Die Entwicklung zum Wahnsinnigen im Einfluss der weiblichen Figuren in der Erzählung "Der Sandmann" von E.T.A. Hoffmann. Die unheilbringenden Frauen


Hausarbeit, 2021

21 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Sandmannsmärchen
2.1 Märchen und ihre Wirkung auf Kinder
2.2 Der Sandmann in der Wahrnehmung

3. Entstehung von Angst und Angststörungen
3.1 Die Mütterlichkeit im Zwiespalt
3.2 In zweifelhafter Obhut der Amme
3.3 Trauma

4. Clara – Entgegen symbolischer Weiblichkeit

5. Olimpia als Spiegelbild Nathanaels

6. Fazit

7. Quellenverzeichnis

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„E.T.A Hoffmann hat in seinen Phantasiestücken dieses psychologische Manöver [, die Angst vor dem Unvertrauten,] wiederholt mit Erfolg zur Geltung gebracht.“ 1

– schreibt Psychiater Dr. Ernst Jentsch anerkennend in seinem Werk „Zur Psychologie des Unheimlichen“ aus dem Jahre 1909. Die Psychologisierung der Menschen, unter anderem die Beschäftigung mit Wahnsinn, Ängsten und Träumen, erlangte in der Epoche der Romantik zunehmend an Bedeutung. Charakteristisch für E.T.A. Hoffmanns Novelle „Der Sandmann“, erschienen im Jahre 1816, sind die „Momente des Phantastischen und Dämonischen“2, sodass die Ungewissheit an Oberhand gewinnt und die Wahrnehmung prägt.

In dieser wissenschaftlichen Hausarbeit soll das Schicksal Nathanaels unter dem Aspekt der Entstehung seines Wahnsinns genauer betrachtet werden. Dem gegenüber wird die Relevanz der Einwirkung unterschiedlicher weiblicher Figuren untersucht und als mögliche Begründung für den Lebensverlauf der Figur in Erwägung gezogen. Da die Sandmannsfigur bereits in Nathanaels Kindheit aufgetreten ist, erfolgt zunächst eine theoretische Ausführung zur Kategorie Märchengattung und ihre Einflüsse auf die Psyche der Kinder. Mittels kognitiver Entwicklungs- und Bindungstheorien wird die Wahrnehmung des jungen Protagonisten in Bezug auf das Sandmannsmärchen und in Verbindung mit den Einflüssen der Mutter und Amme untersucht.

Anschließend wird das Kindheitstrauma analysiert, was den Ausgangspunkt seiner folgenden Ängste und Persönlichkeitsstörungen im Erwachsenenalter darstellt. Ferner werden markante Textstellen bezüglich Clara und Olimpia im Hinblick auf Nathanaels Entwicklung analysiert und zur Begründung seiner Verhaltensänderung herangezogen.

Konkret lautet die These, dass die Einflüsse der weiblichen Figuren für das Kindheitstrauma Nathanaels verantwortlich sind und im Erwachsenenalter zu seinem endgültigen Wahnsinn führen.

Ziel der Arbeit ist somit die Veranschaulichung von Nathanaels Entwicklung anhand der Thematik der Angst unter Berücksichtigung signifikanter Schlüsselmomente. Zudem soll die Rolle der Frauen als Ursache für die Entstehung des Wahnsinns herausgestellt werden.

2. Das Sandmannsmärchen

2.1 Märchen und ihre Wirkung auf Kinder

Die Kategorie Märchengattung ist von PädagogInnen ein sehr umstrittenes Thema. Es ist bis heute nicht eindeutig geklärt, inwiefern Märchen als Literatur für Kinder geeignet sind und welche Wirkung sie ausüben. Zudem spielt es eine Rolle, welche Märchen für welches Alter bestimmt sind. Denn es stellt sich die Frage, ob und inwiefern Kinder mit ihrem passiven Wortschatz dazu fähig sind, den Sinn eines Märchens zu verstehen und wie sie diese interpretieren.

