Auto(r)porträts in Michel Houellebecqs "La Carte et le Territore" und "Soumission"


Masterarbeit, 2017

101 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG
1.1 Fragestellung
1.2 Theoretische Grundlagen und Vorgehensweise fur die Auto(r)portrats
1.2.1 Definition des Thesenromans
1.2.2 Definition der Autofiktion
1.2.3 Vorgehensweise

2 HAUPTTEIL
2.1 Die Thesen bei Michel Houellebecq
2.1.1 Die kunstlerischen Thesen
2.1.2 Die gesellschaftspolitischen Thesen
2.2 Autorportrats: Thesen in La carte et le territoire und Soumission
2.2.1 La carte et le territoire
2.2.2 Soumission
2.3 Autoportrats: Autofiktion in La carte et le territoire und Soumission

3 SCHLUSSTEIL
3.1 Das zugrundeliegende Modell von Auto(r)portrats
3.2 Zusammenfassung der Ergebnisse
3.3 Kritische Wurdigung

LITERATURVERZEICHNIS

1 EiNLEiTUNG

Nachdem sich in den 1960er Jahren der Leitspruch „eines «Todes» des Autors“1 verbreitet hatte, tritt derzeit die gegenteilige Stromung „de replacer l’auteur au creur de notre interpreta- tion“2 starker in den Vordergrund. Aus dem Diskurs um das interesse am „Echten, Wahren und Authentischen“3 ist der franzosische Autor Michel Houellebecq4 nicht mehr wegzudenken, uber den die Meinung verbreitet ist, dass er sich im Hinblick auf die Festlegung seiner The- menstellungen wie „l‘hydre elle-meme“5 verhalt: „Travailler sur Michel Houellebecq, c’est [.] se voir immediatement contraint d’envisager la demultiplication des son sujet“6. Ganz im Sinne dieser Fokussierung auf den Autor ist festzustellen, dass der Leser7 im Rahmen einer Synopse des bisherigen Schaffens Michel Houellebecqs den Eindruck gewinnt, dass er ein belletristisches Universum betreten hat, in dem ostinate Motive philosophischer und literarischer interessen, kulinarischer Vorlieben8 und eines plakativen Alkohol9 - und Zigarettenkonsums10 die Grenzen zwischen Essayismus, romanesken Eingebungen und biographischen Komponenten11 verschwimmen lassen. Aus diesen Betrachtungen rund um den Autor ergibt sich das interesse anhand von Michel Houellebecqs La carte et le territoire und Soumission unter dem Titel der Auto(r)portrats zu erfragen, welche Bedeutung Autorschaft im Werk Houellebecqs zukommt.

1.1 Fragestellung

Nachdem der Roman La carte et le territoire, der in der Presse als „une plongee cinglante et jubilatoire dans le milieu de l'art contemporain, a l'ecart de la matiere inflammable a laquelle Michel Houellebecq avait habitue ses lecteurs“12 bezeichnet und zudem mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet wurde13, zeigte sich die Offentlichkeit nach dem Erscheinen von Soumission ge- genuber dem „enfant terrible“14 der franzosischen Literatur wieder zunehmend kritisch. so wurde Houellebecq in den schlagzeilen mit Aussagen wie: „Das Christentum ist Geschichte“15 belegt. Weiterhin meinten die offentlichen Medien zu wissen: „Auch in der Realitat ist Michel Houellebecq uberzeugt, dass der islam unsere Zukunft sein kann“16 beziehungsweise, dass in dem Roman Soumission nun sogar die Losung prasentiert werde, wie „das [...] abgewirtschaf- tete Abendland, das darniederliegende Frankreich, der dahinvegetierende westliche Mensch er- lost werden kann“17, denn: „Aber jetzt! Jetzt hat Houellebecq die ultimative Losung gefunden. und sie lag so nahe. Man musste nur die politische Landschaft in Frankreich [.] anschauen. und schon hatte [.] Frangois die Formel. Die Formel, die da lautet Konversion. unterwerfung unter den islam“18. Neben dieser medialen Auffassung ist ein geteiltes literaturwissenschaftli- ches Echo zu Soumission zu konstatieren. Zum einen lobt Bernard Maris diesen Roman als „une projection futuriste extraordinaire et credible“19 und „un pur chef d'reuvre houellebecquien“20. Zum anderen wurde der Roman seitens Agathe Novak-Lechevalier, welche in dem Roman ge- rade keine eindeutige Losung, sondern vielmehr eine unmoglichkeit fast jeglicher inhaltlicher Festlegung sieht, stark kritisiert: Soumission sei „un roman deliberement piege, qui [.] repose sur un processus constant de reversibilite“21. Die Auslegung des Romans liege im Dunkeln, wozu insbesondere die isolierte Positionierung des Titels22 und des Schlusssatzes „«Je n'aurais rien a regretter»“23 beitrugen. Es sei nicht klar, „qui parle ici“24 und ob, wie der Titel andeute, tatsachlich eine ,Unterwerfung‘ stattfinde.25 Aus der Tatsache, dass das letzte Kapitel des Ro­mans in der Moglichkeitsform geschrieben sei26, will Novak-Lechevalier folgern, dass der Er- zahler zwar nicht zum Islam konvertiere, aber „envisage la conversion et ses suites comme une (tentante) possibilite“27. In diesem Roman sei lediglich zu konstatieren: „Nul appui, nulle cloture n'offriront au lecteur la garantie d'un sens hors de portee d'une menace de reversibilite incessante“28. Insbesondere sei keine Ruckkehr des Christentums gegeben und der Roman sei keinesfalls ein Thesenroman.29 Einzig die Literatur werde in Soumission als Mittel des literari- schen Widerstandes gegen die religiose Bekehrung beschrieben.30 Wahrend die erstgenannte, mediale Ansicht in Frangois einen Protagonisten sieht, welcher nur einer von vielen „Frangois, Michels, Brunos seiner Romane ist, die stets Vexierbilder seiner selbst zeichneten“31 - hinter Frangois verberge sich also sein Schopfer Houellebecq - suspendiert Novak-Lechevalier den Protagonisten von Soumission, Frangois aus der Genealogie Houellebecqscher Protagonisten, welche Houellebecq mit Charakteren wie unter anderem Jed Martin in La carte et le territoire geschaffen habe: „Le roman de la trajectoire exceptionelle - celle de Michel Djerzinski, dans Les Particules, celle de Jed Martin, dans La Carte et le Territoire - semble appartenir au passe. Le narrateur de Soumission est [.] l'un des personnages les plus ternes des romans houelle- becqien“32. Weiterhin tragt Novak-Lechevalier vor, dass Frangois zwar aufgrund der Ahnlich- keiten mit Joris-Karl Huysmans33 und seiner Vorliebe fur Literatur und Geschlechtlichkeit eine identifikation mit dem Autor Houellebecq nahelege34, dass sich dieser Eindruck aber bloBer Schein erweise35, denn: „Ostentatoirement mis en scene, l’auteur, en realite s’absente“36. Mit dieser Verbannung sowohl des Autors aus dem Roman als auch des Protagonisten Frangois aus der Umlaufbahn der bisherigen Romanfiguren37 schlagt Novak-Lechevalier gegenuber bisheri- gen literaturwissenschaftlichen Sichtweisen houellebecqscher Romanprotagonisten eine neue Richtung ein. Dieser Richtungswechsel ergibt sich zum einen daraus, dass die Romanprotago- nisten bislang als Muster fur individuelle und gesellschaftliche Problemstellungen angesehen wurden: So heiBt es in Bezug auf Les particules elementaires bei Rita Schober38, dass es bei Houellebecq eine „Ebene der Gesellschaftsanalyse“39 gebe, auf welcher der Autor „die Lebens- laufe seiner Figuren [.] als typische Beispiele der «Wellenbewegung» der Zeitverhaltnisse“40 auffasse, wobei „auf Grund der daraus resultierenden Gesellschaftsdiagnose [.] die Frage nach dem Ausweg, dem Wohin beantwortet“41 werde und zwar mit einer „utopischen Vision“42, in der das individuum sowohl seine eigenen Lebensprobleme lose43, in der es aber auch darum gehe, einen Ausweg aus „dem unaufhaltsamen Niedergang der ganzen Gesellschaft“ zu ermit- teln.44 Diesen Ausweg oder die so genannte „metaphysische Wandlung“45, welche einen Um- bau der gesellschaftlichen Vision beinhalte, habe Houellebecq in Les particules elementaires anhand der Gentechnik ausgearbeitet, wobei die „Losung der anstehenden Menschheitsprob- leme“46 aber Utopie bleibe.47 Zum anderen liegt ein interpretativer Richtungswechsel darin, dass - anders als Novak-Lechevalier in puncto Frangois - bis dato Literaturwissenschaftler keine Bedenken hatten, den Autor Houellebecq selbst in dessen Romanwerk zu verorten.48 Zur Begrundung wurde die so genannte Autofiktion49 herangezogen, in deren Rahmen der Autor sich selber „erschreibt“50. Wenngleich Novak-Lechevalier erst in Bezug auf Francois in Soum- ission mit dieser ,Quasi-Tradition‘ bricht, stellt sich die Begrundung von Autofiktion bereits in La carte et le territoire als herausfordernd dar, denn bisher wurde Autofiktion in diesem Werk lediglich in Bezug auf die Figur des Houellebecq konstatiert51, wobei aber festgestellt wird, dass es Houellebecq um kunstlerische Werdegange gehe, „in denen sich seine eigenen theore- tischen Positionen spiegeln“52, so dass „autofiktionale strategien in den Dienst einer Kunstref- lexion gestellt werden“53. Andere stimmen auBern sich bezuglich der Autofiktion in La carte et le territoire ablehnend.54 somit zeigen sich nach dem Vorgeschilderten zwei Dimensionen, welche unter dem Oberbegriff Auto(r)portrats und der Figuren Jed Martin und Francois zu un- tersuchen sind. Die erste Dimension gestaltet sich dabei wie folgt: Die Hauptvorwurfe Novak- Lechevaliers betreffen neben dem Vorwurf der Flachheit von Francois die Fragen der mangeln- den Sinngebung von Soumission und des Herausfallens von Francois aus der Genealogie bis- heriger Protagonisten wie Jed Martin. Demgegenuber ist anderen stimmen klar, dass in Soum- ission der islam als Losung der aktuellen Probleme Frankreichs vorgeschlagen wird.55 Da der Autor Michel Houellebecq selbst behauptet, seine Protagonisten seien unideologisch: „Je ne crois pas que le positionnement ideologique des individus ait la moindre importance, c'est la chose la moins interessante dont on puisse parler dans la vie“56 und unpolitisch: „Les personnages ne parlent jamais politique“57, wohingegen Krause in Bezug auf Soumission genau das Gegenteil behauptet, namlich, dass die Protagonisten ideologische ,Losungen‘ propagieren, so wie in Soumission eine islamische Gesellschaftsordnung, stellt sich im Rahmen von Autor- portrats58 die Frage, wie mit dieser Kontroverse bezuglich der hier in Rede stehenden beiden Autoren Jed und Francois umzugehen ist. Die Aufklarung einer ideologischen Positionierung von Romanfiguren wird besonders eingehend durch die Frage beantwortet, ob ein bestimmtes literarisches Werk ein Thesenroman ist59, wobei es festzuhalten gilt, dass die Romane Houel­lebecqs bereits haufiger in die Nahe von Thesenromanen gestellt wurden.60 Die Beantwortung der Frage nach der Thesenhaftigkeit von La carte et le territoire und Soumission kann ferner erhellen, ob Michel Houellebecq thematisch tatsachlich eine Hydra61 ist und weiter, ob seine Protagonisten sich in Bezug auf ihre Genealogie ahneln oder ob sie tatsachlich nicht mehr mit- einander zu vergleichen sind, kurzum anhand der Gattungszuordnung wird es ermoglicht, die Autoren Jed und Francois zu portratieren. Dabei widerspricht die wahrgenommene Komplexitat von Houellebecqs Romanen keinesfalls der Moglichkeit eines Thesenromans.62 Vor dem Hintergrund zunehmender sozialer Konflikte und ideologischer Spannungen in Europa und Frankreich ist die Diskussion, ob hinter der Fassade des Kunstler- und und Literatenmilieus eines Houellebecq-Romans gesellschaftliche Thesen vertreten werden, zudem sehr naheliegend, da auch Houellebecq sich mit sozio-politischen Problemen befasst.63 SchlieBlich ergeben sich durch die Beantwortung der Frage nach einem Thesenroman Hinweise darauf, ob Houellebecqs Werke - wie es bei der Feststellung der Betonung pluralistischer Tendenzen der Fall ware - in Richtung einer Postmoderne a la Jean-Frangois Lyotard64 tendieren oder ob sie eher eine vereinheitlichende Tendenz aufweisen.65 Sollte das Werk ausschlieBlich rein kunst- lerischen Prinzipien gehorchen, so wie es Houellebecq teilweise nahelegt66, kommen weder ein Thesenroman noch das Minus zum Thesenroman, die engagierte Literatur67, in Betracht, son- dern nur ein L'art pour l‘art. Nachdem, wie erklart, unter Autorportrats die Figuren Jed und Frangois aus La carte et le territoire und Soumission unter dem Oberbegriff einer moglichen Thesenhaftigkeit portratiert werden, beispielsweise, um zu erforschen, ob eine gemeinsame Ge- nealogie vorliegt, betrifft die zweite Problemdimension unter dem Blickwinkel Autoportrats die Frage, ob La carte et le territoire und Soumission auBerdem unter den Begriff der Autofik- tion gefasst werden konnen.68 Gerade vor dem Hintergrund der Postmoderne und deren „Tendenz zur Gattungsentgrenzung“69 ist festzuhalten, dass das Verhaltnis von Gattungen zueinander kein ausschlieBliches darstellen muss70, sondern, dass es Textsorten geben kann, welche „die Merkmale unterschiedlicher Gattungen in sich vereinen“71. Fur die Moglichkeit eines gleichzeitigen Vorliegens von Thesenroman und Autofiktion spricht auch die Tatsache, dass es Sichtweisen gibt, welche die Autofiktion lediglich als Schreibweise ansehen.72 Nach alledem lasst sich die zweidimensionale Fragestellung der hiesigen Untersuchung, anhand derer die Autoren Jed Martin und Frangois portratiert werden, wie folgt formulieren: Handelt es sich bei den Autor(r)portrats Michel Houellebecqs in La carte et le territoire und Soumission um Thesenromane und liegt zugleich Autofiktion vor?73

