Entwicklung eines Fragebogens zur Untersuchung der Innovationsfähigkeit innerhalb eines Dienstleistungsunternehmens


Hausarbeit, 2021

42 Seiten, Note: 1

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Anlageverzeichnis

Vermerk

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Aufbau der Arbeit

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Definitionsannäherung Innovation
2.2 Erfolgsfaktoren von Innovation
2.3 Definitionsannäherung Innovationsfähigkeit von Unternehmen
2.4 Notwendigkeit und Bedeutung von Innovationsfähigkeit
2.5 Messung von Innovationsfähigkeit
2.6 Indikatoren zur Messung der Innovationsfähigkeit
2.7 Zusammenfassung und Ableitung der Forschungsfrage

3 Methodisches Vorgehen
3.1 Auswahl der Dimensionen, Kategorien und Indikatoren
3.2 Strukturbaum „Innovationsfähigkeit“
3.3 Beschreibung und Begründung der angewandten Methode
3.4 Entwicklung des Fragebogens & Durchführung der Datenerhebung

4 Kritische Diskussion

5 Fazit und Ausblick

Anlagen

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

bzw. beziehungsweise

inkl. inklusive

S. Seite

u.a. unter anderem

XY fiktiver Name für das Beispielunternehmen dieser Arbeit

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Dimensionen des Dynamic Capabilities View

Abbildung 2: Dimensionen der Innovationsfähigkeit

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Strukturbaum der Innovationsfähigkeit

Anlageverzeichnis

Ankündigung der Befragung.

Fragebogen zur Ermittlung der Innovationsfähigkeit

Vermerk

In dieser Arbeit wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit das generische Maskulinum verwendet. Weibliche und anderweitige Geschlechteridentitäten werden dabei ausdrücklich mitgemeint, soweit es für die Aussage erforderlich ist.

1 Einleitung

Die voranschreitende Internationalisierung und Globalisierung führen zu neuen Dynamiken innerhalb von Unternehmen. Eine höhere Produktvielfalt, sowie eine stetige Abnahme von Produktlebenszyklen, macht es für viele Unternehmen annähernd unmöglich, auf Basis vergangener Produkte und Erfolge weiterhin und langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Forderung des Marktes nach besseren, leistungsfähigeren und innovativeren Produkten nimmt zu, wodurch auch der allgemeine Innovationsdruck auf Unternehmen erhöht wird (Kupfer, 2020, S. 1). Die Innovationsfähigkeit ist für die Weiterentwicklung und den Fortschritt unabdingbar und lösen damit bisherige Leistungen ab, indem die Fähigkeit, sowohl von Individuen, Gruppen, Institutionen und Organisationen Innovationen (in zeitlich kurzen Abständen) hervorzubringen, gefordert ist (Simon, 2001, S. 16). Für Unternehmen bedeutet die Beschäftigung mit der eigenen Innovationsfähigkeit auch die Möglichkeit Einfluss durch neue Produkte und / oder Prozesse auf die Wettbewerbsfähigkeit zu nehmen, um somit ökonomischer handeln zu können. Diese Beeinflussung der Innovationsfähigkeit setzt allerdings die Möglichkeit diese zu messen und zu analysieren voraus.

1.1 Problemstellung

Die Globalisierung und die Individualisierung der Kundenwünsche verlangen von Unternehmen ein größeres Maß an Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Dies zeigt sich im fiktiven börsennotierten Dienstleistungsunternehmen XY vor allem darin, dass sich auf Jahressicht, in Bezug auf den Leitindex DAX, die Aktien des Unternehmens, eine um 20% niedrigere Wertentwicklung zeigt. Im Rahmen eines Manager Meetings wurde in diesem Zusammenhang der Gegenstand der unternehmensinternen Innovationsfähigkeit thematisiert. Danach wurde die aktive Auseinandersetzung mit der Innovationsfähigkeit auf dem Plan des Managements gesetzt, um die Innovationsfähigkeit zukünftig in die strategische Ausrichtung besser einbeziehen zu können. Ziel ist es die Innovationsfähigkeit des Unternehmens in den nächsten Monaten zu verbessern und den Aktienkurs wieder auf die alte Wertentwicklung anzuheben. Dafür soll in einem ersten Schritt, die aktuelle Innovationsfähigkeit des Unternehmens XY gemessen werden. Dabei wird vor allem auf die Innovationsfähigkeit im Bereich der Dienstleistungen Bezug genommen, um der Relevanz des Geschäftsmodelles des Unternehmens XY Genüge zu tun.

