Die Perserkriege Iustinians. Rom und Perserreich zwischen Feindschaft und Bruderschaft


Akademische Arbeit, 2021

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2... Kriege zwischen Rom und dem Perserreich in der Vergangenheit

3... Die Perserkriege im Gesamtkontext der Kriegsfuhrung Iustinians
3. 1 Die auBenpolitischen Ziele Iustinians
3. 2 Die Folgen der Perserkriegefur das Ostromische Reich

4.Schlussbetrachtungen

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Nur wenige Kaiser und Konige haben so lange regiert wie Justinian, fast vierzig Jahre war er Alleinherrscher, nur wenige zeigten eine solche Hingabe an die Aufgabe und nur wenige sind so grandios gescheitert wie er.“1

So fasst Leppin die Herrschaft des Kaisers Iustinian I zusammen, der von 527 bis 565 n. Chr. das Ostromische Reich regierte. Iustinian war dafur bekannt, hohe Ziele in der Religionspolitik, der Innen- und AuBenpolitik zu verfolgen. Diese Arbeit soll nur einen kl einen Teil seiner Regierung genauer fokussieren - seine Perserkriege - und diese sowohl in den Kontext der Tradition der Feindschaft zwischen Ostrom und Sasanidenreich einordnen als auch im Zusammenhang seiner gesamten Herrschaft beleuchten.

Wahrend Iustinian in der jungeren Forschung nur wenig Aufmerksamkeit auf sich zog, wird ihm in der spateren Forschung eine hohere Bedeutung beigemessen.2 Vor allem seine Darstellung in den Schriften Prokops scheinen besonderes Interesse auf sich zu ziehen.

Die Hauptquelle fur die Perserkriege Iustinians I bilden die Schriften vom eben genannten Prokopius von Caesarea. Borm charakterisiert Prokop als „Romer“3, der „sich offenbar der landbesitzenden, konservativen und gebildeten Aristokratie verbunden [fuhlte]“4 und zahlt ihn „zu den bedeutendsten Geschichtsschreibern der Spatantike“5. Prokop schreibt zu Beginn seiner Ausfuhrungen der Perserkriege, er wurde uber „Taten, deren Fortleben nach Ansicht des Verfassers etwas GroBes bedeutet und den Zeitgenossen wie den kunftigen Geschlechtern auBerordentlichen Nutzen bringt“6 berichten. Da er nach eigener Angabe „zusammen mit dem Feldherrn Belisar an fast allen Ereignissen personlich teilnahm“7, sieht sich der Autor in der Lage, eine historische Abhandlung uber die Perserkriege zu verfassen, da „fur Geschichtsschreibung [im Gegensatz zu anderen literarischen Gattungen] Wahrheit angemessen sei“8. Wahrend Prokop von seinen Schriften behauptet, er wurde die „Wahrheit“ berichten, muss dies allerdings quellenkritisch untersucht werden, wobei in der Forschung die genaue Wiedergabe von Tatsachen im Sinne der Wahrheit in den Schriften Prokops angezweifelt wird.9 Rubin kommentiert Prokops Bericht uber die Befehlsverhaltnisse im Persischen Krieg: „An solchen Mahnungen [an den Kaiser Iustinian] ist in seiner Kriegsgeschichte kein Mangel, sie durchziehen das Werk wie ein roter Faden“10. Zudem erschweren Prokops Schriften ein einheitliches Urteil, da sie selbst gepragt sind von unterschiedlichen Meinungen und Aussagen uber den Kaiser. Problematisch ist auBerdem, dass es zurzeit keine umfangreichen Quellen gibt, mit denen man die Inhalte der Schriften Prokops abgleichen konnte.

In der vorliegenden Arbeit soll zunachst das Verhaltnis zwischen Ostrom und Perserreich in der Vergangenheit zusammengefasst werden, um die Situation Iustinians bei seinem Herrschaftsantritt nachvollziehen zu konnen. AnschlieBend sollen die Ziele Iustinians und die Bedeutung der Perserkriege fur seine politische Agenda erlautert werden. In einem letzten Schritt werden die Folgen der Ostpolitik Iustinians betrachtet, welche in die kurzfristigen Folgen zu seiner Lebenszeit und die langfristigen Folgen fur die nachsten Generationen unterschieden werden.

Als Grundlage werden die Schriften Prokops herangezogen, vor allem sein Werk speziell uber die Perserkriege. Dies wird durch Forschungsliteratur aufbereitet und eingeordnet.