Nach Jean Piaget zufolge, dem Pionier der kognitiven Entwicklungstheorie, entwickeln sich Kinder über aktive Auseinandersetzungen mit ihrer Umwelt. Die vielseitigen Wahrnehmungen und Bewegungen veranlassen dabei neben der körperlichen Entwicklung auch die wesentlichen Grundlagen für Vorstellungsvermögen und Erinnerung, Denken und Gedächtnis, Emotionalität und Sprache. Es kann demnach festgehalten werden, dass die Auswirkungen für körperliche Fähigkeiten, Denken und Fühlen aufgrund der unterschiedlichen Vorerfahrungen bei jedem Kind individuell ausfallen müssen. Diese Erfahrungen werden im Gedächtnisaufbau gespeichert.3

Auf ihren geistig-seelischen Entwicklungswegen erleben Kinder in Kommunikation mit ihrer Umwelt ständig Ereignisse und Gefühle, die sich gleichermaßen in Märchen wiederfinden können. Zu Beginn erfahren sie, dass verdichtete Motive von Freude, Leid, Angst etc. Gefühle in ihnen wachrufen. Diese können unheimlicher, fröhlicher und ängstlicher Natur sein. Die wachgerufenen Gefühle sind Vorerfahrungen, die im Gedächtnisaufbau gespeichert sind und, wie bereits erwähnt, bei jedem Kind unterschiedlich erlebt werden. Nach mehreren Wiederholungen bemerkt das Kind, dass auch erzählte Situationen sich wiederholen lassen. Dabei lernt es, dass die Figuren in den Geschichten ebenfalls Gefühle haben können und beginnt, sich mit diesen Figuren zu identifizieren und kann auf sie projizieren.4

Folglich muss die Erlebniswelt des Märchens mit der des Kindes vergleichbar sein, um Handlungen, Figuren oder Gefühle wiederzuerkennen und diese gegebenenfalls richtig einzuordnen. Ansonsten ist es nicht imstande, mit ihnen geistig umzugehen.5

Es gibt Märchen oder Geschichten, in denen Grausamkeiten sehr präsent sind. Die erste Begegnung mit Grausamkeiten in Geschichten sollte in Anwesenheit eines Erwachsenen erfolgen, um das Kind gegebenenfalls zu beruhigen und das Gespräch zu suchen. So lernt das Kind, dass es sich in Wirklichkeit um eine „ausgedachte“ Situation handelt und es selbst keinen physischen Schaden annehmen kann. Die Unterscheidung zwischen Realität und Fiktion ist eine grundlegende Kompetenz, die hierfür vorhanden sein müsste. Diese Fähigkeit ist in Abhängigkeit von der Entwicklung mehrerer kognitiver Parameter wie Verarbeitungsgeschwindigkeit, Vorwissen und Gedächtnis6.

Ist die Möglichkeit gegeben, die erlebten Gefühle spielerisch zu verarbeiten, besitzen Grausamkeiten in Märchen einen konstruktiven Stellenwert. Sollte jedoch das Kind nicht die Option haben über die Situation zu sprechen, spielen oder zu malen, kann es nicht lernen, einen Umgang mit den auftretenden Gefühlen wie Angst und Wut zu handhaben und diese willentlich zu beeinflussen.7

2.2 Der Sandmann in der Wahrnehmung

In der Novelle schreibt Nathanael einen Brief an Lothar über das prägende Ereignis seiner Kindheit. Das genaue Alter wird nicht erwähnt, doch man kann anhand der Beschreibungen von einem frühen Grundschulalter ausgehen.