1.2 Zielsetzung

Ziel dieser Arbeit ist es, die Qualität der Innovationsfähigkeit des börsennotierten Dienstleistungsunternehmens XY mit Hilfe eines Fragebogens zu analysieren und zu messen. Hierzu werden die theoretischen Grundlagen erläutert, auf deren Basis ein Strukturbaum entworfen wird, der die relevanten Dimensionen des Konstruktes Innovationsfähigkeit enthält. Dieser soll als Grundlage für die Entwicklung eines standardisierten Fragebogens dienen, der die aktuelle Innovationsfähigkeit des Unternehmens aus Sicht der Mitarbeiter erfassen kann. Die Fragebogenkonzeption soll mit allen notwendigen Aspekten, inklusive der Auswahl der Stichproben, sowie einigen wichtigen Aspekten der Durchführung dargestellt werden. Die Studie wird dabei nicht durchgeführt, diese Arbeit soll lediglich der theoretischen Vorbereitung dienen und enthält daher keine Informationen zur Datenauswertung. Des Weiteren werden keine konkreten Maßnahmen zur Verbesserung der Innovationsfähigkeit erarbeitet, da diese erst nach Durchführung der Untersuchung und der Datenauswertung erarbeitet werden können.

1.3 Aufbau der Arbeit

Im nachfolgend theoretischen Teil der Arbeit soll eine Definitionsannäherung an die Begriffe „Innovation“ im Allgemeinen und „Innovationsfähigkeit im Unternehmen“ im Speziellen erfolgen, um einen Zugang zur Thematik und ein einheitliches Verständnis zu ermöglichen. Hierbei soll auch auf die Notwendigkeit und die Bedeutung von Innovationsfähigkeit innerhalb von Unternehmen eingegangen werden, um die Legitimation für Unternehmen zu schaffen, sich weiterhin und tiefgreifender mit der Thematik der Innovationsfähigkeit zu befassen. Für die Basis der späteren Erfassung wird hierbei auch dargelegt, wie die Innovationsfähigkeit von Unternehmen erfasst und bewertet werden kann. Das Kapitel schließt mit der Herausbildung einer zentralen Forschungsfrage ab. Im dritten Kapitel wird das methodische Vorgehen behandelt. Über die Konstruktion eines Strukturbaumes sollen die wichtigsten Aspekte der Innovationsfähigkeit dargestellt werden, um anschließend einen geeigneten Fragebogen zu konzipieren. Anschließend soll die Methode beschrieben und begründet und die Entwicklung des standardisierten Fragebogens dargestellt werden. Im Anschluss erfolgt die Darstellung der Stichprobe, das Vorgehen und die Durchführung sollen kurz veranschaulicht werden. Kapitel vier umfasst die kritische Auseinandersetzung und Reflektion mit der Vorgehensweise, sowie die Betrachtung des Vorgehens unter den Gesichtspunkten der Objektivität, Validität und Reliabilität. Im Fazit und Ausblick wird Bezug auf die generelle Implikation genommen und mögliche Handlungsfelder angedeutet.

2 Theoretische Grundlagen

Nachfolgend soll eine Definitionsannäherung an die in dieser Arbeit gebrauchten Begrifflichkeiten von „Innovation“ und „Innovationsfähigkeit von Unternehmen“ erfolgen und die Erfolgsfaktoren von Innovation dargestellt werden. Anschließend soll die Notwendigkeit und die Bedeutung der Innovationsfähigkeit für Unternehmen als Verdeutlichung der Relevanz und zur Legitimation der Auseinandersetzung dargelegt werden. Danach wird die Möglichkeit der Messung von Innovationsfähigkeit dargestellt, sowie die Forschungsfrage abgeleitet.