1.2 Theoretische Grundlagen und Vorgehensweise fur die

Auto(r)portrats

Nach der Herausarbeitung der Fragestellung aus offentlich diskutierten Problemfeldern rund um die beiden zuletzt erschienenen Romane Houellebecqs sind im Folgenden zunachst die the- oretischen Grundlagen des Thesenromans und der Autofiktion zu unterbreiten, um sodann dar- zulegen wie bei der untersuchung vorzugehen ist.74

1.2.1 DEFiNiTioN DEs THEsENRoMANs

Eine eingehende untersuchung des Thesenromans findet sich bei susan suleiman75, welche eine Vielzahl denkbarer untersuchungsmerkmale erarbeitet hat, wobei sie feststellt: „Les gen­res romanesques sont objets trop complexes - et trop instables - pour qu'aucune approche les epuise completement; on doit se satisfaire d'une serie d'approximations successives“76. Trotz dieser Feststellung definiert suleiman, dass „un roman a these est un roman «realiste» (fonde sur une ethique du vraisemblable et de la representation) qui se signale au lecteur principale- ment comme porteur d'un enseignement, tendant a demontrer la verite d'une doctrine politique, philosophique, scientifique ou religieuse“77. AuBer, dass der Thesenroman narrativ sei, das heiBt, dass „il raconte une histoire“78, wobei die Geschichte „le vehicule d'un sens univoque“79 sein musse und dass er eine Verbindung mit dem Leser aufbaue, indem er diesem eine inter­pretation nahelege80 und zwar in dem sinne, dass der „narrateur invite son public a comprendre l'histoire, c'est a dire a l' interpreter81, funktioniere der Thesenroman zum Teil ahnlich wie ein „ exemplum “ in der Rhetorik82, welches drei Niveaus - „le niveau narratif, le niveau interpretatif, et le niveau pragmatique“83 aufweise:

L'histoire appelle necessairement une interpretation univoque, laquelle a son tour implique une regle d'action applicable (au moins virtuellement) a la vie reelle du lecteur. L‘interpretation et la regle d'action peuvent etre soit enonces par un narrateur qui «parle avec la voix de la Verite» (sic!) (qui fait figure d'autorite absolue), soit suppleees, d'apres des indices textuels et contextuels, par le lecteur84.

Genauer, so Suleiman, geht es um „les valeurs positives [.] et les valeurs negatives“85, wobei die fraglichen Werte unter anderem durch die im Thesenroman handelnden Figuren verkorpert werden konnen. Werte im Sinne des Thesenromans konnen entweder die Inhalte einer Doktrin sein oder aber auch nur ein Fingerzeig darauf „sur ce qu'il faut ou ce qu'il ne faut pas pour bien vivre“86, so dass dann eher eine „«sagesse commune»“87 gegeben ist. Die neben dem Vorliegen einer Geschichte fur einen Thesenroman geforderten zwei Merkmale der „interpretation univo- que“88 und der „regle d'action“89, wobei es bei letzterer nicht darum geht, dass der Leser eine Handlung vornimmt90, konnen sich aus verschiedenen Procederes ergeben, von denen das ein- deutigste in einem parteilichen Erzahler besteht: „L'exemple le plus clair se trouve dans les romans ou il y a un narrateur omniscient franchement tendacieux“91. Dieser musse sich als „representant d'un «supersysteme» ideologique qui hierachise les systemes partiels representes par les acteurs“ erweisen.92 Sei die Rolle der Erzahlstimme nicht eindeutig gegeben, so dass die Botschaft des Textes nicht „soit comprise sans ambiguite93, kann sich die eindeutige Lesart daraus ergeben, dass die Geschichte „est inscrite dans les redondances internes et dans le contexte intertextuel ou l'histoire s'insere“94. In Bezug auf die Untersuchung des „contexte in- tertextuel“95, den Suleiman zuerst beschreibt, beruft sie sich auf den „extrem offenen Intertex- tualitatsbegriff“96 von Julia Kristeva97 und fuhrt aus, dass es erforderlich sei, dass die Geschichte „«baigne» dans un contexte qui l'investit, en quelque sorte d'intentionalite. Or, ce contexe n'est rien qu'un autre texte (ou un ensemble d'autres textes) par rapport auquel le texte donne se revele comme variante, ou comme illustration - ou [.] qui est lisible «dans» le texte donne“98. Dieser intertext, so Suleiman, „peut etre de meme nature que le texte «affirmant» [.] ou de nature differente (par exemple, un texte non narratif [.])“99. Wie aber bei komple- xen Texten die intertextualitat zu untersuchen ist, erklart die Arbeit Suleimans nach hiesiger Auffassung nicht hinreichend, was sich daraus ergibt, dass der Versuch einer Erklarung anhand der Positionierung von Werbebotschaften in deren raumlichen Kontext100 nicht auf Romane zu ubertragen ist. Aufgrund der Verwendung des auch in der Literaturwissenschaft als zu offen angesehenen intertextualitatsbegriffes nach Kristeva101, welcher „nicht nur das geschriebene Wort, sondern alle kulturellen Phanomene als Text versteht“102 und der mangelnden ubertrag- barkeit der Beispiele Suleimans wird intertextualitat nunmehr im Rahmen der hiesigen Unter- suchung als „erkennbare Prasenz eines Textes in einem anderen, zum Beispiel in Form von erkennbaren ubernahmen als Zitat, Plagiat oder Anspielungen“103 verstanden, wobei dieses Verstandnis auf Gerard Genette zuruckgeht, welcher formuliert:

