußt bewältigt und uns in die Lage versetzt, den Blick immer nach draußen gerichtet und immer auf Empfang gestellt zu lassen, genau so wie der Austausch innerhalb unserer eigenen Existenz normalerweise unbewußt abläuft, ohne Stauungen im Kopf zu verursachen. Das, was wir "Bewußtsein" nennen, ist eben nicht die hohe Schaltzentrale, die alles steuert, sondern es ist unsere Wahrnehmungszentrale, das heißt eine Empfangszentrale, keine Sendezentrale, es ist die Möglichkeit für unser "Es", für unsere Existenz, sich selbst wahrzunehmen und dadurch auch sich selbst zu entwickeln oder zu verändern. Wir haben ja, wenn wir Klavier spielen, die Möglichkeit, diese Zusammenhänge ganz nah zu erleben, etwa bei einer schweren Stelle die völlige Ohnmacht des Bewußtseins, da "machend" einzugreifen.

Obwohl ich nun glaube, daß Deine Fragen vom vorigen Brief sich eigentlich nach all dem selbst beantworten, möchte ich noch versuchen, darauf einzugehen:

"Kausalität zwischen Körper / Krankheit und Seele" (Deine Frage). Ich würde eben nicht von "Kausalität" sprechen, sondern von "Identität". Alles, was sich innerhalb unserer Existenz abspielt an Gefühlen, Gedanken usw., existiert tatsächlich stofflich, wir werden umso gesünder sein, je vollkommener die verschiedenen Kräfte in uns durch ein empfangendes Bewußtsein mit sich in Kontakt kommen können, und umso kränker, je mehr ein mißverstandenes Bewußtsein glaubt, die Führung übernehmen zu können.

Beispiel: Essen. Es ist bestimmt gesünder, die Wahl und die Menge der Nahrung auf das tatsächlich wahrgenommene Bedürfnis des Bauches abzustimmen, als das Diktat einem Arzt oder einem Gesundheitsbuch zu überlassen.

Beispiel: Gefühle, Reaktionen auf die Umwelt, auf Mitmenschen. Das ist das Gebiet, wo auf Waldorfboden die verheerendsten Fehler praktiziert werden. Gefühle wie Liebe, Abneigung oder Bewunderung sind natürliche Reaktionen, die ohne unser Zutun entstehen, und die uns Auskunft über die jeweilige aktuelle Beziehungssituation geben. Sie genau wahrzunehmen und sich nach ihnen zu richten macht uns nicht zum unkontrollierten Kriminellen, sondern zu einem ehrlichen und auch gesunden Menschen. Der Versuch, dem wir in der Waldorfpädagogik auf Schritt und Tritt begegnen, nun Gefühlsreaktionen, die man für "gut" hält, willentlich herbeizuführen, anzuerziehen, stört unseren Kontakt und unsere Reaktionsbereitschaft auf die Umwelt in folgenschwerer Weise und erzieht uns zu einem ewig unsicheren, unbewußt unehrlichen So-tun-als-ob, zur Scheinheiligkeit. Der sicherste Weg, ein Gefühl wie Liebe in kalte Erstarrung zu verwandeln, ist der Versuch, diese Liebe bewußt herbeizuführen. Ein Kind dazu zu erziehen, irgend etwas schön zu finden, ist gröbster Unfug. Beispiele:

1. Du magst Aprikosen. Ein echtes Gefühl, das niemals auf die Idee kommen würde, sich nun selbst "gut" zu finden.

2. Du magst keinen Kohl, sagst Dir aber, Kohl ist auch eine Pflanze Gottes und ich will sie daher genauso liebhaben wie Aprikosen - ein "Waldorfgefühl", das sich selbst "gut" findet, denn man hat sich ja überwunden (in Wirklichkeit belogen). -

Natürlich sind unsere Gefühlsreaktionen auf andere Menschen unendlich viel komplexer als die auf Aprikosen oder Kohl. Trotzdem ist das Beispiel bis zu einem gewissen Grad übertragbar. Ein echtes Liebesgefühl zu einem anderen Menschen kommt nicht auf die Idee, sich selbst "gut" zu finden, da es einem eigenen Bedürfnis entspringt und nicht einem eigenen Verdienst. Ein echtes Gefühl ist also auch immer ein in positivem Sinne egoistisches Gefühl und nicht ein Für-andere-tun, das Für-den-anderen-tun ist erst die Folge dieses Gefühls.

