Ein grundlegendes Dilemma der BNE ist die Normierung der Zukunft der Heranwachsenden. Diese Hausarbeit will sich näher mit diesem Dilemma befassen und dazu sowohl Theorie, als auch Praxis dieser Bildungsoffensive in den letzten 25 Jahren untersuchen. Was wurde versucht, um der Normierung zu entkommen? Welche Erwartungen wurden erfüllt, welche enttäuscht? Welche Ziele wurden erreicht und wie dynamisch war die Beziehung zwischen theoretischer und praktischer Arbeit im Bereich der BNE?
Fast ein Vierteljahrhundert ist es her, dass die Vereinten Nationen die Agenda 21 verabschiedet haben. Sie stellt die Übereinkunft dar, die nachhaltige Entwicklung als gemeinsames Leitbild der Menschheit im 21. Jahrhundert festzulegen. Um dies zu erreichen, sei die "Förderung der Schulbildung, des öffentlichen Bewusstseins und der beruflichen Aus- und Fortbildung" fundamental. Mit dieser Forderung wurde gleichzeitig auch die erste offizielle Verknüpfung von nachhaltiger Entwicklung und Bildung formuliert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zu Vorgehen und Themenwahl
3. Die Theorie
3.1 Legitimation, Probleme und Zielsetzungen
3.2 Kompetenzen
4. Die Praxis
4.1 Die UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“
4.2 Programm 21 und Transfer-21
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen theoretischer Fundierung und praktischer Umsetzung der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in den letzten 25 Jahren, mit besonderem Fokus auf das Dilemma der Normierung zukunftsorientierten Handelns.
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Normierungsdilemma in der BNE.
- Rolle und Einfluss von Dr. Gerhard de Haan als zentraler Akteur im Diskursfeld.
- Analyse des Konzepts der Gestaltungskompetenz als methodisches Fundament.
- Evaluierung von Praxisprojekten wie der UN-Weltdekade und dem Programm Transfer-21.
- Reflektion über Glaubwürdigkeit und soziale Erwünschtheit im Kontext nachhaltiger Bildung.
Auszug aus dem Buch
3.1 Legitimation, Probleme und Zielsetzungen
Bereits 1984, zwölf Jahre nach Gründung des gemeinsamen Umweltprogramms der Vereinten Nationen und acht Jahre vor Ausrufung der „Weltdekade Bildung für nachhaltige Entwicklung“ befasste sich Gerhard de Haan im Rahmen seiner Philosophie-Dissertation „Natur und Bildung – Zum Verhältnis des Menschen zur äußeren Natur aus der Perspektive zukunftsbezogener Pädagogik“ mit dem grundlegenden Dilemma der, auf die kritische Theorie Horkheimers aufbauenden, kritischen Erziehungswissenschaft, dass die Erziehung zu nachhaltigem Handeln zwangsweise eine Normierung der Zukunft Heranwachsender mit sich bringt.
Aufgrund dessen beschränke sich Bildung auf kritische Distanz und Opposition gegenüber dem als schlecht bewerteten, aktuellen Zustand der Gesellschaft. Wissenschaftsorientiertes und selbstreflexives Lernen führe nicht über die Hoffnung auf und das Potential für eine gesellschaftliche Veränderung hinaus. Letztlich könne Erziehung immer nur eine Vorbereitung auf den Status Quo leisten. Dabei legt BNE die nachhaltige Entwicklung als Zukunftsvision und politische Leitidee fest, was natürlich ein Problem darstellt. Wie kann sich zukunftsorientierte Nachhaltigkeit durch Bildung durchsetzen, wenn diese Bildung nur Bezug auf den real herrschenden Zustand hat?
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die historische Entwicklung der BNE-Initiativen und Formulierung des zentralen Dilemmas bezüglich der Normierung zukünftigen Handelns.
2. Zu Vorgehen und Themenwahl: Erläuterung der Auswahl von Dr. Gerhard de Haan als zentralem Untersuchungsobjekt zur Beantwortung der Forschungsfragen anhand konkreter Beispiele.
3. Die Theorie: Darstellung der theoretischen Grundlagen der BNE unter Einbeziehung philosophischer Diskursbeiträge und kritischer Erziehungswissenschaft.
3.1 Legitimation, Probleme und Zielsetzungen: Analyse der Ursprünge des Normierungsdilemmas in de Haans Dissertation und dessen Bedeutung für heutige BNE-Konzepte.
3.2 Kompetenzen: Untersuchung des Konzepts der Gestaltungskompetenz als methodisches Kernstück zur Befähigung von Lernenden in der BNE.
4. Die Praxis: Gegenüberstellung der theoretischen Ansätze mit praktischen Umsetzungsbeispielen der Bildungsoffensive.
4.1 Die UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“: Überblick über die internationalen und nationalen Umsetzungsstrategien und die Rolle des Nationalkomitees.
4.2 Programm 21 und Transfer-21: Evaluierung der modellhaften BNE-Konzepte für die schulische Praxis unter Leitung von Gerhard de Haan.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Dynamik zwischen Theorie und Praxis sowie kritische Reflexion über die Wirksamkeit der BNE-Konzepte.
Schlüsselwörter
Bildung für nachhaltige Entwicklung, BNE, Nachhaltigkeit, Gestaltungskompetenz, Normierungsdilemma, Gerhard de Haan, Transfer-21, UN-Weltdekade, Pädagogik, Bildungssystem, Schlüsselkompetenzen, Zukunftsorientierung, Bildungspraxis, Erziehungswissenschaft, Gesellschaftsveränderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen der theoretischen Konzeption und der praktischen Implementierung der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in Deutschland über einen Zeitraum von 25 Jahren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind das philosophische Dilemma der Normierung zukünftigen Handelns, das Konzept der Gestaltungskompetenz und die Analyse staatlich geförderter Bildungsprogramme.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu hinterfragen, wie BNE das Dilemma der Normierung der Zukunft Heranwachsender adressiert und ob die theoretischen Konzepte in der Praxis tatsächlich wie intendiert wirksam sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin bzw. der Autor nutzt eine diskursanalytische Herangehensweise, indem theoretische Grundlagentexte (insb. von Gerhard de Haan) mit praktischen Berichten aus Bildungsprogrammen kontrastiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung (Legitimation, Kompetenzbegriff) und eine praktische Analyse anhand der UN-Weltdekade sowie der Programme „21“ und „Transfer-21“.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie BNE, Gestaltungskompetenz, Normierungsdilemma, Bildungstransfer und kritische Erziehungswissenschaft beschreiben.
Warum spielt Gerhard de Haan eine so zentrale Rolle in dieser Untersuchung?
De Haan fungiert als Bindeglied zwischen theoretischer Fundierung (Dissertation) und praktischer Umsetzung (Leitung von Transfer-21), was ihn zum idealen Fallbeispiel für die Analyse der Theorie-Praxis-Dynamik macht.
Welches kritische Glaubwürdigkeitsproblem identifiziert die Arbeit?
Die Arbeit weist auf die personelle Überschneidung hin, bei der dieselben Akteure sowohl die Theorie entwickelten als auch die Praxisprogramme leiteten und evaluierten, was wissenschaftliche Objektivität erschweren könnte.
Wie bewertet der Autor das Konzept der Gestaltungskompetenz?
Es wird als essenzielles methodisches Werkzeug anerkannt, das Lernende dazu befähigt, über den Status Quo hinaus zu agieren, wobei die Autorin jedoch anmerkt, dass konkrete kritische Fallbeispiele in den offiziellen Berichten schwer zu finden sind.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2015, Das Dilemma der Normierung in der Bildung für Nachhaltige Entwicklung in Theorie und Praxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1040232