Die Familie sitzt abends gemeinsam und genießt das Beisammensein. Zu manchen Abenden jedoch scheinen die Eltern bedrückt zu sein, die Mutter sogar traurig. „Nun Kinder – zu Bette! zu Bette! Der Sandmann kommt, ich merke es schon.“8, sagt die Mutter zu ihren Kindern. Das ältere Kind Nathanael bemerkt zeitgleich ein Geräusch. Jedes Mal, wenn die Mutter nach dem Sandmann ruft, würde er ein Poltern an der Treppe wahrnehmen. Anders als die anderen Geschwister, ist er der Einzige, der aufhorcht. Er fragt sich, ob das die Schritte des Sandmannes sind, die er Nacht für Nacht hört.

Eines Abends, als es dem Nathanael besonders unheimlich wird, fragt er seine Mutter, wer doch dieser „böse“ Sandmann sei. Hier wird es schnell deutlich, dass Nathanael an die Existenz des Sandmannes glaubt. Er definiert den Sandmann als böse, obwohl die Mutter nicht solch eine Beschreibung machte. Das unheimliche Gefühl, dass sich in dem kleinen Jungen an dem Gedanken des Sandmannes anbahnt, birgt unterschiedliche Motive.

Der Sandmann wird von der Mutter als ein Stichwort genutzt. Der korrespondierte Satz lautet: „Kinder, es ist Zeit, Schlafen zu gehen.“ Demnach fällt dieser Satz mehrmals und weist eine Wiederholung auf. Nathanael lernt somit, dass der Sandmann des Öfteren kommt. Er kann jedoch nicht verstehen, aus welchem Grund er das tut und seinen Vater aufsucht. Durch die angespannte Atmosphäre der Eltern verbindet Nathanael den Besuch des Sandmannes mit etwas Negativem. Im pädagogischen Kontext lässt sich dieser Umstand mittels Piagets kognitiver Entwicklungstheorie beschreiben. Wie in Kap. 2.1 bereits angemerkt, veranlassen die vielseitigen Wahrnehmungen in der Umwelt die wesentlichen Grundlagen für das Vorstellungsvermögen. Diese Vorerfahrungen an Gefühle können unterschiedliche Auswirkungen verursachen und werden im Gedächtnisbau gespeichert. Die bedrückte Stimmung, die Nathanael an manchen Abenden empfindet, kann als Wahrnehmung seiner Umwelt gedeutet werden und diese aufgrund der stetigen Wiederholungen auf den Sandmann zurückführen. Durch die Unwissenheit, wer dieser Mann ist und weshalb er jede Nacht kommt, kann Nathanael ihn nicht einordnen.

Den Untersuchungen des Psychiaters Dr. Ernst A. Jentsch zufolge stellt die individuelle Unwissenheit eine Voraussetzung für eine psychische Unsicherheit dar. Sollte also der Mensch seine Orientierung in der Umwelt verlieren, besteht die Möglichkeit, dass sich das Gefühl der Unheimlichkeit anbahnt. Dies macht er anhand eines Beispiels deutlich: Ein Kind würde durch den Mangel an Erfahrung bezüglich seiner Umwelt im Gegensatz zu einem Erwachsenen deutlich mehr Angst empfinden und somit weniger Selbstvertrauen verspüren. Die einfachsten Dinge, die für einen Erwachsenen als selbstverständlich erscheinen, bergen für das Kind große Geheimnisse. Aus diesem Grund ist die Gefühlserregung des Unheimlichen psychologisch sehr von der Person und seiner weltlichen Erfahrung abhängig.9

3. Entstehung von Angst und Angststörungen

3.1 Die Mütterlichkeit im Zwiespalt

„Es gibt keinen Sandmann, mein liebes Kind“, erwidert die Mutter; „wenn ich sage, der Sandmann kommt, so will das nur heißen, ihr seid schläfrig und könnt die Augen nicht offen behalten, als hätte man euch Sand hineingestreut.“ – Der Mutter Antwort befriedigte mich nicht, ja meinem kindischen Gemüt entfaltete sich deutlich der Gedanke, dass die Mutter den Sandmann nun verleugne, damit wir uns vor ihm nicht fürchten sollten, ich hörte ihn ja immer die Treppe heraufkommen.“10

In der Außenperspektive kann man feststellen, dass die Mutter mit ihrer Aussage, dass der Sandmann komme, eine falsche Behauptung äußert, ohne eigentlich eine Täuschungsabsicht zu haben. Auf Nachfrage sagt sie in klaren Worten, dass der Sandmann nicht existiert und gibt eine kurze Erklärung, weshalb sie dieses Beispiel stets nutzt. Nathanael gibt sich mit dieser Antwort nicht zufrieden und glaubt, die Mutter wolle ihn nur beschwichtigen.

In der kognitiven Entwicklung sind Kinder in den frühen Jahren in der Phase des „magischen Denkens“, welche später durch das „rationale Denken“ ersetzt wird. Entwicklungstheoretiker sind sich jedoch einig, dass das magische Denken allerdings nicht ganz verschwindet, sondern in einer sogenannten „Nische“ erhalten bleibt. Kinder nehmen die rationalen Erklärungen von Erwachsenen gar nicht an, sondern sie verharren in ihren magischen Denkweisen, weil sie sich in beiden Welten in gleicher Weise bewegen. So ist es für sie möglich, zwei verschiedene Erklärungen für eine Sache zu haben. Dieses Phänomen wird als „false belief“ bezeichnet.11

Durch den Wiederholungseffekt des kurzen Märchens und die Wahrnehmung in der Umwelt (bedrückte Stimmung, Aktivierung des Gehörsinns durch Geräusche an der Treppe) lässt sich Nathanael trotz der rationalen Erklärung nicht von der Existenz des Sandmannes beirren und hält an seiner eigenen Denkweise fest. Offenkundig ist der kleine Junge verängstigt. Die Mutter hingegen nimmt die Angst ihres Kindes nicht wahr, oder gar ernst. Mit einer kurzen Antwort, welche für einen Erwachsenen als vernünftig erscheint, versucht sie ihn zu beruhigen. Auch wenn man den Ton der Mutter als fürsorglich beschreiben kann, lässt es sich nicht leugnen, dass sie nicht sicherstellt, ob er die Antwort tatsächlich annimmt. Aus bindungstheoretischer Sicht ist die Qualität der Bindung zwischen Erziehungsberechtigte und dem Kind von der Feinfühligkeit der Bezugsperson abhängig. Die Bindungstheorie besagt, dass je emphatischer die Mutter ist, desto sicherer ist die Bindung. In der Selbstpsychologie wird das Selbst des Kindes von der Empathie der Mutter abhängig gemacht. Nach dem Selbstpsychologen Kohut ist die Empathie der Mutter unerlässlich für die seelische Entwicklung des Kindes und dessen gesunden Selbstwertgefühls. Im negativen Falle wird die Entwicklung des Selbst in der frühen Kindheit durch den Mangel an Einfühlung behindert.12

In Bezug auf Nathanael ist eindeutig ein solcher Mangel zu beobachten. Die Ursache der anfänglichen Angst ist somit der Mutter zuzuschreiben, weil diese die Geschichte des Sandmannes in die Welt gesetzt hat. Als Kleinkind bezieht Nathanael seine Orientierung von seinen Eltern und Momente der Unsicherheit erfordern besondere Zuwendung. Eine liebevolle Zuwendung würde dem Kind Sicherheit geben, sodass es sich mit seinen Ängsten angenommen fühlt. Stattdessen wird hier die Angst des Kindes nicht wahrgenommen.

3.2 In zweifelhafter Obhut der Amme

In der Erzählung E.T.A. Hoffmanns ist die Amme die nächste weibliche Figur, die in Berührung mit Nathanael kommt. In diesem Zusammenhang ist es sinnvoll, die Figur im historischen Kontext näher zu betrachten.

Die Anstellung als Amme war eine Aussicht für viele Frauen, die aus sozial minderbemittelten Schichten stammten. Besonders in Europa war das Ammenwesen sehr stark verbreitet. Es ermöglichte ihnen einen Ort, an dem sie akzeptiert wurden. Diese Frauen waren meist unverheiratet schwanger, verwitwet, arm oder teilweise aus dem Prostituiertenmilieu. Nur wenige „tugendhafte“ Ammen durften Anerkennung genießen. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich der soziale Status des Ammendienstes weiterhin nicht geändert. In vielen zeitgenössischen Schriften wird abwertend über Frauen geschrieben, die ihre Dienste als Amme anboten. Es ist anzumerken, dass diese Autoren das Ammenwesen aus unterschiedlichen Gründen grundlegend ablehnten.13

So schrieb der Mediziner Johann Friedrich Zückert über die Ammen, sie seien „liederliche, versoffene, gottlose, niederträchtige, und in allen Arten der Laster geübte Weibsbilder“14. Sie wären schwer oder gar nicht zu lenken und würden bei jeder Gelegenheit die armen Kinder anschnauzen, durch Stoßen, Schlagen, Werfen und andere Grausamkeiten misshandeln. Es wird ihnen zudem Unanständigkeit, Faulheit und Gewinnsucht vorgeworfen. Laut Zückert würde es ihnen an Mutterliebe fehlen, um die Kinder mit Fürsorge und Zuwendung zu umsorgen.15

Im historischen Kontext wird es nun verständlicher, aus welchem Grund E.T.A. Hoffmann möglicherweise sich dazu entschieden hat, die Amme aus „Der Sandmann“ folgendermaßen darzustellen.

Wie im vorigen Unterkapitel angemerkt, glaubt Nathanael nicht an seine Mutter und ist von der Existenz des Sandmannes überzeugt. Die Neugierde will ihn nicht in Ruhe lassen, da er auch verängstigt scheint. Aus diesem Grund wendet er sich an das Kindermädchen seiner jüngeren Schwester, welche die nächste Erwachsene in seinem direkten Umfeld ist.

Nathanael interessiert sich an der Person des Sandmannes und seine Beziehung zu Kindern. Durch die Sorge seiner Eltern hat er die Befürchtung, dass etwas Schlimmes passieren wird. Da Kinder in den jungen Jahren sehr ichbezogen sind, bezieht Nathanael auch das Unglück stark auf sich selbst.

Auf seine Frage antwortet die Amme daraufhin:

„Es ist ein böser Mann, der kommt zu den Kindern, wenn sie nicht zu Bett gehen wollen und wirft ihnen Händevoll Sand in die Augen, dass sie blutig zum Kopf herausspringen, die wirft er dann in den Sack und trägt sie in den Halbmond zur Atzung für seine Kinderchen; die sitzen dort im Nest und haben krumme Schnäbel, wie die Eulen, damit picken sie der unartigen Menschenkindlein Augen auf.“16

Bewusst entscheidet sich die Amme, die Gestalt des Sandmannes zu verzerren und es entsteht die grausame Version des Sandmannsmärchens. In den bekannten Grimm‘schen Märchen beispielsweise sind Bösewichte auf unheimliche Art und Weise präsent, doch der Fokus der Geschichten liegen meist auf der Vernichtung dieser, damit das Gute zu seinem Recht kommt.17 Im Sandmannsmärchen allerdings wird anhand bildlicher Beschreibungen der Sandmann als das personifizierte Böse dargestellt, indem er brutalen Mord an kleinen unartigen Kindern ausübt. Die Geschichte entwickelt sich zu einem fiktiven Warnmärchen und soll bei Nathanael ein bestimmtes Verhalten erzielen. Die Neugierde von kleinen Kindern dient eigentlich dazu, die Welt zu entdecken und seine Geheimnisse zu begreifen. Dies ist eine sehr wichtige Eigenschaft, um die kognitive Fähigkeit der Orientierung zu erlernen. Die Amme jedoch nutzt die Kinderangst als Erziehungsmittel und bestraft das Kleinkind für seine Neugierde. Nathanael fühlt sich in seiner Wahrnehmung somit bestätigt und bekommt die Erklärung, die sich mit seiner Befürchtung der magischen Denkweise entspringend, übereinstimmt.