2. Kriege zwischen Rom und dem Perserreich in der Vergangenheit

Der romisch-persische Krieg unter Iustinian war weder ein Novum noch eine Seltenheit. Im Gegenteil: Die zahlreichen Kriege zwischen Rom und Persien erstreckten sich uber einen Zeitraum von uber 500 Jahren. Laut Rubin gehort „die Auseinandersetzung zwischen den Erbfeinden Byzanz und Persien [...] zu den Automatismen der Weltgeschichte, mit denen man rechnen muB“n. Die Feindschaft der beiden GroBmachte begann ca. vier Jahrhunderte vor der Herrschaft Iustinians und konnte erst 630 n. Chr. beigelegt werden.11 12 Somit pragte das Kraftemessen zwischen Rom und Perserreich fur viele Jahrhunderte die Lebenswelt und die politischen Vorgange und Entscheidungen. Rubin betont „die Wirkung der ,romischen' Vergangenheit nicht nur auf das axiomatische Herrscherideal, sondern erst recht auf die Realpolitik des Zeitalters“13, er kennzeichnet Iustinian I und in Bezug auf seine Ostpolitik also „Kind seiner Zeit“14 bzw. als zu erwartende, naturliche Folge auf die Vergangenheit.

Das Perserreich erlebte seine Blutezeit bereits rund 300 Jahre vor dem Aufstieg des Imperium Romanum, also ungefahr im 6. Jh. v. Chr..15 Das Perserreich war gekennzeichnet durch ein riesiges „zusammenhangendes Territorium“16 und durch „auBergewohnlich stabile Machtentfaltung und -bewahrung“17. Das Perserreich sollte also als ebenburtiger Gegner des Romischen Reiches angesehen werden.18

Ebenso wie die vorliegende Arbeit beginnt auch Prokop seine Ausfuhrungen uber die Perserkriege zunachst mit einer Beschreibung des romisch-persischen Verhaltnisses in der Vergangenheit. Er beginnt ca. im Jahr 408 n. Chr., als der Kaiser Arkadios auf dem Sterbebett liegend den Perserkonig Isdigerdis bittet, die Vormundschaft fur den noch sehr jungen Theodosius zu ubernehmen, der als Erwachsener Arkadios Thronfolger werden solle. Prokop lasst hier eine deutliche Bewertung des Perserkonigs vernehmen, indem er schreibt: „Der Perserkonig Isdigerdis aber - schon vorher wegen seiner groBherzigen Sinnesart hochberuhmt - bewies, sobald er das Schreiben [die Bitte Arkadios] zu Gesicht bekam, einen Edelmut, der volle Bewunderung und Anerkennung verdient“19. Durch die Erfullung der Bitte habe Isdigerdis Frieden zwischen den beiden GroBreichen und die Herrschaft des Theodosius, sobald er mundig war, ermoglicht.20 Rubin nennt dies einen „zweifellos bedeutsamen Hoflichkeitsakt“21, der aus „guten Beziehungen“22 resultiere. Nach einem Bericht uber die gescheiterten Schlachten des Perserkonigs Perozes gegen die ephthalitischen Hunnen und dessen Tod23 fahrt Prokop mit der Regierungszeit des Perserkonigs Kabades fort, welche er als „gewaltsames Regiment“24 bezeichnet. Nach einem ausfuhrlichen Exkurs uber das Verhaltnis zwischen Persien und Armenien zur Regierungszeit Kabades, setzt Prokop im Jahr 502 wieder mit dem Verhaltnis zwischen Rom und Persien fort. Prokop schildert, Kabades hatte den romischen Kaiser Anastasios um Geld gebeten, da Kabades seine Schulden beim Ephthalithenkonig sonst hatte nicht begleichen konnen. Wahrend Prokop das Perserreich somit als finanziell bedurftig und zahlungsunfahig darstellt, ist sich aber Borm sicher, dass dies lediglich eine Ubertreibung seinerseits war, um das Romische Reich starker darzustellen, als es faktisch der Fall war.25 Anastasios gewahrte ihm jedoch kein Darlehen, denn „es sei, wie sie meinten, schadlich, wenn man mit eigenem Geld die Freundschaft der Feinde zu den Ephthaliten starke. Beide moglichst miteinander zu verfeinden, bringe hingegen den Romern groBeren Vorteil“26. So hatte das taktische Kalkul Anastasios einen raschen Kriegsausbruch mit den Persern verursacht. Nachdem Kabades Armenien geplundert hatte, habe er die Stadt Amida nach 80 Tagen Belagerung eingenommen27, woraufhin Anastasios mit einem Gegenangriff und der Ruckeroberung reagierte. Als 506 Amida zuruckerobert werden konnte, wurde ein siebenjahriger Waffenstillstand vereinbart28 und Anastasios hatte daraufhin militarische „Bollwerke“ an den strategisch hervorragenden Grenzorten Anastasiopolis und Theodosiopolis errichtet.29

Nach zahlreichen Kriegen zwischen Persien und Rom entspannte sich so also das Verhaltnis zu Beginn des funften Jahrhunderts n. Chr. zunachst wieder. Fritz beschreibt ihr Verhaltnis sogar als „freundschaftlich“, gekennzeichnet durch ein „verwandtschaftliches Verhaltnis der beiden Regenten“ und gegenseitigen „militarisch[en ...] Beistand“30. Doch unter Iustinus und seinem Nachfolger Iustinian auf romischer und Khosrow I auf persischer Seite „kam es [...] [erneut] zu einem heftigen Schlagabtausch, da beide Herrscher nach den Zeiten des Niedergangs eine Wiederherstellung der alten GroBe anstrebten“31. Laut Rubin vertrat „auch der groBe Sasanide Khusro I Anosarvan [.] als Gegenspieler Iustinians den Weltreichsgedanken der Achameniden“32 Die ungeklarte Frage nach den Gebietsanspruchen auf Lazika, Iberia und die Kaspischen Tore verursachte erneut deutliche Spannungen zwischen den Reichen.33 Den Anlass des Kriegsausbruchs bildete, dass Justinus die Bitte des Perserkonigs ausschlug, dessen Sohn Khrosroes zu adoptieren und ihm somit die Thronfolge zu sichern. Laut Winter & Dignas sei dies ein Versuch Kavadhs I gewesen, „auf diplomatischem Weg eine Verstandigung mit Byzanz zu erreichen“34. Obwohl dies durchaus in der Vergangenheit vorkam, wie Prokop eingangs schilderte, und obwohl sowohl Iustinus als auch sein Neffe Iustinian zunachst erfreut zustimmen wollten, habe der Quastor Proklos, Prokops Meinung nach „ein rechtlicher und offenbar ganz unbestechlicher Mann“35, sie vom Gegenteil uberzeugt.36 Proklos habe die Argumente angebracht, dass Iustinus bei Zustimmung „der letzte romische Kaiser“37 ware und Iustinian sich „selbst den Weg zum Thron versperr[en]“38 wurde. Laut Prokop sei Khosroes daraufhin „sehr erbittert uber die Vorfalle und vom Wunsche beseelt, die angetane Schmach an den Romern zu rachen“.39 Was zunachst als Verhandlungen begann entwickelte sich weiter zu Stellvertreterkriegen. Prokops Berichten zufolge konnten die Perser trotz ihrer Absicht „[k]einen Einfall in das romische Gebiet unternehmen“40, sodass 526 ein Stellvertreterkrieg ausbrach, als „Die Romer [.] unter der Fuhrung von Sittas und Belisar in Persarmenien ein[fielen], das den Persern untertan war, [.] plunderten [.] [und] eine sehr groBe Menge Armenier zu Sklaven gemacht hatten“41. Von einem weiteren Stellvertreterkrieg berichtet Malalas: Er beschreibt, dass Kabades mit den Lazen Krieg fuhren wurde, woraufhin der Lazenkonig den Kaiser Iustinian um Hilfe gebeten hatte, der ihm daraufhin militarische Hilfe leistete.42 Sowohl Persien als auch Rom hatten dadurch viele Soldaten verloren, Iustinian wurden daraufhin „zurnen“43 und „Ingrimm“44 empfinden. SchlieBlich fuhrten die Streitigkeiten und Schlachten zu zwei romisch-persischen Kriegen zwischen 526-532 und 540-561/2. Die Schlachten wurden „an der gesamten Orientgrenze vom Kaukasus bis nach Arabien gefuhrt“45 und betrafen viele Verbundete.46

Zusammenfassend wird an Hand dieses kurzen geschichtlichen Uberblickes deutlich, dass Iustinian I den romisch-persischen Krieg zweifach mit dem Thron erbte: Er erbte erstens die lange Tradition von Konkurrenz und Kampf zwischen Rom und Persien, die seit vielen Jahrhunderten gegenwartig war, und er erbte zweitens die konkrete Konflikt- und Kriegssituation, in der sich Rom und Persien zum Zeitpunkt seiner Thronbesteigung befanden.

[...]


1 Leppin, Justinian, S. 352.

2 Vgl.: Leppin, Justinian, S. 349.

3 H. Borm, Prokop und die Perser, S. 45.

4 Ebd.

5 Ebd.

6 Prok. Bell. Pers. 1, 1, 1-6, (ubers. v. O. Veh).

7 Prok. Bell. Pers. 1, 1, 1-6, (ubers. v. O. Veh).

8 Prok. Bell. Pers. 1, 1, 1-6, (ubers. v. O. Veh).

9 Vgl.: Rubin, Das Zeitalter Justinians, S. 254.

10 Rubin, Das Zeitalter Justinians, S. 256.

11 Rubin, Das Zeitalter Justinians, S. 372.

12 Vgl.: Fritz, Zwei Supermachte der Antike, S. 22 und 31.

13 Rubin, Das Zeitalter Justinians, S. 245.

14 Ebd.

15 Vgl.: Schulz, Die Perserkriege, S. 42-43.

16 Schulz, Die Perserkriege, S. 42.

17 Schulz, Die Perserkriege, S. 42.

18 Vgl.: Borm, Persische Geldforderungen, S. 335-336.

19 Prok. Bell. Pers. 1, 2, 7-14, (ubers. v. O. Veh).

20 Vgl.: Prok. Bell. Pers. 1, 2, 7-14.

21 Rubin, Das Zeitalter Justinians, S. 253.

22 Ebd.

23 Vgl.: Prok. Bell. Pers. 1, 3, 1- 1, 4, 35.

24 Prok. Bell. Pers. 1, 5, 1, (ubers. v. O. Veh).

25 Vgl.: Borm, Persische Geldforderungen, S. 336-337. Zur Bedeutung der Persischen Geldforderungen ist unter 3. 2. 2 mehr zu finden.

26 Prok. Bell. Pers. 1, 7, 1-4, (ubers. v. O. Veh).

27 Vgl.: Prok. Bell. Pers. 1, 7, 23-29.

28 Vgl.: Prok. Bell. Pers. 1, 9, 1-4.

29 Vgl.: Prok. Bell. Pers. 1, 10.

30 Fritz, Zwei Supermachte der Antike, S. 28.

31 Fritz, Zwei Supermachte der Antike, S. 28.

32 Rubin, Das Zeitalter Justinians, S. 248.

33 Vgl.: E. Winter & B. Dignas, Rom und das Perserreich, S. 58.

34 E. Winter & B. Dignas, Rom und das Perserreich, S. 58.

35 Prok. Bell. Pers. 1, 11, 10-17, (ubers. v. O. Veh).

36 Vgl.: Prok. Bell. Pers. 1, 11, 10-17.

37 Prok. Bell. Pers. 1, 11, 10-17, (ubers. v. O. Veh).

38 Prok. Bell. Pers. 1, 11, 10-17, (ubers. v. O. Veh).

39 Prok. Bell Pers. 1, 11, 30, (ubers. v. O. Veh).

40 Prok. Bell. Pers. 1, 12, 1, (ubers. v. O. Veh).

41 Prok. Bell. Pers. 1, 12, 18-22, (ubers. v. O. Veh).

42 Vgl.: Joh. Malal. Chron. 18, 4.

43 Joh. Malal. Chron. 18, 4, (ubers. v. O. Veh).

44 Joh. Malal. Chron. 18, 4, (ubers. v. O. Veh).

45 Fritz, Zwei Supermachte der Antike, S. 29.

46 Vgl.: Fritz, Zwei Supermachte der Antike, S. 29.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Perserkriege Iustinians. Rom und Perserreich zwischen Feindschaft und Bruderschaft
Hochschule
Universität zu Köln
Note
2,0
Autor
Jahr
2021
Seiten
17
Katalognummer
V1039516
ISBN (eBook)
9783346453877
ISBN (Buch)
9783346453884
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Iustinian, Iustinian I, Perserkriege, Persien und Rom, Rom und Persien, Prokop, Procopius
Arbeit zitieren
Sophia Reiswich (Autor:in), 2021, Die Perserkriege Iustinians. Rom und Perserreich zwischen Feindschaft und Bruderschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1039516

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