2.1 Definitionsannäherung Innovation

In der Literatur herrscht kein Konsens zur Definition des Begriffes Innovation, es finden sich verschiedene Perspektiven und Definitionsversuche. Innovation kann „[…] qualitativ neuartige Produkte oder Verfahren, die sich gegenüber einem Vergleichszustand „merklich“ – wie auch immer das zu bestimmen – ist unterschieden“ (Hauschildt et al., 2016, S. 4) beinhalten. Nach Pleschak und Sabisch dienen Innovationen der Problemlösung und zur Erreichung von Unternehmenszielen auf eine neue Art und Weise (1996, S. 1). Nach dem Wirtschaftswissenschaftler Gerport, dienen Innovationen der Optimierung der unternehmerischen Stellung am Markt, was auch aus Sicht von Unternehmen eine qualitative Neuheit in einer Organisation darstellt (2005, S. 37). Aus diesen Definitionen lässt sich ableiten, dass es sich bei Innovation um etwas Neuartiges handelt, das dabei unterstützt Unternehmensziele besser zu erreichen. Zur weiteren Eingrenzung werden Innovationen nur als solche betrachtet, wenn eine Einführung und Anwendung stattgefunden hat, eine neuartige Idee wird demnach nicht als Innovation verstanden (Raabe, 2012, S. 11). Bullinger und Schlick bezeichnen Innovation als:

„[…] nutzenstiftende Problemlösung durch einen neuen Ansatz. Sie kann sich beziehen auf neue oder verbesserte Erzeugnisse, Leistungen, Verfahren, Organisationsformen, Märkte, u. a. – Sie umfasst den gesamten Prozess von der Idee über die Entwicklung und Produktion bis hin zur Markteinführung bzw. Realisierung“ (2002, S. 16).

Ein wichtiges Charakteristikum von Innovation ist dabei die Abgrenzung von Routineproblemen, die in aller Regel logisch lösbar sind, wohingegen Innovationen sich dahingegen unterscheiden, dass die Lösung kreatives Denken und Handeln erfordert (Schlicksupp, 2004), was auch eine innovationsorientierte Ausrichtung der unternehmerischen Tätigkeiten beinhaltet (Sammerl, Wirtz & Schilke, 2008, S. 131).

Dabei lassen sich Innovationen anhand des Objektes unterteilen. Unter Anderem kann eine Einteilung in Leistungs-, Prozess-, Markt- und Sozialinnovationen erfolgen. Dabei beziehen sich Leistungsinnovationen auf die Erneuerung bzw. Verbesserung von Produkten und Dienstleistungen. Die Prozessinnovationen beziehen sich vornehmlich auf die Optimierung des Weges der Leistungserstellung. Die Marktinnovation ist fokussiert auf die Entwicklung neuer Märkte, während sich Sozialinnovationen auf Personal- und Organisationsveränderungen beziehen. (Schallmo, 2013, S. 24, 25). Diese Arbeit legt den Schwerpunkt auf die Dienstleistungsinnovation, die ein immaterielles Gut darstellt und gekennzeichnet ist durch die Charakteristika Immaterialität, Heterogenität, Untrennbarkeit und Vergänglichkeit (Biege, Gotsch & Zanker, 2012, S. 143). Der Grad der Innovation ist grundsätzlich unterscheidbar in radikale und inkrementelle Innovation. Radikale Innovationen bewirken grundlegende Veränderungen. Dabei sind die wirtschaftlichen Chancen und Risiken verhältnismäßig hoch. Die inkrementelle Innovation ist durch den geringeren Erneuerungsgrad charakterisiert. Dies bedeutet, dass zumeist nur geringe Abwandlungen am bestehenden Innovationsobjekt vorgenommen werden. Die Optimierungschancen und Risiken sind dabei relativ gering (Groß, 2014, S. 52; Schallmo, 2013, S. 25).

2.2 Erfolgsfaktoren von Innovation

Das erfolgreiche Management von Innovationen ist die Basis für die erfolgreiche Implementierung einer Innovation und zum Erhalt und zur Steigerung der Innovationsfähigkeit. In der Praxis wird dies in manchen Unternehmen durch Innovationsmanager begleitet. Dies beinhalt auch die Steuerung und Führung eines Innovationsprozesses und beinhaltet die Rahmengestaltung, Prozessbegleitung und die Einführung einer Innovationsidee (Disselkamp, 2002, S. 84). Allerdings kann eine erfolgreiche Durchführung von Innovationsprojekten nur erfolgen, wenn im Management und der Belegschaft ein gewisses Maß an Innovationsbereitschaft herrscht. Ein großes Hindernis stellen in aller Regel Mitarbeiter und ihre Angst vor Veränderungen dar. Diesem kann durch geplante Strategien und Innovationsfreiräumen begegnet werden. Dabei sollte, im Idealfall, ein Innovationsgedanke in den Leitsätzen der Unternehmenskultur verankert und die Bedeutung von förderlichen Organisationsstrukturen beachtet werden. Hierbei sind gefestigte Machtverhältnisse und routinierte Abläufe hinderlich für die Innovationsfreiräume. Ein weiterer Erfolgsfaktor eines erfolgreichen Innovationsprozesses ist die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens. Diese kann durch verschiedene Einflussfaktoren und Dimensionen bestimmt werden. (Disselkamp, 2002, S. 62, 73, 83). Auch in der Zukunft werden Innovationen eine der grundsätzlichen Voraussetzung für die Entwicklung von Unternehmen sein (Vahs & Brem, 2015, S. 8). Nachfolgend soll deswegen die Innovationsfähigkeit inkl. der Hintergründe und Voraussetzungen dargestellt werden.