Auf seine echten Gefühle zu hören und sich nach ihnen zu richten, dazu gehört Mut. Und daß bei Dir dann immer gleich Vorstellungen von Sadismus, Mord und Totschlag hochkommen, zeigt, wie groß Deine Angst vor der eigenen Wirklichkeit ist, wie wenig Vertrauen Du zu diesen Kräften hast. Und dann muß man sie von Anfang an züchtigen und bändigen, damit sie "gut" werden, und läßt ihnen keine Chance, natürlich zu geschehen. Mord und Totschlag aber ist erst eine Folge von selbst erlittener Vergewaltigung. Ein von Anfang an ernstgenommenes Kind, das nicht "zu irgendwas" erzogen wird und dessen Entwicklung ungestört geschehen kann, wird niemals zu einem sadistischen Mörder werden, nicht einmal eine Pubertätskrise wird es haben, dafür gibt es hier in Thailand viele Beispiele.

Auch ablehnende Gefühle sind, wenn sie als absichtslose Reaktion entstehen, nicht als "böse" zu unterdrücken – unterdrückte ablehnende Gefühle verschwinden ja nicht, sondern werden im Gegenteil zu Monstern – sondern ernstzunehmen als Signale von Unverträglichkeiten, eigenen oder fremden Fehldispositionen oder eines fehlerhaft funktionierenden Kontakts. In dem Moment, wo ich versuche, beispielsweise ein aufkommendes Wut- oder Haßgefühl zu verstehen, mit ihm in Kontakt zu kommen, wird ein unkontrollierter Ausbruch wohl kaum noch möglich sein.

Der Glaube an die Wirklichkeit stattet uns mit einer Grundachtung vor jeder fremden Existenz aus, für unseren Kontakt mit diesen Existenzen aber sind unsere Gefühlsreaktionen unverzichtbare Botschaften, die nicht ignoriert und nicht willentlich verfälscht werden dürfen.

"Wie ist das mit Verletzungen, Verstümmelungen, Amputationen, im Hinblick auf die von Dir behauptete Identität von Geist und Körper?" (Deine Frage). Wenn ich irgendwo verletzt oder verstümmelt bin, bin ich tatsächlich an diesem Punkt meiner Existenz verletzt oder verstümmelt. Punkt.

"Was passiert mit der Seele im Schlaf, im Tod?" (Deine Frage). Ich stelle Dir auch ein paar Fragen: Was passiert mit dem Licht, wenn es ausgeht? Was passiert mit der Bewegung, wenn etwas zum Stillstand kommt? Was passiert mit der Wärme, wenn etwas kalt wird? Genauso abwegig, nun anzunehmen, diese Erscheinungen würden in andere Welten abschweben, genauso abwegig fände ich, das bei den Erscheinungsformen des Lebens anzunehmen. Es geht eben nicht um das Auseinanderfallen bausteinartig zusammengesetzter Kreaturen, sondern es geht um Zustandsveränderungen von Existenzen.

"Woher kommt Phantasie, Kreativität, Genialität?" (Deine Frage).

Auf diese Frage möchte ich gerne eine Antwort von Heinrich Jacoby einfügen:

[...] Wir sollten überprüfen, was wir, die wir überwiegend aus der intellektuellen Mittelschicht kommen, unter Phantasie verstehen. [...] Es spielt höchstwahrscheinlich eine zum Teil unbewußte Vorstellung von dem mit, was Kultur sei, was Kunst, und wieviel von alledem als das Höhere unser tägliches Leben verschönern müßte! Solche Vorstellungen haben wir zum Teil mit der Atmosphäre unserer Kinderstube aufgenommen, zum Teil von bewunderten Vorbildern übernommen, zum Teil auch literarischen Einflüssen zu verdanken. Oft hat sich daraus eine Art Ideal entwickelt, wie man selber sein und werden solle, beziehungsweise wie andere - auch Kinder - sein sollten, ein Ideal, das nach meinen Erfahrungen die Möglichkeit ungestörter, lebensnaher Entwicklung junger Menschen beeinträchtigt. Nur wenn später das Leben die betreffenden Menschen etwas rauh anfaßt, wird vielleicht einiges wieder zurechtgerückt. Sonst werden sie zu jenen "mehr für Geistiges" interessierten Menschen, die überzeugt sind, daß es nur auf das, was sie für das Höhere halten, im Leben ankomme. So bekommen sie nicht nur ein falsches Bild vom realen Leben - und nicht nur vom realen Leben der großen Masse, das alles andere als erfreulich ist - sondern auch ein problematisches Bild von einem Leben, wie es ihnen persönlich wünschenswert erscheint, aber im Interesse einer besseren Zukunft der Menschheit nicht wünschenswert ist.

