Wie kann die Sprinttechnik von Fußballspielern verbessert werden? In der Arbeit wird zunächst die Bedeutung und Funktion der Sprinttechnik und des Sprinttechniktrainings für den Fußballsport aufgezeigt werden sowie ein Technikleitbild dargestellt werden. Fortlaufend werden die wichtigsten Methoden des Techniktrainings aufgezeigt, erläutert und diskutiert. Abschließend wird ein zusammenfassender, praxisrelevanter Ausblick gegeben.
In den vergangenen Jahren wurde ein deutlicher Anstieg des Anteils von intensiven Läufen und Sprints an der Gesamtwegstrecke der Spieler beobachtet. Darüber hinaus ist eine positionsabhängige Wichtigkeit festzustellen. Stürmer und Flügelspieler legen insgesamt die größten Distanzen im Sprinttempo zurück, zentrale Mittelfeldspieler und erwartungsgemäß Torhüter am wenigsten. Außerdem zeigt sich die hohe Wichtigkeit des Sprints darin, dass er die am häufigsten auftretende Aktion vor dem Erzielen von Toren, sowohl bei Torschützen als auch bei Torvorbereitern, ist. Desto höher das Spielniveau bemessen an der Ligenzugehörigkeit, desto niedriger sind die Sprintzeiten eines Spielers im Mittel. Die Mehrheit der Sprints erfolgt über kurze Distanzen von 0 bis 10 m.
Der Sprintfähigkeit scheint eine sehr bedeutende Rolle zuzukommen. Viele Spieler haben bedingt durch die Sportart auch viel Erfahrung mit dem Sprinten, allerdings ist eine technisch saubere Sprinttechnik nur selten beobachtbar.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Literatursuche
3 Begriffsbestimmungen
3.1 Bedeutung und Funktion der Sprinttechnik
3.2 Bedeutung und Funktion des Sprinttechniktrainings
4 Technikleitbild
4.1 Starttechnik
4.2 Sprinttechnik in der Beschleunigungsphase
4.3 Sprinttechnik in der Maximalgeschwindigkeitsphase
5 Fokus der Aufmerksamkeit
6 Sprint-ABC
7 Schrittlänge und Schrittfrequenz
8 Der Armschwung
9 Diskussion
9.1 Erweitertes Technikleitbild
9.2 Fokus der Aufmerksamkeit
9.3 Koordinationsübungen (Sprint-ABC)
9.4 Schrittlänge und Schrittfrequenz
9.5 Der Armschwung
10 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Studienarbeit untersucht Möglichkeiten zur Verbesserung der Sprinttechnik bei Fußballspielern, da Sprints eine entscheidende Rolle für den Erfolg im Spiel, insbesondere über kurze Distanzen, darstellen. Basierend auf einer Literaturanalyse werden aktuelle Erkenntnisse zu Starttechniken, dem Fokus der Aufmerksamkeit, Koordinationsübungen sowie mechanischen Aspekten wie Schrittfrequenz und Armschwung kritisch beleuchtet.
- Analyse der Bedeutung von Sprinttechnik und Sprinttechniktraining im Fußball
- Vergleich von Starttechniken (False Step vs. Forward Step)
- Einfluss des internen und externen Fokus der Aufmerksamkeit auf die Sprintleistung
- Kritische Betrachtung von Sprint-ABC-Übungen und deren Spezifität
- Evaluation von Methoden zur Steuerung der Schrittlänge, Schrittfrequenz und des Armschwungs
Auszug aus dem Buch
4.2 Sprinttechnik in der Beschleunigungsphase
Das vorrangige Ziel in der Beschleunigungsphase ist es, die höchstmögliche Geschwindigkeit in der kürzestmöglichen Zeit zu erreichen (Jeffrey & Bate, 2014).
Der erste Schritt sollte weder zu kurz noch zu lang sein, daher gilt es optimale Länge zu finden (Plisk, 2008). Der Fußaufsatz findet hinterhalb des Knies statt, sodass aus der sagittalen Ansicht ein negativer Schienbeinwinkel bzw. ein hoher Grad an Knieflexion zu erkennen ist (Jarvis, 2015). Dies geschieht, um vor allem die Kraft der vierköpfigen Oberschenkelmuskulatur zu nutzen. Mit zunehmender Geschwindigkeit vermindert sich dieser Zustand graduell, gleichzeitig erfolgt eine zunehmende Aufrichtung der Oberkörpers. Dieser Vorgang darf nicht zu schnell oder gar abrupt erfolgen, da sich der Körperschwerpunkt so zu früh nach hinten verlagert und die Bremskräfte dadurch unnötig erhöht werden (Plisk, 2008).
Das Schwungbein befindet sich in optimaler Höhe über dem Boden, um die Flugzeit möglichst gering zu halten. Falls hierbei ein schleich- oder hüpfartiges Bewegungsmuster festgestellt wird ist das Schwungbein entweder zu hoch (hüpfartig) oder zu niedrig (schleichartig).
Zum Ende des Abdrucks ergibt sich eine Dreifachstreckung von Knie-, Hüft- und Sprunggelenk gleichzeitig mit einem Körperneigungswinkel von 45 Grad (Jeffrey & Bate, 2014).
