Weltliche Schönheitsideale. Ein internationaler Vergleich


Hausarbeit (Hauptseminar), 2021

18 Seiten


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Was ist Schönheit?

3. Universales Schönheitsideal - Globalisierung
3.1 Sport
3.2 Mode, Kleidung, Verzierungen
3.3 Authentizität

4. Die Perspektive der lokalisierten Schönheitsideale in der Welt
4.1 Esther Honig - “Before & After” Projekt
4.2 USA und Europa: lokale Schönheitsideale
4.2.1 Frankreich
4.2.2 Russland
4.2.3 Italien
4.3 China, Japan und Südkorea: eine ganz andere Sichtweise
4.4 Weitere Forschungsmöglichkeiten

5. Kann man heute vielleicht von Glokalisiert sprechen?

6. Fazit

Literaturverzeichnis:

Internetquellen:

Abbildungsverzeichnis:

1. Einleitung

Wenn man über Schönheitsideale spricht, befindet man sich in der Welt der Körpersoziologie. Die Körpersoziologie ist ein spannendes Gebiet, das sich die Frage stellt, wie Körper im sozialen Leben und im sozialen (aber auch im nicht-sozialen) Raum dargestellt, gehandelt und wahrgenommen werden. Eine große Frage ist, ob auch der Körper sozial sein kann, oder ob eigentlich nur die Seele sozial sei. Diese Frage wurde lange diskutiert. Pierre Bourdieu (1930-2002) erklärt es mit seiner Habitustheorie als eine einheitliche Sache, die von Gesellschaft geprägt ist (habitus und hexis). Hexis ist die Sichtbarkeit vom Habitus. Habitus ist die Art in der wir leben, ist unsere Sozialisation, sind unsere Werte, Wahrnehmungen, Vorstellungen, Einstellungen und unser Geschmack. Dieses Konzept steht gegen die heutige Idee: Menschen wollen individuell und einzigartig sein und glauben, dass der Körper ihnen gehöre. Ja, es gibt nicht sozial geprägte Teile, wie Hunger, Fußgröße, Brustgröße, aber was wir essen, welche Schuhe oder was für ein T-Shirt wir anziehen, ist stark sozial durch Schönheitsideale geprägt.

Schönheit wird dank der Mode-, Fernseh-, Film- und Werbeindustrie mit Erfolg und Macht assoziiert. Die Gesellschaft gewährt den Menschen, die das Schönheitsideal verkörpern, die besseren Chancen im Leben. Diese Aussage gilt unabhängig davon, auf welchem Teil der Erde man lebt. Oft sind diese Ideale nicht angreifbar, führen nicht selten zu Minderwertigkeitskomplexen und zu einem ewigen Anstreben dieses Ikonenbildes.

Diese Hausarbeit will der Frage nachgehen, ob die Schönheitsideale durch die Massen-kommunikation und durch die Globalisierung universal geworden sind oder ob es vielleicht doch noch durch die existierenden unterschiedlichen Kulturen weiterhin verschiedene Schönheitsideale gibt, die gegen das stark geprägte und vielleicht auch gewollte Einheitsbild kämpfen oder wenigstens als Alternative oder Ergänzung parallel existieren.

Im ersten Kapitel werden wir darlegen, was Schönheit, Schönheitsideale und Schönheitshandlungen an sich bedeuten und was wir darunter verstehen. Nach dieser Begriffsbestimmung werden die zwei existierenden Sichtweisen (universal und lokal) analysiert. Als drittes Kapitel wird das Konzept „g lokalisiert“ erklärt. Am Ende dieser Hausarbeit werden wir versuchen eine Schlussfolgerung zu ziehen und vielleicht eine Antwort auf die im folgenden Abschnitt gestellte Frage zu finden.

2. Was ist Schönheit?

Schönheit ist ein sehr ansprechendes, hübsches Äußeres von jemandem. Dazu braucht es allerdings den Blick eines anderen Individuums.􏰇 “Schönheitshandeln ist ein Medium der Kommunikation und dient der Inszenierung der eigenen Außenwirkung zum Zweck der Erlangung von Aufmerksamkeit und Sicherung der eigenen Identität”􏰆 (Krause 2014, 153).

Manche glauben, die Frage der Schönheit sei etwas Subjektives und Individualistisches, aber eigentlich ist man bei jeder Beurteilung von Sozialisation und somit auch von Kultur geprägt. Heutzutage wird Schönheit sehr stark als Individualisierungsprozess angesehen, vor allem in einer Gesellschaft, die nach der industriellen Revolution die Anonymität als Normalität kennengelernt hat. Schönheit ist sehr stark in einem binären Gender-System verankert: es gibt große Unterschiede zwischen Frauen und Männer, was die Schönheit und ihre Wichtigkeit betrifft. Die Gesellschaft, aus einer kontroll- und disziplinierungstheoretischen Perspektive gesehen, übt einen Zwang auf den einzelnen Menschen aus, ohne dass dieser es merkt. Man glaubt, es freiwillig zu machen, folgt aber unbemerkt einem gesellschaftlichen Muss. Frauen sind stark von diesem Zwang betroffen und haben das Gefühl, anderen gefallen zu müssen. Das alles in Folge von jahrhundertelangen Habitualisierungsprozessen, Inkorporierung und Anpassung. Es ist im Menschen so verankert, dass man in ein Denkparadoxon gelangt, indem man glaubt, sich für sich selbst schön zu machen, dies in Wahrheit aber für die Umwelt macht, um sich akzeptiert, wohlwollend beurteilen und um dadurch wohl zu fühlen. Diese Schönheit hilft Ordnung einzuhalten und mindert die Komplexität der Welt und der verschiedenen Wahrnehmungsmöglichkeiten (vgl. Regele).

Schönheit ist heutzutage mehr als nur Mode, sie ist eine ganz selbständige Welt, die von Mode, Geschlecht, Körperformen, Körpergröße, Körpergewicht, Behaarung und Sport abhängt. Darüber hinaus gibt es in der modernen Gesellschaft auch neue Trends und Maßnahmen, um bewusst den Körper langlebig zu verändern. Zum Beispiel durch Tätowierungen, Piercings oder Schönheitsoperationen (Krause, 2014).

Schönheit ist auch stark mit physischer Attraktivität verbunden. Darum ist es nicht verwunderlich, dass schöne Menschen mehr Chancen haben, einen Partner zu finden. Sie bekommen mehr Auswahlmöglichkeiten und in der Regel auch die attraktiveren Partner. Innerhalb und auch außerhalb von Paarbeziehungen haben attraktivere Menschen auch mehr Sex. Diese Ungleichheit zwischen schön und weniger schön aussehenden Menschen, fängt schon, speziell beim weiblichen Geschlecht, im Säuglingsalter und Kinderalter an. Hübsche Kinder erfahren deutlich mehr Zuwendung und eine bessere Behandlung. Sie bekommen bessere Schulnoten und nach der Schule haben es die attraktiven Menschen leichter, eine Arbeitsstellung zu bekommen. Sogar die Qualität der Arbeitsleistung wird höher eingeschätzt und ihre berufliche Reputation ist besser (vgl. Rosar u.a., 2014).

Die Attraktivitätsforschung erklärt die hohe Wirkung der Schönheit und Attraktivität durch die Evolutionsbiologie. Die physischen Merkmale, die eine hohe Attraktivität induzieren, sind auch jene Merkmale, die im Sinne der natürlichen Selektion eine gute Gesundheit und sexuelle Selektion versprechen. Für Frauen bedeutet das, jung zu wirken, Gesundheit auszustrahlen und Gebärfähigkeit zu signalisieren. Diese Merkmale werden anhand Gesicht und Körper von anderen beurteilt. Für Männer wird die Inszenierung von Reife, Dominanz und Status als angemessen angesehen (ebd.).

Die Schönheit korreliert stark mit dem Symbol des guten Menschen. Angefangen bei den Kindermärchen, über die Teen-Kultur bis hin zur Pop- und Hochkultur findet sich ein Zusammenhang zwischen schönen und guten Mensch. Es gilt dies als eine Selbst-verständlichkeit, die sogar schon Platon angesprochen hat. Böse Menschen sind zumeist auch hässlich beschrieben (ebd.).