Wenn wir mit Phantasie etwas meinen, das im Menschen entsteht, etwas, das bewirkt, daß er in seinen Äußerungen Gehalte bringt, die nur bei ihm selber und nicht durch Kommunikation mit der Umwelt gewachsen sind, [...] so läßt sich das bei näherem Überprüfen nicht aufrechterhalten. Wenn ein Mensch in einem produktiven Sinne Phantasie hat, so nährt sich diese Phantasie von dem, was er in seinem bisherigen Leben gelebt hat. Die bedeutenden Schöpfungen der "Phantasie" in den Meisterwerken der Kunst entstehen bei Menschen, die der Realität des Lebens gegenüber besonders aufgeschlossen sind. Die großen Meisterwerke der Literatur und der bildenden Kunst enthalten doch gewissermaßen einen Extrakt aus der Realität. [...]

Die großen Werke der Kunst sprechen so viele Menschen über weite Epochen an, weil in ihnen so allgemein Menschliches und allgemein Gültiges ausgesprochen oder dargestellt ist und nicht etwas "Phantastisches"!

H. Jacoby (Auszug aus Kurs 18, "Jenseits von ‘Begabt’ und ‘Unbegabt’ ", 26.4.1945)

28/1/97

Verstanden fühle ich mich noch nicht von Dir, solange Du von "meinen Gedanken" sprichst und nicht von den Wirklichkeiten, auf die sie hinzuweisen versuchen. Aber vielleicht können wir’s heute wirklich mal auf den Punkt bringen. Es besteht da ein Mißverständnis, das ich eigentlich schon ausgeräumt zu haben glaubte. Ich habe keine negative Einstellung zu zweckmäßiger gedanklicher Auseinandersetzung, sie ist für uns unerläßlich für die Verarbeitung unserer Wahrnehmungen, und sie verhilft, auch darin gebe ich Dir recht, zu immer differenzierterer Wahrnehmung, Aber: sie ist selbst keine Wahrnehmung!! Das Denken hat keine "Antenne" nach draußen, die Antennen sind unsere Sinnesorgane. Das ist ja gerade der Grundirrtum von Steiner und auch von Vater gewesen, das Gehirn sei ein Wahrnehmungsorgan für die "geistige Umwelt". In dieser Weise mißverstanden koppelt uns das Denken vollständig von der Wirklichkeit ab und gebärdet sich selbst als Wirklichkeit, und das ist das, wozu ich eine negative Einstellung habe und was ich immer als "verhängnisvoll" bezeichne. Wenn Du an mich denkst, so kann ich Dir versichern, daß Du nicht mich persönlich vor Dir hast und schon gar nicht meinen "Geist". Du zehrst dann von den früher gemachten realen Wahrnehmungen und Deinen Reaktionen darauf, und wenn Du das für meine Wirklichkeit hälst, hast Du den Kontakt zu mir verloren. Das Denken ist Teil unseres Innenlebens und kann sich innerhalb unserer Existenz selbst wahrnehmen und seine Funktion erkennen, und das ist letztlich vielleicht seine wichtigste Aufgabe. Ein Hinweisschild auf New York muß wissen, daß es lediglich ein Hinweisschild ist, und darf sich nicht selbst für New York halten. Das darfst Du auch im Hinblick auf die Sprache niemals vergessen, daß Begriffe wie "Gedanken" und "Gefühle" Hinweisschilder auf eine komplexe Wirklichkeit sind, in der eine solche Trennung im Grunde nicht besteht.

