Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit den Suchmaschinen als moderne Gatekeeper.
Wissen ist Macht, doch wer hat die Macht, dieses Wissen zu vermitteln? Dies ist eine essentielle Frage, welche als Grundlage dieser Arbeit dient. Bezüglich der Frage wird davon ausgegangen, dass die Öffentlichkeit auf fremde Hilfe angewiesen ist, welche als Vermittler von Informationen dient und durch Massenmedien beschrieben werden kann.
Diese Massenmedien beinhalten die Fähigkeit, die Öffentlichkeit mit Wissen zu versorgen. Derartig wurden bereits in der Antike durch Mundpropaganda verschiedenste Informationen ausgetauscht. Mundpropaganda wird von Martin Korenjak sogar als das "wohl wichtigste und effektivste Massenmedium" der antiken Zeit charakterisiert. Massenmedien werden jedoch heutzutage anderweitig definiert, Zeitungen gelten beispielsweise als solche. Diese entfalteten sich erstmals Mitte des 15. Jahrhundert und übernahmen die Aufgabe der Informationsverbreitung.
Weiter entwickelte sich das Internet und die darin enthaltenen Suchmaschinen, wodurch eine Möglichkeit für die Öffentlichkeit entstand, jederzeit und allerlei Arten von Wissen aufzurufen. Werden Suchmaschinen und Zeitungen im Hinblick auf die Informationsbeschaffung miteinander verglichen so fällt auf, dass Zeitungen seitlich begrenzt sind und somit nicht eine übermäßige Anzahl an Informationen, wie es bei einer Suchmaschine der Fall ist, bieten können. Darüber hinaus ist eine Zeitung bezüglich einer Suchmaschine nicht von solch einer Aktualität und Verfügbarkeit geprägt. Dementsprechend muss eine Zeitung tagtäglich die wichtigsten Ereignisse für ihre Ausgabe auswählen. Wird nun ein Rückschluss auf die einleitende Frage gezogen, kann sich damit befasst werden, wer die Macht besitzt zu entscheiden, welches Wissen in der Zeitung übernommen wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Gatekeeping
2.1 Gatekeeping Ursprung
2.2 Gatekeeping Entwicklung
2.2.1 Drei Phasen der Entwicklung
2.3 Gatekeeping Modelle
2.3.1 Nachrichtenwerttheorie
2.3.2 Hierarchy-of-Influences Modell
2.3.3 Vier-Sphären-Modell
2.3.4 Zwiebelmodell
2.3.5 Modell des Massenkommunikationsprozesses
2.3.6 Agenda-Setting-Ansatz
3 Suchmaschinen
3.1 Die Entwicklung von Suchmaschinen
3.1.1 Drei Phasen der Entwicklung
3.2 Interessengruppen
3.3 Geschäftsmodell
3.4 Arten von Suchmaschinen
4 Google
4.1 Marktmacht
4.2 Blackbox
4.3 Google als Gatekeeper
4.4 Google und die traditionellen Gatekeeping Modelle
4.4.1 Google und die Nachrichtenwerttheorie
4.4.2 Google und das Hierarchy-of-Influences Modell
4.4.3 Google und das Vier-Sphären-Modell
4.4.4 Google und das Zwiebelmodell
4.4.5 Google und das Modell des Massenkommunikationsprozesses
4.4.6 Google und der Agenda Setting Ansatz
5 Problematiken
5.1 Zensur
5.2 Manipulation
5.3 Nutzerdatensammlung
6 Regulierungsmaßnahmen
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle von Suchmaschinen, mit besonderem Fokus auf Google, als moderne Gatekeeper im digitalen Zeitalter. Ziel ist es, die Funktionsweise und Selektionsprozesse von Suchmaschinen zu analysieren und zu prüfen, inwieweit diese mit traditionellen Gatekeeping-Modellen aus der Kommunikationswissenschaft vergleichbar sind, um das Ausmaß ihrer Macht bei der Informationsvermittlung zu bestimmen.
- Grundlagen des Gatekeeping-Ansatzes und dessen historische Entwicklung.
- Analyse der Funktionsweise und ökonomischen Geschäftsmodelle von Suchmaschinen.
- Vergleich von Google mit klassischen Gatekeeping-Modellen wie der Nachrichtenwerttheorie.
- Diskussion gesellschaftlich relevanter Problematiken wie Zensur, Manipulation und Datenschutz.
- Evaluierung notwendiger Regulierungsmaßnahmen zur Sicherung der Informationsfreiheit.
Auszug aus dem Buch
4.3 Google als Gatekeeper
Wie bereits beschrieben bezeichnet Gatekeeping einen Selektionsprozess. Wird nun ein einfacher Selektionsprozess auf die Suchmaschine Google bezogen, fällt auf, dass Google ebenfalls solche Prozesse der Selektion durchführt. Demnach sortiert die Suchmaschine, beziehungsweise dessen Algorithmen, die Ergebnistreffer der jeweiligen Suche (Engelmann 2016, 87). Folglich sollte der Suchtreffer, welcher am besten auf die Suche der Nutzenden passt, weiter oben im Ranking erscheinen, als Ergebnisse, die sich weniger eignen (89). Doch wie entscheidet Google, welche Treffer besser passen als andere?
