Die Fragestellung, der in der vorliegenden Arbeit nachgegangen werden soll, lautet, inwiefern sich die Vorstellungen von Europa in Les clandestins und Eldorado entsprechen und worin sie sich unterscheiden. Dabei soll die Hypothese verifiziert beziehungsweise falsifiziert werden, dass die Vorstellungen von Europa in den beiden Romanen sich stark ähneln.
Um eine Grundlage für die Vorstellungen von Europa in den Romanen Les clandestins und Eldorado zu liefern, werden zuerst die in der Literaturwissenschaft und im Besonderen in der Migrationsliteratur vorherrschenden Vorstellungen, Ideen und Bildnisse dieses Kontinents dargestellt (2.). Daraufhin folgt die Untersuchung des Romans Les clandestins auf den Aspekt der Europavorstellungen (3.1.), genauso wird bei der Untersuchung von Eldorado verfahren (3.2.). Anschließend werden die in den Romanen vorherrschenden Vorstellungen von Europa miteinander verglichen (3.3.). Im abschließenden Fazit werden die Ergebnisse der Analyse zusammengefasst und es wird geklärt, ob die Hypothese verifiziert oder falsifiziert werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen – Der Europadiskurs in der Literaturwissenschaft
3. Vorstellungen von Europa
3.1. Les clandestins von Youssouf Amine Elalamy
3.2. Eldorado von Laurent Gaudé
3.3. Vergleich
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die literarischen Vorstellungen von Europa als Zielort illegaler Migration in den Romanen Les clandestins von Youssouf Amine Elalamy und Eldorado von Laurent Gaudé, um die zugrunde liegenden idealisierten Projektionen sowie deren Kontrast zur Realität zu analysieren.
- Analyse des europäischen Diskurses in der Migrationsliteratur
- Untersuchung der Push- und Pull-Faktoren in den gewählten Romanen
- Kontrastierung von mythischen Europavorstellungen und der tatsächlichen Lebensrealität
- Vergleich der Identitätsentwicklung der Protagonisten
- Herausarbeitung der Symbolik des Mittelmeers als Grenze
Auszug aus dem Buch
3.1. Les clandestins von Youssouf Amine Elalamy
Zu Beginn des Romans wird das Äußere des Protagonisten Omar, der in dem marokkanischen Dorf Bnidar lebt, beschrieben: „Omar avait la peau très blanche et les yeux très bleus. Il était, disaient les gens de Bnidar, pâle comme le lait, étrange comme la lune avec ‘des yeux découpés dans le bleu du ciel’. Les yeux d’un Espagnol, disaient les uns ; les yeux d’un Chrétien, disaient les autres“ (Elalamy 2000: 17).
Es wird deutlich, dass sein Erscheinungsbild einem bestimmten Kulturkreis zugeschrieben wird, nämlich dem europäischen, genauer dem spanischen, gar der christlichen Religion. All dies wird von der Dorfbewohnerin Ayoub gleichgesetzt: „c’est kif-kif“ (Elalamy 2000: 17). Omar unterscheidet sich also von den restlichen DorfbewohnerInnen und repräsentiert damit ‚das Andere‘, ‚das Fremde‘, weshalb sie ihn als seltsam bezeichnen. Omar wiederum bezeichnet sie als seltsam (vgl. Elalamy 2000: 18). Mit seinem fremdartigen Aussehen fällt er aus dem Rahmen, weshalb er als Symbol für die Gegensätze zwischen Europa und Afrika gelten kann. Jeden Tag geht er in die spanische Enklave Ceuta, um mit Schmuggelware zu handeln (vgl. Elalamy 2000: 17). Damit überschreitet er jeden Tag die Grenze zwischen Afrika und Europa und ist dadurch auf beiden Erdteilen präsent.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die aktuelle Problematik der illegalen Migration über das Mittelmeer ein und definiert die Forschungsfrage sowie die Hypothese zum Vergleich der beiden Romane.
2. Theoretische Grundlagen – Der Europadiskurs in der Literaturwissenschaft: Dieses Kapitel erörtert die literaturwissenschaftlichen Konzepte von Europa als ‚Paradies‘ oder ‚Eldorado‘ sowie die theoretischen Rahmenbedingungen zur Konstruktion des ‚Fremden‘.
3. Vorstellungen von Europa: Hier erfolgt die detaillierte Analyse der Europabilder innerhalb der beiden literarischen Werke unter Einbeziehung der spezifischen Erzählstrukturen.
3.1. Les clandestins von Youssouf Amine Elalamy: Das Kapitel analysiert die Darstellung von Europa als mythischen Sehnsuchtsort und die Rolle des Protagonisten Omar als Grenzfigur.
3.2. Eldorado von Laurent Gaudé: Die Untersuchung fokussiert auf die polyphone Erzählweise und die Wandlung der Figur Piracci vom Verteidiger der Festung Europa hin zum Identitätssuchenden.
3.3. Vergleich: Dieser Abschnitt stellt die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Romane gegenüber, insbesondere in Bezug auf die Darstellung der Migranten und der Unerreichbarkeit Europas.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bestätigt die Hypothese der Ähnlichkeit der Europavorstellungen und betont die anhaltende Aktualität des Themas.
Schlüsselwörter
Europa, Eldorado, Migration, Mittelmeer, Les clandestins, Eldorado (Roman), Identität, Postkoloniale Kritik, Flüchtlingskrise, Push- und Pull-Faktoren, Fremdwahrnehmung, Literaturwissenschaft, Grenze, Hoffnung, Migrationsthematik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die literarische Darstellung von Europa als Migrationsziel in zwei zeitgenössischen frankophonen Romanen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Mittelpunkt stehen idealisierte Vorstellungen von Europa (Eldorado-Mythos), der Kontrast zwischen Wunsch und Realität sowie die Rolle der Migration im literarischen Diskurs.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Verifizierung der Hypothese, dass sich die Europavorstellungen in den untersuchten Romanen stark ähneln, und die Untersuchung, worin sie sich im Detail unterscheiden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die auf der Untersuchung der Primärtexte und der Einbeziehung theoretischer Diskurse zur Migrationsliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine Einzelanalyse der beiden Romane und einen abschließenden komparativen Vergleich.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Migration, Eldorado, Europa-Diskurs, Identitätskonstruktion und Flüchtlingskrise beschreiben.
Welche Rolle spielt die Figur Piracci in Laurent Gaudés "Eldorado"?
Piracci wandelt sich im Laufe des Romans vom Kommandanten einer Fregatte, der die "Festung Europa" bewacht, zu einem Individuum, das diese Rolle hinterfragt und sich selbst auf eine neue Identitätssuche begibt.
Warum bleibt Europa in Elalamys "Les clandestins" in einer mythischen Sphäre?
Im Gegensatz zu Gaudés Roman findet in Elalamys Werk keine Handlung auf dem europäischen Festland statt; Europa existiert für die Figuren primär als unerreichbare Projektionsfläche und "Paradies".
- Arbeit zitieren
- Viktoria Woronin (Autor:in), 2018, Vorstellungen von Europa in 'Les clandestins' von Youssouf Amine Elalamy und 'Eldorado' von Laurent Gaudé, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1039080