Der Soziale Dienst als Handlungsfeld im Strafvollzug. Aufgaben, Ziele sowie Herausforderungen


Akademische Arbeit, 2021

26 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Einleitung

1 Die Geschichtliche Entwicklung des Strafvollzugs
1.1 Vor dem Strafvollzug
1.2 Die Entstehung der Freiheitsstrafe
1.3 Die Entstehung der Resozialisierung im Strafvollzug
1.4 Die Gesetzeslage
1.5 Soziale Arbeit im Strafvollzug

2 Die Organisation im Handlungsfeld des Sozialen Dienstes im Strafvollzug
2.1 Freie und Justizielle Straffälligenhilfe
2.2 Der Aufbau eines Strafverfahrens
2.3 Die Organisation
2.4 Das Tripelmandat und der Kontrollaspekt
2.5 Aufgaben und Ziele
2.6 Probleme

3 Methodisches Handeln im Strafvollzug
3.1 Methodische Vorgehensweise
3.2 Einzelfallhilfe
3.3 Case- Management
3.4 Täter-Opfer Ausgleich in Restorative Justice
3.5 Soziale Gruppenarbeit
3.6 Prävention

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Gendergerechte Sprache

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Einleitung

Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit setzt sich mit dem Thema des Sozialen Dienstes im Strafvollzug auseinander.

Über viele Jahrhunderte hinweg hat sich der Strafvollzug und sein Konzept immer weiterentwickelt, bis er schließlich beim heutigen Konzept angekommen ist. Der Strafvollzug besitzt eine lange Entstehungsgeschichte, die bis ins 4. Jahrhundert zurückführt. Ab dem 16. Jahrhundert entwickelte sich dann langsam der Gedanke der Resozialisierung im Strafvollzug, welcher aus dem heutigen Konzept nicht mehr wegzudenken ist. Durch die Resozialisierung im Strafvollzug, entstand im 20. Jahrhundert auch das Arbeitsfeld des sozialen Dienstes im Strafvollzug. Auch wenn der soziale Dienst im Strafvollzug eine relativ kurze Vergangenheit hat, so ist seine Vorgeschichte, die Resozialisierung ein großer Teil von diesem, denn ohne sie gäbe es heute das Arbeitsfeld des sozialen Dienstes nicht. Heutzutage ist das Ziel der Resozialisierung und damit der soziale Dienst ein fester Bestandteil des Strafvollzugs.

Die Aufgaben der Sozialarbeiter*innen im Strafvollzug sind es, den Gefangenen nach dem Auftrag des § 71 StVollzG „Hilfe zur Selbsthilfe“, bestmöglich und nach wissenschaftlichem Vorbild zu helfen zu lehren ihre persönlichen Probleme zu ordnen und zu lösen. Hierdurch soll der*die Gefangene lernen, auch nach der Entlassung seine*ihre eigenen Probleme zu regeln und sich so wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Die Aufgabe der Sozialarbeiter*innen ist es außerdem dem*der Gefangenen, genug Unterstützung zu geben, innerhalb des Gefängnisses sein*ihr neues Leben außerhalb des Strafvollzugs vorzubereiten. Dabei hat die Soziale Arbeit die Schwierigkeit des Tripelmandats zu leisten, um allen Aufträgen gerecht zu werden.

Wenn ein oder eine Gefangene*r Probleme hat, kann er*sie sich aus freiem Willen entscheiden, sich Hilfe bei den Sozialarbeiter*innen zu suchen. Dabei werden vor allem die klassischen Methoden des Handelns angewendet um möglichst konsequent und zielorientiert die nötige Hilfe bis hin zur Problemlösung zu leisten. Nach § 154 StVollzG ist hier die Zusammenarbeit von Fachkräften innerhalb und außerhalb des Strafvollzugs von Nöten, um den Gefangenen die bestmögliche Hilfe anzubieten.

Zu Beginn wird der allgemein historische Hintergrund dargestellt, um das Verständnis zu erbringen, wie die Resozialisierung und damit die Soziale Arbeit in den Strafvollzug kam und warum sie aus diesem nicht mehr weg zu denken ist. Anschließend wird die Organisation innerhalb und zum besseren Verständnis auch außerhalb des Strafvollzugs erläutert. Hierbei wird nicht nur auf die Aufgaben, Ziele und Probleme der Sozialarbeiter*innen im Strafvollzug eingegangen, sondern auch der Unterschied der justiziellen und der freien Straffälligenhilfe erläutert. Wichtig, um zu verstehen, wie die Soziale Arbeit im Strafvollzug abläuft und was sie bewirkt, sind die eingesetzten Methoden, auf welche im weiteren Verlauf eingegangen wird.

