Diese Arbeit wird sich kritisch mit Ryles Argumentation gegen einen mechanischen Determinismus auseinanderzusetzen und seine Mechanizismus-Kritik prüfen. Dazu werden zuerst die philosophischen Positionen Determinismus und Mechanizismus vorgestellt und dann Ryles Argumentation gegen einen mechanischen Determinismus dargestellt und erläutert. Ausgehend von dieser Darstellung wird dann gezeigt, dass es sich bei Ryle um einen Vertreter des Libertarismus und damit um einen Inkompatibilisten handelt.
Auf die Darstellung der Position Ryles folgt eine Vorstellung der wichtigsten Einwände gegen seine Argumentation. Zunächst werden hierbei Kritikpunkte von Zeitgenossen Ryles, wie zum Beispiel J. J. C. Smart, thematisiert, die sich direkt auf „The Concept of Mind“ beziehen. An die Darstellung direkter Einwände gegen Ryles Position schließt sich dann die Entwicklung zweier Einwände aus den philosophischen Positionen Kompatibilismus und Behaviorismus an. Diese Einwände sind demnach indirekt aus den genannten Positionen ableitbar, wobei die behandelten Autoren, Alfred J. Ayer und Burrhus F. Skinner, sich nicht direkt auf Ryle beziehen. Alle Einwände werden nach der Darstellung kritisch diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ryles Kritik am Mechanizismus
2.1 Determinismus und Mechanizismus
2.2 „Das Schreckgespenst der mechanistischen Weltanschauung“
2.3 Ryle zur Willensfreiheit
3. Einwände gegen Ryles Mechanizismus-Kritik
3.1 Direkte Kritik an Ryles Position
3.1.1 Hampshire zum Ursprung des Problems der Willensfreiheit
3.1.2 Pirenne zu Ryles neuer Physik
3.1.3 Smart und King zum Determinismus
3.2 Ein Einwand aus Ayers Kompatibilismus
3.3 Behaviorismus und Willensfreiheit
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die Argumentation des Philosophen Gilbert Ryle gegen den mechanischen Determinismus, wie er sie in seinem Hauptwerk „The Concept of Mind“ dargelegt hat. Ziel der Arbeit ist es, Ryles Position als libertaristische und inkompatibilistische Strömung zu identifizieren, deren Stichhaltigkeit anhand von zeitgenössischen Einwänden und alternativen philosophischen Denkansätzen wie dem Kompatibilismus und Behaviorismus überprüft wird.
- Philosophische Grundpositionen des Determinismus und Mechanizismus
- Ryles Argumentationsstrategie gegen eine rein mechanistische Weltanschauung
- Diskussion direkter Kritikpunkte von Zeitgenossen wie Hampshire, Pirenne, Smart und King
- Analyse der Vereinbarkeit von Handlungsfreiheit und mechanischen Naturgesetzen
- Kritische Würdigung der behavioristischen Lesart von Ryles Werk
Auszug aus dem Buch
2.2 „Das Schreckgespenst der mechanistischen Weltanschauung“
Im Folgenden werde ich Ryles Argumentation gegen eine mechanistische Weltanschauung darstellen und erläutern. Ich beziehe mich hierbei auf Kapitel 3.5 „Das Schreckgespenst der mechanistischen Weltanschauung“ (im Original „The Bogy of Mechanism“) aus Ryles „The Concept of Mind“. Zu Beginn seiner Ausführungen merkt Ryle an, dass, sobald in der Geschichte eine neue Wissenschaft entdeckt wurde, immer so getan wurde, als könne man alle Fragen der Welt mit ihrer Hilfe beantworten. Dieses Phänomen zeigte sich zum Beispiel bei der Übertragung der Evolutionstheorie auf gesellschaftswissenschaftliche und soziologische Themenkomplexe, dem sogenannten Sozialdarwinismus ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Laut Ryle hatten die physikalischen Wissenschaften und insbesondere die auf Galilei und Newton zurückgehende Mechanik historisch gesehen den größten Einfluss auf die Weltanschauung der Menschen. Gesetze der Mechanik wurden als Grundlage der Naturgesetze erkannt und es wurde versucht, biologische, psychologische und soziologische Gesetze auf diese zurückzuführen.
Diese Entwicklung betrachtet Ryle allerdings als falsch. Er vertritt die Position, dass nicht alle Fragen physikalische Fragen sind und Naturgesetze nicht alles ordnen, was passiert. Es ist an dieser Stelle anzumerken, dass Ryle die Begriffe mechanisch und physikalisch nicht klar voneinander abgrenzt, sondern eher synonym verwendet, wobei das Attribut physikalisch auf mechanisch reduziert beziehungsweise von diesem abgeleitet wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, ob Ryles Ablehnung des mechanischen Determinismus gegenüber modernen Einwänden Bestand hat.
2. Ryles Kritik am Mechanizismus: Dieses Kapitel erläutert Ryles Verständnis von Determinismus und Mechanizismus sowie seine Strategie, menschliches Handeln als nicht-mechanisch zu verteidigen.
3. Einwände gegen Ryles Mechanizismus-Kritik: Hier werden kritische Positionen, angefangen bei direkten zeitgenössischen Kritiken bis hin zu kompatibilistischen und behavioristischen Gegenentwürfen, detailliert diskutiert.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Ryle gegen die diskutierten Einwände verteidigt werden kann, sofern kein harter Determinismus vorausgesetzt wird.
Schlüsselwörter
Gilbert Ryle, The Concept of Mind, Mechanizismus, mechanischer Determinismus, Willensfreiheit, Libertarismus, Inkompatibilismus, Kompatibilismus, Behaviorismus, Disposition, Naturgesetze, menschliches Handeln, Philosophie des Geistes, Geist-Körper-Problem, Analytische Philosophie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Gilbert Ryles Kritik an der Auffassung, dass menschliches Handeln vollständig durch mechanische Naturgesetze determiniert sei.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Debatte zwischen Determinismus und Libertarismus sowie auf der Frage, wie menschliches Verhalten im Verhältnis zu physikalischen Gesetzen zu interpretieren ist.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu prüfen, ob Ryles libertaristische Position gegen kritische Einwände von Zeitgenossen und aus anderen philosophischen Schulen bestehen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philosophische Textanalyse, bei der Ryles Argumente aus seinem Hauptwerk „The Concept of Mind“ mit der zeitgenössischen Kritik konfrontiert und kritisch hinterfragt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung von Ryles eigener Position, die Präsentation direkter Kritiken sowie die Erörterung abgeleiteter Einwände aus dem Kompatibilismus und dem Behaviorismus.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Mechanizismus, Determinismus, Willensfreiheit, Inkompatibilismus und Verhaltensdispositionen.
Wie reagiert Ryle auf das Billard-Beispiel in seiner Argumentation?
Ryle nutzt das Billardspiel, um zu verdeutlichen, dass zwar mechanische Abläufe vorhersagbar sind, aber entscheidende menschliche Faktoren wie Strategie und Pläne sich der mechanischen Vorhersagbarkeit entziehen.
Ist Ryle laut der Arbeit als Behaviorist einzustufen?
Die Arbeit diskutiert diese Zuordnung kritisch und kommt zu dem Schluss, dass Ryle zwar behavioristische Tendenzen aufweist, aber nicht als radikaler Behaviorist im Sinne Skinners verstanden werden sollte.
- Citar trabajo
- Jan Caspers (Autor), 2021, Gilbert Ryle über den Mechanizismus. Eine kritische Auseinandersetzung mit Ryles Argumentation gegen einen mechanischen Determinismus, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1036880