Inwiefern spiegelt der Roman die Gesellschaft im 18. Jahrhundert wider und wie wird dies anhand der libertinen Personen, Madame de Merteuil und Vicomte de Valmont, deutlich? Zu diesem Zweck werden zunächst die Begriffe Sitte, Sittlichkeit und Moral in einen historischen Kontext gesetzt und untersucht. Außerdem werden gesellschaftliche Debatten rund um die Libertinage genannt und erläutert. Im Hauptteil werden die Romanfiguren und Libertine, Madame de Merteuil und Vicomte de Valmont, anhand ausgewählter Briefe genauer untersucht und als Sinnbild der Libertinage identifiziert. Die Ergebnisse der Analyse werden im Fazit zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sitte, Sittlichkeit und Moral
2.1 Libertinage und die Gesellschaft im 18. Jahrhundert
3. Marquise de Merteuil als Person der Libertinage
3.1 Vicomte de Valmont und sein Verhältnis zu Merteuil
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern der Briefroman „Les Liaisons dangereuses“ von Choderlos de Laclos die Gesellschaft des 18. Jahrhunderts widerspiegelt und welche Rolle das Konzept der Libertinage dabei für die Protagonisten Madame de Merteuil und Vicomte de Valmont spielt.
- Historische Einordnung der Begriffe Sitte, Sittlichkeit und Moral
- Gesellschaftliche Debatten und die Bedeutung der Libertinage
- Analyse von Madame de Merteuil als manipulative Intrigantin
- Untersuchung des Verhältnisses zwischen Merteuil und Valmont
- Darstellung von Macht, Manipulation und Schein im 18. Jahrhundert
Auszug aus dem Buch
3. Marquise de Merteuil als Person der Libertinage
Diese perfekte Inszenierung erfordert Hingabe, Fingerspitzengefühl und vor allem enorme Selbstbeherrschung. Der Verstand ist bei dem ganzen Spiel der Schlüssel zum Erfolg. Dies hat die Protagonistin und Intellektuelle, Madame de Merteuil, schon in jungen Jahren erkannt. Bewusst fasste sie den Entschluss, sich mit Hilfe ihrer Geisteskraft zu verstellen und in eine Rolle zu schlüpfen:
« J’étais bien jeune encore, et presque sans intérêt : mais je n’avais à moi que ma pensée, et je m’indignais qu’on pût me la ravir ou me la surprendre contre ma volonté. » (Laclos 1972 : 217).
Nach dem Tod ihres Mannes fühlt sie sich frei und zieht sich ein Jahr lang aufs Land zurück, um sich Fachliteratur hinzugeben. Dort studiert sie die moralischen Anschauungen ihrer Zeit und überlegt sich, wie sie den vollkommenen Schein kreieren kann (vgl. Laclos 1972: 220). In ihren Erzählungen wird nicht deutlich, welche Werke sie liest. Jedoch ist davon auszugehen, dass die Vorstellungen der bekannten Lumières Einzug in ihren Wissenskosmos erhielten. Die raffinierte Merteuil versteht es, sich umfassend über die gesellschaftlichen Regeln und Meinungen zu informieren, um diesen offenbar allumfassend zu entsprechen, im Verborgenen jedoch gegenteilig zu handeln.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Romans und der Forschungsfrage, die das Spannungsfeld zwischen gesellschaftlichem Abbild und libertinem Handeln der Hauptfiguren untersucht.
2. Sitte, Sittlichkeit und Moral: Etymologische und historische Herleitung der ethischen Grundbegriffe sowie deren Bedeutungswandel im 18. Jahrhundert.
2.1 Libertinage und die Gesellschaft im 18. Jahrhundert: Erläuterung des Libertinismus als gesellschaftliche Gegenbewegung, die durch geistige Freiheit und moralische Nonkonformität gekennzeichnet ist.
3. Marquise de Merteuil als Person der Libertinage: Analyse der Protagonistin als berechnende Meisterin der Täuschung, die ihre Mitmenschen systematisch manipuliert.
3.1 Vicomte de Valmont und sein Verhältnis zu Merteuil: Untersuchung der Figur Valmont als „Salonheld“, dessen libertines Handeln jedoch durch Emotionen und menschliche Schwächen begrenzt bleibt.
4. Schluss: Zusammenführung der Analyseergebnisse, die Merteuil und Valmont als überspitzte Verkörperung des Libertinismus identifizieren.
Schlüsselwörter
Les Liaisons dangereuses, Choderlos de Laclos, Libertinage, Libertin, Sitte, Sittlichkeit, Moral, 18. Jahrhundert, Madame de Merteuil, Vicomte de Valmont, Manipulation, Aufklärung, Briefroman, Täuschung, Ancien Régime.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert Choderlos de Laclos' Briefroman „Les Liaisons dangereuses“ hinsichtlich seiner Funktion als Sittengemälde der französischen Gesellschaft des 18. Jahrhunderts.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen die Begriffe Sitte, Sittlichkeit und Moral sowie das Phänomen der Libertinage als Ausdruck eines exklusiven aristokratischen Lebensstils.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es wird der Frage nachgegangen, wie der Roman die damalige Gesellschaft spiegelt und wie diese Widerspiegelung durch das Handeln der Protagonisten Merteuil und Valmont konkretisiert wird.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine Literatur- und Diskursanalyse, um die Romanfiguren anhand ausgewählter Briefe und unter Einbeziehung philosophischer und historischer Kontexte zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Analyse der Charaktere Madame de Merteuil und Vicomte de Valmont als Sinnbilder des Libertinismus und untersucht ihre manipulativen Methoden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe Libertinage, Moral, Manipulation, Briefroman und das 18. Jahrhundert definieren.
Wie unterscheidet sich die Figur der Madame de Merteuil von Vicomte de Valmont?
Merteuil wird als absolut berechnende und emotionslose „Meisterin der Täuschung“ dargestellt, während Valmont trotz seines libertinen Anspruchs gelegentlich durch echte Emotionen an Kontrolle verliert.
Welche Rolle spielt die „Fesselmetaphorik“ in der Argumentation?
Die Metapher der „chaine“ wird genutzt, um die konventionelle Liebe und gesellschaftliche Zwänge zu beschreiben, die die Libertinen in ihrem Streben nach Freiheit konsequent ablehnen.
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- Janine Tillmanns (Autor), 2021, "Les Liaisons Dangereuses" von Choderlos de Laclos und die Libertinage im 18. Jahrhundert, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1039409