1 Die Geschichtliche Entwicklung des Strafvollzugs

Das heutige System, welches aus einer jahrhundertelangen Entwicklung entstanden ist, beruht auf dem Ziel der Resozialisierung. Ein wichtiger Aspekt, um die Gefangenen zu resozialisieren, ist die Soziale Arbeit im Vollzug. Diese allein hat jedoch wenig Geschichte, da sie erst in den 70er Jahren offiziell in den Strafvollzug aufgenommen wurde. Somit ist die Resozialisierung der Vorläufer für die Soziale Arbeit. Um zu verstehen, wie die Resozialisierung und damit die Soziale Arbeit ins Gefängnis gekommen ist, muss auch verstanden werden, wie sich die Resozialisierung im Strafvollzug entwickelt hat.

1.1 Vor dem Strafvollzug

Bevor man eine gerechte Bestrafung kannte, gab es die beliebige Bestrafung, die vor allem im römischen Imperium angewendet wurde. Auch kannte man keine Freiheitsstrafe, daher wurde mit Folter und Tod bestraft (Cornel 2014, 34 f.). Bis ins Mittelalter diente die Inhaftierung dann der sicheren Aufbewahrung bis zum Gerichtsverfahren und Urteil oder bis zur Vollstreckung der Strafe. Durch Karl den Großen wurde schließlich im fränkischen Reich 818 die Gefängnisstrafe eingeführt, wodurch die Zahl der Todesurteile sank (Janssen 2002, 47).

1.2 Die Entstehung der Freiheitsstrafe

Im 4. Jahrhundert wurde die Klosterhaft eingeführt. Hier wurden straffällige Mönche isoliert und in ein Arbeitshaus eingesperrt. Im 9. und 10. Jahrhundert wurde die Freiheitsstrafe zu einer gemeinrechtlich-kirchlichen Strafe. Zuerst wurden die Straftäter in Klosterkerkern eingesperrt und später in, vom Kloster getrennten, Gefängnissen. Langsam wurde die Freiheitsstrafe zur schlimmsten Strafe, denn die Straftäter wurden jahrelang gefesselt in feuchten Kellern unter körperlicher Züchtigung und Wasser und Brot gehalten. Außerhalb des Klosters gab es nur wenige Freiheitsstrafen. Im 13.-15. Jahrhundert fingen dann auch die Fürsten und Städte an, Gebrauch von der Freiheitsstrafe zu machen, und sie wurde zu einem Stadtrecht. Der Freiheitsentzug diente zu keinem bessernden Zweck, sondern nur dazu, die Straftäter*innen unschädlich zu machen, wie schon im römischen und germanischen Reich. Karl V. erließ 1532 die Gerichtsordnung des Art. 11 im Reichstag Regensburg. In diesem stand nun offiziell, dass das Gefängnis zur Verwahrung der Gefangenen dienen soll. Durch die Freiheitsstrafe wurde das Strafsystem milder, denn es wurden nun vermehrt Freiheitsstrafen anstelle von Todesstrafen eigesetzt (Laubenthal 2019, 74 f.).

1.3 Die Entstehung der Resozialisierung im Strafvollzug

Die Freiheitsstrafe beginnt sich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Richtung der modernen Form zu entwickeln. Die Stadt London in England richtete 1555 ein Arbeitshaus ein, nach wessen Vorbild viele weitere Arbeitshäuser aus alten Grafschaften entstanden sind. Diese Arbeitshäuser wurden „houses of corrections“ genannt, hier wurden Bettler, Landstreicher, Prostituierte und Kleindiebe mit dem Ziel sich wieder in die Gesellschaft reintegrieren zu können, erzogen. Die Stadt Amsterdam in Holland folgte 1595 dem englischen Beispiel. Diesen Modellen nachgeahmt kam es Anfang des 17 Jahrhunderts in Deutschland zu sogenannten Zuchthäusern. Die Zucht- und Arbeitshäuser existierten Ende des 18. Jahrhunderts für die Erziehung und Verbesserung der Gefangenen. Nur einzelne Zuchthäuser waren nur für die Bestrafung der Gefangenen gedacht (Laubenthal 2019, 76 f.). Die auf Verbesserung ausgelegten Zuchthäuser waren eine Frühform der modernen Gefängnisstrafe (Janssen 2002, 47).

Nach dem dreißigjährigen Krieg wurden in Gefängnissen nicht nur Straftäter*innen, sondern auch Waisen und psychisch Kranke untergebracht. Das Gefängnis hatte somit eine Mehrfachfunktion. In den Gefängnissen mussten die Untergebrachten arbeiten (Cornel 2014, 35). Durch die Unterbringung aller möglichen Menschen waren die Gefängnisse überfüllt, alle lebten auf engstem Raum zusammen und die Hygiene ließ zu wünschen übrig (Laubenthal 2019, 77). Die Gefängnisse verfehlten ihre ursprünglichen Ziele und wurden innerhalb des Vollzugs zu allen möglichen Zwecken genutzt, es wurde z.B. zu einer Verbrecherschule oder einem Bordell, aber es war nicht mehr das, was ein Gefängnis sein sollte. Nur noch in wenigen Einrichtungen wurde die Strafe konsequent durchgeführt (Laubenthal 2019, 78).

Durch viele Beschwerden wurde der Strafvollzug im 19.Jahrhundert erneuert, dank der vorkantischen Aufklärungsphilosophie wurde die Folter-, Leibes- und Lebensstrafe endgültig zurückgedrängt (Laubenthal 2019, 78). 1865 bestand das Personal im Strafvollzug hauptsächlich aus dem Militär, welches eine geringe Schulbildung hatte. Die Arbeitszeiten gingen von 4:45 bis 20:15 Uhr, die Mitarbeiter bekamen eine schlechte Verpflegung und ein geringes Gehalt. Dies führte zu einem ständigen Personalwechsel und Problemen bei Neueinstellungen (Borchert 2016, 34). In das Reichsstrafgesetzbuch wurden 1871 nur wenige Regelungen zum Freiheitsentzug aufgenommen (Laubenthal 2019, 84).

Nachdem ein ehemaliger Gefängnisdezernent sein Studium hinter sich hatte, wollte er die Pädagogik in Jugendgefängnissen einführen. 1912 wurde in Wittlich ein Jugendgefängnis nach seinen Vorstellungen eingerichtet. Pädagogische Änderungen waren z.B. eine stufenweise Hafterleichterung und keine ungeeigneten Disziplinarmittel. Außerdem wurde das Personal pädagogisch geschult und ein*e Fürsorger*in für die Entlassungsvorbereitung zur Verfügung gestellt. Für die Jugendlichen gab es schulische und berufliche Angebote und die jungen Männer wurden für den Militärdienst ausgebildet. Hier sollte ein gerechtes Verhältnis von Strafe und Erziehung bestehen (Borchert 2016, 34). Das Jugendgerichtgesetz von 1923 war eine weitere Entwicklung, denn hier wurde festgelegt, dass die Strafe von Jugendlichen in gesonderten Anstalten abgesessen werden muss. Außerdem wurde die Erziehung offiziell als Vollzugsziel ernannt. Das Vollzugsziel für den allgemeinen Vollzug wurde ebenfalls 1923 in den Reichsratgrundsätzen festgehalten, das Ziel war nun einen zukünftigen Rückfall zu verhindern (Laubenthal 2019, 87 f.).

Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde die Entwicklung zu einem besseren Vollzug nicht nur unterbrochen, sondern erlebte einen Rückschlag. Die Freiheitsstrafe galt nun nicht mehr der Besserung, sondern der Abschreckung. Das Ziel war es, Verbrecher auszurotten. Der Reichsminister der Justiz legte 1934 fest, dass der Vollzug an den von 1923 anknüpften solle, doch er ergänzte das Ziel der Sühne und Abschreckung zum Zweck des Schutzes des Volkes. Es gab keine gesetzliche Regelung für den Strafvollzug, doch der Minister der Justiz erließ 1940 eine Allgemeinverfügung die nun als Rechtsvorlage für den Vergeltungs- und Sicherungsvollzug galt. Kurz vor dem zweiten Weltkrieg ging die Kriminalität zurück, doch die Belegung der Strafanstalten stieg. Dies lag daran, dass nun nicht nur Kriminelle sondern auch politische Gegner, Juden und sogenannte Asoziale in den Gefängnissen untergebracht wurden. Später wurden die Gefangenen zur Arbeit eingesetzt, andere wurden exekutiert (Laubenthal 2019, 89).

1.4 Die Gesetzeslage

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges wurde am 12.11.1945 eine Neuordnung des Strafvollzugs erlassen. Das Ziel war nun wieder die Erziehung und Besserung der Gefangenen (Laubenthal 2019, 90).

1958 hatten die Lehrer*innen allerhand Aufgaben im Strafvollzug, von denen einige heute die Sozialarbeiter*innen übernehmen. Die Lehrer*innen waren neben dem Unterricht auch zuständig für die Erziehung, Betreuung, Freizeitgestaltung, Sport und für die Beamtenweiterbildung (Borchert 2016, 39).

Am 01.07.1962 trat die Dienst- und Vollzugsordnung (DVollzO) in Kraft, diese wurde nun als Rechtsgrundlage angesehen (Laubenthal 2019, 91).

Durch einige Gefängnisskandale in den 70er Jahren wurde eine Strafvollzugsreform angestrebt. Dazu sollte nun endlich auch ein Gesetz entstehen. Es gab Diskussionen sich an ausländischen Vollzugsmodellen zu orientieren, z.B. an den holländischen und dänischen sozialtherapeutischen Einrichtungen. Auch wandte man sich dem nordamerikanischen und skandinavischen Vorbild zu, dort stehen Persönlichkeitsstörungen und Sozialisationsdefizite im Behandlungsfokus. Der Arbeiterkreis von deutschen und schweizerischen Strafrechtsprofessoren legte einen Entwurf vor, in welchem die Ausbildung, soziale Hilfe und Therapie im Zentrum stand (Laubenthal 2019, 91 ff.).

Am 12.02.1976 verabschiedete der Bundestag das StVollzG. Das neue StVollzG trat am 01.01.1977 in Kraft (Laubenthal 2019, 92 ff.). Hier stand die Resozialisierung als Vollzugsziel im Vordergrund, ein wichtiger Teil der Resozialisierung wurde die Soziale Arbeit, welche nun auch im Gesetz verankert wurde (Laubenthal 2019, 94 f.)

Durch den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland am 03.10.1990 trat das StVollzG auch in den Ländern der ehemaligen DDR in Kraft.

2005 gab es eine Modernisierung des Strafvollzugs. In dem Koalitionsvertrag am 11. November 2005 wurde durch die Änderung des GG eine neue Vereinbarung getroffen. Die Ziele und Grundlagen des Strafvollzugs blieben, doch die Umsetzung des Strafvollzugs und des Untersuchungshaftvollzugs war nun Ländersache. Am 28.08.2006 trat diese Vereinbarung in Kraft (Laubenthal 2019, 94 f.).

Am 01.01.2008 haben einige Bundesländer eigenständige Jugendstrafvollzugsgesetze erlassen (Laubenthal 2019, 94 f.) Am 26.11.2019 erfolgte die letzte Änderung des StVollzG.

Das europäische Strafrecht ist im 20. Jahrhundert durch die Abschaffung der Todesstrafe im GG, 1948 (Cornel 2014, 41) immer liberaler geworden (Wesel 2010, 670). Die Freiheitsstrafen wurden zu größtem Teil durch Geld- oder Bewährungsstrafen ersetzt (Wesel 2010, 670). 2008 verurteilten deutsche Gerichte 874 691 Personen, nur 6% von ihnen wurden zu einer Freiheitsstrafe verurteilt (Albrecht 2010, 286).

1.5 Soziale Arbeit im Strafvollzug

Mit dem StVollzG vom 16.03.1976 wurde die Soziale Arbeit ins StVollzG aufgenommen und auch ihre Aufgabe und das Ziel der Hilfe zur Selbsthilfe wurde im StVollzG bestimmt.

Die Soziale Arbeit im Vollzug ist ein recht junges Arbeitsfeld (Kurze 1999, 19). Sie hat ihren Ursprung in ehrenamtlichen Betreuungen von Strafgefangenen, die vor allem von christlichen Initiativen ausgeübt wurden. Später begannen sie sich in Vereine zu organisieren (Bukowski/Nickolai 2018, 13). Auch die evangelische Gefängnisseelsorge ist ein Vorgänger des Sozialen Dienstes, denn sie war schon im 19. Jahrhundert in den damaligen Zuchthäusern tätig (Schäfer/Bunde 2017, 72). Auch die Wurzeln der anderen Aufgabenbereiche der Sozialen Arbeit führen zurück auf soziale Bewegungen, welche dem ehrenamtlichen Engagement einiger Bürger zu verdanken sind. Aus diesen Bewegungen entwickelten sich mit der Zeit öffentlich organisierte Hilfen, aus welchen sich dann unter anderem der Beruf der Sozialarbeiter*innen entwickelte (Kurze 1999, 19).