Heute [.] glaube ich funf Typen transtextueller Beziehungen unterscheiden zu konnen [.] Der erste wurde [.] von Julia Kristeva unter dem Begriff intertextualitat erforscht [.] in ihrer einfachsten und wortlichsten Form ist dies die Praxis des Zitats (unter Anfuhrungszeichen, mit oder ohne genaue Quel- lenangabe); in einer weniger expliziten Form die des Plagiats [.], das eine nicht deklarierte, aber im- mer noch wortliche Entlehnung darstellt; und in einer noch weniger expliziten und weniger wortlichen Form die der Anspielung, d.h. einer Aussage, deren volles Verstandnis das Erkennen einer Beziehung zwischen ihr und einer anderen voraussetzt, auf die sich diese oder jene Wendung des Textes bezieht104.

Nachdem somit einerseits der intertext relevant ist, kann sich eine eindeutige Lesart des Textes andererseits durch Prozesse der Mise en abyme ergeben105, in deren Rahmen, so Suleiman, haufig eine „histoire d'apprentissage“106 dargestellt wird.107 in dieser ergibt sich ein doktrinarer Lernprozess der Figur aus einem „supersysteme binare“108, in welchem sich der Protagonist bewegt und in dem es um die Gegenuberstellung ideologischer Gegebenheiten geht, die entwe- der eine „valorisation positive absolue“109 oder eine „valorisation negative absolue“110 erfah- ren.111 Hierbei sind insbesondere zwei bedeutsame Vorgehensweisen zu nennen, welche sich in eine „apprentissage exemplaire positif“112 und eine „apprentissage exemplaire negatif“113 unterteilen lassen.114 Ziel der positiven Lerngeschichte ist es, dass der Protagonist „evolue vers une position euphorique“115 und dass „le lecteur est incite a le suivre dans la bonne voie“116. Bei der „apprentissage exemplaire positif“117 kann der Protagonist sich entweder im Irrtum be- finden, das heiBt Anhanger der ,verkehrten‘ Doktrin sein oder er kann ausgehend vom Nicht- wissen handeln.118 Sodann muss er sich einer Prufung unterziehen: „Dans celle-ci, l'interpretant est mis devant une situation [.] qu'il doit comprendre et expliquer. Surmonter l'epreuve, ce n'est rien de plus [.] que de decouvrir le sens, donner la bonne interpretation“119. Zur richtigen Interpretation kann die Figur auf mehreren Wegen gelangen, beispielsweise dadurch, dass die Figur „decouvre la verite de la doctrine [.] en interpretant le malheur des autres comme etant la consequence des idees fausses qui regissent leur vie“120, was gleichbedeutend damit ist, dass die lernende Figur durch die „apprentissage exemplaire negatif“121 Dritter zur Ansicht im Sinne der Doktrin gelangt. Jedoch kann die Figur auch durch positiv besetzte Figuren bei der Auffin- dung der Doktrin Hilfe erfahren, wie zum Beispiel durch einen „pere spirituel“122. Diese Vater- figur ist selten der biologische Vater, sondern eine Figur „que le heros se choisit“123. Weiterhin kann es Figuren geben, welche die Entwicklung erleichtern oder die helfen, wobei eine solche Person auch der Suchende selbst sein kann, welcher selbst zur Erkenntnis der Doktrin ge- langt.124 Diese Prozesse konnen noch dadurch verstarkt werden, dass die Kategorien der ,positiven‘ und negativen‘ Vorbilder mehrfach besetzt werden.125 Insgesamt ist also der „heros exemplaire positif [.] celui qui sait interpreter correctement les histoires des autres et faire repercuter son interpretation sur sa propre vie“126. Eine Bekraftigung der theoretischen Bot- schaft erfolge haufig dadurch, dass der Protagonist resumiert: „«il comprit enfin que ou «il savait maintenant que p», ou [.] p est la verite decouverte par le heros“127. Auch in Fallen, in denen er diese Formel nicht ausspricht, kann ein Thesenroman vorliegen.128 Wenn der Prota­gonist „ne dit pas qu'il deviendra communiste“129, aber „tout ce qui precede laisse entendre cette conclusion“130, kommt es darauf an, dass der Protagonist „aboutisse a une connaissance authentique selon le supersysteme ideologique de l’reuvre“131. Letzteres ist dann der Fall, wenn der Protagonist „trouve «sa propre essence»“132 oder wenn: „L'adhesion a la doctrine garantit l'authenticite de l'etre, et l'etre est defini essentiellement en fonction de l'adhesion a la doct- rine“133. Weiterhin ist es allein die Doktrin, die es ermoglicht, dass der Protagonist nunmehr ein neues Leben „qui est ici une «vie selon la verite»“134 fuhrt, beziehungsweise, dass dieses als eine Art „«nouvelle naissance»“135 in Aussicht gestellt wird.136 Demgegenuber beinhaltet die „apprentissage exemplaire negatif“137 die gegenteilige Entwicklung des Protagonisten, denn la ou le heros reussit, le protagoniste exemplaire negatif echoue: l'un aboutit a l'espace euphorique de la «bonne» doctrine, l'autre pas; l'un vivra une «vie selon la verite, l'autre pas [.] Le protagoniste negatif [.] fonctionne comme ilote: son histoire avertit le lecteur de ce qu'il ne faut pas faire ou de ce qu'il ne faut pas etre.138

Wenngleich der ,negative‘ Protagonist einen Weg geht, der falsch ist, glaubt er sich demgegen- uber in einer positiven Entwicklung befindlich:

Ce type de protagoniste correspond point par point, mais sur un mode negatif, au type de protagoniste exemplaire positif [.]: il regle sa vie d'apres des principes politiques ou ideologiques, il finit par pos- seder ce qu'il croit etre la «bonne» doctrine et il definit son etre en termes de cette doctrine; c'est le contexte seul qui lui attribue une valeur negative139.

Ferner gilt fur die negative Lerngeschichte:

L'apprentissage exemplaire negatif consiste avant tout en une faillite de la faculte interpretaive - en un mot, de l'intelligence [.] plus precisement en la degradation d'une intelligence reelle par des forces opposantes qui tiennent a la fois de circonstances exterieures et de sa propre volonte [.] Cela suggere que l'opposant dans une histoire d'apprentissage negatif ne se reduit pas a quelque chose d'exterieur [.] il est aussi interne140.

Weiterhin muss fur die negative Lerngeschichte anders als es bei der positiven „au moins theoriquement, une «conversion» du protagoniste manifestee par sa decouverte soudaine de la «bonne doctrine»“141 vorliegen.142 Dabei gilt: „Tout apprentissage exemplaire negatif a au moins potentiellement la possibilite d'etre suivi d'un apprentissage exemplaire positif“143. Je- doch muss es nicht zu einer Umkehr des Protagonisten kommen, das heiBt es gibt die Moglich- keit „qu'un apprentissage exemplaire negatif ne soit suivi d'aucune conversion [.] L'histoire sera alors celle de la persistance dans l'erreur, ou celle du refus de reconnaissance de la verite“144. Bei einer „apprentissage exemplaire positif“145 kann, da der Protagonist die verkehrte Doktrin nicht immer erkennt, beispielsweise die Erzahlstimme die Inadaquanz der Doktrin auf- zeigen.146 Insbesondere kann die Negativdeutung der positiv geglaubten, aber eigentlich schlechten Doktrin in einem „reuvre entierement ironique dont le protagoniste devient de plus en plus negatif et se pense de plus en plus d'une maniere positive“147 gegeben sein.148 Zum Teil geschieht diese Umdeutung aber auch dadurch, dass im Rahmen eines „epreuve d'interpreta- tion“149 sichtbar ist „que le protagoniste exemplaire positif s'oppose au protagoniste exemplaire negatif comme la bonne interpretation s'oppose a la mauvaise“150.

