Johnny To - Running out of Time


Ausarbeitung, 2001

2 Seiten


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Johnny To: Running out of Time

Wer glaubt, er hätte es hier mit einem gewöhnlichen Ballerfilm à la Hollywood chinoise zu tun, täuscht sich gewaltig, denn Running out of Time kommt zwar nicht ohne ein paar obligatorische Knarren aus, aber erschossen wird hier niemand so einfach.

Ein Mann steigt auf ein das Dach eines Gebäudes hoch über Hongkong. In ästhetischen Bildern bewegt sich die Kamera mit und über ihn, und wir warten auf den Sprung, so wie wir ihn bei Wim Wenders als Einstieg gesehen haben, doch er springt nicht. Als dann jemand sagt, es habe sich viel zu schnell ausgebreitet, glauben wir zunächst die sonnenbeschienene Betonwüste unter uns beschrieben, werden aber sogleich aufgeklärt. Es spricht ein Arzt, denn der junge Mann hat nur noch vier Wochen zu leben, die er sich mit Schmerztabletten erträglich machen wird, und ausgebreitet hat sich der Krebs in ihm.

Szenenwechsel. Ein Banküberfall. Ein einziger Mann ist schlauer als alle anderen Polizisten und rettet durch List, Furchtlosigkeit und mit größtmöglichster Coolness einen Haufen Geiseln und bringt nebenher den Bankräuber zur Strecke, etwas, was außer ihm kein anderer seiner Kollegen geschafft hätte, denn die haben fortwährend Organisations- und Intelligenzprobleme.

Somit haben wir die beiden Protagonisten: Den todkranken und somit kaum noch verletzlichen Wah und den Papierkram hassenden Inspektor Sang. Wah, der erkannt hat, daß Sang ein ebenbürtiger Spielpartner für ihn ist, beginnt den Inspektor auf seine Spur zu locken. Mit einem groß angelegten Überfall auf eine Finanzierungsgesellschaft glauben wir in ihm den skrupellosen Gangster zu erkennen, bis sich das Blut am Kopf der Geisel als rote Farbe und die Bombe als Kekspackung entpuppt. Der Film hält uns eine Weile mit spannenden Risikospielchen zwischen Sang und Wah hin, bevor uns das Licht aufgehen darf, daß Wah keinen eigennützigen Gangstercoup plant, sondern seinen Vater rächen will, der bei einem Diamantenraub auf der Strecke geblieben ist. Und dazu braucht er Inspektor Sang. Wah ermöglicht dafür dem Inspektor, den Diamantenhehler Chan „Glatze“ zur Strecke zu bringen, der Diamant wandert - wie sich am Ende zeigen wird - in Wahs Besitz und somit in gute, aber todgeweihte Hände.

Bis Wahs Zeit aber abgelaufen ist, zerstückelt der Film seine Erzählung auf minutenkurze Spannungseinheiten, in denen sich Wah und Sang ein zwar gefährliches, aber amüsantes Katz- und Maus-Spiel liefern, bei dem keiner von beiden verlieren soll. Immer wieder setzten sie sich gegenseitig neue Zeitlimits, in denen einer von beiden eine Aufgabe lösen muß, um ein Stück weiter weg von der Polizeistation und ein Stück näher zur Verhaftung von Chan zu gelangen. Zeit als treibender Faktor des Films erhält einen bitteren Beigeschmack, wenn Wah sich auf der Fluch im Bus neben einer jungen Frau, die er als Kurzzeitgeisel nimmt, als deren Geliebter tarnt, und die beiden nur für einen Moment Zuneigung empfinden. Die Kamera betrachtet das Paar in Zeitlupe von außen für wenige Sekunden, in denen klar wird, daß Wah für ein Liebesglück die Lebenszeit nicht mehr reicht. Er wird diese jung Frau noch einmal treffen, wieder im Bus, und anschließend mit ihr etwas trinken gehen, aber als er mit dem Blut aus seiner Lunge sein Wasserglas rot färbt, müssen sie sich trennen. Sie wird es sein, die nach seinem Tod einen Diamanten um den Hals hängen hat. Unter Inspektor Sangs Namen wird die Krebshilfe für Kinder 20 Tausend Dollar Spende erhalten, ohne das dieser davon weiß. Mit solch menschlichen Zügen bricht der Film mit der Tradition des harten, wenn auch guten Gangsters, der sich üblicherweise nicht mit solch realen Problemen wie Krankheit herumzuschlagen hat. Und auf gleicher Ebene ironisiert er die Figuren der harten Männer der amerikanischen Action-Filme. Inspektor Sang wird von seinen Kollegen für schwul gehalten, und er darf dann tatsächlich Wah einen Kuß geben, als dieser sich als Frau verkleidet. In gleicher Weise bekommt Pulp Fiction sein witziges Zitat, welches angesichts der Trottligkeit von Chan nur mit einem Grinsen aufgenommen werden kann. „Glatze“ Chan von hinten mit einer Narbe über dem Hals gibt Befehle, aber gefangen wird er trotzdem.

Übrigens sind, obwohl es im ganzen Film überhaupt nur drei Frauen gibt, die eine Sprechrolle haben, von denen eine sich darauf beschränkt, die fortgeschrittene Uhrzeit zu benennen, diese wesentlich präsenter als ihre Kolleginnen in jedem Hollywood-Streifen. Inspektor Sang muß als als Beifahrer neben der Leiterin von Interpol in deren schnellen Flitzer sitzen, und Wahs kurze Liebe fängt nicht etwa das Kreischen an, als sie zur Geisel wird, sondern spielt angetan von so viel Männlichkeit neben ihr mit und verbrüdert sich .Alles in allem kann man sagen, daß Johnny To einen Film von sehr gutem Unterhaltungswert gedreht hat, in dem er gründlich die Klischees von Bruce Willis und anderen unfehlbaren Prügelknaben durcheinander bringt, und er zeigt, daß auch im Gangstermilieu mit Witz und Menschlichkeit gearbeitet werden kann. Prädikat sehenswert!

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Details

Titel
Johnny To - Running out of Time
Autor
Jahr
2001
Seiten
2
Katalognummer
V104100
Dateigröße
325 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Johnny, Running, Time
Arbeit zitieren
Evamarie Pitz (Autor), 2001, Johnny To - Running out of Time, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/104100

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