Teamteaching in der inklusiven Schule. Chancen und Grenzen


Hausarbeit, 2021

16 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Teamteaching in der inklusiven Schule
2.1 Inklusion
2.2 Teamteaching
2.3 Teamteaching im inklusiven Setting
2.4 Formen der Zusammenarbeit

3 Prozess der Teamentwicklung

4 Voraussetzungen für ein erfolgreiches Teamteaching
4.1 Grundlagen für gelingendes Teamteaching
4.2 Beziehungen im Team
4.3 Bewusster Umgang mit Heterogenität

5 Möglichkeiten und Chancen des Teamteachings
5.1 Chancen der Teamarbeit für die Lehrpersonen
5.2 Chancen der Teamarbeit für die Lernenden

6 Herausforderungen und Grenzen des Teamteachings

7 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Diversität gilt notwendig auch für das Team, in dem Lehrende in einer inklusiven Schule arbeiten. Hier hat die Einzelkämpferin im Klassenraum ausgedient“ (Kricke/ Reich 2016: 196). Viele Lehrkräfte sind immer noch Einzelkämpfer*innen. Auch wenn Absprachen im Kollegium getroffen werden, so tragen fast alle Lehrkräfte in Deutschland meist die alleinige Verantwortung als Klassenleitung. Die bestehenden Lehrstrukturen, in denen meist nur eine Lehrperson für eine Lerngruppe zuständig ist, bringt große Herausforderungen mit sich (vgl. ebd.).

Durch die Einführung der inklusiven Schule ist festzustellen, dass die Heterogenität der Lerngruppen aller Schulformen immer mehr zunimmt. Da nun immer mehr Kinder und Jugendliche mit Förderbedarf die Regelschulen besuchen, wird die Frage nach einem individuellen Unterricht nun immer wichtiger. In der Diskussion um integrative Schulentwicklung gewinnen kooperative Lehrformen zunehmend an Bedeutung. Eine Lehrform, die auf eine Kooperation der Lehrkräfte abzielen, ist das so genannte „Teamteaching“. Im Zuge des Inklusionsgedankens, also dem gemeinsamen Unterrichten von SuS mit und ohne Förderbedarf, fällt dem Konzept des Teamteachings eine besondere Rolle zu: Dabei arbeiten eine Lehrkraft und ein*e Sonderpädagog*in zusammen und agieren gleichwertig miteinander – von der Planung des Unterrichts bis hin zur Nachbereitung. Obwohl diese Lehrform nun immer mehr in den Fokus rückt, so besteht bei einigen Lehrkräften eine große Verunsicherung (vgl. Mays 2016: 9).

Diese Arbeit wird sich mit dem Thema Teamteaching in der inklusiven Schule beschäftigen. Ein Ziel dieser Arbeit ist es, aus den Erkenntnissen des Begriffs des Teamteachings Handlungsansätze für die inklusive Schule herzuleiten. In der folgenden Arbeit wird daher der Frage nachgegangen, welche Möglichkeiten und Herausforderungen das Konzept des Teamteaching beim Unterrichten einer heterogenen Lerngruppe mit sich bringt. Darüber hinaus soll geklärt werden, inwiefern das Teamteaching eine Bereicherung für die Lehrende und Lernende sein kann.

Um diese Fragestellungen beantworten zu können, ist die Arbeit folgendermaßen gegliedert: Zunächst wird als Grundlage für den weiteren Verlauf der Arbeit, eine Begriffsbestimmung der Begriffe ‚Teamteaching‘ und ‚Inklusion‘ durchgeführt, da die öffentliche als auch wissenschaftliche Verwendung der Begriffe in ihrer Bedeutung sehr breit gefächert sind. Im nächsten Schritt wird ein Blick darauf geworfen, warum Teamteaching eine Notwendigkeit in der inklusiven Schule darstellt. Die Formen des Teamteachings werden ebenfalls Gegenstand dieses Kapitels sein. Kapitel drei wird zunächst aufzeigen, wie sich der Prozess eines Teams entwickelt. Daran anschließend werden im nächsten Kapitel Voraussetzungen und Gelingensbedingungen für ein erfolgreiches Teamteaching dargestellt. Im wesentlichen Fokus der Arbeit werden im fünften Kapitel Möglichkeiten und Chancen dargestellt, dass Teamteaching sowohl für die Lehrenden als auch für die Lernenden mit sich bringen kann. Im Zuge dessen werden im sechsten Kapitel Herausforderungen und Grenzen aufgezeigt, die mit dem Teamteaching verbunden sind. Abschließend folgt das Fazit, in welchem die zuvor erarbeiteten Punkte noch einmal zusammengetragen werden. Die bis dahin dargestellten Argumente werden zusammengeführt und in einer Diskussion abgewogen und reflektiert. Dabei soll die zentrale Fragestellung beantwortet werden, inwiefern Teamteaching in der inklusiven Schule umgesetzt werden kann und welche Möglichkeiten und Grenzen sich daraus ergeben.