1.2.2 DEFINITION DER AUTOFIKTION

Aufgrund der bestehenden Definitions-Vielfalt des Begriffes Autofiktion wird nachfolgend anhand der Unterscheidung in enge und weite Sichtweisen151 ein Uberblick uber die Autofiktion gegeben, der fur die Behandlung der hiesigen Frage der Autoportrats wesentliche Sichtweisen abdeckt.152 Nach lexikalischer Definition ist die Autofiktion ein Text, in dem eine Figur, die eindeutig als Autor erkennbar ist (durch den gleichen Namen oder eine unverkennbare Ableitung davon, durch Lebensdaten oder die Erwahnung vorheriger Werke), in einer offensichtlich (durch paratextuelle Gattungszuordnung oder fiktionsspezifische Erzahlweisen) als fiktional gekennzeichneten Erzahlung auftritt.153

Jedoch sind die Einzelheiten der in dieser Definition genannten Merkmale umstritten, so dass mit dem „Wortschopfer“154 der Autofiktion Serge Doubrovsky155 konstatiert werden kann, dass die Reichweite der „palette autofictionelle est variee“156. Doubrovsky beschrieb die Autofiktion erstmals im Jahr 1977 auf dem Einband seines Romans Fils, wo es hieB: „Autobiographie? Non. C'est un privilege reserve aux importants de ce monde [.] Fiction d'evenements et de faits strictement reels; si l'on veut autofiction“157. In der Folge wurde diese Definition zwecks Abgrenzung von deren zahlreichen Abbildern, mit immer neuen Erklarungen und Zusatzen ver- sehen.158 Eine Zusammenstellung aller so entstandenen Merkmale des Autofiktions-Begriffs Doubrovskys findet sich bei Gasparini, der aus zahlreichen Einlassungen Doubrovskys heraus- gearbeitet hat, dass Doubrovsky insgesamt zehn Merkmale fur das Vorliegen von Autofiktion fordert, wie zum Beispiel l'identite onomastique de l'auteur et du heros-narrateur [.], le sous-titre «roman»[.] le primat du recit [.] la recherche d‘une forme originale [.] une „une ecriture visant la «verbalisation immediate» [.] un large emploi du present du narration [.] un engagement a ne relater que des «faits et evenements strictement reels [.] la pulsion de se reveler dans sa verite159.

Eine andere, ebenfalls restriktive Definition der Autofiktion unterbreitet Marie Darieussecq160, die zur Autofiktion ausfuhrt, dass diese „une pratique [.] a la premiere personne d'un auteur- narrateur et sous son nom, avec des effets d'invraisemblance affiches, visant justement a souligner ce qu'est un texte, y compris un texte autobiographique, en regard de l'experience vecue“161 sei. Eine weite Lesart prasentiert Vincent colonna, dem es weniger darum geht, „des nomenclatures homogenes et faussement exhaustives“162, als vielmehr „de nouvelles strategies de lecture“163 zu ermoglichen. colonna stellt insgesamt vier Auspragungen der Autofiktion vor164, von denen an dieser Stelle besonders die erste und die vierte Moglichkeit darzustellen sind165: Die erste Moglichkeit, die so genannte „autofiction fantastique“166 definiert colonna wie folgt:

L'ecrivain est au centre du texte comme dans l'autobiographie (c'est le heros), mais il transfigure son existence et son identite, dans une histoire irreelle, indifferente a la vraisemblance. Le double projete devient un personnage hors norme, un pur heros de fiction dont il ne viendrait a personne l'idee d'en tirer une image de l'auteur. A la difference de la posture biographique, celle-ci ne se limite pas a ac- comoder l'existence, elle l'invente: l'ecart entre la vie et l'ecrit est irreductible, la confusion impossible, la fiction de soi totale167.

Nachdem also der Autor im Text auftritt, gilt weiterhin, dass dem Leser deutlich sein muss, dass die Geschichte sich als ein irrealis darstellen muss168, wobei dieses auf vielerlei Weise effektuiert werden kann: „Les fagons de montrer au lecteur le caractere invraisemblable d'une histoire sont innombrables, tant il existe d'elements isoles ou associables pour amorcer un sentiment d'irrealite“169. Als Beispiele fuhrt Colonna eine „chosification de l'auteur“170 an, welche einen „processus de reification artistique, par lequel l'ecrivain n'est plus seulement une personne mais aussi objet esthetique“171 nach sich zieht.172 Weiterhin kann es sich bei der Be- schreibung um eine „vision mystique“173 handeln, wie beispielsweise bei einer „voyage dans l'Au-dela“174. Eine weitere Form, um das Fantastische zu verdeutlichen, sei weiterhin: „L e recit de reve175 und ausserdem das Tragische wie beispielsweise der Tod des „double heroique de l'ecrivain“176, „le grotesque“177 und „un registre [.] contre-factuel“178. Nachdem deutlich wurde, wie das Fiktive in der Definition der „autofiction fantastique“ Colonnas zu bestimmen ist, ist des Weiteren zu fragen, wie die Frage der Namensahnlichkeit im Sinne der „l'identite onomastique de l'auteur et du heros-narrateur“179 bei Colonna behandelt wird. Hierzu fuhrt Gasparini aus, dass Colonna dieses Kriterium weitestgehend fallen lasst, denn: „Colonna indique [.] simplement que le nom du heros doit s'imposer comme «derive indiscutable» de celui de l'auteur“180, was sich durch einige Beispiele Colonnas bestatigen lasst.181 Eine weitere Variante der Autofiktion findet sich bei Colonna unter dem Begriff der „autofiction intrusive“182, welche nur unter Aufgabe des Diktums der „frontiere absolue entre l'auteur et le narrateur“183 Geltung erlangen kann. Innerhalb dieser „transformation de l'ecrivain“184 gelte, dass sie „n'a pas lieu par le truchement d'un personnage, son interprete n'appartient pas a l'intrigue proprement dite. L'avatar de l'ecrivain est un recitant, un raconteur ou un commentateur, bref un «narrateur-auteur» en marge de l'intrigue“185. Weiter heiBt es dass „cette posture [.] suppose un roman «a la troisieme personne», avec un enonciateur exterieur au sujet“186. Die „autofiction intrusive“187 kann so ausgestaltet sein, dass „le narrateur harangue son lecteur, se porte caution des faits relates ou les contredit, raccorde deux episodes ou s'egare dans une digression; portant a l'existence une «voix» solitaire et sans corps, parallele a l'histo- ire“188. Beispielsweise konne sich dabei der Autor im Wege der Apostrophe zeigen, er zogere nicht die Lekture zu beeinflussen, zu urteilen189, kurzum er „met en reuvre une strategie de contact avec son public, theorise la veracite de son roman“190, so dass die „verite romanesque devient celle du creur [.] une justesse verifiable par empathie“191. Weitere Auspragungen die- ser Strategie seien dann gegeben, wenn der Autor „se montre [.] en communication avec des personnages [.] imaginaires“192 oder wenn Ironie zu konstatieren ist, so dass der Autor sich als „moraliste et philosophe“193 zeigt. Dadurch sei es gleichzeitig moglich, dass das Werk „en- globe et surpasse [.] le createur, mais [.] elle lui permet d'atteindre par delegation un statut inaccessible“194. Ferner sei es nicht ungewohnlich, dass der Autor „rapelle souvent dans ses commentaires, prefaces ou dedicaces, que les propos de ses personnages n'engagent qu'eux- memes, pas la responsabilite de l'ecrivain“195, wobei es bei beispielsweise Balzac196 aber nie eine solche Behauptung in Bezug auf dessen Erzahler gegeben habe.197 SchlieBlich, so Colonna, sei zu fordern, dass man die Strategie der „autofiction intrusive“198 nur dann als Autofiktion bezeichnen konne, wenn „l'intervention est systematique“199.

1.2.3 VORGEHENSWEISE

Nachdem Thesenroman und Autofiktion definiert wurden, stellt sich die Frage, wie erarbeitet werden kann, ob das Vorliegen von Thesenromanen und Autofiktion vorliegend zu bejahen ist, so dass sich daraus Auto(r)portrats ergeben? Hierzu ist zunachst vorab festzustellen, dass be- reits zwei Merkmale des Thesenromans bereits vorab konstatierbar sind: Sowohl La carte et le territoire als auch Soumission erfullen das erste Merkmal der Definition suleimans „roman «realiste»“200, das darin besteht, dass eine erdachte Geschichte erzahlt wird201: in Soumission werden zum einen einige Episoden aus dem Leben des Literaturprofessors Francois, welche sich bis auf wenige Analepsen vor der Prasidentschaftswahl in Frankreich im Jahr 2022 abspie- len, dargestellt, was bereits zeigt, dass die Geschichte uber diesen Autor fiktiv ist. Zum anderen wird uber die Kunstlerkarriere Jed Martins berichtet, welche sich unter Durchbrechung der Handlungschronologie durch einige Vor- und Ruckblenden „en ces annees 2010“202 entwickelt, wobei sich auch diese Geschichte, wenn sie auch einige Biographeme, wie zum Beispiel den Houellebecq-Parka203 enthalt, nicht im Ganzen an der Realitat messen lassen kann. Des Weite- ren setzt ein Thesenroman voraus, dass dieser dem Leser interpretationssignale gibt.204 Hierzu ist festzustellen, dass die hier in Rede stehenden Texte mustergultig fur eine interpretationsauf- forderung sind: Zum einen ist in Bezug auf Soumission festzustellen, dass haufig eine Verwi- schung des homodiegetischen und heterodiegetischen Erzahlmodus205 erfolgt, was sich daraus ergibt, dass die Rede von der ersten Person Singular des Francois in einen durch die dritte Per­son singular objektiv klingenden Bewusstseinsbericht206 ubergeht, in dem zusatzlich Leser- Apostrophen erfolgen, aus denen sich eine Aufforderung zur interpretation ergibt. Eine solche Textstelle findet sich bereits am Anfang von Soumission, wo zunachst unter Ansprache des Lesers, wie sich an der apostrophenartigen Verwendung des „vous“207 zeigt, darauf hingewie- sen wird, dass der Leser eine neue Weltsicht erlangen kann, ebenso wie der Autor ein Gesprach mit einem unbekannten Leser fuhren kann:

Autant que la litterature [.] la peinture peut generer [.] un regard neuf porte sur le monde [.] seule la litterature peut vous donner cette sensation de contact avec un autre esprit humain, avec [.] ses croyances; avec tout qui [.] l'excite ou lui repugne [.] Seule la litterature peut vous permettre d'entrer [.] dans une conversation [.] s'adressant a un destinataire inconnu208.