2.3 Definitionsannäherung Innovationsfähigkeit von Unternehmen

Der Begriff der Innovationsfähigkeit ist das zentrale Konstrukt der vorliegenden Arbeit. Wie auch bei Innovation findet sich auch beim Definitionsversuch von Innovationsfähigkeit eine Reihe unterschiedlicher wissenschaftlicher Ansätze. Greiling sieht unter Innovationfähigkeit die Eigenschaft: „[…] einen individuellen gegenwärtigen und / oder zukünftigen Innovationsbedarf zu suchen, zu erkennen, zu bewerten, zu formulieren und ihn zum Abschluss zur Anwendung zu bringen“ (1998, S. 84). Die Autorin Sammerl nimmt eine klare Trennung zwischen den Begriffen Innovation und Fähigkeit vor und versteht dabei die Möglichkeit innovative Produkte zu erschaffen, welche aus der Unternehmens- und der Marktperspektive neue Merkmale aufweist. Dabei soll in dieser Arbeit auf die prozessuale Sicht eingegangen werden. Demnach umfasst laut Sammerl die Innovationsfähigkeit die „[…] Problemerkenntnis, Ideengenerierung, Durchführung von Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten, sowie die Produktionseinführungs- und Markteinführungsfähigkeit“ (Sammerl, 2006, S. 39). Zusammenfassend beinhaltet Innovationsfähigkeit demnach eine Ansammlung von unterschiedlichen Aktivitäten, Fähigkeiten, gegebenen Bedingungen und Voraussetzungen.

2.4 Notwendigkeit und Bedeutung von Innovationsfähigkeit

Die anschließende Feststellung fasst die Bedeutung und Legitimation von Innovationsfähigkeit kurz zusammen: „Die Fähigkeit, kontinuierlich Innovationen hervorzubringen, avanciert in der komplexen und dynamischen Wirtschafts- und Arbeitswelt von heute zum entscheidenden Schlüsselfaktor – die Frage der Wettbewerbsfähigkeit wird zur Frage der Innovationsfähigkeit“ (Trantow, Hees & Jeschke, 2011, S. 1). Dabei wird, wie dargestellt, im heutigen Verständnis von Innovation nicht mehr eine rein produkt- oder technikorientierte Betrachtungsweise eingenommen, sondern auch die Felder der Sozial- und Dienstleistungsinnovation einbezogen, was auch die Bedeutung der Innovationsfähigkeit für das fiktive Dienstleistungsunternehmen verdeutlicht (Kopp, 2011).

Die Autoren Sammerl, Wirtz und Schilke verdeutlichen die positive Auswirkung der Innovationsfähigkeit auf den Unternehmenserfolg, wobei auch die Marktposition im Vergleich zu Mitbewerbern Beachtung findet. Dabei verzeichnen innovationsfähige Unternehmen einen Anstieg der Wirtschaftlichkeit durch die effizientere Ausnutzung von Ressourcen. Innovative Unternehmen sind auch effektiver bei der Bearbeitung von neuen Anforderungen, die vom Markt an das Unternehmen gestellt werden (Sammerl, Wirtz & Schilke, 2008, S. 137 – 139). Wie bereits kurz vorab dargestellt, ist die Innovationsfähigkeit mit einer gesteigerten Wettbewerbsfähigkeit verbunden, indem klassische wirtschaftliche Potenziale einer Unternehmung genutzt werden, um die Wettbewerbsposition zu stärken. Daraus ergibt sich die Chance dem Kosten-, Erfolgs-, Zeit- und Flexibilisierungsdruck des Marktes entgegenzuwirken. Demnach wird die Innovationsfähigkeit zur Auflösung wirtschaftlicher Konfliktfelder herangezogen, indem versucht wird im Spannungsfeld von nachhaltigem Handeln und kurzfristiger Nutzenmaximierung zielführend zu agieren (Trantow, Hees & Jeschke, 2011, S. 7). Ohne im Detail darauf einzugehen entstehen Konflikte dabei zwischen den Humanressourcen und dem Kostendruck, langfristigen Strategien zur Erhöhung der Innovationsfähigkeit und dem Erfolgsdruck, Zeit für Lernprozesse und Zeitdruck und als letztes dem Stabilisierungsbedarf und dem Flexibilisierungsdruck (Trantow, Hess & Jeschke, 2011, S. 7).