2 Teamteaching in der inklusiven Schule

Die Teamarbeit stellt ein wichtiges Merkmal einer inklusiven Schule dar. Der Frage, warum Unterrichtsformen wie die des Teamteachings eine Notwendigkeit in der inklusiven Schule darstellen, soll im folgenden Kapitel nachgegangen werden. Bevor der Begriff des Teamteachings erläutert wird, wird zunächst ein Blick auf den Begriff der Inklusion geworfen.

2.1 Inklusion

Spätestens seit der UN-Behindertenrechtskonvention aus dem Jahr 2006 ist das Thema Inklusion im deutschen Bildungssystem nicht mehr wegzudenken. Durch die Konvention ist Deutschland verpflichtet, Maßnahmen zu entwickeln, um das inklusive Bildungssystem zu verwirklichen. Auch wenn der Inklusionsgedanke in vielen Bereichen noch nicht vollständig umgesetzt wird, haben alle Kinder und Jugendliche das Recht „auf diskriminierungsfreien Zugang zu einem sinnvollen Bildungsangebot an einer wohnortnahen Regelschule“ (Moser 2013: 16).

Der Begriff der Inklusion ist besonders im politischen und pädagogischen Kontext ein zentraler Baustein. Dennoch scheint es gerade im Hinblick auf die Vielzahl der Definitionen nur schwer möglich, eine allgemeingültige Begriffsbestimmung zu finden. Was nun aber alle Definitionsverständnisse gemeinsam haben ist, dass sie auf „das Überwinden von Diskriminierung aufgrund von sozial konstruierter Gruppenzugehörigkeit“ abzielen (Grosche/ Piezunka/ Schaffus 2017: 216). Die Idee von Inklusion ist es, allen Menschen eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Eine inklusive Pädagogik umfasst alle Kinder und ist folglich der Verzicht auf soziale Exklusion, um Chancengerechtigkeit aller Menschen zu ermöglichen (vgl. Kricke 2016: 194).

In Artikel 24 der Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung heißt es, dass „Menschen mit Behinderung gleichberechtigt Zugang zu einem inklusiven, hochwertigen und unentgeltlichen Unterricht an Grundschulen und weiterführenden Schulen haben“ sollen (Aktion Mensch). Inklusion in der Schule bedeutet, dass Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam lernen. Dabei steht die individuelle Förderung eines jeden Einzelnen im Vordergrund, indem die persönlichen Voraussetzungen und Bedürfnisse der Kinder berücksichtigt werden (vgl. ebd.).

Nach den Standards der Inklusion ist es grundlegend, dass sich alle Lehrenden in inklusiven Settings auf eine von großer Heterogenität geprägten Lerngruppe einstellen. Diversität gilt für alle Beteiligten und somit für das ganze Team, die in einer inklusiven Schule mitwirken (vgl. Reich 2014: 66).

2.2 Teamteaching

Der Begriff des Teamteachings wird unterschiedlich definiert, indem jeweils andere Schwerpunkte dieser kooperativen Lehrform in den Vordergrund gestellt werden.

In der folgenden Definition „Teamteaching meint die Planung, Durchführung und Auswertung kommunikativer Lehr- und Lernprozesse durch kooperative Lehrer in Zusammenarbeit mit flexible Schülergruppen“ (Frommherz/ Halfhide 2009: 105) steht die Zusammenarbeit mit den SuS im Fokus. In einer weiteren Definition „Der wahre Kern des Teamteaching-Konzepts liegt […] in der grundsätzlichen Bereitschaft zu kooperativem Planen, konstanter Zusammenarbeit, fortwährender Gemeinsamkeit, uneingeschränkter Kommunikation und ernsthafter Bereitschaft zur Übernahme und Teilhabe an der gemeinsamen Aufgabe“ (ebd.) wird vor allem die Haltung der Lehrpersonen gegenüber ihrer Aufgabe hervorgehoben. Nach einer weiteren Definition kann von Teamteaching gesprochen werden, „wenn mindestens zwei Lehrkräfte den Unterricht für eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Bedürfnissen in einem gemeinsamen Klassenraum gemeinsam planen, gemeinsam durchführen und gemeinsam bewerten“ (Schwager 2011: 2).