In La carte et le territoire finden sich schon in dessen Verlauf zahlreiche Interpretationssig- nale209 sowie am Ende des Romans deutlicher Fingerzeig, mittels dessen auf eine Interpretation des Textes hingewiesen wird.210 Nachdem die ersten zwei Merkmale eines Thesenromans be- reits vorab eruiert wurden, ist im Rahmen der Vorgehensweise der Tatsache Rechnung zu tra- gen, dass das Auffinden einer einheitlichen Interpretation und einer Handlungsregel, die „s'im- posent d'elles memes“211 dadurch erschwert wird, dass die Romane schon aufgrund der Nen- nung unzahliger GeistesgroBen212 oder Andeutungen zum Beispiel in Richtung Okonomie213, viele Anknupfungspunkte bieten, eine stringente Deutung zu konterkarieren. Dieser Eindruck wird noch dadurch unterstrichen, dass insbesondere La carte et le territoire in der Literaturwis- senschaft zahlreiche Deutungen evoziert hat, die von einer Kapitalismus- bis hin zur Medien- kritik reichen.214 Auch bezuglich Soumission sind sehr unterschiedliche Interpretationen vorzufinden215 und zusatzlich zeigt sich, dass die Einschatzungen der Erzahlstimme des Francois haufig zweifelhaft sind216, so dass eine Vorgehensweise zu wahlen ist, die diesen Un- sicherheiten Rechnung tragt. Wie bei der Definition des Thesenromans aufgezeigt, ist in Fallen, in denen eine Interpretation nicht auf der Hand liegt, auf eine Auslegung mithilfe des Intertextes und der Mise en abyme abzustellen217. Trotz der haufigen Angaben, dass er stets politisch mei- nungsneutral sei, lanciert Houellebecq die Einbeziehung seiner Stellungnahmen im Intertext, genauer im so genannten Epitext218, insbesondere in Essays219 und in Interviews220. Da Houel­lebecq selbst keine wissenschaftlich exakten Definitionen seiner Grundlegungen abgibt und bei der Festlegung von Begrifflichkeiten auch nicht strikt einem Autor folgt221, werden die von Houellebecq im Epitext genannten theoretischen Versatzstucke bei der Darstellung der Inter- textualitat notigenfalls theoretisch beleuchtet. Insbesondere werden die noch darzulegenden Begrifflichkeiten wie Individualismus222 und Dekadenz223 als Ausgangspunkte von Houellebecqs Gesellschaftstheorie weiter erhellt. Nach der theoretischen Verdeutlichung von Houellebecqs Doktrin wird die Bezugnahme auf den Intertext in den Romanen und sodann das Auftreten der Mise en abyme in beiden Romanen untersucht. Nachdem anhand von Intertext und Mise en abyme die Frage beantwortet wurde, ob die Autorportrats in beiden Romanen letztlich zum Thesenroman fuhren, wird die Frage der Autoportrats unter dem Gesichtspunkt der Autofiktion gestellt. Dabei ist, ebenso wie bei den Autorportrats, keine vorschnelle Etiket- tierung moglich. So finden sich in den Texten zwar zum Teil biographisch zutreffende Gege- benheiten, so wie die der Internatserziehung224, aber andererseits expliziert Jed Martin: „Jamais non plus il n'avait envisage de realiser d'autoportrait, jamais il ne s'etait considere [...] comme un sujet artistique valable“225 und auch Francois fuhrt an, dass er weder den Wunsch noch die Fahigkeit habe, psychoanalytische Dimensionen seines Lebens zu ergrunden226, so dass fraglich ist, ob Autofiktion bei einer ablehnenden Haltung der Figuren moglich ist. Da hier - unabhangig von weiteren problematischen Faktoren227 - keine Begebenheiten aus dem Leben des Autors in Rede stehen, wie es zum Beispiel von Doubrovsky gefordert wird228, sondern moglicherweise eine Doktrin oder „«sagesse commune»“229, ist die Beantwortung der Frage nach der Autofik- tion und den Autoportrats erst moglich, nachdem geklart wurde, wie die ideologische Reise von Jed und Francois beschaffen ist. Nachdem im Rahmen von Autorportrats die Darstellung der Autoren im Rahmen der Uberprufung eines Thesenromans erfolgt und die Autoportrats durch die Frage der Autofiktion gezeichnet werden, erfolgen abschlieBend eine Zusammenfasssung der Ergebnisse und eine kritische Wurdigung.

2 HAUPTTEIL

Nachdem deutlich wurde, welche Fragen die vorliegende Arbeit stellt, erfolgt im Hauptteil der Untersuchung zunachst die Darstellung von Houellebecqs Doktrin, an der die Autorportrats gemessen werden.

2.1 Die Thesen bei Michel Houellebecq

Obwohl Houellebecq offenbar in Bezug auf MeinungsauBerungen neuerdings zuruckhaltend ist, da er weiB: „Moi, depuis Plateforme, quoi que j'ecrive, je sais que je vais avoir des emmer- dements“230, auBert er sich im hier konsultierten intertext zu seinen Thesen und stellt diese Thesen auch im Wege der Wiederveroffentlichung alterer Texte ersichtlich in den Fokus der Wissenschaft.231 Dabei wird deutlich, dass ein „systeme de valeurs inambigu (dualiste)“232 etabliert wird „ou l'on sait toujours distinguer le vrai du faux et le bien du mal, que l'on peut affirmer, fut-ce implicitement, la necessite de suivre une voie et d'en eviter une autre“233.

2.1.1 Die kunstlerischen Thesen

Ein Teilbereich des intertextes, der aufgrund seines philosophischen inhalts Gegenstand eines Thesenromans sein kann234, ist Houellebecqs Verstandnis der Kunstwelt, das sich an den Phi- losophen Arthur schopenhauer235 anlehnt. Dieses Kunstverstandnis stellt Houellebecq in einer von ihm kommentierten ubersetzung diverser Textpassagen aus schopenhauers Die Welt als Wille und Vorstellung dar, in der sich ubersetzung und eigener Textkommentar Houellebecqs gegenuberstehen236 und anhand derer sich zeigt, dass schopenhauers Kunst- und Kunstlerbild von Houellebecq adaptiert wird, so wie auch Novak-Lechevalier es fur zutreffend halt:

C'est tout un exercice de pensee qui transparait dans cet exercice intensement personnel (tout ici parait singulierement houellebecquien [...]) et que l'on devine deja porteur d'autres horizons: ce n'est sans doute pas un hasard si En presence de Schopenhauer precede de peu La Carte et le terrioire 237 .

Gleich zu Beginn von En presence de Schopenhauer hat Houellebecq Textpassagen aus Die Welt als Wille und Vorstellung zum Konzept der Kontemplation238 ubersetzt:

Quand, anime par la puissance de l'esprit [...], on laisse sa conscience entiere se remplir de la con­templation paisible d'un objet naturel directement present que ce soit un paysage, un arbre, un rocher ou tout autre objet, apartir du moment [...] ou l‘on se perd entierement dans cet objet [...] on perd sa volonte 239 .

Diese Ubersetzung der Originalpassagen Schopenhauers kommentiert Houellebecq wie folgt: „Cette description de la contemplation limpide - a l'origine de tout art - est elle meme si lim- pide qu'on aurait tendance a oublier son caractere [.] novateur. Avant Schopenhauer, on vo- yait avant tout l'artiste comme quelqu'un qui fabriquait des choses“240. Entgegen dieser Auf- fassung von Kunst als Arbeit, aufgrund derer auch Romanautoren als „ story tellers241 angese- hen wurden und es dazu komme, dass „les artistes contemporains [.] parlent de leur travail“242 stelle sich, so Houellebecq, das kunstlerische Schaffen aufgrund einer inneren Anlage von selbst ein, so dass ein wahrer Kunstler abwarten konne, bis sich das Tatigwerden ergibt:

Mais le point [.] generateur de toute creation est au fond bien different; il consiste dans une disposition innee - et, par la meme pas enseignable [.] L'artiste est toujours quelqu'un qui pourrait aussi bien ne rien faire, se satisfaire de l'immersion dans le monde, et d'une vague reverie associe“243.

Die wahrhaftige kunstlerische Tatigkeit ergibt sich fur Houellebecq aus dem „primat de l'intu- ition“244, wie die nachfolgende von Houellebecq gefertigte Ubersetzung aus Die Welt als Wille und Vorstellung zeigt:

[...]