Und jetzt probiere einmal, wirklich substanziell zu denken: Hast Du Dir einmal klargemacht, daß wir es bei unseren Sinneswahrnehmungen, bei allem, was wir mit "Körper", "Materie" usw. benennen, immer mit Außen ansichten zu tun haben? Selbst wenn wir etwas bis zum Atom hinunter auseinandernehmen, dann sehen wir eben das Innere von außen. Das tatsächlich Innere, das Sein, ist für uns vollkommen unerreichbar, da wir eben nur uns selbst sein können, aber es ist vollkommen zwingend, an dieses Sein in der Umwelt zu glauben. Und so unmöglich es ist, eine Existenz von ihrer Außenansicht zu lösen, genauso unmöglich ist es, "Geist" und "Körper" voneinander zu lösen, zwei Hinweisschilder auf eine Identität.

20/5/97

Worin unterscheidet sich die Waldorfschule von einer Sekte? Vielleicht durch das Fehlen eines kriminellen finanziellen Hintergrunds, nicht aber in dem, was sie aus ihren Mitgliedern macht und was ich zusammengefaßt so beschreiben würde: Verlust einer natürlichen Beziehung zur Wirklichkeit, ein Bewußtsein "geistiger" Überlegenheit und Dünkelhaftigkeit gegenüber andersartigen Menschen, und all das, ohne es selbst zu merken. Zum ersten Punkt hab ich ja bereits ausführlich geschrieben und möchte nun auf den letzten Aspekt ein wenig eingehen, indem ich einfach ein paar Beispiele aufzähle: Ein zarter, dünner Mensch galt als "fein" ("durchlässig für Geistiges"), einer mit kräftigem Körperbau eher als grob oder "simpel". Hohe oder niedere Stirn war ein Zeichen für hohe oder niedere Gesinnung, in die Stirn gekämmte Haare waren Zeichen beschränkter Intelligenz, desgleichen schlürfender Gang, Fernsehen, Biertrinken, Fußballspielen usw. Merkmale von Zweitklassigkeit waren. In diesen Zusammenhang gehört auch der Unsinn mit dem "musikalischen Hinterkopf". Besonders schlimm: Weißt Du noch, daß wir die Behinderten der Schubertschule "Döfchen" nannten? Wirds Dir nicht schlecht, wenn Du daran zurückdenkst? Oder denkst Du immer noch in diesen Kategorien?

Der tiefe Eingriff in die Persönlichkeit, den die Waldorferziehung glaubt, sich erlauben zu dürfen, und der es vielen - den meisten? - später unmöglich macht, sich überhaupt außerhalb der Waldorfkreise zu bewegen, ist ein weiteres Sektencharakteristikum. Stelle Dir nun einmal eine Familie vor, die einer Sekte verfallen ist, und einer bricht aus: wären da nicht Deine Sympathien bei dem einen?...

23/6/98

Ich will noch einmal versuchen, Dich zu einem genaueren Verständnis dessen, was ich zur Wirklichkeit schrieb, zu "zwingen". Zeige mir bitte die Stelle, wo ich etwas anderes tue als auf Tatsachen hinzuweisen, die für jedermann wahrnehmbar sind, Vorgänge zu beschreiben, die für jedermann erlebbar und nachvollziehbar sind. Das hat nichts mit einem Gedankengebäude zu tun, im Gegenteil, mein Bestreben war immer, solche Gedankengebäude abzubauen. Auch Jacoby hat niemals ein Gedankengebäude errichtet, sondern bleibt immer präzise an der Wirklichkeit.

Noch mal zum Thema "Denken": Ich habe keinerlei Skepsis gegenüber dem Denken, es ist für unseren Kontakt mit der Wirklichkeit unerläßlich, ich hatte es damals als Verdauungsprozeß unserer Sinneswahrnehmungen beschrieben, und alles, was ich selbst von mir gebe, entspringt natürlich diesem "Verdauungsprozeß". Ich hatte nur davor gewarnt, es mit der Wirklichkeit selbst zu verwechseln, und habe es als Prozeß in unserem Kopf lokalisiert. Die Wirklichkeit selbst, oder wie Du es nennst, die "letzten Fragen der Wirklichkeit", hatte ich für das Denken als vollkommen unerreichbar beschrieben, ich habe also keine Denkmöglichkeit entworfen.