Der Armschwung erfolgt gegengleich und geradlinig von vorne nach hinten, keinesfalls überkreuzend vor dem Körper oder zur Seite hin, wodurch exzessive Oberkörperrotationen vermieden werden (Brown & Vescovi, 2003). Wenngleich extrem simplifizierend kann das Beispiel Eiskunstlauf herangezogen werden, wobei die Entfernung der Arme vom Rumpf die Beschleunigung des Athleten bestimmen (Brown & Vescovi, 2003). Die Bewegung des Arms erfolgt bis auf Schulterhöhe des kontralateralen Arms der Stützbeinsseite. Der ipsilaterale Arm wird nach hinten unten bewegt, wobei sich der Ellenbogenwinkel vergrößert und eine Extension der Schulter erfolgt. In Abhängigkeit der Schultermobilität wird die Hand bis zur Hüfte zurückgeführt, idealerweise sogar etwas weiter (Jeffrey & Bate, 2014).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit thematisiert die hohe Relevanz von Sprints im modernen Fußball und stellt die Frage, wie die Sprinttechnik von Spielern gezielt verbessert werden kann.
2 Literatursuche: Es wird der Suchprozess in wissenschaftlichen Datenbanken dargelegt, wobei relevante englischsprachige Fachbegriffe zur Identifikation der Studien herangezogen wurden.
3 Begriffsbestimmungen: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Sprinttechnik und Sprinttechniktraining und ordnet diese in den Kontext der Leistungsfähigkeit im Fußball ein.
4 Technikleitbild: Es wird ein orientierendes Technikleitbild für Start-, Beschleunigungs- und Maximalgeschwindigkeitsphasen vorgestellt, das primär auf leichtathletischen Grundlagen basiert.
5 Fokus der Aufmerksamkeit: Die Auswirkungen von verbalen Instruktionen werden analysiert, wobei die Überlegenheit des externen Fokus gegenüber dem internen Fokus hervorgehoben wird.
6 Sprint-ABC: Der Einsatz von Koordinationsübungen wird kritisch bewertet, da viele populäre Drills eine zweifelhafte Spezifität zur eigentlichen Sprintbewegung aufweisen.
7 Schrittlänge und Schrittfrequenz: Es werden Methoden zur Manipulation von Schrittparametern durch Bodenmarkierungen und anthropometrische Berechnungsansätze diskutiert.
8 Der Armschwung: Die funktionelle Bedeutung der Armbewegung für Stabilität und Effizienz wird erörtert und die unzureichende Studienlage zu Trainingsmethoden kritisiert.
9 Diskussion: Eine kritische Auseinandersetzung mit der Fachliteratur identifiziert Limitationen und diskutiert die Anwendbarkeit der Ergebnisse im Fußballkontext.
10 Ausblick: Abschließend werden praktische Handlungsempfehlungen zusammengefasst, wobei der Schwerpunkt auf Individualtraining und der kritischen Auswahl spezifischer Übungen liegt.
Schlüsselwörter
Sprinttechnik, Fußball, Beschleunigungsphase, Maximalgeschwindigkeit, Starttechnik, False Step, Fokus der Aufmerksamkeit, Verbal Cueing, Sprint-ABC, Koordinationsübungen, Schrittfrequenz, Schrittlänge, Armschwung, sportliche Leistung, Trainingswissenschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Studienarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert wissenschaftliche Ansätze und Methoden zur Verbesserung der Sprinttechnik im Fußballsport, um die Leistungsfähigkeit der Spieler bei Sprints zu optimieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentral sind die Analyse von Starttechniken, die Rolle des Aufmerksamkeitsfokus bei der Anleitung, die Effektivität von Koordinationsübungen (Sprint-ABC) sowie mechanische Aspekte wie Armbewegung und Schrittparameter.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, basierend auf einer fundierten Literaturrecherche, praktische Methoden zur Verbesserung der Sprinttechnik im Fußball aufzuzeigen und deren wissenschaftliche Evidenz zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit gewählt?
Die Arbeit basiert auf einer systematischen Literaturanalyse, die verschiedene internationale Studien und Publikationen aus den Bereichen Biomechanik und Trainingswissenschaft vergleicht und kritisch diskutiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Begrifflichkeiten, die Darstellung eines Technikleitbildes für verschiedene Sprintphasen sowie die detaillierte Diskussion spezifischer Trainingsmethoden und deren Wirksamkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sprinttechnik, Fußball, Beschleunigungsphase, Starttechnik, Fokus der Aufmerksamkeit, Sprint-ABC und Armschwungmechanik.
Warum ist die Starttechnik im Fußball so schwer zu definieren?
Da Fußballer meist aus der Bewegung heraus starten und nicht aus einem standardisierten Blockstart wie in der Leichtathletik, sind gängige Leitbilder schwer direkt zu übertragen.
Welche Empfehlung gibt der Autor zum Einsatz von Sprint-ABC-Übungen?
Der Autor mahnt zur Vorsicht, da viele in der Praxis beliebte Koordinationsübungen zu starke Abweichungen vom natürlichen Sprintbewegungsmuster aufweisen und ihre Wirksamkeit kritisch hinterfragt werden sollte.
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- Andreas Kastner (Autor), 2020, Training der Sprinttechnik im Fußball, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1037007