Festzuhalten ist, dass bei jeder Definition vor allem die Bereitschaft zur Kooperation, die Zusammenarbeit von Lehrpersonen sowie die gemeinsame Verantwortung zentrale Aspekte darstellen. Weiterhin wurde deutlich, dass das Teamteaching weit mehr bedeutet als das gemeinsame Durchführen des Unterrichts. Teamteaching schließ auch das gemeinsame Vor- und Nachbereiten sowie Reflexion des Unterrichts mit ein.

2.3 Teamteaching im inklusiven Setting

In inklusiven Klassen bietet sich die Form des Teamteachings besonders an, da die SuS nicht nur von einer Lehrkraft unterrichtet werden, sondern zusätzlich noch von einer Kollegin oder einem Kollegen aus der Sonderpädagogik. Ist von Teamteaching im inklusiven Unterricht die Rede, geht es vor allem darum, den Unterricht an die unterschiedlichen Lernbedürfnisse der SuS auszurichten, „um Lern- und Partizipationschancen zu optimieren“ (Laubenst 2020). Das Teamteaching stellt dabei eine Möglichkeit dar, den Unterricht differenzierter zu gestalten, sodass auch individuelle Lernziele erreicht werden können. Die Lehrkräfte können dabei auf die Bedürfnisse der SuS eingehen, wodurch individuelle Förderung und somit der Lernerfolg steigen kann (vgl. ebd.). Teamteaching ermöglicht vielfältige Unterrichtsformen, während die Lehrkräfte verschiedene Rolle einnehmen können. Erfahrene Teamteaching-Lehrpersonen berichten, dass sie während des gemeinsamen Unterrichtens „immer eine klar definierte Aufgabe wahrnehmen“ (vgl. Halfhide 2009: 7) wie beispielsweise gezieltes Beobachten einzelner SuS in Verbindung mit der Förderdiagnostik. Zudem betonten die Lehrkräfte die Wichtigkeit einer klaren Unterrichtsorganisation, klare Rollen der Lehrkräfte sowie klare Aufgabenstellungen, da die SuS sich so bewusster orientieren können (vgl. ebd.).

Wie sich eine solche Zusammenarbeit genau gestalten kann und wie der Prozess der Teamentwicklung abläuft, soll im folgenden Kapitel erläutert werden.

2.4 Formen der Zusammenarbeit

Grundsätzlich kann das Teamteaching in drei Formen unterteilt werden: Dem Co-Teaching, dem Teamteaching und dem Teamteaching im multiprofessionellen Team. Während das Co-Teaching das gemeinsame Unterrichten mit zwei Lehrpersonen bezeichnet, meint das Teamteaching die Durchführung des Unterrichts mit drei oder mehr Lehrkräften (vgl. Kricke/ Reich 2016: 42). Diese Zusammenarbeit kann beispielsweise aus einer Regelschullehrkraft und Sonderpädagog*in und einer Assistenzlehrkraft bestehen. Das multiprofessionelle Team, das häufig in inklusiven Settings vorkommt, zeichnet sich hingegen dadurch aus, dass neben den Lehrkräften auch andere Professionen beteiligt sind wie beispielsweise Fachkräfte aus der Schulpsychologie oder der Sozialpädagogik. Ganz allgemein lässt sich sagen, dass Teamteaching ein Überbegriff darstellt für „alle Formen des Lehrens, in denen von Einzelkämpfer/innen abgedrückt wird“ (Kricke/ Reich 2016: 43).

Beim Unterrichten im Team sind vier unterschiedlichen Handlungen des gemeinsamen Unterrichtens möglich. Dabei nehmen die Lehrkräfte jeweils verschiedene Rollen ein, um die SuS in verschiedenen Settings zielorientiert betreuen zu können.