Wenn man über ein Schönheitsideal spricht, meint man eine körperliche Erscheinung, die zu einer bestimmten Zeit als vorbildhaft schön gilt. Ideal bedeutet vollkommen, nicht besser möglich, den höchsten Anforderungen und Vorstellungen entsprechend (vgl. Gensel u.a.,2010). Letztlich ist das Ideal ein angestrebtes Ziel, sehr utopisch und eigentlich nicht erreichbar. Die Internalisierung dieses Schönheitsideales ist oft der unbewusste Auslöser für oder gegen bestimme Handlungen. Schönheitsideale sind Beispiele von äußeren Zwängen und Normen, die aber als eigener innerer Wunsch interpretiert werden (vgl. Krause, 2014).

3. Universales Schönheitsideal - Globalisierung

In einem Interview mit dem Attraktivitätsforscher und Lehrstuhlinhaber der Soziologie an der der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf Professor Dr. Ulrich Rosar wird festgelegt, dass Schönheit universal ist und auf einfachen Regeln basiert. Er erklärt, dass Schönheit durchaus ein Zeitphänomen ist, aber letztlich kommt man immer wieder auf eine ähnliche “Duchschnittsschönheit”. Es haben sich zum Beispiel die Schminktechniken verändert: von einer sehr großen Betonung der Lippen und Augen zu einer immer natürlicheren Körperinszinierung. Auch die dargestellten Persönlichkeitsideale veränderten sich: von einer kindlichen Ausstrahlung zu einer in den späteren vierziger Jahren Superwoman -Präsentation (vgl. Beauty.de).

Dennoch ist Schönheit auch ein zeitloses Phänomen. Denn Rosar geht davon aus, dass es universelle, von der Zeit unabhängige Maßstäbe gibt. Laut verschiedener Studien wird Schönheit von allen Menschen auf der Welt gleich empfunden und das schon seit jeher. Perfekte Proportionen, wie sie durch den goldenen Schnitt definiert werden, empfindet man als schön. Der goldene Schnitt vergleicht die Größenverhältnisse: ob der Mund zu schmal, das Kinn zu breit oder die Augen zu klein sind. Die Körperproportionen der Frauen werden nach dem Beispiel von Marilyn Monroe (1926-1962) mit ihrem 90-60-90 Ideal (in Zentimeter Brust-, Taille- und Hüftenumfang) gemessen. Proportionen, die sogar von der klassischen Coca-Cola Flasche übernommen worden sind (ebd.).

Die Annahme von einem universell existierenden Schönheitsbild wurde auch von einer Studie bestätigt, die vor 60 Jahren mit über 4000 Studienteilnehmer gemacht wurde. Diese sollten aus einer Reihe von Gesichtsfotos das schönste auswählen. In allen Landesteilen und Berufsgruppen waren die ausgewählten Gesichter die gleichen.

Menschen nehmen die Schönheit als einen Durchschnittswert des Bekannten wahr. Schönheit ist Durchschnitt. Immanuel Kant (1724-1804) behauptete, dass der Mittelmaß die Basis der Schönheit selbst sei. Nicht das extrem Schöne wird ausgewählt, sondern das Durchschnittliche. Eine neurophysiologische Erklärung geht davon aus, dass die Neuronen intensiv auf bekannte Dinge reagieren. Ein Durchschnittsgesicht enthält prototypische Merkmale von vielen Gesichtern.

Wenn man davon ausgeht, dass Schönheit universal, von Zeit ausgelöst und von einer Durchschnittstheorie geprägt ist, stellt sich die Frage, was dann die Merkmale von Schönheit und Attraktivität sind (ebd.).

Frauen müssen “jung, aber alt genug” (Rosar, beauty.de) aussehen. Reifezeichen sind zum Beispiel hohe Wangenknochen und Wangenschatten.

Ein männliches Gesicht benötigt deutlich mehr Reife: buschigere Brauen, markantes Kinn, leichter Bart. Diese Merkmale dürfen aber nicht zu stark ausgeprägt sein, sonst wirkt der Mann aggressiv und unsympathisch.

Wie schon erwähnt, sind Symmetrie und Proportion des gesamten Körpers wichtig, so wie auch, dass der Körper schlank und sportlich sei. Die Haut muss makellos sein und Gesundheit ausstrahlen. Bei Frauen werden kleine Stupsnasen als schön empfunden, hingegen bei Männer eher eine gerade Nase. Für beide gelten sinnliche Lippen und große Augen als attraktiv (ebd.).

Zusammenfassend setzt sich Schönheit aus vier Kriterien zusammen: Schlankheit, Jugendlichkeit, Sport/Gesundheit, Mode, Authentizität. Über Schlankheit und Jugendlichkeit wurde schon genug gesprochen. Betrachten wir die anderen Kriterien.

3.1 Sport

Der sportlicher Körper ist ein Attraktivitätsideal geworden. Es gibt eine enge Kopplung zwischen sportlichen Körper und sexueller Attraktivität. Der sportliche Körper ist ein Symbol für Leistungsfähigkeit. Ein trainierter Körper belegt Disziplin und Bereitschaft zur Perfektionierung. Diese körperliche Inszenierung ist ein Medium, um Leistungsfähigkeit und Erfolg auch in der Arbeit oder im Leben zu repräsentieren. Insbesondere Frauen streben einen schlanken, flexiblen und 􏰄fitten Körper an, hingegen Männer legen mehr Wert auf Muskeln und Body-building.

Heute ist das Tragen von Sportkleidung und Accessoires ein Ausdruck von Individualität geworden. Casualiesierung ist eine bewusste Inszenierung der Verschmelzung von Freiheit und Arbeitswelt (Work-Life-balance) (vgl. Thiel u.a., 2013).

3.2 Mode, Kleidung, Verzierungen

In der heutigen Gesellschaft soll man so authentisch, so natürlich wie möglich aussehen. Das bleibt aber eine Illusion, weil man sich trotzdem schminken, schön anziehen und frisieren muss.

Mode ist seit jeher ein wichtiger Teil der Gesellschaft, soziale Codes auszudrücken. Es entsteht eine Opposition zwischen dem, was schön und was nicht schön, was modern und was unmodern, was jung und was alt ist. Einer der Ersten, der davon sprach, war Georg Simmel (1858-1918) mit dem Begriff “Modesoziologie”: Mode als Unterscheidung der Schichten. Man glaube, heute sei es anders, aber auch heute gibt die Marke der Kleidung an, zu welcher Klasse Menschen gehören. Kleidung ist ein symbolisches Kapital.

Es gibt auch eine Differenzierung zwischen Frauenmode und Männermode. Zu sehen ist das an der verschiedenseitigen Zuknöpfung, aber auch daran, was angebracht ist und was nicht. Ab dem 20. Jahrhundert können Frauen alles anziehen, Männer im Gegensatz nicht. Ein Mann mit einem Rock würde nur vielleicht in Schottland und in ein paar anderen Ländern als schön betrachtet werden.

3.3 Authentizität

Es wird verlangt authentisch und natürlich zu sein. Aber ein natürlicher, individueller Körper müsste nackt sein. Alle Kleidungen, Frisuren, Schmuck und so weiter, verstecken unsere Individualität. Man glaubt, man sein authentisch, aber durch die Massenproduktion haben viele das selbe zu Verfügung und durch die Massenkommunikation haben fast alle den gleichen Geschmack.

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Details

Titel
Weltliche Schönheitsideale. Ein internationaler Vergleich
Hochschule
Universität Passau
Autor
Jahr
2021
Seiten
18
Katalognummer
V1041308
ISBN (eBook)
9783346461704
ISBN (Buch)
9783346461711
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schönheit, Weltliche, globalisierung, lokal, glokalisiert, Soziologie des Körpers, Körper, Gender, Kultur, Körpersoziologie, Schönheitssoziologie
Arbeit zitieren
Mira Letzbor (Autor:in), 2021, Weltliche Schönheitsideale. Ein internationaler Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1041308

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