1 Burdorf, Dieter/Fasbender, christoph, Moenninghoff, Burkhard (Hrsg.) 2007: Metzler Lexikon Literatur. Begriffe und Definitionen, Begrundet von: Schweikle, Gunther und Schweikle, irmgard, Stuttgart, Weimar: J.B. Metzler: 61.

2 Baroni, Raphael/Estier, Samuel 2017: „Les «voix» de Michel Houellebecq - Presentation^ Zugriff: http://www.fabula.org/colloques/document4413.php (01.12.2017).

3 Pottbeckers, Jorg 2015: „Autor-Anti-Helden, Literarische inszenierungspraktiken zwischen Autofiktion und Parodie bei Bret Easton Ellis, Michel Houellebecq und Thomas Glavinic“ in: Standke, Jan (Hrsg.): Die Romane Thomas Glavinics, Literaturwissenschaftliche und deutschdidaktische Perspektiven. Frankfurt a.M .: Peter Lang: 121-138, hier: 121).

4 Michel Houellebecq wurde 26.02.1958 als Michel Thomas auf La Reunion geboren (vgl. Arnold, Heinz Ludwig (Hrsg.) 2009: Kindlers Literatur-Lexikon (7). Stuttgart: Metzler: 683. Bei Demonpion wird behauptet, dass Houellebecq sein Geburtsdatum verandert habe und dass das eigentliche Geburtsjahr 1956 sei (vgl. Demonpion, Denis 2005: Houellebecq, non autorise, enquete sur un phenomene. Paris: Maren Sell: 28). Michel Houellebecq studierte zunachst Landwirtschaftstechnik und gab seit den 1980er Jahren Lyrikheraus. Sein Erfolg stellte sich erst mit seinem Romanwerk ein, zu dem noch Les particules elementaires (1999), Plateforme (2000) sowie La possibility d'une ile (2005) gehoren (vgl. Arnold 2009 (7): 683-686).

5 Novak-Lechevalier, Agathe 2017 (a): „Profil d’une constellation“ in: Novak-Lechevalier, Agathe (Hrsg.): L'Herne Houellebecq, Paris: Editions de l’Herne: 11-16, hier: 12.

6 Ebd.

7 Um den Lesefluss nicht zu beeintrachtigen wird hier und im Folgenden nur die mannliche Form genannt, stets ist aber die weibliche Form mitgemeint.

8 im Hinblick auf seine philosophischen interessen weist Houellebecq darauf hin, dass er in eine Konversation mit verschiedenen Autoren eingetreten sei. (vgl. Houellebecq, Michel/Novak-Lechevalier, Agathe 2017: „confessions d’un enfant de siecle. Entretien avec Agathe Novak-Lechevalier“ in: Novak-Lechevalier, Agathe (Hrsg.): L'Herne Houellebecq: 334-342, hier: 336). Zu den literarischen interessen, vgl. Houellebecq, Michel 2009: „J’ai lu toute ma vie“, in: Interventions 2, traces, Paris: Flammarion: 267-273. Siehe beispielhaft zu den haufig praferierten Mikrowellengerichten: Houellebecq, Michel 2015: Soumission, Paris: Flammarion : 127.

9 Auf den Alkoholkonsum verweisen bei Houellebecq diverse Textstellen (vgl. Houellebecq, Michel 1991: Rester vivant, et autres textes, Paris: Librio: 20, Soumission: 11)

10 Auf das ,Spiel‘ mit dem Zigarettenkonsum wird unter anderem in La carte et le territoire hingewiesen (Houellebecq, Michel 2010: La carte et le territoire, Paris: Flammarion: 140).

11 Vgl. Weiser, Jutta 2013: „Der Autor im Kulturbetrieb: literarisches Self-Fashioning“ in: Zeitschrift fur franzosische Sprache und Literatur (123,3): 228-250, hier: 238, welche dahingehend formuliert, dass Michel Houellebecq dafur bekannt sei, dass seine charaktere stets Ahnlichkeiten mit dem Habitus hatten, den der Autor selbst bei offentlichen Auftritten an den Tag lege.

12 Grondin, Anaelle/Laurent, Annabelle 2015: „Avec «Soumission» [sic!], Houellebecq, l'ecrivain polemique fait son retour“. Zugriff: http://www.20minutes.fr/culture/1510111-20150105-soumission-houellebecq-ecrivain-polemique-fait-retour (02.12.2017).

13 Artikel in: Le Figaro Culture 2010: „Michel Houellebecq remporte le Goncourt“. Zugriff: http://www.lefigaro.fr/livres/2010/11/08/03005-20101108ARTFiG00497-michel-houellebecq-remporte-le-prix- goncourt.php (02.12.2017).

14 Artikel in: Welt N24 2015: „Michel Houellebecqs spiel mit der Angst“. Zugriff: https://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/boulevard_nt/article136067088/Michel-Houellebecqs-spiel-mit-der- Angst.html (02.12.2017).

15 Artikel in: Der Stern 2015: „Das Christentum ist Geschichte“. Zugriff: http://www.stern.de/kultur/buecher/houellebecq- bei-aspekte---das-christentum-ist-geschichte--3455960.html (02.12.2017).

16 Ebd.

17 Krause, Tilman 2015: „2022 darf Frankreich endlich sein Gehirn abgeben“, Zugriff https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article136202132/2022-darf-Frankreich-endlich-sein-Gehirn-abgeben.html (02.12.2017).

18 Ebd.

19 Maris, Bernard 2017. „La conversion de Michel“ in: Novak-Lechevalier, Agathe (Hrsg.): L'Herne Houellebecq, Paris, Editions de l'Herne: 156.

20 Ebd.

21 Novak-Lechevalier, Agathe 2017 (b): „ Soumission, la litterature comme resistance“ in: Novak-Lechevalier, Agathe (Hrsg.): L'Herne Houellebecq, Paris: Editions de l'Herne: 154f., hier: 154.

22 Vgl. ebd.

23 Ebd. Alle Ubersetzungen, auch solche im Wege einer zusammenfassenden Wiedergabe sind solche der Verfasserin.

24 Novak-Lechevalier 2017 (b): 154.

25 Vgl. ebd.

26 Vgl. ebd.

27 Ebd.

28 Ebd.

29 Vgl. ebd. Die mangelnde Ruckkehr des Christentums ergebe sich daraus, dass die „vierge noire de Rocamadour [.] s'eloigne [.] inexorablement dans les limbes d'un passe a jamais revolu“ (ebd.).

30 Vgl. ebd.

31 Krause 2015.

32 Novak-Lechevalier 2017 (b): 154.

33 Joris-Karl Huysmans lebte von1848 bis 1907. Er war Angestellter des franzosischen Innenministeriums. Huysmans verlieB Paris bis auf einige Reisen und Klosteraufenthalte nicht. Er widmete sich ab 1880 „erzahlender supranationalistischer Prosa mit Dekadenzthematik“ (vgl. vgl. Arnold 2009 (7): 807; ebd.). 1892 trat Huysmans zum Katholizismus uber (vgl. ebd.). Der Roman A rebours, der 1929 erschien, gilt als die „»Bibel der Dekadenz«“ (Harenberg, Bodo (Hrsg.) 2000: Harenberg Literaturlexikon: Autoren, Werke und Epochen. Gattungen und Begriffe von A-Z, Dortmund: Harenberg Lexikon Verlag: 501, vgl. ebd.). In der Trilogie aus La cathedrale von 1923, En route von 1895 und L'oblat von 1903 wird die „katholische Schaffensperiode Huysmans markiert“ (Arnold 2009 (7): 808, vgl. ebd).

34 Vgl. Novak-Lechevalier 2017 (b): 154.

35 Vgl. ebd.

36 Ebd.: 155.

37 Vgl. ebd.: 154.

38 Schober, Rita 2003: Auf dem Prufstand. Zola-Houellebecq-Klemperer, Berlin: Walter Frey: 170.

39 Ebd.: 170.

40 Ebd.

41 Ebd.

42 Ebd.

43 Vgl. ebd.

44 Ebd.: 271, vgl. ebd.

45 Ebd.: 181.

46 Ebd.: 182.

47 Vgl. ebd. Ahnlich formuliert auch Proll, welche - ebenfalls in Bezug auf Les Particules elementaires - nahelegt, dass es Houellebecq darum geht, „einen Reflexionsprozess daruber in Gang zu setzen, wie fur den Menschen adaquatere Lebens- bedingungen geschaffen werden konnen (vgl. Proll, Julia 2007: Das Menschenbild im Werk Michel Houellebecqs Die Moglichkeit existenzorientierten Schreibens nach Sartre und Camus, Munchen: Martin Heidenbauer: 103).

48 Zu den Romanen von Extension du domaine de la lutte aus dem Jahr 1994 bis zu Plateforme fuhrt Schober 2003: 281f. aus, dass die Protagonisten den Namen Michel tragen und dass Autofiktion vorliege (vgl. ebd.: 281). Dieses gebe Houellebecq ihm die Moglichkeit in ein Spiel mit der eigenen und der fremden identitat einzutreten (vgl. ebd.). Auch Proll verortet Houellebecq in semen ,alteren‘ Romanen (vgl. Proll 2007: 534). Jedoch verlasse Houellebecq nachdem der Schreibprozess mithilfe autobiographischer Wahrheiten effektuiert wurde, schnell seine eigene Biographie, um sich „der kreativen Simulation von Lebensmoglichkeiten“ (ebd.) zuzuwenden. Zu La carte et le territoire und Autofiktion, siehe: Ott, christine 2013: „Literatur und Sehnsucht nach Realitat, Autofiktion und Medienreflexion bei Michel Houellebecq, Walter siti und Giulio Minghini“, in: Focking, Marc/Heitmann, Klaus/ott, Christine/Weiser, Jutta (Hrsg.): Autofiktion und Medienrealitat. Kulturelle Formungen des postmodenen Subjekts, Heidelberg: Winter: 209-234, hier: 223-231.

49 Zu dem Begriff, der im Folgenden noch naher ausgefuhrt wird, siehe Lamping, Dieter (Hrsg.) 2009: Handbuch der literarischen Gattungen, stuttgart: Kroner: 31-36.

50 Pottbeckers 2015: 126. Grundsatzlich ist der Autor in der lediglich eine textexterne, reale instanz, wohingegen das Erzahlen lediglich „eine sprachliche Konstruktion von Wirklichkeit ist“ (Klinkert, Thomas 2008: Einfuhrung in die franzosische Literaturwissenschaft, Berlin: Erich schmidt : 106).

51 Vgl. ott 2013: 226.

52 Ebd.: 228. somit betont ott, dass Houellebecq durch die Romanfigur Michel Houellebecq „ein zwischen selbstkarikatur und selbstzelebration schwankendes Auto(r)portrat entworfen“ (ebd.: 223) habe (vgl. ebd.).

53 Ebd.: 230.

54 Vgl. Weiser 2013: 240, Fn. 53.

55 siehe oben: 2f.

56 Bourriaud, Nicolas/Houellebecq, Michel/Jouannais, Jean-Yves/Marchandise, Jacques-Frangois 2017: „«Je crois peu en la liberte»“, Michel Houellbecq, Entretien avec J.-F. Marchandise, J.-Y. Jouannais, N. Bourriaud, in: Novak-Lechevalier, Agathe (Hrsg.): L'Herne Houellebecq, Paris: Editions de l‘Herne: 106-112, hier: 111.

57 Ebd.

58 in Bezug auf den hiesigen untersuchungstitel ist festzustellen, dass die Figuren Jed und Frangois als Autoren anzusehen sind. Zwar liegt nach dem ideomotorischen Verstehen des Begriffs Autor auch eine Assoziation mit dem Buchautor vor und nicht mit einem bildenden Kunstler wie Jed Martin oder einem Literaturprofessor wie Frangois. Jedoch sind bei einer extensiven sichtweise des Autorbegriffs Jed und Frangois ebenfalls als Autoren zu betrachten: Grundsatzlich ist der Begriff des Autors aus dem lateinischen Begriff des „auctor“ oder „«celui qui accroit (augere), qui fonde»“ (Robert, Paul (Hrsg.) 2012: Le Petit Robert, dictionnaire alphabetique et analogique de la langue frangaise, Paris: Le Robert: 181) abzuleiten. dennoch ist aber nicht nur der „auctur «ecrivain»“ (ebd.) erfasst, da ein Autor eine „personne qui a ecrit (un livre)“ oder „realise (une reuvre d'art)“ (ebd.) und mithin auch ein bildender Kunstler sein kann, wie er durch Jed Martin oder dessen Vater Jean-Pierre in La carte et le territoire verkorpert wird. Auch Frangois, der neben seiner Dissertation ein Buch und mehrere Aufsatze verfasst hat (vgl. Soumission: 11, 32, 51), fallt mithin unter den Begriff des Autors.

59 Der Thesenroman vertritt nach herkommlicher Definition eine „bestimmte vorgefasste These uber ideologische, religiose, soziale oder politische Probleme und deren Losung“ (von Wilpert, Gero 2001: Sachworterbuch der Literatur, Stuttgart: Kroner: 830). Haufig wird der Thesenroman sehr negativ bewertet, siehe: Suleiman, Susan Rubin 1983: Le Roman a These ou l'autorite fictive, Paris: Presses Universitaires de France, hier: 7-27.

60 Dieses wird von Schober konstatiert, die sich mit den Romanen Houellenebqs bis zu Plateforme befasst hat (vgl. Schober 2003: 271). Auch das FAZ Feuilleton zu dem Roman Plateforme stellt fest, dass „es sich wie immer bei Houellebecq um einen Thesenroman handelt“ (Artikel in: Frankfurter Allgemeine Zeitung 2002 (ohne Autor): „Im Schrebergarten der Luste“, Zugriff: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/belletristik/rezension-belletristik-im-schrebergarten-der-lueste-152422.html (02.12.2017).

61 Vgl. Novak-Lechevalier, Agathe 2017 (a): 12.

62 Dieses ergibt sich daraus, dass der Thesenroman nicht unbedingt eine einfach strukturierte Geschichte ist: Vielmehr hat der Thesenroman zwei Tendenzen, namlich „la tendance simplificatrice et schematisante de la these et la tendance complicatrice et pluralisante de l'ecriture romanesque“ (Suleiman 1983: 242, vgl. ebd.).

63 „On peut supposer [.] que le roman a these prospere dans des contextes historiques et nationaux qui connaissent des conflits ideologiques et sociaux aigus“ (ebd.: 26). Die Tatsache, dass Houellebecq Frankreichs Zukunft beschaftigt, zeigt sich zum Beispiel an AuBerungen im Rahmen der Frankfurter Buchmesse, wo Houellebecq sich dahingehend auBerte, dass das geplagte Frankreich unter dem neuen Prasidenten wieder zu einem nationalen Stolz zuruckfinden wurde (vgl. Artikel in: Frankfurter Rundschau 2017 (ohne Autor): „Michel Houellebecq liest in Frankfurt“. Zugriff: http://www.fr.de/kultur/buchmesse-frankfurt/buchmesse-vor-ort/michel-houellebecq-michel-houellebecq-liest-in- frankfurt-a-1366845 (02.12.2017).

64 Jean-Frangois Lyotard lebte von 1924-1998. Er steht „fur ein postmodernes Denken ein, dass nicht auf Vereinheitlichung drangt, sondern im Gegenteil die «Sensibilitat fur die Unterschiede» bewahren will“ (Baum, Patrick/Holtgen, Stefan (Hrsg.) 2010: Lexikon der Postmoderne. Von Abjekt bis Zizek, Begriffe und Personen, Bochum/Freiburg: Projektverlag: 125, 128, vgl. ebd.).

65 Bei einer vereinheitlichen Sichtweise kommt entweder eine moderne Sichtweise (vgl. Welsch, Wolfgang 1988: Unsere postmoderne Moderne: Weinheim: Acta humaniora: 6) oder ein „Postmodernimus aufgrund ganzheitlicher Option“ (ebd.: 54) in Betracht.

66 in diese Richtung geht die Aussage Houellebecqs, dass lediglich „un texte a ete produit“ (Houellebecq/Novak- Lechevalier 2017: 341). Andererseits auBert er: „Et je ne crois pas [.] que la «beaute sauvera le monde»“ (Houellebecq, Michel/Lapaque, Sebastien/Richard, Luc 2017: „«Il ne s’est rien passe depuis le Moyen Age», Michel Houellebecq, Entretien avec Sebastien Lapaque et Luc Richard“, in: Agathe Novak-Lechevalier (Hrsg.): L'Herne Houellebecq, Paris: Editons de l‘Herne: 69-73, hier: 72), was diese Aussage wieder in Frage stellt.

67 im Rahmen von engagierter Literatur wird keine Losung vertreten, aber dennoch ein „politisches, soziales, religioses En- gagement“ (von Wilpert 2001: 211) eingegangen, wobei der Schriftsteller eine Mittlerrolle hat, die darin besteht „durch das Wort, das dem Leser uber den inhalt Erkenntniswerte vermittelt, seine BewuBtseinslage“ (ebd.) zu erweitern „und ihn zur Auseinandersetzung mit den Problemen und zur Suche nach Losungen“ (ebd.) zu veranlassen (vgl. ebd.).

68 Sowohl die Autofiktion als auch der Thesenroman konnen als literarische Gattungen angesehen werden, wobei dieses nicht unbestritten ist, da dem Thesenroman zum Teil jeglicher kunstlerischer Wert abgesprochen wird (vgl. Suleiman 1983: 8, 19, 25; vgl. Lamping 2009: 31). Zur Umstrittenheit des Gattungsbegriffs, siehe: Nunning, Ansgar (Hrsg.) 2008: Metzler Lexikon Literatur-und Kulturtheorie. Ansatze-Personen-Grundbegriffe. Stuttgart, Weimar: J.B. Metzler: 229­231.

69 Nunning 2008: 296.

70 Vgl. ebd.

71 Ebd. Damit sind diese Gattungen als hybrid zu bezeichnen (vgl. ebd.).

72 Vgl. Pottbeckers 2015: 122. Aus dessen Bemerkung, dass bisher nur in Frankreich Autofiktion als Genre angesehen wird, lasst sich schlieBen, dass es sich im germanistischen Diskurs eher um eine besondere Art des Schreibens zu handeln scheint (vgl. ebd.).