Diese Frage kann, nachdem Google als Blackbox identifiziert wurde, nicht explizit beantwortet werden, da die Suchmaschine solche Informationen nicht preisgibt. Demgemäß ist unklar, wie genau, in all seinen Einzelheiten, das Ranking bei der Trefferliste von Google zustande kommt. Jedoch ist es sicherlich klar, dass es Prozesse gibt, welche dafür zuständig sind, ein Ranking zu entwerfen. Anders würde die Suchmaschine, so wie sie momentan existiert, nicht funktionieren können. Google als Suchmaschine selektiert diesbezüglich die Ergebnisse und ordnet diese in eine Reihenfolge ein. Entsprechen findet ein grober Selektionsprozess bei Google statt, welches der Funktion eines Gatekeepers entspricht. Auch Röhle beschreibt in Google Komplex (2010):
Als Hilfsmittel bei der ‚Bewältigung der ‚Informationsflut‘ [Machill, Neuberger und Schindler 2002] werden die Suchmaschinen herangezogen. Um diese Orientierungsfunktion erfüllen zu können, müssen Suchmaschinen allerdings wiederum Selektionskriterien einführen, durch die sie die Rolle eines Gatekeepers annehmen. (30)
Hier wird ebenfalls verdeutlicht, dass Selektionskriterien existieren und von Google bestimmt werden müssen, damit diese ihre Funktion als Hilfsmittel im Internet erfüllen kann. Dieser Faktor spricht für Google als ein Gatekeeper.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema Wissen als Macht ein und etabliert den Gatekeeper-Begriff als zentralen Prozess der Nachrichtenselektion, der nun auf moderne Suchmaschinen übertragen wird.
2 Gatekeeping: Dieses Kapitel erläutert den theoretischen Ursprung des Gatekeeping-Konzepts bei Kurt Lewin und dessen Weiterentwicklung für den Journalismus durch diverse wissenschaftliche Studien und Modelle.
3 Suchmaschinen: Hier werden Entwicklung, Interessengruppen, Geschäftsmodelle und verschiedene Arten von Suchmaschinen definiert und technisch erläutert.
4 Google: Das Kapitel analysiert die Marktmacht und den Blackbox-Charakter von Google und wendet diverse Gatekeeping-Modelle auf die Suchmaschine an, um ihre Rolle als moderner Gatekeeper zu prüfen.
5 Problematiken: Es werden kritische Aspekte wie Zensur, Manipulation durch Techniken wie die "Google Bomb" und die weitreichende Sammlung von Nutzerdaten thematisiert.
6 Regulierungsmaßnahmen: Basierend auf den identifizierten Problemen werden Lösungsansätze wie das Zugangs- und Transparenzprinzip zur Regulierung von Suchmaschinen vorgestellt.
7 Fazit: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass Google trotz struktureller Unterschiede zu traditionellen Redaktionen als ein moderner Gatekeeper identifiziert werden kann.
Schlüsselwörter
Gatekeeping, Google, Suchmaschinen, Nachrichtenselektion, Internet, Informationsfreiheit, Algorithmus, Blackbox, Zensur, Manipulation, Nutzerdatensammlung, Page-Rank, Regulierung, Kommunikation, Medienmacht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob die Suchmaschine Google als "moderner Gatekeeper" bezeichnet werden kann, indem sie deren Einfluss auf die Selektion und Vermittlung von Informationen analysiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen des Gatekeeping, die Funktionsweise von Suchmaschinen, der Vergleich mit traditionellen Medien sowie ethische und regulatorische Herausforderungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, herauszufinden, inwiefern Suchmaschinen die Rolle von Gatekeepern einnehmen und ob sie die Öffentlichkeit ähnlich wie klassische Medien steuern können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine Literaturanalyse und vergleicht theoretische Gatekeeping-Modelle (wie das Vier-Sphären-Modell oder die Nachrichtenwerttheorie) mit der technischen Funktionsweise von Google.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung des Gatekeeping, die technische Erläuterung von Suchmaschinen sowie die praktische Anwendung der Modelle auf Google und die Diskussion von Problematiken wie Zensur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Gatekeeping, Google, Suchmaschinen, Informationsselektion, Blackbox-Algorithmus, Medienmacht und Regulierungsmaßnahmen.
Was genau bedeutet die Bezeichnung "Blackbox" in Bezug auf Google?
Der Begriff beschreibt die Intransparenz der Suchalgorithmen von Google; Nutzer und Wissenschaftler können nicht im Detail nachvollziehen, warum bestimmte Ergebnisse in welcher Reihenfolge gelistet werden.
Inwiefern beeinflusst Google als Gatekeeper die Meinungsbildung?
Durch die Selektion und Anordnung von Suchergebnissen (Ranking) entscheidet Google maßgeblich darüber, welche Informationen für Nutzer sichtbar sind und welche kaum oder gar nicht wahrgenommen werden.
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- Jelena Vujicic (Autor), 2020, Suchmaschinen als moderne Gatekeeper. Die Macht, Wissen zu vermitteln, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1041917