Wirksamkeit von Psychotherapie bei Schizophrenie. Therapieansätze im Vergleich


Hausarbeit, 2021

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeiner Teil

3. Symptome

4. Ursachen

5. Verlauf

6. Psychotherapie

Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abb. Abbildung

bzw. beziehungsweise

ca. circa

DGPPN Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V.

DSM-5 fünfte Auflage des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders

ICD-10 International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems 10. Ausgabe

körperl. körperlich/e/er

KVT Kognitive Verhaltenstherapie

neg. negativ

pos. positiv

s.g. so genannte/n

z.B. zum Beispiel

1. Einleitung

Ein Fallbeispiel:

„Als es vor etwa einem Jahr zum ersten Mal passierte, war die 24-jährige Anna so irritiert, dass sie sich an ihrem PC-Arbeitsplatz umsah, ob sie jemand angesprochen hatte. Sie hatte sogar das Fenster geöffnet und rausgeschaut. Ihre drei Kolleginnen, die wie sie als Sekretärin in dieser großen Anwaltskanzlei ar­beiteten schauten sie fragend an. Alle waren zuvor in ihre Arbeit vertieft gewesen, niemand hatte etwas zu ihr gesagt. Trotzdem hatte sie es doch genau gehört: „Du hast diesen Job überhaupt nicht verdient!“ Vielleicht war es doch auf der Straße gewesen? Aber es hatte so deutlich und nah geklungen und außerdem hatte sie gewusst, dass sie gemeint war! Ihre Kolleginnen waren zwar keine engen Freun­dinnen, aber sie kamen eigentlich gut miteinander aus. Man half sich hier und da, und sie konnte sich nicht vorstellen, dass eine von ihnen so etwas zu ihr sagen sollte. Doch bei diesem Zwischenfall blieb es nicht. Die Stimme sprach immer öfters zu ihr. Sie hatte Angst, verrückt zu werden. Zweifellos war die Stimme in ihrem Kopf; vielleicht war es auch Gott, der zu ihr sprach. Aber dieser Gedanke erschreckte sie nur noch mehr, zumal sie keinen guten Stand bei ihm zu haben schien. Die Stimme redete ihr ein, nichts wert und schlecht zu sein und dass sie die guten Dinge in ihrem Leben überhaupt nicht verdient hätte. Wenn sie die Stimme hörte, war sie auch sehr von der Arbeit abgelenkt, machte Fehler, vergaß etwa Termine einzutragen und konnte sich nicht mehr richtig konzentrieren. Jedes Mal drohte sie in Panik auszubrechen, am liebsten wäre sie weggelaufen (…)“ (Vieten, 2015, S.0).

Was war los mit Anna?

Die im Fallbeispiel genannten Symptome wie Stimmen hören, negativen Gedanken nach­hängen, Ver­schlechterung der Arbeitsleistung sowie Konzen­trations­­schwierig­keiten deu­ten auf eine Schizophrene Erkrankung hin.

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Entstehung, Diagnostik und den Ursachen sowie dem Verlauf einer Schizophrenie.

Nachdem ein Psychotherapeut und einen Mediziner eine Diagnose gestellt haben, wird gemein­sam mit dem Patienten1 eine Thera­pieform ausgewählt.

Auf Grund der Vielzahl der inzwischen ca. 250 psychotherapeutischen Verfahren beschränkt sich diese Hausarbeit auf vier ausgesuchte Verfahren die miteinander ver­glichen werden.

Es soll die Frage geklärt werden, welche der genannten Therapieverfahren mit welcher Begrün­dung am besten zur Be­handlung einer Schizophrenie geeignet ist.

2. Allgemeiner Teil

„Der schweize­ri­sche Psychia­ter Eu­gen Bleu­ler er­setz­te den zuvor von Emil Krae­pe­lin eta­blier­ten Be­griff der „Dementia praecox“ (vor­zeitige Ver­blödung) durch den Be­griff der Schizophrenie, der ü­ber­setzt ge­spalte­ne Gemüt bedeutet. Im wesent­lichen Un­terschied zu Krae­pe­lin schrieb er der Schizophrenie ei­ne deut­lich güns­ti­ge­re Pro­gnose zu und setz­te sich für die Entstig­mati­sie­rung der Schizophre­nie­patienten ein. Er ver­öf­fent­lich­te sein Konzept 1911 un­ter dem Ti­tel „Dementia praecox oder Gruppe der Schizophreni­en“ (Völkel, B. 2018, S.0)

2.1 Definition

„Schizophrenie beschreibt eine psychische Störung mit tief greifender Verände­rung im Erleben und Verhalten der Betroffenen und umfasst eine Vielzahl sehr unterschiedlicher möglicher Symptome. Keines der Symptome tritt jedoch bei allen Betroffenen auf, sodass sehr heterogene klinische Erscheinungsbilder als Schizophrenie diagnostiziert werden können“ (Casper, Pjanic & Westermann, 2018, S. 83).

2.2 Klassifikation nach ICD 10

„Gemäß ICD-10 wird die Diagnose Schizophrenie gestellt, wenn über einen Mo­nat oder länger mindestens eines der oben beschriebenen Symptome aus den Be­reichen Ich-Störungen, Wahn und Stimmenhören oder zwei Symptome aus den Bereichen andere Halluzinationen, formale Denkstörungen, Psychomotorik oder Negativsymptome auftreten. Vor einer solchen Diagnosestellung muss durch kli­nische und apparative Untersuchungen ausgeschlossen werden, dass die Sympto­matik auf hirnorganischen Veränderungen (Entzündungen, Tumore, Traumata, degenerative Erkrankungen), auf Stoffwechsel- oder hormonellen Störungen, auf medikamentös bedingten Störungen oder auf Drogenkonsum beruhen, die eben­falls psychotische Symptome hervorrufen können“ (Gaebel & Wölwer, 2010, S. 9).

Abb. 1 Arten und Einteilung der Schizophrenie nach ICD 10 Klassifikation

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Haupt, Jochheim, Gouzoulis-Mayfrank, 2009, S.380 (eigene Darstel­lung)

2.3 Epidemiologie

Nach Angaben des Robert-Koch Institut (RKI) (2010) erkranken jährlich von 100.000 Einwohnern weltweit ca. 11 bis 20 Personen neu an einer Schizophrenie. Das bedeutet, dass die Jahresinzidenz bei 0,01 % bis 0,02 % liegt (Gaebel & Wölwer, 2010, S. 16).

Geschlechterspezifisch gibt es dabei nur den Unterschied des Erkrankungsalters, welches bei Männern bei 20 bis 25 Jahre und bei Frauen bei 25 bis 30 Jahren liegt (Caspar et al. 2018, S. 85).

Durch eine erhöhte Suizid- und Unfallrate (10 bis 15%) oder einer er­höhten Rate an körperlichen Krankheiten wie z.B. kardiovaskuläre und respiratori­sche Erkrankungen besteht bei Menschen mit Schizophrenie eine geringere Le­benserwartung (Markwort, S., Franke, S., Breitenbach, S., Phillip, S., o.J., S.12)

3. Symptome

3.1 Grundsymptome

Die psychopathologischen Symptome der Schizophrenie lassen sich nach dem Psychiater Eugen Bleuler in die s.g. vier großen A´s, auch Negativsymptome ge­nannt, einteilen.

Die A ssoziationsstörung zeigt sich bei den Patienten durch ihre Störung im for­malen Denken bis hin zur Zerfahrenheit. Zu der A ffektstörung zählen die Para­thymie (Störung der Äußerung von Gemütserregung) und Paramimie (Störung der Mimik zu Gemütserregung). Unter A utismus versteht man im Bezug auf Schizo­phrenie die Störung im Verhalten und Antrieb sowie den Wirklich­keitsverlust. Und als viertes A wird in der Literatur die A mbivalenz genannt, deren Merkmal die gleichzeitigen Gegensätze des Fühlen, Denken und Handeln sind (Zwiespältigkeit) (Haupt et al. 2009, S. 378).

3.2 Akzessorische Symptome

Die akzessorischen Symptome zählen zu den s.g. Positivsymptomen. Wahn, Hal­luzinationen, katatone Symptome, funktionelle Gedächtnisstörung und Besonder­heiten in Sprache und Schrift, wie z.B. ein auffälliger Tonfall oder das Wiederho­len von Buchstaben gehören in diese Gruppe (Haupt et al. 2009, S. 378).

3.3 Ich-Störung

Bei der schizophrenen Ich-Störung erlebt der Betroffene sich in seinem Denken und Handeln von außen gesteuert. Er fühlt, dass ihm entweder fremde Gedan­ken eingesetzt werden (Gedankeneingebung) oder dass ihm die eigenen Gedanken ge­nom­men werden (Gedankenentzug). Aber genauso ist es möglich, dass der Betrof­fene davon ausgeht, das seine Gedanken in die Gedanken andere Menschen ein­fließen (Gedankenausbreitung) (Haupt et al., 2009, S. 376).

Nach Grunst und Schramm (2005) entwickeln manche Betroffenen zudem ein doppeltes Be­wusstsein und springen zwischen beiden hin und her (Grunst & Schramm, 2005, S. 178).

4. Ursachen

4.1 Genetisch

Durch Familien-, Zwillings- und Adoptionsstudien konnte herausgefunden wer­den, dass eine Schizophrenie bedingt genetisch veranlagt ist. Man geht davon aus, dass oligo- und polygene Vererbung sowie Umwelteinflüsse gleichzeitig beteiligt sein müssen, damit die Erkrankung entsteht und nicht nur ein einziges Gen. Dank der molekulargenetischen Forschung können mittlerweile sogar mehrere Regionen auf dem menschlichen Genom, auf dem das Dispositi­onsgen liegen, erkannt werden (Hoefgen, Rietschel, Ackenheil & Maier, 2004, S.0).

4.2 Neurobiochemisch

Das Gehirn funktioniert durch Nervenzellen die miteinander durch chemische Substanzen, den s.g. Botenstoffen in Verbindung stehen.

Auf Grund einer im limbischen System stattfindenden Dopamin- und Noradrena­linstörung (Katecholaminhypothese), kommt es zu einer Störung in der Informati­onsweitergabe, die z.B. eine Filterstörung2 zur Folge hat (Grunst et al., 2005, S. 177). Zur Gruppe der Katecholamine gehören Dopamin, Serotonin und Noradrenalin. Bei der Katecholaminhypothese wird davon ausgegangen, dass z.B. Sport durch den Anstieg der Katecholamine eine positive Auswirkung auf die Psyche des Menschen hat. Vor allem Noradrenalin und Serotonin beeinflussen als Neuro­transmitter im limbischen System die emotionalen Zustände (Kindermann, 1987, S.741–754,).

Das Wissen um die Ursache dieser Störung kann dann ein guter Ansatzpunkt zur Festlegung einer medi­kamentösen Therapie sein.

4.3 Vulnerabilitäts-Stress-Modell

An diesem Modell von Zubin & Spring (1977) lässt sich erklären, dass eine schi­zophrene Erkrankung immer durch das Auftreten von zwei Faktoren hervorgeru­fen wird. Ein Faktor ist Stress, also eine Belastung von außen, die im Zusammen­spiel mit der Vulnerabilität der Person zum Ausbruch der Erkrankung führt.

Bei der Vulnerabilität spricht man von seinem eigenen Empfinden im Umgang mit Stress. Das Zusammenspiel von biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren bilden dabei die Voraussetzung für die Anfälligkeit eines Menschen (Ekert & Ekert, 2019, S. 42).

5. Verlauf

5.1 Prodromalphase

Die Prodomalphase ist der Beginn einer Schizophrenie und kann schon mehrerer Jahre vor der Diagnose beginnen (Casper et al., 2018, S. 85).

Mögliche Frühzeichen können sozialer Rückzug, Schlafstörung, mangelnde Hygi­ene, Entwicklung merkwürdiger Ideen oder eine depressive Verstimmung sein. Bei Jugendliche ist bei Verdacht einer Schizophrenie eine sehr genaue Diagnostik durchzuführen, da die genannten Symptome auch der Beginn einer Depression oder einfach der Pubertären Entwicklung zuzuschreiben ist (Meisenzahn, o.J., S. 0).

5.2 Akute Phase

Die akute Phase, auch floride Phase genannt, zeigt den kompletten Ausbruch der Erkrankung mit ihren positiven Symptomen wie Wahn, Halluzinationen und Denkstö­rung. Der Betroffene versteht in dieser Phase nicht, oder nur schlecht, dass er gerade akut krank ist (Gaebel, Zielasek, Riecher-Rössler, o.J., S. 0)

5.3 Residualphase

Die Residualphase ist diejenige Phase, bei der die akuten Symptome der floriden Phase(n) langsam ab­klingen, der Erkrankte jedoch noch nicht komplett geheilt ist. Diese Phase kann mehrere Tage bis Jahre dauern und führt, vorausgesetzt, es kommt zu keinem Rückfall in die floride Phase, zur Heilung der Erkrankung (Lexikon der Neuro­wissenschaft, 2020, S.0)

6. Psychotherapie

Egal welche Therapie letztendlich für den Patienten ausgewählt wird, bestehen die Prozesse immer aus drei Schritten. Der Prozess beginnt mit der Problemanalyse, gefolgt von der Festsetzung des Therapieziels und als Folge das Vorrangehen zum Erreichen des gesetzten Zieles (Grunst et al., 2005, S. 163).

6.1 Psychoanalyse/ Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

„Der Begriff Psychoanalyse leitet sich von den griechischischen Begriffen ψυχή (psyche) für „Seele“ und ἀνάλυσις (analysis) für „Zerlegung“ ab und meint die Untersuchung bzw. Enträtselung der Seele“ (Stangl, 2020, S. 0).

[...]


1 Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf eine geschlechtsspezifische Differenzierung verzichtet. Entsprechende Begriffe gelten für alle Geschlechter.

2 Nicht Wichtiges von Wichtigem trennen können

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Wirksamkeit von Psychotherapie bei Schizophrenie. Therapieansätze im Vergleich
Note
1,3
Autor
Jahr
2021
Seiten
17
Katalognummer
V1041291
ISBN (eBook)
9783346461803
ISBN (Buch)
9783346461810
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wirksamkeit, psychotherapie, schizophrenie, therapieansätze, vergleich
Arbeit zitieren
Katja Kieselbach (Autor:in), 2021, Wirksamkeit von Psychotherapie bei Schizophrenie. Therapieansätze im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1041291

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