In den 90er Jahren gab es in Deutschland einen Aufbau des Personals. Einen besonders hohen Personalaufbau gab es in Mecklenburg-Vorpommern, wo die Zahl der Sozialarbeiter*innen mehr als verdoppelt wurde. Dort waren es zunächst 12 Sozialarbeiter*innen in Gefängnissen, diese erhöhten sich auf 26 in dem Zeitraum von 1995 bis 1999. Dadurch verbesserten sich die Arbeitsbedingungen und die Betreuungsdienste. Die Zahl der Psychologen*innen verdreifachte sich von 5 auf 14 Psychologen*innen. Auch die Anzahl der allgemeinen Vollzugsbediensteten erhöhte sich um 39%. Dies kam zustande, da die Haftplätze in einigen Ländern erhöht wurden. Mit der Gesetzesreform 1998 wurde auch die Sozialtherapie in den Gefängnissen ausgebaut (Dünkel/Drenkhahn 2001, 289). 1990 wurde z.B. der Täter-Opfer-Ausgleich in das Jugendstrafrecht eingeführt (Cornel 2014, 43).

Auch die Sozialarbeit im Vollzug wird immer wieder versucht zu modernisieren, denn auch wenn der Grundsatz aus dem 70ern immer noch aktuell ist, so entwickeln sich einige Ansätze und Ansichten immer weiter (Klug/Schaitl 2012, 19). Die Straffälligenhilfe verändert sich dank der Veränderung der Justiz und des Gefängniswesens, politischen Veränderungen, der Professionalisierung der Sozialen Arbeit und der sich ändernden Sichtweise auf Kriminalität, noch bis heute (Bukowski/Nickolai 2018, 13).

2 Die Organisation im Handlungsfeld des Sozialen Dienstes im Strafvollzug

Dieses Kapitel widmet sich der Organisation innerhalb und außerhalb des Strafvollzuges sowie den Aufgaben und Zielen der Beteiligten im Strafvollzug. Außerdem wird auf einige Probleme, mit denen die Soziale Arbeit im Strafvollzug konfrontiert wird, eingegangen.

2.1 Freie und Justizielle Straffälligenhilfe

Zu der freien Straffälligenhilfe gehören ambulante und stationäre Angebote für Straffällige, ehemalige Straffällige und deren Angehörige (Kawamura-Reindl/Schneider 2015, 37). Die freie Straffälligenhilfe arbeitet ohne richterlichen Auftrag und erfüllt damit keinen Strafzweck. Freie Straffälligenhilfe ist dadurch zum Großteil freiwillig. In der freien Straffälligenhilfe gibt es sowohl öffentliche als auch private Träger (Pohl 2013, 52). Der kirchliche Dienst der JVA, welcher den Seelsorgedienst übernimmt hat z.B. mehrere sozialarbeiterische Aufgaben, die auch über die Haftzeit hinausreichen. Auch die Sucht- und Drogenhilfe ist in der freien Straffälligenhilfe tätig (Pohl 2020, 41).

Justizielle Straffälligenhilfe bedeutet, dass diese justiznah agiert. Dies wiederum bedeutet, dass eine Bereitschaft zu einer Zusammenarbeit zwischen Justiz und jeweiliger Straffälligenhilfe vorhanden ist. Diese ist jedoch immer noch frei und nicht der Justiz unterworfen (Wulf 1994, 286). Stattdessen handeln diese im Auftrag der Justiz (Pohl 2013, 52). Die justizielle Straffälligenhilfe gehört zu den staatlichen Pflichtleistungen (Wulf 1994, 288).

Auch zu den justiziellen Angeboten gehören eine Reihe von Diensten wie z.B. die Bewährungshilfe, Führungsaufsicht und der Täter-Opfer Ausgleich. Auch der Sozialdienst gehört zu den justiziellen Angeboten. Dieser betreut Gefangene im Rahmen der Einzelfallhilfe und arbeitet nach den §§ 71-75 StVollzG (Pohl 2020, 39 f.).

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Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Der Soziale Dienst als Handlungsfeld im Strafvollzug. Aufgaben, Ziele sowie Herausforderungen
Hochschule
Fachhochschule Dortmund
Note
1,7
Autor
Jahr
2021
Seiten
26
Katalognummer
V1042162
ISBN (eBook)
9783346462626
ISBN (Buch)
9783346462633
Sprache
Deutsch
Schlagworte
soziale, dienst, handlungsfeld, strafvollzug, aufgaben, ziele, herausforderungen
Arbeit zitieren
Benita Wolf (Autor:in), 2021, Der Soziale Dienst als Handlungsfeld im Strafvollzug. Aufgaben, Ziele sowie Herausforderungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1042162

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