[...]


1 Jentsch, E., Zur Psychologie des Unheimlichen. In: Psychiatrisch-neurologische Wochenschrift. 22, 1906, S. 203.

2 Burdorf/Fasbender, D., u.a. Hrsg., Metzler Lexikon Literatur. 3. Aufl. Stuttgart 2007, S. 666.

3 Vgl. Piaget, J., Meine Theorie der geistigen Entwicklung. Hrsg.: Reinhard Fatke. Band 142. Beltz 2003, S. 156f.

4 Vgl. Zitzlsperger, H., Was macht Märchen auch für Kinder geeignet?, in: Märchenkinder-Kindermärchen. Forschungsberichte aus der Welt der Märchen, Kreuzlingen/München 1999, S. 117.

5 Vgl. ebd.

6 Kleimann, M., Kindliche Entwicklung, Medienkompetenz und Funktionen der Mediennutzung, in: Medienlotsen gesucht. Interdisziplinäre Beiträge zur kriminologischen Forschung, Hannover 2010, S. 55.

7 Vgl. ebd., S. 128.

8 Hoffmann, E.T.A., Der Sandmann, S. 4.

9 Jentsch, E., Zur Psychologie des Unheimlichen, S. 196.

10 Hoffmann, E.T.A., Der Sandmann, S. 4f.

11 Vgl. Ellwanger, W., Die Zauberwelt unserer Kinder: Vom rechten Umgang mit magischen Gestalten und Vorstellungen, Freiburg 1980, S. 51.

12 Vgl. Kohut, H., The analysis of the self. a systematic approach to the psychoanalytic treatment of narcisstic personality disorders, New York 1971, S. 51f.

13 Vgl. Grob-Weinberger, E., Ammenmärchen? Ärztliche Stellungnahmen zum Ammenwesen im Zeitalter der Aufklärung. Zürcher medizingeschichtliche Abhandlungen, Zürich 1998, S. 18ff.

14 Zückert, J. F., Unterricht für rechtschaffene Eltern, zur diätischen Pflege ihrer Säuglinge. August Mylius, Berlin 1771, S. 66.

15 Vgl. ebd., S.72.

16 Hoffmann, E.T.A., Der Sandmann, S. 5.

17 Vgl. Solms, W., Was sind Kindermärchen?, in: Märchenkinder-Kindermärchen. Forschungsberichte aus der Welt der Märchen, Kreuzlingen/München 1999, S. 101.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung zum Wahnsinnigen im Einfluss der weiblichen Figuren in der Erzählung "Der Sandmann" von E.T.A. Hoffmann. Die unheilbringenden Frauen
Hochschule
Universität Kassel
Note
1,3
Autor
Jahr
2021
Seiten
21
Katalognummer
V1042212
ISBN (eBook)
9783346463197
ISBN (Buch)
9783346463203
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sandmann, Nathanael, Wahnsinn, Frauen, Figuren, Olympia, Puppe, Schauerromantik, Hoffmann
Arbeit zitieren
Esra Cibisoglu (Autor:in), 2021, Die Entwicklung zum Wahnsinnigen im Einfluss der weiblichen Figuren in der Erzählung "Der Sandmann" von E.T.A. Hoffmann. Die unheilbringenden Frauen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1042212

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Entwicklung zum Wahnsinnigen im Einfluss der weiblichen Figuren in der Erzählung "Der Sandmann" von E.T.A. Hoffmann. Die unheilbringenden Frauen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden