In meiner Arbeit untersuche ich mit Rückgriff auf Foucaults Gouvernementalitätskonzept, welche neoliberalen Subjektivierungsstrategien im Bereich schulischer Inklusion auszumachen sind. Meine These ist, dass da die Logik des Marktes in allen Bereichen der Gesellschaft Prinzip ist, Formen der Subjektivierungsstrategien auch in Inklusionsbestrebungen vorhanden sind. Denn es soll in allen Teilbereichen menschlicher Gesellschaft ein Subjekt konstituiert werden (beziehungsweise sich selbst konstituieren), das fähig zur aktiven und passiven Teilnahme am Markt ist und effizient, effektiv und ökonomisch handelt.
Ich werde erklären, was unter neoliberaler Gouvernementalität zu verstehen ist und wie Macht im foucaultschen Sinne „Möglichkeitsfelder“ eröffnet, die bestimmte Verhaltensweisen fördern und andere unwahrscheinlicher machen und so Wirklichkeit herstellen. Damit verbunden führe ich aus, wie Macht Subjekte produziert bzw. diese sich selbst herstellen. Ich werde außerdem darstellen, wie sich neoliberale Subjektivierungsstrategien im Rahmen schulischer Inklusion des (behinderten) Subjekts ebenso bemächtigen, wie dies in anderen Gesellschaftsbereichen der Fall ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Neoliberale Gouvernementalität
3 Subjekt und Macht
4 Schulische Inklusion
5 Neoliberale Subjektivierungstechnologien im Bereich schulischer Inklusion
6 Zusammenfassung und Ausblick
7 Literatur
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht auf Grundlage des Gouvernementalitätskonzepts von Michel Foucault, inwiefern Inklusionsbestrebungen im schulischen Kontext von neoliberalen Machtstrategien und Rationalitäten überformt oder umgedeutet werden. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei darauf, welche spezifischen neoliberalen Subjektivierungstechnologien bei der Inklusion behinderter Menschen wirksam werden und wie das Soziale in diesem Bereich ökonomisiert wird.
- Analyse des Foucault’schen Konzepts der Gouvernementalität und neoliberaler Subjektivierungsformen
- Untersuchung des Machtverständnisses in Bezug auf Subjektkonstituierung
- Diskussion des Inklusionsbegriffs im Spannungsfeld von Integration und Marktorientierung
- Hinterfragung der Rolle von Empowerment und Humankapitaltheorie in inklusiven Kontexten
- Reflexion der Eigenverantwortlichkeit und ökonomischen Verwertbarkeit von Subjekten
Auszug aus dem Buch
Neoliberale Gouvernementalität
Die Einführung der Ökonomie in die politische Amtsführung ist, glaube ich, der Haupteinsatz, um den es beim Regieren geht. (Defert 2013, 156)
Das allgemeine Thema Foucaults Forschung ist nicht, wie er selbst in „Warum ich die Macht untersuche: die Frage des Subjekts“ schreibt, die Macht, sondern das Subjekt. Da dieses in komplexen Machtverhältnissen steht, sei die Analyse der Macht allerdings unumgänglich. (Dreyfus, Rabinow 1994, 243) Mit dem Konzept der Gouvernementalität entwirft Foucault in seiner Spätphase die Genealogie der Macht neu. Sie sei das Bindeglied zwischen strategischen Machtbeziehungen und Subjektivierungsformen. Damit kann Foucault untersuchen, wie sich politische Herrschafttechniken mit Selbsttechniken verbinden. (Pongratz 2004, 248)
Foucault verbindet im Begriff Gouvernementalität „Regieren“ (gouverner) und „Denkweise“ (mentalité) und meint damit einerseits die Lenkung der Menschen im Allgemeinen als auch die wechselseitige Konstitution von Machttechniken und Wissensformen. Gouvernementalität ist demnach die Regierung des Selbst wie die Regierung anderer. (Lehmann-Rommel 2004, 264) Als „Führung der Führungen“ und in der Schaffung von Wahrscheinlichkeiten sieht Foucault Macht als jene Art des „Gouvernement“, die der Begriff in einer sehr weiten Bedeutung im 16. Jahrhundert hatte: als die Weise, in der die Führung von Menschen gelenkt wurde (Dreyfus, Rabinow 1994, 257)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problemstellung ein und erläutert das Ziel der Untersuchung, neoliberale Subjektivierungsstrategien im Bereich schulischer Inklusion mithilfe des Gouvernementalitätskonzepts aufzuzeigen.
2 Neoliberale Gouvernementalität: Dieses Kapitel erläutert Foucaults Konzept der Gouvernementalität als Bindeglied zwischen Machtbeziehungen und Subjektivierung und analysiert die Ökonomisierung politischer Amtsführung.
3 Subjekt und Macht: Hier wird die produktive Natur von Macht analysiert, die Subjekte nicht unterdrückt, sondern in Diskursen und durch Selbstpraktiken hervorbringt.
4 Schulische Inklusion: Das Kapitel verortet den aktuellen Inklusionsdiskurs historisch und kritisch im Kontext von behindertenpolitischen Paradigmenwechseln.
5 Neoliberale Subjektivierungstechnologien im Bereich schulischer Inklusion: Dieser Hauptteil verknüpft die theoretischen Grundlagen mit der Inklusionspraxis und untersucht Begriffe wie Empowerment, das soziale Modell von Behinderung und Humankapitaltheorie auf ihre neoliberalen Implikationen.
6 Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und warnt vor einer neoliberalen Umdeutung von Inklusionsvisionen in Richtung individueller Eigenverantwortung.
7 Literatur: Verzeichnis der in der Arbeit zitierten Quellen.
Schlüsselwörter
Gouvernementalität, Neoliberalismus, Subjektivierung, schulische Inklusion, Machtbeziehungen, Homo oeconomicus, Empowerment, Normalisierung, Humankapitaltheorie, Selbstführung, Disziplinarmacht, Ökonomisierung, Behinderung, Eigenverantwortung, Teilhabe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie inklusive Bildungsbestrebungen durch neoliberale politische Rationalitäten beeinflusst und teilweise umgedeutet werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind Foucaults Gouvernementalitätskonzept, der Wandel von der Disziplinar- zur Normalisierungsgesellschaft sowie die Analyse schulischer Inklusion als neoliberales Subjektivierungsinstrument.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt danach, welche neoliberalen Technologien zur Subjektivierung im Bereich der schulischen Inklusion zum Einsatz kommen und wie das „Soziale“ ökonomisiert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung und Diskursanalyse auf Basis der Gouvernementalitätsforschung, unter Rückgriff auf einschlägige Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie Konzepte wie „Empowerment“ oder „Humankapital“ genutzt werden, um Individuen zu einem marktkontormen Handeln anzuleiten und die Verantwortung für Inklusion auf das Einzelindividuum zu delegieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Gouvernementalität, Neoliberalismus, Subjektivierung, Inklusion und Ökonomisierung.
Inwiefern spielt der „Homo oeconomicus“ in der Arbeit eine Rolle?
Das Subjekt als „Unternehmer seiner selbst“ ist der zentrale Angriffspunkt neoliberaler Regierungstechniken, wobei auch behinderte Menschen an ihrer wirtschaftlichen Verwertbarkeit gemessen werden.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Integration und Inklusion?
Die Arbeit setzt Integration eher mit der Disziplinargesellschaft und Normierung in Verbindung, während Inklusion als ein Phänomen der Normalisierungsgesellschaft und der variablen „Norm der Normalität“ begriffen wird.
- Arbeit zitieren
- BA MA Andrea Böck (Autor:in), 2014, Subjektivierungsformen neoliberaler Gouvernementalität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1039860