Wie lässt sich die Außenpolitik Russlands und die Verschlechterung der politischen Beziehungen zu der EU erklären? Als Basis für die Analyse zur oben genannten Forschungsfrage wird eine Literaturstudie durchgeführt und zuerst der Realismus nach Morgentau und der Neorealismus nach Walz erläutert. Der Kern der Arbeit befasst sich dann mit der russischen Außenpolitik, Bezug nehmend auf die Sanktionen der EU und die Analyse anhand der IB-Theorie des Neorealismus.
Die politischen Beziehungen zwischen Russland und der Europäischen Union (abgekürzt EU) sind geprägt von wirtschaftlichen Abhängigkeiten und Motiven, aber auch widersprüchlichen sicherheitspolitischen Interessen auf beide Seiten. Russland ist bei den Rohstoffen wie Rohöl, Steinkohle und Erdgas der größte Lieferant an die Europäische Union und Russland importiert auf der anderen Seite die meisten seiner Güter aus der EU. Seit dem Ende der Sowjetunion und mit der voranschreitenden Osterweiterung der NATO (Abkürzung für North Atlantic Treaty Organization), als auch der EU sind ursprünglich verfolgte Konzepte zur gesamteuropäischen Sicherheitspolitik mit dem Einbezug von Russland gescheitert. In den letzten Jahren haben sich die politischen Beziehungen und die Kommunikation untereinander mit der Ukraine-Krise und der daraufhin verhängten Sanktionen und dem derzeit andauernden Syrien-Konflikt weiter verschärft.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Theorie des Realismus
2.2. Theorie des Neorealismus
3. Russische Außenpolitik und aktuelle Sanktionen der EU
3.1 Hintergrund der Sanktionen der EU
3.2 Russische Außenpolitik bezugnehmend auf die EU
3.3 Analyse russischer Außenpolitik bezugnehmend auf den Neorealismus
3.3.1 Analyse zur im Hinblick auf Existenz Sicherung und Machterweiterung
3.3.2 Capabilities und Einflussnahme von Russland
3.3.3 Analyse der russischen Außenpolitik im Hinblick auf Kooperationen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Forschungsfrage, ob die russische Außenpolitik gegenüber der Europäischen Union mithilfe der Theorie des Neorealismus nach Kenneth Waltz erklärt werden kann, wobei der Fokus auf Sicherheitsinteressen, Machtstrukturen und dem Verhalten in einem anarchischen internationalen System liegt.
- Analyse der theoretischen Grundlagen von Realismus und Neorealismus
- Untersuchung des historischen und politischen Hintergrunds der EU-Sanktionen gegen Russland
- Analyse russischer Außenpolitik unter den Gesichtspunkten von Sicherheit und Machterweiterung
- Bewertung der Nutzung nationaler "Capabilities" und wirtschaftlicher Einflussnahme
- Untersuchung der Logik hinter Kooperationen zwischen Russland und der EU
Auszug aus dem Buch
3.3.2 Capabilities und Einflussnahme von Russland
Nach der Theorie des Neorealismus wird ein Staat danach streben, seine verfügbaren Mittel einsetzen, um seine Macht zu vergrößern, bis die eigene Sicherheit gewährleistet ist. Die mögliche Einflussnahme eines Staates in der anarchistischen internationalen Struktur hängt dabei von den jeweiligen Fähigkeiten bzw. Capabilities ab. Russland hat mehrere Capabilities die es zielgerichtet einsetzt. Die Russische Föderation ist ein Land mit immensen Rohstoffvorkommen und hat damit als Energielieferant einen beträchtlichen Einfluss auf andere Länder. Zudem ist Russland durch die kontinuierliche Aufrüstung genauer der Modernisierung der Streitkräfte in den letzten Jahren und aufgrund seines Arsenals an nuklearen Waffen militärisch eine große Macht und versucht diese zweckgerichtet einzusetzen.
Jedoch haben militärische Einsätze in der Vergangenheit gezeigt, dass es sein kann, dass eine militärische Auseinandersetzung trotz deutlich überlegener Kräfte nicht zu gewinnen ist oder die „Kosten“ dafür so hoch werden, dass sich der Einsatz des Militärs nicht lohnt. Als Beispiele für solche Militäraktionen oder Besetzungen lassen sich Afghanistan, Tschetschenien oder der Kampf gegen die Taliban anführen. Die Strategie von Russland hat sich und die eigenen Capabilities an diese Gegebenheiten angepasst. Inzwischen wird häufig hybride Kriegsführung eingesetzt, um den Gegner nicht nur militärische anzugreifen, sondern auch durch Propaganda oder wirtschaftliche Aktionen zu verunsichern und zu destabilisieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die politischen Beziehungen zwischen Russland und der EU, Darstellung der Problematik und Formulierung der Forschungsfrage zur Anwendbarkeit des Neorealismus.
2. Theoretische Grundlagen: Erläuterung der Konzepte des klassischen Realismus nach Morgenthau sowie des Neorealismus nach Waltz als theoretisches Fundament der Analyse.
3. Russische Außenpolitik und aktuelle Sanktionen der EU: Detaillierte Betrachtung der Hintergründe der EU-Sanktionen seit 2014 sowie die Analyse russischer Außenpolitik hinsichtlich Sicherheitsbedürfnissen, Machtmitteln und Kooperationslogiken.
4. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage, wonach das Handeln Russlands konsistent mit der neorealistischen Theorie gedeutet werden kann.
Schlüsselwörter
Neorealismus, Realismus, Russische Außenpolitik, Europäische Union, Sanktionen, Sicherheit, Machtpolitik, Capabilities, Anarchie, Internationales System, Ukraine-Krise, NATO, Machtgleichgewicht, Hybridkrieg, Kooperation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die russische Außenpolitik gegenüber der Europäischen Union auf Basis der politikwissenschaftlichen Theorie des Neorealismus.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind internationale Beziehungen, Machtstrukturen, das Konzept der Anarchie in der Weltpolitik, Sanktionen sowie der Einfluss von Ressourcen auf die außenpolitische Handlungsfähigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist zu klären, ob sich die Verschlechterung der politischen Beziehungen und das konkrete Verhalten Russlands (z.B. Krim-Annexion) mit den Thesen des Neorealismus nach Kenneth Waltz erklären lassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturstudie, in der theoretische Ansätze mit aktuellen außenpolitischen Ereignissen verknüpft und analysiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung, die historische Aufarbeitung der EU-Sanktionen sowie eine dreiteilige Analyse der russischen Außenpolitik (Existenzsicherung, Capabilities und Kooperationen).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Neorealismus, Sicherheitsdilemma, Machtmaximierung, hybride Kriegsführung und das Verhältnis zwischen der EU und Russland.
Wie bewertet der Autor die hybride Kriegsführung Russlands im Kontext des Neorealismus?
Hybride Kriegsführung wird als rationales Mittel interpretiert, um Interessen durchzusetzen und den Gegner zu destabilisieren, ohne dabei in eine direkte, verlustreiche militärische Konfrontation zu geraten.
Welche Bedeutung misst die Arbeit der wirtschaftlichen Kooperation (z.B. Nordstream 2) bei?
Wirtschaftliche Kooperationen werden als zweckgerichtet betrachtet; Russland verfolgt damit den Erhalt notwendiger Devisen und versucht gleichzeitig, seine Position durch Abhängigkeiten der Gegenseite zu sichern.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2021, Russland und die Europäische Union. Eine Analyse der russischen Außenpolitik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1038093