Zusammenfassend lässt sich ein innovationsfähiges Unternehmen, wie folgt darstellen: Innovationsfähige Unternehmen verfügen demnach über eine gesteigerte Wirtschaftlichkeit ihrer Produkte, die durch die effizientere Nutzung von Ressourcen, durch neuartige Innovationen, begünstigt wird. Des Weiteren sind innovative Unternehmen deutlich effektiver bei der Reaktion auf neue Kundenbedürfnisse und Marktanforderungen. Hierbei zeigt sich auch die Bedeutung des Innovationsgrades. Sind die Neuerungen durch einen „radikalen“ Innovationsgrad entstanden, so ist eine Abhebung vom Wettbewerb noch größer, indem aus Kundensicht der Nutzen besonders hoch ist. Eine hohe Innovationsfähigkeit führt auch zu Effizienz- und Effektivitätsverbesserungen bei den Innovationsaktivitäten, wodurch die finanziellen Faktoren der Rentabilität, Gewinn und der grundsätzliche Gesamterfolg der Innovationstätigkeiten und des Unternehmens erhöht wird (Sammerl, Wirtz & Schilke, 2008, S. 137 – 139).

2.5 Messung von Innovationsfähigkeit

Nach der Betrachtung der Bedeutung von Innovationsfähigkeit soll nachfolgend die Frage nach der Messbarkeit selbiger beantwortet werden. Dies erfordert die Betrachtung verschiedener Perspektiven zur Unterteilung der Dimensionen bzw. der Einflussfaktoren auf die Innovationskraft eines Unternehmens. Die Autorin Sammerl bezieht als theoretisches Grundgerüst das Dynamic Capabilities View als Ausgangspunkt für die Konzeptionalisierung und Operationalisierung der Innovationsfähigkeit ein. Zentrale Aussage dabei ist, dass Unternehmen bestehende dynamische Fähigkeiten nutzen müssen, um sich den wandelnden Umweltfaktoren anzupassen um wettbewerbsfähig zu werden und zu bleiben (Sammerl, Wirtz & Schilke, 2008, S. 134). An dieser Stelle soll auf Grund der eigenständigen Komplexität auf eine genaue Betrachtung des Dynamic Capabilities View verzichtet werden. Die nachfolgende Abbildung stellt eine Übersicht über die fünf wesentlichen Dimensionen (operativer und strategischer Koordinationsroutinen, Unternehmenskultur, sowie internes und externes Lernen) dar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Dimensionen des Dynamic Capabilities View

(Quelle: Sammerl, Wirtz & Schilke, 2008, S. 135)

