In dieser Hausarbeit sollen die märchenhaften Merkmale im Kontext von Feminismus untersucht werden.
Wunderbare Dinge passieren auch in dem Film "Antonias Welt" von Marleen Gorris und unterstreichen ihre Aussage. Aber welche Elemente lassen diesen zuweilen realistisch anmutenden Film märchenhaft wirken? Und inwiefern trägt der Feminismus als Sujet dazu bei, diesen märchenhaften Eindruck bei den Zuschauer:innen zu erzielen?
Diese Arbeit kann den Umfang der sehr weitreichenden und der sich teilweise widersprechenden Märchenforschung nur anreißen und nicht komplett wiedergeben. Im Rahmen dieser Hausarbeit sollen die märchenhaften Merkmale des Films anhand der aktuellen Zusammenfassung von Stefan Neuhaus extrahiert werden und für die Betrachtung der Forschungsaspekte ausreichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Filmanalyse
2.1 Elemente des Märchens
2.2 Einflüsse des Feminismus
3. Das Märchen von der Gleichberechtigung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den niederländischen Film "Antonia" (ANTONIAS WELT) hinsichtlich seiner märchenhaften Merkmale und setzt diese in den Kontext feministischer Filmtheorie. Dabei wird analysiert, inwiefern der Film durch eine matriarchalische Narrative und den sogenannten "female gaze" die traditionellen Strukturen des patriarchalischen Erzählkinos aufbricht.
- Analyse der märchenhaften Erzählstruktur und Stilistik im Film
- Untersuchung der Rolle des Feminismus als zentrales Sujet
- Anwendung der Theorie des "female gaze" zur Filmbetrachtung
- Kritische Reflexion des Matriarchats als gesellschaftlicher Gegenentwurf
Auszug aus dem Buch
2.1 Elemente des Märchens
Schon zu Beginn des Films, wenn Antonia (Willeke van Ammelrooy) in einer Dodge-Angle in der Eingangsszene etabliert wird, hört man in einem Voiceover die für Märchen typische Erzählstimme. Die scheinbar allwissende Erzählerin, wie sich später herausstellt Antonias Urenkelin Sarah (Thyrza Ravesteijn), erzählt rückblickend von Antonias letztem Tag. “Noch bevor die Sonne aufging, wusste Antonia, dass ihre Tage gezählt waren“. Hier liegt eine Nullfokalisierung vor, in der die eingeführte Erzählerin analog dem beziehungsweise der allwissenden Märchenerzähler*in eine mündliche Überlieferung simuliert. Daraus resultiert eine Erzähl-Atmosphäre des Märchenhaften.
Die Eingangs- und Schlussformel, die auch nach Olrik dem Eingangs- und Abschlussgesetz entsprechen, sind ein stilistisches Merkmal der Märchenerzählung. Sie führen sanft in die Geschichte ein und müssen nach den aufregenden Höhepunkten der Geschichte die Zuhörer*innen wieder beruhigen. Durch die Einleitungs- und Schlussformeln wird eine gewollte Fiktionalität aufgebaut. Die Zuschauer*innen werden so auf die raumzeitliche Entrücktheit der Märchenwelt, die ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten und Wunder hat, eingestimmt, bevor sie am Ende wieder aus dieser Welt durch die Schlussformel zurückgeführt werden. Die Schlussformel hat auch die Aufgabe, die Zuhörenden vom bestmöglichen Ende zu überzeugen. So folgt auf Antonias friedliches und selbstbestimmtes Ableben, ihr Happy End, am Ende des Films folgender Zusatz: „Und nachdem diese lange Chronik zu Ende geht, ist nichts zu Ende gegangen“. Dies ist eine eindeutige Analogie zu: „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt den Film "Antonia" vor, erläutert die Regiearbeit von Marleen Gorris und umreißt die Forschungsfrage nach den märchenhaften Merkmalen im Kontext feministischer Thematiken.
2. Filmanalyse: Dieses Kapitel untersucht filmästhetische und narrative Merkmale des Märchens anhand von Fachliteratur und überträgt diese auf die Analyse von "Antonia".
2.1 Elemente des Märchens: Der Fokus liegt hier auf der strukturellen Märchenhaftigkeit, wie Voiceover-Erzählung, Formeln und der Konstruktion einer fiktiven, entrückten Welt.
2.2 Einflüsse des Feminismus: Hier wird Antonia als Matriarchin analysiert, die durch ihre Werte eine neue soziale Ordnung schafft und den patriarchalisch geprägten "male gaze" durch einen "female gaze" ersetzt.
3. Das Märchen von der Gleichberechtigung: Das Fazit fasst zusammen, dass der Film als moderne, feministische Adaption der Gattung Märchen fungiert, die gesellschaftliche Hierarchien infrage stellt.
Schlüsselwörter
Antonia, Marleen Gorris, Märchenforschung, Feminismus, Matriarchat, female gaze, Volksmärchen, Filmanalyse, Erzählstruktur, Patriarchat, Gender Studies, filmische Adaption, Rollenbilder, Gleichberechtigung, Symbolik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Film "Antonia" hinsichtlich seiner erzählerischen und ästhetischen Merkmale und untersucht, wie diese mit der Gattung Märchen und feministischen Idealen korrespondieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit behandelt die Märchenforschung, die Anwendung des "female gaze", die Kritik am Patriarchat und die Darstellung eines idealisierten Matriarchats.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, dass der Film "Antonia" trotz seiner realistischen Grundzüge alle wesentlichen Merkmale eines Volksmärchens besitzt und als feministisches Alternativmodell zu traditionellen Geschlechterrollen dient.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Filmanalyse durchgeführt, die auf der Merkmaltabelle von Stefan Neuhaus sowie auf Theorien zur Märchenforschung und zur feministischen Filmtheorie (u.a. Laura Mulvey) basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung märchenhafter Erzählkonventionen (wie Raum-Zeit-Entrücktheit) und die feministische Dekonstruktion männlicher Dominanz durch die Protagonistin Antonia.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen: Antonia, Feminismus, Märchen, Matriarchat, female gaze, Filmanalyse und Rollenbild.
Inwiefern bricht der Film mit den üblichen Sehkonventionen des Kinos?
Durch die Anwendung des "female gaze" wird die Kamera zur Vermittlerin einer weiblichen Subjektivität, die das Publikum nicht mehr als passives Objekt, sondern aus der Perspektive der handelnden Frauen wahrnehmen lässt.
Warum ist das im Film dargestellte Matriarchat laut der Autorin kritisch zu betrachten?
Die Arbeit merkt an, dass die absolute Umkehrung der Rollen zwar feministische Ideale ermöglicht, aber dennoch wieder einen Dualismus erzeugt, der letztlich stereotype Sichtweisen reproduzieren kann.
- Citation du texte
- Maria Hansen (Auteur), 2021, Märchenhafte Merkmale im Kontext von Feminismus am Beispiel des Films "Antonias Welt", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1041978