Und warum mißachtet man das Wunder des Lebens, wenn man akzeptiert, daß es auch zu Ende geht? Ist nur das ein Wunder, was ewig währt?

Wenn Du mit dieser Thematik weitermachen willst, beantworte mir doch einmal folgende Frage: Gibt es Richtig, und gibt es Falsch, und wenn ja, muß das Richtige das Falsche tolerieren? (Stells Dir zum Beispiel auch in der Musik vor, wenn jemand einen Notentext falsch lernt...)

21/8/98

Zum Schluß auch noch zur Philosophie: Also, was Du Dir alles einfallen läßt, um meine schönen, klaren Aussagen immer wieder als "Denkmöglichkeiten" in den Bereich reiner Spekulation zu rücken, ich hab wirklich lachen müssen (aber es war kein böses Lachen). Du setzt Deinen Hebel jetzt aber an einer wirklich gefährlichen Stelle an, wenn Du in solcher Weise über die "Voraussetzungen" sprichst, auf denen es ein "Richtig" und "Falsch" geben kann. Denn da gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder man nimmt die Wirklichkeit als Voraussetzung, oder man läßt sich am besten auf schnellstem Wege in die nächste Klappsmühle einweisen. Ich müßte also meine Frage genauer so formulieren: Gibt es auf der Grundlage der Wirklichkeit richtig und falsch? Und die Antwort lautet eindeutig ja. Man kann die Wirklichkeit falsch lernen und richtig lernen, und das gilt ganz besonders auch für die eigene Wirklichkeit und die Vorgänge innerhalb der eigenen Existenz. Was Du jetzt zur Wahrnehmung und zum Denken schreibst, finde ich so alles richtig. Natürlich war meine Darstellung mit dem Verdauungsprozeß äußerst grob, natürlich greift das alles gleichzeitig ineinander, das Gedächtnis, Deine "Zusammenschau zeitlich nacheinander stattfindender Ereignisse" usw., und eine reine sinnliche Wahrnehmung gibt es nicht, das ist alles richtig. Aber die Eingänge für die Außenwelt sind die Sinnesorgane, und falsch wäre, anzunehmen, das Denken hätte noch einen speziellen Eingang und unsere inneren Bilder wären direkte Außenweltwahrnehmungen. Daß wir nach dem Tod nicht verschwinden, ist auch klar, wir faulen eben vor uns hin, gehen zurück in das große Reich der unbewußten Materie.

Wenn Du aber vom unlösbaren Rätsel von Raum und Zeit sprichst, birgt sich hier wieder die Gefahr des Falschen, ganz ähnlich wie bei der Körper-Geist-Vorstellung, denn falsch wäre, sich die "Zeit" als selbständige Daseinsform vorzustellen. "Zeit" ist ein von uns geschaffener Begriff, der auf die Bewegung und Veränderung von Existenzen hinweist. Mit der Uhrzeit orientieren wir uns an der großen Bewegung der Planeten, aber im Grunde hat jedes Ding seine eigene "Zeit", und in Wirklichkeit gibt es die Trennung Raum - Zeit nicht, sondern es handelt sich wieder um verschiedene Aspekte einer Identität.

An dieser Stelle möchte ich nun noch einmal eine Passage von H. Jacoby zu unserer Kernfrage "Geist und Körper" abdrucken, denn es tut doch gut, wenn man von so kompetenter Seite eine Bestätigung erfährt und nicht immer nur das Gegenteil erlebt – die Hervorhebungen durch Sternchen sind von mir:

Wenn wir uns mit der Bedeutung von Verhaltensqualitäten für die Entfaltung des Menschen und für qualifizierte Leistungen auseinandersetzen wollen, müssen wir die Qualität der körperlichen Situation in die Auseinandersetzung mit einbeziehen. Wo es allein um den "Geist" geht, stimmt etwas nicht, und wo es allein um den "Körper" geht, stimmt ebenfalls etwas nicht. Auch dieses geradezu zur Selbstverständlichkeit gewordene Auseinanderfallen der Ganzheit Mensch ist nichts Zufälliges. Wenn man den Menschen studieren und beschreiben wollte, bestand zunächst die große Schwierigkeit, die außerordentlich komplexen Erscheinungsformen und Lebensäußerungen dieser Ganzheit zu erfassen. Aber jener historisch notwendig gewesene Schritt, das Menschsein dabei in "Körper" und "Geist" aufzuspalten, hat sich mit der Zeit in der "Wissenschaft" vom Menschen *geradezu verheerend ausgewirkt*. Weder können wir die geistig-seelische *"Schauseite"* wirklich verstehen, solange wir den Menschen nicht als Ganzes sehen, noch können wir die körperliche *"Schauseite"* verstehen, wenn wir den Menschen nicht als Ganzes nehmen. Sobald wir uns nur isoliert für eine Seite interessieren, wird das Bild, das wir bekommen, *falsch*, und deswegen werden auch die Maßnahmen, die wir auf Grund dieses Bildes ergreifen, problematisch. Wir werden kaum sonst in ähnlichem Ausmaß so drastisch unzweckmäßiges Verhalten finden, wie in der beziehungslosen Art, in der "Kultur"-Menschen sich oft gegenüber ihrem Körper verhalten. Auch das ist kein Zufall. Was für eine Verpönung des Leibes hat allein eine mißverstandene "religiöse" Erziehung während Jahrhunderten bei uns zustande gebracht. Ähnlich verheerend wirkt sich noch jetzt jene isolierende Mentalität aus, die uns daran gewöhnt hat, die Ganzheit Mensch in Körper und Geist oder in Leib und Seele zu sondern und *jene gar nicht existierenden Teile* auch noch verschieden zu bewerten. So ist der Körper, nicht nur für betont "geistige" Menschen, etwas Minderes geworden, das man beherrschen will und das zu "gehorchen" hat. Wenn wir ein brauchbares Instrument für entfaltend wirkendes, erfülltes Leben *sein* und werden wollen, müssen wir uns um dieses Instrument als Ganzes kümmern.

H. Jacoby (Auszug aus Kurs 2, "Jenseits von ‘Begabt’ und ‘Unbegabt’ ", 5.2.1945)

Posthumes Gespräch mit Vater

Zusammengestellt aus einem Briefwechsel, der vor 20 Jahren entstand, und zusätzlichen, von mir heute hinzugefügten Gedanken. Ich hoffe, daß ich mit der Verwendung seines Briefs keinen Vertrauensbruch begehe, da es ja, wie er selbst sagt, nicht um unbedeutende Privatangelegenheiten geht. Das durch Schrägdruck hervorgehobene war in seinem Brief unterstrichen.

Dornach, 27/12/76, abends

Vater: Unser langes Abendgespräch klang noch lange nach in mir; deshalb will ich noch vor Jahresende einiges schreiben, obwohl Du meintest, es sei nutzlos, miteinander über Dinge zu sprechen, wo man sich doch immer mißverstehen muß, weil man einmal sich nicht in den anderen so hineinversetzen kann, wie es nötig wäre, und weil die Sprache dafür auch keine Worte hat. - Worte sind ja immer nur Andeutungen für das, was durch sie gemeint ist, so wie Noten, selbst wenn man sie auf dem Klavier anschlägt, noch lange keine Musik sind, wenn nicht der Spieler ihren Sinn erfühlt und ihn einem Hörer nahebringen kann. Ich finde, wenn man die Relativität der Sprache im Bewußtsein hat, kann man auch Gespräche führen, in denen man sich um Verständnis bemüht und nicht am Wort klebt. -

Ich hoffe, Du hast meine Schlußbemerkung über die Konsequenzen von Weltanschauungen nicht dahingehend verstanden, als wollte ich Deine gegenwärtige Meinung, das Leben ende mit dem Tod, irgendwie in die Nähe der materialistischen oder nazistischen Weltanschauung rücken. Ich wollte an diesen beiden Doktrinen nur zeigen, daß die Fragen, über die wir sprachen, nicht unbedeutende Privatangelegenheiten sind, sondern daß von der inneren Beantwortung dieser Fragen tiefgreifende Verhaltensweisen abhängen können.

C: Bis hierhin stimme ich mit allem überein, was Du sagst.

Vater: So nimm das folgende als Denk- oder Empfindungsanstoß, denn man sollte bei jeder unvoreingenommen gemachten, also spontanen Erfahrung bereit sein, die bisher gemachten Gedanken zu revidieren. Du erlebst Dich als Einheit: gut; das ist Dein Erlebnis, das Dir niemand abstreiten kann. Du folgerst aus diesem Erlebnis, daß, weil Du eine Einheit bist, beim Tode die ganze Einheit sich auflöst, stirbt, in die Einheit der Welt zurückkehrt oder wie man es sonst beschreiben will. Dies ist nun ein Gedanke, eine Hypothese oder eine Vorstellung, die nicht spontane Erfahrung ist; über die man reflektieren kann und soll, und deren Wahrheitsgrad man prüfen muß.

C: Es ist eine zwingende Folgerung, die sich darüber hinaus durch die reale Erfahrung beim Tod anderer Menschen wahrnehmen läßt.

Vater: Dazu folgendes: Diese Einheit Deines Seins vorausgesetzt, kann man das Heranwachsen dieser Einheit betrachten. Man kommt in die frühe Kindheit, zur Geburt, in den Mutterleib, zur Eizelle, die befruchtet wird. Ist es nicht ein aufrichtiger, konsequenter Schluß, daß man aus dieser Betrachtung folgert: Alles, was meine Seinseinheit gebildet hat, stammt aus der Vererbung? Und nun kommt das Kontroverse: Die Betrachtung der Vorgänge beim Verschmelzen der Ei- und Samenzelle führt zu der Feststellung (und das ist keine Theorie, sondern eine Beobachtung!): Was hier verschmilzt, sind Substanzen oder Seinseinheiten, die von 4 Großeltern herrühren. Also: 1. wird die allererste Seinseinheit aus einer Vierheit gebildet und 2. ist (oder wäre) damit die als einmalige Einheit erlebte eigene Individualität (Individuum = das Unteilbare!) nur Glied einer Vererbungskette und ohne jede Originalität. So dachten ja die Nazis und formulierten: "Du bist nichts, Dein Volk ist alles!"

C: Materialistisches Vererbungsdenken - ein Beispiel für die verheerende Wirkung des Glaubens an jene ‘banale’, niedere "Existenzform Materie", die sich auf das beschränkt, was unser beschränkter Verstand von außen an ihr messen und "verstehen" kann.

Ich habe nie behauptet, daß es mich schon immer gab als Individualität. Es ist doch ganz offensichtlich, daß ich aus Vorhandenem herauswachse als etwas Neues. Man muß hinnehmen, daß der Mensch als Individualität entsteht aus etwas, das diese Individualität vorher nicht ist. Das Phänomen des sich Entwickelns zu etwas Neuem aus Vorhandenem heraus ist nicht erklärbar, gerade auch von der Vererbungslehre nicht. (Die Gesetzmäßigkeiten des Erbschemas erfassen nur einen Aspekt der unvorstellbar komplexen Vorgänge beim Entstehen eines Lebewesens). Wird eine solche Erklärung dennoch versucht, kommt man zu Anschauungen, wie sie aus der Anthroposophie kommen, das Kind beispielsweise sei "seelisch" noch nicht ganz da, weil es eben später anders ist als jetzt. Dieses Neue wird nicht als solches hingenommen, sondern es muß schon vorher in irgendeiner geistigen Welt dagewesen sein. Hier zeigt sich deutlich die statische Natur analytischen Denkens und seine Unfähigkeit, dynamische Vorgänge zu erfassen. So wird das, was in der Realität Verwandlung ist, im Denken zu einem Zusammensetzen oder Auseinanderfallen von Fertigteilen.

135 von 135 Seiten

Details

Titel
Das Grüne Heft - Mein Konflikt mit meiner anthroposophischen Erziehung
Autor
Jahr
2001
Seiten
135
Katalognummer
V103647
ISBN (eBook)
9783640020256
ISBN (Buch)
9783640210817
Dateigröße
842 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Grüne, Heft, Mein, Konflikt, Erziehung
Arbeit zitieren
Christoph Keller (Autor:in), 2001, Das Grüne Heft - Mein Konflikt mit meiner anthroposophischen Erziehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/103647

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