Auf der Basis des Dynamic Capabilities View und den daraus identifizierten fünf zentralen Routinen wird die Konzeptionalisierung und Operationalisierung der Innovationsfähigkeit vorgenommen. Innerhalb des operativen Koordinationsprozesses werden verschiedene Tätigkeiten in Bezug auf die Innovationsprojekte und -prozesse dargestellt. Auf die Innovationsfähigkeit übertragen, ergibt sich dabei die Dimension des Innovationsprozessmanagement , was die Koordination von Aktivitäten und Beteiligten beinhaltet. Die Innovationsprozesse sind komplexe, dynamische und cross-funktionale Vorgänge, was die geplante Koordination der Aktivitäten und Beteiligten erforderlich macht. Dabei liegt der Fokus dieser Dimension auf der prozessualen Ablauforganisation. Desweitern vereint das Innovationsprozessmanagement die Planung, Steuerung und Kontrolle formaler Prozesse, welche direkten Einfluss auf den Erfolg von Innovation haben können. Die Festlegung eines strukturierten und klar definierten Prozessablaufes und Aufgabenstellungen ist förderlich, um die Effizienz und Effektivität des Innovationsprozesses sicherzustellen und ist Teil des Prozessmanagement (Sammerl, Wirtz & Schilke, 2008, S. 135; Sammerl, 2006, S. 205 – 207). Strategische Koordinationsprozesse stellen die zweite Dimension des Innovationsportfoliomanagement dar, indem sie das Gesamtunternehmen für die Zukunft ausrichten. Dabei sollen mittel- bis langfristige strategische Entscheidungen hinsichtlich der Innovationsprodukte den Unternehmenserfolg und die Wettbewerbsfähigkeit sichern. Innerhalb dieses Managementprozesses sollen limitierte Ressourcen (u.a. Personal und Zeit) auf die Projekte vorgenommen werden, die den „[…] größtmöglichen Nutzen bei einem tragbaren Risiko erwarten lassen“ (Sammerl, Wirtz & Schilke, 2008, S. 135). Dieser, auch Innova-tionsportfoliomanagement genannter Managementprozess, sollte sich an der Unternehmensstrategie orientieren, um die Ressourcenallokation möglichst effektiv und effizient zu gewährleisten (Sammerl, Wirtz & Schilke, 2008, S. 135; Sammerl, 2006, 207 – 209). Eine Unternehmenskultur kann entscheidenden Einfluss auf die Erreichung von Wettbewerbsvorteilen haben, indem sie den Koordinationsbedarf verringert. Dies kann durch die Verankerung von Werten und Normen erreicht werden, indem sie Leitlinien für die Entscheidungsfindung und Handlungsausrichtungen liefern. Eine solche als Innovationskultur bezeichnete Unternehmenskultur wird in der Literatur durch die Merkmale Entrepreneurship, Kreativität, Risikoübernahme, Flexibilität und die Betonung von Wachstum und Innovation charakterisiert. Die Innovationskultur sollte dabei durch Offenheit gegenüber neuen, unkonventionellen Ideen und Experimentierfreude ausgezeichnet sein. Des Weiteren sollten auch Führungskräfte genug Innovationsfreiräume ermöglichen, um innovatives Verhalten zu fördern (Sammerl, Wirtz & Schilke, 2008, S. 136; Sammerl, 200; S. 209 – 2011). Die Fähigkeit, dies zu lernen, ist maßgebend für Innovationen da sie „[…] neue Ideen, Einsichten und Erkenntnisse benötigen“ (Sammerl, Wirtz & Schilke, 2008, S. 136). Dabei lassen sich die Dimensionen von „internes und externes Lernen“ unterscheiden. Die Dimension des „internen Lernens“ zielt dabei auf die Weiterentwicklung von vorhandenem Wissen, sowie die Erforschung von neuem Wissen und dessen Anwendung auf die Produktinnovationen. Fokusbereich sind dabei die internen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten zur Gewinnung neuen Wissens und Erkenntnissen (Sammerl, Wirtz & Schilke, 2008, S. 136; Sammerl, 2006, S. 199 – 200). Wohingegen die zweite Lernroutine das „ externe Lernen “ darstellt, welches Problemlösungsprozesse umfasst „[…] die Unternehmen in Zusammenarbeit mit unternehmensexternen Partnern durchführen“ (Sammerl, Wirtz & Schilke, 2008, S. 136). Die Interaktion und Kommunikation mit den Kunden ermöglicht eine hohe Kundenorientierung und ist eine erfolgskritische Aufgabe. Die Innovationsfähigkeit in dieser Dimension kann gezielter anhand von Bedürfnissen, Problemen und Ansprüchen von Kunden ausgerichtet werden, indem ein „Lernen am Kunden“ erfolgt, was „[…] das Ausmaß, in dem Kunden in die Produktentwicklung mit eingebunden und als Ideen-, Informations- und Wissensquelle für Neuproduktentwicklungen […]“ (Sammerl, Wirtz & Schilke, 2008, S. 135) beinhaltet. Die nachfolgende Abbildung stellt die fünf dimensionalen Einflussfaktoren auf die Innovationsfähigkeit nach Sammerl dar. Diese Dimensionen beinhalten weitere Einflussgrößen, welche die Messbarkeit der Innovationsfähigkeit ermöglichen. Diese Einflussfaktoren sollen im nachfolgenden Kapitel zu einem Strukturbaum zusammengefasst werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Dimensionen der Innovationsfähigkeit

(Quelle: Sammerl, Wirtz & Schilke, 2008, S. 137)

Einen weiteren Ansatz, die Einflussdimensionen auf die Innovationsfähigkeit innerhalb eines Unternehmens zu klassifizieren, stammt von dem Autoren Wahren. Er beschreibt die Einflussbereiche der Innovationsfähigkeit anhand von kontextueller und personaler Faktoren und der Prozessfähigkeit. Die personalen Faktoren beinhalten unter anderem die Kreativität, Team- und Kommunikationsfähigkeit, Erfahrungen und formale Qualifikationen. Der Bereich der kontextuellen Faktoren beinhaltet kulturelle Aspekte, Lernprozesse, Führungsverhalten und die Organisation. Der Faktor der Prozessfähigkeit ist durch Prozessmanagement, Strategien, Ressourcen und den Einsatz von Tools gekennzeichnet (Wahren, 2004, S. 30 – 60).

Im Rahmen des Forschungs- und Entwicklungsprojektes „International Monitoring“ entstandene Buch „Enabling Innovation“ werden die Dimensionen der Innovationsfähigkeit in die Kategorien Wissen, Kompetenzen und Werte eingeteilt. Wissen beinhaltet dabei Fakten, zugängliche Informationen und Lösungsansätze. Die Kompetenzen umfassen Personenmerkmale, um vorhandenes Wissen nutzbar machen zu können. Das Wertesystem, welches die Innova-tionskultur darstellt, führt dazu, dass das Verhalten von Akteuren (beispielsweise der Mitarbeiter) beeinflusst werden kann (Trier, 2011, S. 252 – 255).

Wie dargestellt, gibt es verschiedene mögliche Ansätze die Einflussbereiche auf die Innovationsfähigkeit von Unternehmen zu erfassen. Auf die Dimensionen, die in dieser Arbeit zur Anwendung kommen, soll im Methodenteil näher eingegangen werden.

2.6 Indikatoren zur Messung der Innovationsfähigkeit

Die Zusammenfassung verschiedener Einflussbereiche auf die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens ermöglicht nicht die Innovationsstärke zu bewerten. Dazu ist die Erörterung spezifischer Indikatoren von Nöten, welche den unterschiedlichen Dimensionen bzw. Kategorien, die diese weiter unterteilen, zuzuordnen sind, um damit die Messbarkeit zu ermöglichen. Die Autorin Sammerl liefert dabei neben Dimensionen der Innovationsfähigkeit auch entsprechende Indikatoren. Demnach lässt sich die Qualität des Innovationsprozessmanagement anhand der einheitlichen Definition von Aufgaben, Zielen, Prozessabläufen, kontrollierten Umsetzungsprozessen von Innovationsprojekten, klar definierte Ziele (Kosten-, Leistung- und Zeitzahlen), einem durchgehenden bzw. situationsspezifischen Prozessmanagement und der Zielorientierung operativer Einzelaktivitäten messen (Sammerl, Wirtz & Schilke, 2008, S. 149; Sammerl, 2006, S. 315).

Das Innovationsportfoliomanagement beinhaltet folgende Indikatoren: Strategische Schwerpunkte im Bereich des Innovationsportfolios, Orientierung an Unternehmenszielen in Bezug auf die Priorisierung, Zukunftsfähigkeit von Projekten und eine Diversifikation des Innovationsportfolios in Bezug auf den Erfolg und die Zukunftsaussichten (Sammerl, 2006, S. 318). Eine Innovationskultur beinhaltet die Indikatoren der Experimentierfreude, Offenheit, der Unterstützung von neuen und unkonventionellen Ideen, Veränderungsbereitschaft, Vorleben von innovativem Denken und Handeln durch die Geschäftsführung, förderliche Werte und Normen, Risikobereitschaft, sowie vorhandene Innovationsfreiräume (Sammerl, Wirtz & Schilke, 2008, S. 149; Sammerl, 2006, S. 321). Internes Lernen zeichnet sich durch folgende Aspekte aus: der Fähigkeit neues Wissen zu entwickeln, dem Aufbau von Wissen und Knowhow in neuen Sachgebieten, der Weiterentwicklung von bestehendem Wissen, Gewinnung nützlicher Erkenntnisse aus Forschung und Entwicklung, sowie die Übertragung dieser Erkenntnisse auf neue Themengebiete (Sammerl, Wirtz & Schilke, 2018, S. 149; Sammerl, 2016, S. 310). Das „Lernen vom Kunden“ kann über die Qualität des Kundenkontaktes, über das Verständnis für die Bedürfnisse, Probleme und Anforderungen des Kunden als Ideen- und Informationsquelle, die Enge der Zusammenarbeit zur Entwicklung neuer Innovationen, Verbesserungen und Lösungen des Produktportfolios ermittelt werden (Sammerl, Wirtz & Schilke, 2008, S. 149; Sammerl, 2006, S. 313). Nach Wahren ist innerhalb der personalen Faktoren der reine Qualifikationsgrad des Personals ausschlaggebend für den Erfolg von komplexen Innovationsprozessen. Aufgrund der oftmals komplexen Innovationsprojekte sind Eigenschaften von Disziplin und Hartnäckigkeit förderlich. Darüber hinaus sind Innovationsprojekte oftmals von Kommunikations- und Teamfähigkeit abhängig, was diese zu einer fördernden Eigenschaft macht. Die erfolgreiche Teamfähigkeit ist dabei geprägt von Effektivität, Vertrauen, einer Teamkultur und klaren Zielen (Wahren, 2004, S. 35 – 45). Die Unternehmenskultur sollte sowohl durch entsprechende Werte, Normen und Regeln charakterisiert werden und von Offenheit, Risikofreude, Neugierde, Experimentierfreude, geringer Regelgebundenheit und das Akzeptieren von Fehlern gekennzeichnet sein, um innovationsförderlich zu wirken. Wenn divergentes Denken gefördert wird, die innovativen Aktivitäten belohnt und klare Innovationsziele und -projekte umgesetzt werden ist die Führung förderlich. Darüber hinaus können der Austausch in Meetings und Workshops den Lernprozess und somit die Innovationsfähigkeit unterstützen (Wahren, 2004, S. 48 – 56). Die Prozessfähigkeit beinhaltet die Strategie, Vision und Ziele. Wahren erwähnt in diesem Zusammenhang auch personelle, zeitliche und finanzielle Ressourcen. Wobei gerade die Zeit grundlegend für die Weiterentwicklung von Wissen ist. Um dabei die Qualität des Prozessmanagement zu ermitteln, kann die Definitionsklarheit der Aufgaben- und Kompetenzverteilung begutachtet werden. Die Prozessfähigkeit beinhaltet aber auch das Vorhandensein von Tools (z.B. Kommunikations- und Analysetools) und die Fähigkeit des konstruktiven Umgangs mit selbigen (Wahren, 2004, S. 58 – 60). Die Organisationsstrukturen können ebenfalls zu einer Förderung der Innovationsfähigkeit beitragen, indem selbige verschiedene für die Innovationsfähigkeit förderliche Eigenschaften enthält. Zu den Charakteristika dieser Merkmale zählen: eine eher dezentral agierende Führung, Entscheidungsbefugnisse und Kontrolle. Wobei der Spezialisierungs- und Formalisierungsgrad der Organisation vergleichsweise gering sein sollte. Darüber hinaus verfügen die Mitarbeiter über Freiräume und die Kommunikation erfolgt auf lateralem Weg, um eine teamorientierte und innovationsstarke Organisation zu fördern (Wahren, 2004, S. 49). Auch der ungehinderte Zugang zu Informationen, ein Abteilungs- und Fachbereich übergreifender Informationsfluss und der permanente Kontakt zur Unternehmensumwelt fördert die Innovationsfähigkeit. Dies kann durch die Risiko- und Fehlerbereitschaft, Teamstrukturen und dem Denken in Zusammenhängen ergänzt werden (Schoeller, 1996, S. 211). An dieser Stelle soll aufgrund der eigenständigen Komplexität und des begrenzten Rahmens dieser Arbeit nicht näher auf die Möglichkeiten von innovationsfördernden Organisationsstrukturen eingegangen werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 42 Seiten

Details

Titel
Entwicklung eines Fragebogens zur Untersuchung der Innovationsfähigkeit innerhalb eines Dienstleistungsunternehmens
Hochschule
SRH Fernhochschule
Note
1
Jahr
2021
Seiten
42
Katalognummer
V1038562
ISBN (eBook)
9783346456441
ISBN (Buch)
9783346456458
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Innovationsfähigkeit in Unternhemen, Strukturbaum, Entwicklung eines Fragebogens
Arbeit zitieren
Anonym, 2021, Entwicklung eines Fragebogens zur Untersuchung der Innovationsfähigkeit innerhalb eines Dienstleistungsunternehmens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1038562

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