In der ersten Form Eine/r unterrichtet und führt, eine/r beobachtet unterrichtet eine Lehrkraft, während die zweite Lehrkraft spezifische Schwerpunkte beobachtet und bestenfalls in einem Beobachtungsbogen festhält wie beispielsweise Sozialverhalten oder Arbeitstempo. Dieses Prinzip eignet sich als guten Einstieg oder in der Anfangsphase, um die SuS besser kennenzulernen. Weiterhin kann dabei die Lehrkraft, die beobachtet, Rückmeldung zur Unterrichtsqualität geben (vgl. Kricke/ Reich 2016: 45).

Die Form Eine/r unterrichtet und führt, eine/r assistiert eignet sich besonders für die „Differenzierung von Lernprozessen und die Unterstützung von Lernenden mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedürfnissen“ (Kricke/ Reich 2016: 46). Eine Lehrkraft leitet den Unterricht, während die andere Lehrkraft einzelne SuS unterstützt. Die assistierende Person erhält dadurch einen Überblick über die gesamte Lernsituation und kann bei Rückfragen Hilfestellung geben. Diese Art des Teamteachings kann sehr gewinnbringend im Hinblick auf die Optimierung von Lernprozessen sein (vgl. ebd.).

Die dritte Form Eine/r unterrichtet und führt, eine/r differenziert findet häufig im inklusiven Kontext statt. In dieser Form des Teamteachings übernimmt die Fachlehrkraft die Unterrichtsleitung, während die Förderlehrkraft als Spezialist*in für bestimmte Förderschwerpunkte agiert. Beispielsweise könnte eine Lehrkraft eine Übung vorgeben, während die andere Lehrkraft Zusatzlehrmaterial hat, das die Übung komplexer oder einfacher gestaltet, um differenzierte Förderung möglich zu machen. Besonders effektiv ist diese Form, wenn der Unterricht gemeinsam vorbereitet und geplant wird. Innerhalb dieses Modells kann ein Stolperstein die zurückhaltende Rolle sein. Daher ist es besonders wichtig, Absprachen zu treffen, um für eine ausgewogene Rollenverteilung zu sorgen (vgl. Kricke/ Reich 2016: 48).

Die Form Mehrere unterrichten, führen, assistieren und fördern bedeutet, dass nicht nur gemeinsam geplant oder vorbereitet wird, sondern dass die Lehrkräfte auch beim Unterrichten als Team auftreten. Teamteaching zeigt sich durch „das Ineinandergreifen verschiedener Lehrstile zweier oder mehrerer Lehrkräfte“ (Kricke/ Reich 2016: 49). Die Unterrichtsaktivitäten und Dialoge sind dabei koordiniert. So kann beispielsweise ein Rollenwechsel stattfinden, wenn der Unterrichtsprozess an manchen Stellen etwas zäh ist und damit das weitere Unterrichtsgeschehen in eine produktive Richtung gelenkt werden (vgl. ebd.).

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass von einer Teamteaching-Form nicht gesprochen werden, wenn eine Lehrkraft den Unterricht leitet, während eine andere Lehrkraft kopiert oder den anderen Unterricht vorbreitet. Grundlegend ist, dass gemeinsame Vorbereitungen, Planungen und Reflexionen stattfinden und das Team auch während dem Unterrichten aufeinander abgestimmt ist und miteinander agiert. Anhand der unterschiedlichen Varianten des Teamteachings ist ersichtlich, dass es durch die Einbeziehung mehrerer Lehrpersonen möglich ist, einen gemeinsamen Unterricht durchzuführen, um auf diese Weise die individuelle, sonderpädagogische Förderung möglichst fließend mit dem normalen Fachunterricht zu verbinden. Der Frage, wie aus einer gemeinsamen Anwesenheit tatsächlich produktive Teamarbeit wird, soll im nächsten Kapitel nachgegangen werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Teamteaching in der inklusiven Schule. Chancen und Grenzen
Hochschule
Pädagogische Hochschule Karlsruhe  (Institut für Schul- und Unterrichtsentwicklung in der Primar- und Sekundarstufe)
Veranstaltung
Schulische und außerschulische Kooperationspartner in inklusiven Schulen
Note
1,7
Jahr
2021
Seiten
16
Katalognummer
V1040102
ISBN (eBook)
9783346458834
ISBN (Buch)
9783346458841
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Teamteaching Inklusin inklusive Schule Kooperation Grundschule Sonderpädagogik
Arbeit zitieren
Anonym, 2021, Teamteaching in der inklusiven Schule. Chancen und Grenzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1040102

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Teamteaching in der inklusiven Schule. Chancen und Grenzen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden