Die mediale Hexenverfolgung in Deutschland in der Frühen Neuzeit. Charakteristik, Funktionen und Analyse von Hexenzeitungen und Flugblättern


Hausarbeit, 2018

23 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1. Hinführung

2. Terminologische Hinführung

3. Die mediale Entwicklung als Voraussetzung

4. Die personellen Einflussfaktoren

5. Die rechtlichen Einflussfaktoren

6. Die Charakteristik von Hexenzeitungen

7. Analyse von Flugblättern
7.1 Sprachcharakteristik
7.2 Bildcharakteristik
7.3 Inhaltscharakteristik

8. Die Funktionen von Hexenzeitungen

9. Resümee

10. Literaturverzeichnis

11. Abbildungs- und Quellenverzeichnis

12. Anhang
12.1 Anhang I: Ein erschröcklich geschicht Vom Tewfel
12.2 Anhang II: Erschröckliche und zuvor nie erhörte newe Zeitung

1. Hinführung

Einige Historiker betiteln das 15. Jahrhundert als Jahrhundert der Unentschiedenheit, als Übergang oder aber als Endzeit des Mittelalters. Aus medienhistorischer Sicht gehört es allerdings schon zur Frühen Neuzeit. In diese Zeitspanne fällt bereits die Ablösung der menschlich fundierten Medien zu Gunsten der Einführung anderer neuer Kommunikationsformen und medialer Strukturen. Im Zuge dessen entwickelte sich vor allem die Drucktechnik ab 1450 initiiert durch Johannes Gutenberg, Kommunikationswege wurden erheblich verbessert mit Hilfe der Gründung der Post durch Franz von Taxis 1490 oder aber die Entstehung von Papiermühlen in Europa wie beispielsweise in Nürnberg und Ravensburg bereits ab 1390.1 Anhand dieser Indizien wird ersichtlich, dass ab dem 15. Jahrhundert ein medialer Umbruch von statten ging, welcher für die Gesellschaft von eminenter Bedeutung werden sollte, indem dieser nicht minderen Einfluss auf die Menschen dieser Zeit auszuüben vermochte. In die Epoche der Frühen Neuzeit fällt auch ein dunkles Kapitel der Geschichte, welches gerade durch die neu aufkommenden Medien der Zeit begleitet und letztendlich gar unterstützt wurde – das Kapitel der Hexenverfolgungen. Im Laufe der hier vorliegenden Arbeit wird zu Tage gefördert, dass zwischen einer gesteigerten Wahrnehmung des Hexereiglaubens und der damit verbundenen Angst vor Hexen und dem medialen Wandel, vor allem durch Druckerzeugnisse, eine erkennbare Korrelation besteht. Hinsichtlich dessen ist anzumerken, dass der Hexenglaube in der breiten Bevölkerung zunächst kaum verankert war und somit auch nicht als echte Bedrohung empfunden wurde, sondern hauptsächlich in den Köpfen der geistigen Elite existierte. Erst deren Wissen und Ideen bildeten das Fundament für ausgearbeitete Theoriegebilde.2 Gerade die Entstehung sowie Weiterentwicklung des Druckes ermöglichten es die bereits bestehenden theoretischen Abhandlungen über die Existenzen von Hexen nun unter das Volk zu bringen. Die frühneuzeitlichen Hexereivorstellungen wurden durch den Aufschwung der neuen medialen Kommunikationsformen und die gleichzeitige Verdichtung des Nachrichtenwesens beeinflusst. Die Medienwirkung hatte sich verändert und erreichte ein breiteres Publikum. Mit ihrer Themenwahl und Gestaltung riefen erstmals verbreitete Medien Nachahmer hervor und prägten die öffentliche Meinungsbildung nachhaltig.3

2. Terminologische Hinführung

Der mediale Wandel während der Frühen Neuzeit brachte diverse neuartige Druckerzeugnisse heraus, wobei sich im Hinblick auf die Hexenverfolgung ein Medium besonders hervortat – die Hexenzeitungen. Dabei handelt es sich um Akzidenzdrucke, Wiegendrucke oder Frühdrucke, wobei sich diese Termini aus dem Grund herausgebildet haben, dass diese Druckerzeugnisse bereits am Beginn des Druckzeitalters publiziert wurden.4 Diese Akzidenzdrucke oder aber auch Gelegenheitsdrucke genannt waren nichtperiodische Druckwerke von beschränktem Umfang. Die Wissenschaft benutzt bezüglich dieser Druckart Begriffe wie Einblattdrucke, Flugblätter, Flugschriften, Neue Zeitungen oder aber Hexenzeitungen. Dabei muss beachtet werden, dass sich diese Termini nicht immer exakt von benachbarten Druckerzeugnissen abgrenzen lassen. Allerdings kann hinsichtlich des Umfanges klar zwischen Flugschriften bzw. Neuen Zeitungen und Einblattdrucken sowie Flugblättern unterschieden werden, indem die ersteren genannten in der Regel mehrere Seiten aufweisen und letztere Publikationen sich dadurch auszeichnen stets einseitig gestaltet zu werden. In der vorliegenden Arbeit wird sich auf die Druckart der Flugblätter fokussiert, da diese, wie sich zeigen wird, größeren Anklang respektive Einfluss bei der allgemeine Bevölkerung erzielen konnten. Hierbei muss begriffstechnisch noch angemerkt werden, dass der Terminus Flugblatt erst im 18. Jahrhundert geläufig wurde. Zuvor wurde diese Druckform, welche primär mit der Hilfe der Holzschnitttechnik produziert wurde, als fliegende Schrift oder fliegendes Blatt tituliert. Diese Einblattdrucke berichteten in knapper und illustrierter Form über Tagesereignisse und waren dementsprechend in ereignisreichen Zeiten am einflussreichsten.5 Michael Schilling definiert in seiner Untersuchung der Bildpublizistik der Frühen Neuzeit die Hexenzeitungen bzw. Flugblätter als eine Gruppe von Einblattdrucken die in der Regel ein ausgewogenes Verhältnis von Bild und Text aufweisen, sich stets auf ein spezielles Ereignis beziehen, verschiedenen Funktionen dienen können und gebrauchsorientiert sind.6 Thematisch behandelten die Flugblätter ein breites Spektrum, wobei die Themen sich auf einen bildlichen Höhepunkt verdichten lassen mussten, wodurch wir wieder zu den Hexenverfolgungen gelangen, die für den gemeinen Mann zunächst schwer greifbar waren, mit Hilfe der komprimierten illustrierten Darstellungsweise aber begreiflich dargeboten werden konnten.

3. Die mediale Entwicklung als Voraussetzung

Um die Thematik von Flugblättern während der Frühen Neuzeit respektive den Hexenverfolgungen tiefgründiger verstehen zu können ist es unabdinglich sich die medialen Rahmenbedingungen vor Augen zu führen. Die mediale Umwälzung schlug sich vordergründig dahingehend nieder, dass ab 1450 das massenhafte Drucken ermöglicht wurde, zudem verbesserte sich die materielle Grundlage des Druckes ebenfalls merklich, indem Papier, welches im Vergleich zu Pergament wesentlich günstiger war, nun mit Hilfe von Papiermühlen zahlreich und billig produziert werden konnte. Darüber hinaus wurde, durch die unteranderem gegründete Post, der strukturelle Ausbau der Kommunikationswege vorangetrieben.7 Konklusiv führte dies zu einer vermehrt medialen Kommunikation, wobei die rein menschlich mündliche Überlieferung daraus resultierend nachließ. Da der ursprüngliche Kern der Medienrevolution von Mainz bzw. Gutenberg ausging breitete sich diese von Rhein und Main aus. Um 1500 lag noch die Hälfte aller Druckereien im Reich. Dabei ist im Hinblick auf die Hexenverfolgungen besonders erwähnenswert, dass im Reich selbst der drucktechnische Schwerpunkt in Süddeutschland lag. Die gewichtigsten Druckorte stellten Nürnberg, Augsburg, Straßburg und Frankfurt am Main dar.8 Führt man sich die Hinrichtungszahlen im Reich vor Augen fällt auf, dass diese in Süddeutschland überdurchschnittlich hoch waren.9 Resultierend daraus kann der Verdacht entstehen, dass die Druckerzeugnisse, speziell die Flugblätter, welche die ersten massenhaft publizierten Druckwerke darstellten, die Hexenverfolgungen katalysiert haben. Um diese Annahme zu erhärten können sich die produzierte Anzahl an Flugblättern in Bezug zur Zeit der Publizierung näher angeschaut werden. Hierbei fällt sofort ins Auge, dass während der Zeitspanne der intensivsten Hexenverfolgungen im Reich von etwa 1550 bis 1650, ablesbar an den Opferzahlen10, genau in diesen Zeitraum die mit signifikanten Abstand meisten Veröffentlichungen von Flugblättern vorliegen.11 Daraus schlussfolgernd kann also die Annahme getätigt werden, dass sich hierbei eine Korrelation erkennen lässt, welche aussagt, dass die illustrierten Einblattdrucke die Hexenverfolgungen mindestens für ihre Zwecke genutzt, wenn nicht gar gefördert haben. Daran anschließend ist zu erwähnen, dass sich die Produktion von Flugblättern nur in hoher Stückzahl gelohnt hat, da die Herstellung für die damalige Zeit als hoch technologisierter Prozess angesehen werden kann, welcher zur Folge hatte, dass nur größer angelegte Aufträge gewinnbringend waren, sodass in Folge dessen zwangsweise von Beginn an für den überregionalen Markt produziert wurde, wodurch die Publikationen folglich auch eine potentiell hohe Reichweite erzielten.12

4. Die personellen Einflussfaktoren

An die Macher, also die Autoren, der illustrierten Einblattdrucke wurden keine besonderen geistigen Ansprüche gestellt. Allerdings erforderte die Auswahl der Nachrichten Fingerspitzengefühl, um nicht mit der Obrigkeit wegen unerwünschter Meldungen in Konflikt zu geraten.13 Um diesem Problem und weiteren aus dem Weg zu gehen sind die Verfasser der Flugblätter zum größten Teil, nämlich etwa 80%, anonym geblieben.14 Bei den wenigen bekannten Autoren handelt es sich stets um Gelehrte bzw. akademisch Gebildete, wodurch ersichtlich versucht wurde mit Hilfe der Nicht-Nennung respektive Nennung des Autors die Publikation inhaltlich und formal gegen Kritik der Zensur und des Publikums abzuschirmen, oder anders gesagt, dem Text mehr Akzeptanz, Verbreitung und Absatz zu sichern.15 Preislich konnten Flugblätter auf die Weise produziert werden, dass „die gewerbetreibende Mittelschicht, aber zumindest auch derjenige Teil der Unterschicht, der über ein regelmäßiges Einkommen verfügte, die wirtschaftlichen Vorrausetzungen für den Erwerb eines Einblattdruckes erfüllte.“16 Demnach erreichte die Publizierung der Flugblätter weite Teile der Bevölkerung und konnte auf diese dementsprechend Einfluss ausüben. Um einen gewinnbringenden Absatz und eine öffentliche Meinungsbildung zu initiieren war zudem ein positives Ansehen der einseitigen Druckerzeugnisse unabdinglich. Als Belege hierfür dient der Fakt, dass zahlreich angesehene Gelehrte Flugblätter ohne Änderung in ihren Arbeiten aufgenommen haben, wobei daraus geschlossen werden kann, dass die Akademiker die illustrierten Einblattdrucke als verlässliches Nachrichtenmedium einstuften und sich auf diese beriefen und wiederverwendeten.17 Trotz dieser förderlichen Faktoren geriet das Druckereigewerbe und damit verbunden auch die Produktion von Flugblättern Ende des 15. Jahrhunderts in eine Absatz- und Existenzkrise.18 Demnach muss sich in Verbindung mit Flugblättern und Hexenverfolgung stets im Hinterkopf behalten werden, dass die Produzenten der Einblattdrucke sich ursprünglich in einer bedrohlichen Situation befanden, sodass sich diese nur daraus befreien konnten, indem sie ein einschneidendes Medienereignis zu ihren Gunsten profitabel vermarkteten. Ein Ereignis, welches die Bevölkerung durch alle Schichten hindurch anspricht stellten neben den Konfessionsstreitigkeiten eben auch die aufkommenden Hexenverfolgungen dar. Die bloße Gewinnorientierung der Drucker und der damit verbundenen Hochstilisierung der Nachrichten fiel bereits 1524 dem Zeitzeugen und Theologen Johann Eberlin von Günzburg auf, indem er sich zu diesem Sachverhalt gegenüber den Autoren bzw. Produzenten folgendermaßen äußerte: „Es ist die ganz welt auff keuffen vnd verkeuffen gericht/ daryn doch weder trew noch glaub gehalten wirt/ […] Sihe zu/ wie vnbedacht fallen die Drucker auff die bucher oder exemplar/ vngeacht ob ein ding boß oder gut sey/ gut oder besser/ zimlich oder ergerlich/ sie nehmen an schantbucher/ bulbucher/ yhuflieder/ und was fur die hand kompt vnd scheinet zutreglich dem seckel/ dadurch deren leser gelt geraubt wirt/ die syn vnd hertzen verwust/ vnd vil zeit verloren.“19 Das Druckereigewerbe nutzte also die aufflammenden Hexenverfolgungen aus, indem sie Nachrichten über Hexen und deren Schandtaten sowie deren Bestrafung in sensationellem gehypten Stile publizierten, um sich so einen großen Absatzmarkt zu erschließen, der das Potenzial hatte die Drucker aus ihrer misslichen Lage zu befreien.

5. Die rechtlichen Einflussfaktoren

Die oftmals überzeichnete, hetzerische sowie teils brutale Gestaltung von Flugblättern gegenüber Hexereigeschehnissen wirft schnell die Frage auf inwieweit diese Publikationen kontrolliert bzw. von oberen Instanzen abgesegnet wurden. Dabei muss sich stets vor Augen geführt werden, dass Pressefreiheit, also die Garantie des Schutzes der Presse vor Eingriffen durch die Obrigkeit bzw. Staat eine Errungenschaft moderner Gesellschaften darstellt. Dementsprechend unterlagen vor allem gedruckte Medien von ihrem Aufkommen an über mehr als drei Jahrhunderte zunächst den Bemühungen der Obrigkeit, welche sie kontrollierten. Generell waren die Medien in der Frühen Neuzeit durch Zensur und Unterdrückung gekennzeichnet.20 Schon früh erkannte die Kirche die Gefahren, die durch die neue Errungenschaft des Buchdrucks für ihre festgefügten Lehrmeinungen gegeben waren. Bereits einige Jahre nach der Einführung des Buchdruckes gab es mehrere regionale, im Reich befindliche, Vorzensuren durch Universitäten und Bischöfe. Diese Tendenz gipfelte schließlich 1487 in der Inter multiplices, der ersten päpstlichen Bulle, welche sich mit dem Buchdruck und dessen Kontrolle beschäftigte. Ab diesem Zeitpunkt durfte niemand ohne Absegnung seines Werkes durch kirchliche Oberhäupter dieses publizieren.21 Damit galt also für alle Druckerzeugnisse eine Präventivzensur von kirchlicher Seite aus. Die anfänglich rein kirchliche Zensur wurde zunehmend von weltlichen Instanzen übernommen. „Mit der weltlichen Zensur waren vor allem politische Absichten der Staatsräson verbunden, auch wenn im 16. Und 17. Jahrhundert kirchliche und weltliche Zensurpolitik mitunter Hand in Hand gingen und im Nachhinein oft gar nicht voneinander getrennt werden konnten.“22 Trotz intensiver Bemühungen der Kirche sowie des Staates sahen sich nicht wenige Drucker aus ökonomischer Sichtweise heraus, initiiert durch die bereits erläuterte Absatzkrise, dazu gezwungen ohne Absegnung bzw. Genehmigung zu publizieren. Vor allem die Aktualität einer Nachricht und der damit verbundene Absatz bzw. gewinnbringende Erfolg würden durch den beschwerlichen legalen Weg stark gehemmt. Darüber hinaus verliefen Bestrafungen gegen die Bestimmungen oftmals durch mangelnde bürokratische Strukturen im Sand oder aber fielen nur sehr moderat aus.23 Das Resultat daraus war die gängige Publizierung und Verbreitung von (Hexen-) Nachrichten ohne effektive Bekämpfung durch die oberen kirchlichen sowie weltlichen Instanzen. Wurde ein Verstoß entdeckt, musste die Publikation zwar sofort vom Markt genommen werden, bis zur Aufdeckung der Missachtung der Vorschriften ging allerdings meist viel Zeit ins Land, sodass die Nachricht bis zu ihrer „Erstickung“ bereits aufkeimen und in den Köpfen der Menschen wurzeln und blühen konnte.

6. Die Charakteristik von Hexenzeitungen

Im Folgenden sollen die spezifischen Eigenschaften von Flugblättern näher beleuchtet werden, wodurch besser nachvollzogen werden kann, inwieweit die illustrierten Einblattdrucke Wirkung entfalten und somit Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung nehmen konnten. Das Flugblatt, die geistige Peitsche des Jahrhunderts, war ein kurzes Massendruckstück mit Abbildungen, wobei die Menschen den Inhalt damals schlechthin als lautere Wahrheit empfanden.24 Das augenscheinliche Kernelement der Flugblätter war natürlich deren Umfang. In Folge dessen war die Nachricht relativ kurz und komprimiert gehalten, zudem im Zusammenspiel mit Illustrationen generell plakativ gestaltet. Gerade aber aufgrund seiner Konzentration auf Weniges war das Flugblatt geeignet „begrenzte Wahrnehmungen, also Einzelaspekte komplexer Themenbereiche oder Einzelfälle darzustellen und zu erklären.“25 Die schwer vorstellbare Thematik der Hexenverfolgungen konnte durch dieses Medium also dem gemeinen Volk verständlich nähergebracht werden. Ein Einblattdruck bestand stets aus Titel, Textteil und Illustration, wobei zwischen Text und Bild stets eine klare Interdependenz vorlag. Ein breites Spektrum an Rezipienten konnten die Flugblätter aufgrund ihrer vereinfachten plakativen Gestaltung erreichen. Gerade vor dem Hintergrund einer geringen Lesefähigkeit der frühneuzeitlichen Bevölkerung bietet das illustrierte Flugblatt aufgrund seiner konzeptionellen Gestaltung verschiedene Weisen zur Rezeption an. Neben dem Lesen kann es ebenso zuschauend und zuhörend rezipiert werden und erschließt so neue Bevölkerungsgruppen.26 Unterstützt wird dies auf textueller Ebene durch die angewendete deutsche Volkssprache sowie den oftmals vorzufindenden typischen Knittelversen. Die Volkssprache gewährleistet das Verständnis des Textes auch gegenüber weniger gebildeten Bevölkerungsgruppen. Zudem prägt sich die Nachricht mittels der poetischen Kniffe stärker in das Gedächtnis der Rezipienten ein. Neben dem Umfang stellt wohl das Zusammenspiel zwischen Text und Bild einen weiteren charakteristischen Eckpfeiler von Einblattdrucken dar. Mit der Rhetorik des Wortes verbindet sich die persuasive Kraft des Bildes. Gerade in der Verbindung von Text und Bild liegt die besondere Aussagekraft des illustrierten Flugblattes.27 Zum weiteren Charakteristikum waren noch die für Flugblätter typische Themenbehandlung. Die gewichtigsten Thematiken von Flugblättern waren Berichte über Wetter bzw. Astronomie, Missgeburten, Verbrechen, Politik und Kriege, wilde Menschen/Tiere sowie Reformation, Moral und auf Platz neun mit etwa 3% Hexen.28 Führt man sich aber nun Flugblätter über Hexen vor Augen, fällt schnell auf, dass die Top-Themen bezüglich Hexen ineinander verschwimmen. Hexerei wird oftmals in einem Zug mit Verbrechen, Wetter, wilden Tieren und moralischen Rechtfertigungen bzw. Anweisungen genannt. Werden die Themen, welche nicht selten mit Hexen in Verbindung gebracht werden nun zusammen genommen, entfallen etwa 50% der Themen von Flugblätter auf Nachrichten über die Machenschaften von Hexen.29 Generell stützten sich die Produzenten von Flugblättern nur auf Thematiken, welche sich hochsterilisieren lassen und Stimmung erzeugen, wodurch letztendlich der Absatz vorangetrieben und abgesichert werden kann. Konklusiv können Flugblätter als Vorform der Sensationspresse gesehen werden, indem sie aufgrund ihrer Neugier heischenden Überschriften, der Bebilderung und den kurzen, oft auf Unterhaltung und stimmungsmachende Gestaltung der Texte vertrieben wurden. Zudem wurden sie auf der Straße und öffentlichen Plätzen publiziert und an den Mann gebracht. Somit wurden Flugblätter, aufgrund ihrer spezifischen Eigenschaften, nicht selten zur aktuellen Meinungsbildung von breiten Bevölkerungskreisen herangezogen.30

[...]


1 vgl. Faulstich, Werner: Mediengeschichte. Von den Anfängen bis 1700. S. 121.

2 vgl. Kloos, Ralph; Göltl, Thomas: Die Hexenbrenner von Franken. Die Geschichte eines vertuschten Massenmordes, S. 11.

3 vgl. Minor, Sarah: Hexerei in den Medien. S. 1.

4 vgl. Stöber, Rudolf: Deutsche Pressegeschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. S. 34-35.

5 vgl. Ebd. S. 35.

6 vgl. Schilling, Michael: Bildpublizistik der frühen Neuzeit. Aufgaben und Leistungen des illustrierten Flugblatts in Deutschland bis um 1700. S. 110.

7 vgl. Pürer, Heinz; Raabe; Johannes: Presse in Deutschland. S. 37-38.

8 vgl. Stöber, Rudolf: Deutsche Pressegeschichte. S. 49.

9 vgl. Pötzl, Walter: Mörder, Räuber, Hexen. Kriminalgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. S. 238-239.

10 vgl. Grießhammer, Birke: Angeklagt – Gemartert – Verbrannt. Die Opfer der Hexenverfolgung in Franken S. 42-44.

11 vgl. Stöber, Rudolf: Deutsche Pressegeschichte. S. 51.

12 vgl. Schanze, Helmut: Mediengeschichte des Drucks. S.402-404.

13 vgl. Lindemann, Margot: Deutsche Presse bis 1815. Geschichte der deutschen Presse. S. 34.

14 vgl. Schilling, Michael: Bildpublizistik der frühen Neuzeit. S. 13.

15 vgl. Ebd. S. 14.

16 Schilling, Michael: Bildpublizistik der frühen Neuzeit. S. 41.

17 vgl. Ebd. S. 116-125.

18 vgl. Schanze, Helmut: Mediengeschichte des Drucks. S. 410.

19 Schilling, Michael: Bildpublizistik der frühen Neuzeit. S. 11.

20 vgl. Pürer, Heinz; Raabe; Johannes: Presse in Deutschland. S. 57.

21 vgl. Lindemann, Margot: Deutsche Presse bis 1815. S. 49-50.

22 Pürer, Heinz; Raabe; Johannes: Presse in Deutschland. S. 58.

23 vgl. Mauelshagen, Franz: Verbreitung von Wundernachrichten als christliche Pflicht: Das Weltbild legitimiert das Medium. S. 145-147.

24 vgl. Fehr, Hans: Massenkunst im 16. Jahrhundert. Flugblätter aus der Sammlung der Wickiana. S. 3.

25 Te Heesen, Kerstin: Das illustrierte Flugblatt als Wissensmedium der Frühen Neuzeit. S. 97.

26 vgl. Te Heesen, Kerstin: Das illustrierte Flugblatt als multimodales Kommunikationssystem der Frühen Neuzeit. S. 80.

27 vgl. Te Heesen, Kerstin: Das illustrierte Flugblatt als Wissensmedium der Frühen Neuzeit. S. 97.

28 vgl. Stöber, Rudolf: Deutsche Pressegeschichte. S. 44.

29 vgl. Ebd.

30 vgl. Neumann, Noelle: Wirkung der Massenmedien. S. 328.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die mediale Hexenverfolgung in Deutschland in der Frühen Neuzeit. Charakteristik, Funktionen und Analyse von Hexenzeitungen und Flugblättern
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,3
Jahr
2018
Seiten
23
Katalognummer
V1040016
ISBN (eBook)
9783346460783
ISBN (Buch)
9783346460790
Sprache
Deutsch
Schlagworte
hexenverfolgung, deutschland, frühen, neuzeit, charakteristik, funktionen, analyse, hexenzeitungen, flugblättern
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Die mediale Hexenverfolgung in Deutschland in der Frühen Neuzeit. Charakteristik, Funktionen und Analyse von Hexenzeitungen und Flugblättern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1040016

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