73 im Hinblick auf das gleichzeitige Vorliegen zweier Gattungen ist ferner zu konstatieren, dass eine hybride Gattungszuordnung aufgrund der Natur des Thesenromans als besonders passend erscheint, denn Suleiman fuhrt aus, dass „le roman a these tend a brouiller la difference entre les referents fictifs [.] et les referents reels [.] Le roman a these encourage donc l’illusion referentielle du lecteur, en tentant d’eliminer la distance entre la fiction et la vie“ (Suleiman 1983: 182). Ganz in diesem Sinne sei Aden Arabie von Nizan ein „roman a these autobiographique“ (ebd.: 97, vgl. ebd.). Zur Hybridisierungstendenz im Kontext der Autofiktion, siehe: Pottbeckers 2015: 122.

74 Die unterbreitung der Theorie erfolgt vorab, da die Theorie des Thesenromans die weitere Vorgehensweise mitbestimmt.

75 siehe oben: Fn. 59.

76 suleiman 1983: 209.

77 Ebd.: 14.

78 Ebd.: 37.

79 Ebd.: 37f.

80 so heiBt es bei suleiman, dass der Text „instaure une relation directe entre narrateur et auditeurs, relation qui est «en dehors» de l'histoire racontee“ (ebd.: 42).

81 Ebd.

82 Ebd.: 38 (Hervorhebung des Autors). Hier gehe es um die „exempla fictifs“ (ebd.), namlich die Parabel und die Fabel, wobei die Parabel eher kurz sei und die Parabel eine Geschichte erzahle (vgl. ebd.). Ein Exemplum bezeichnet in der Rhetorik ein Beispiel (Burdorf/Fasbender/Moenninghoff 2007: 216), es ist „ein historischer oder fiktiver Fall, der einen allgemeinen sachverhalt veranschaulicht oder belegt“ (ebd.).

83 suleiman 1983: 49.

84 Suleiman 1983: 70.

85 Ebd.: 75.

86 Ebd.: 64.

87 Ebd. Ein solcher Inhalt sei zwar auch eine Verhaltensregel, aber weniger im Sinne einer „doctrine absolue, «totalitaire»“ (ebd.), sondern eher im Sinne einer „«sagesse commune»“ (ebd.).

88 Ebd.: 70.

89 Ebd.

90 Vgl. ebd.: 180f. So heiBt es, dass „le passage a l'acte du lecteur reste une virtualite“ (ebd.).

91 Ebd.: 178.

92 Ebd.: 87. Vgl. ebd.

93 Ebd.: 71.

94 Ebd.: 62. Suleiman unterscheidet zwei Arten von Redundanz, namlich „celles qui se situent entierement au niveau de l'histoire [.] et celles qui se situent entre niveaux differents (ebd.: 57f.) beziehungsweise die „redondances internes“ (ebd.: 58)und die einer „doctrine enoncee ailleurs“ (ebd.: 59).

95 Ebd.: 62.

96 Baum, Patrick/Holtgen, Stefan (Hrsg.) 2010: Lexikon der Postmoderne. Von Abjekt bis Zizek. Begriffe und Personen, Bochum/Freiburg: Projektverlag: 100.

97 Vgl. Suleiman 1983: 59. Die bulgarische Literaturwissenschaftlerin und Psychoanalytikerin Julia Kristeva wendete den Begriff der Intertextualitat erstmals 1967 an (vgl. Baum/Holtgen 2010: 99), wobei sie ausfuhrt: „Jeder Text baut sich als Mosaik von Zitaten auf. Jeder Text ist Absorption und Transformation eines anderen Textes“ (Kristeva, Julia 1972: „Wort, Dialog und Roman bei Bachtin“, in: Ihwe, Jens (Hrsg.): Literaturwissenschaft und Linguistik, Ergebnisse und Perspektiven (Band 3), Frankfurt a.M.: Athenaum: 345-375, hier: 348).

98 Suleiman 1983: 59.

99 Vgl. ebd.: 60.

100 Vgl. ebd.: 61.

101 Vgl. Baum/Holtgen 2010: 100.

102 Ebd.

103 Ebd.

104 Genette, Gerard 1993: Palimpseste, Die Literatur auf zweiter Stufe, Bohrer, Karl Heinz (Hrsg.), Frankfurt a.M.: Suhrkamp: 10 (Die Hervorhebungen sind solche des Autors).

105 Suleiman 1983: 66. Die Mise en abyme stammt aus der Wappenkunde und bedeutet, dass in einem groBeren Wappen ein kleineres abgebildet wird (vgl. Burdorf/Fasbender/Moenninghoff 2007: 505). in der Literaturwissenschaft wird mit dem Begriff eine literarische „Rekursivitat und Selbstreferentialitat, die als Einlagerung eines untergeordneten, kleineren Textelements in ein ubergeordnetes, groBeres auftritt, wobei zwischen beiden ein Ahnlichkeitsverhaltnis formaler oder inhaltlicher Natur besteht und der Eindruck einer fortgesetzen Reflexion erzeugt wird [.] Dieses Element ist in der Literatur „haufig in den [.] Texten des Nouveau Roman und der Postmoderne zu beobachten“ (ebd.).

106 Suleiman 1983: 82.

107 Vgl. ebd.

108 Suleiman 1983: 90.

109 Ebd.: 86f.

110 Ebd.

111 Vgl. ebd.

112 Ebd.: 92-104.

113 Ebd.: 105-123.

114 Suleiman untersucht diese Lernprozesse zweispurig, namlich jeweils „en termes syntagmatiques [.] puis en termes de la structure actantielle (ebd.: 92). Vorliegend ist jedoch die Bezugnahme auf die Begrifflichkeiten des syntagmatischen Modells, beispielsweise den noch zu definierenden „pere spirituel“ (ebd.: 100) hinreichend, da das Aktantenmodell die Ergebnisse hier lediglich unterstreicht. Zum Aktantenmodell, siehe Greimas, Algirdas Julien 1966: Semantique structurale: recherche de methode, Paris: Larousse.

115 Suleiman 1983: 92.

116 Ebd.

117 Siehe oben.

118 Vgl. Suleiman 1983: 93.

119 Ebd.: 98.

120 Ebd.

121 Siehe oben.

122 Suleiman 1983: 100.

123 Vgl. ebd., ebd.

124 Vgl. ebd.: 100.

125 Vgl. Suleiman 1983: 101.

126 Ebd.: 99.

127 Ebd.: 94.

128 Vgl. ebd.: 95.

129 Ebd.

130 Ebd.

131 Ebd.

132 Ebd.

133 Ebd.

134 Ebd.

135 Ebd.: 96.

136 Vgl. ebd.

137 Ebd.: 105-123.

138 Ebd.: 107.

139 Suleiman 1983: 109.

140 Ebd.: 117.

141 Ebd.: 109.

142 Vgl. ebd.

143 Ebd.: 109f. Ein solches Vollfuhren der Konversion ist nach Suleiman nur im katholischen Thesenroman denkbar, denn dort „la conversion de la derniere minute peut renverser entierement le sens de l'histore ainisi que la valeur exemplaire du protagoniste, puisque la connaissance de la verite, meme tardive, ouvre la voie a une nouvelle vie“ (ebd.: 110).

144 Ebd.: 112.

145 Ebd.: 105-123.

146 Vgl. ebd.: 113.

147 Ebd.: 109.

148 Vgl. ebd.

149 Ebd.: 113.

150 Ebd.

151 Vgl. Lamping 2009: 31.

152 Neben den drei hier exemplarisch fur verschiedene Richtungen der Autofiktion angefuhrten Vertretern existieren zahlreiche weitere Stellungnahmen, siehe: Burgelin, Claude/Grell, Isabelle/Roche, Roger-Yves (Hrsg.): Autofiction(s), Colloque de Cerisy 2008, Lyon: Presses universitaires de Lyon. Diese werden nicht im Einzelnen aufgefuhrt, da die Unterscheidung in enge und weite Begrifflichkeiten bereits die noch darzulegenden Fragen in puncto Autofiktion beleuchtet. Des Weiteren existieren Sichtweisen, die weitestgehend die eigene schriftstellerische Tatigkeit zu rechtferti- gen scheinen (siehe beispielsweise: Laurens, Camille 2010: „«Qui dit ga?»“ in: Burgelin, Claude/Grell, Isabelle/Roche, Roger-Yves (Hrsg.): Autofiction(s), Colloque de Cerisy 2008, Lyon: Presses universitaires de Lyon: 25-34) beziehungs- weise die sich Doubrovsky anschlieBen (siehe beispielsweise: Cusset, Camille 2010: „Je“, in: Ebd.: 35-41, hier: 35) oder solche, die sich nicht von bekannten Begrifflichkeiten unterscheiden: Dieses fuhrt Gasparini zu der zweiten Variante Colonnas der „«autofiction biographique»“(Gasparini, Philippe 2008: Autofiction, une aventure du langage, Paris: Edtions du Seuil: 260) an, die sich nicht vom autobiographischen Roman unterscheide (vgl. ebd.).

153 Lamping 2009: 31.

154 Pottbeckers 2015: 122.

155 Serge Doubrovsky lebte von 1928 bis 2017.

156 Doubrovsky, Serge 2010: „Le dernier moi“, in: Burgelin, Claude/Grell, Isabelle/Roche, Roger-Yves (Hrsg.): Autofiction(s), Colloque de Cerisy 2008, Lyon: Presses universitaires de Lyon: 383-393, hier: 385.

157 Doubrouvsky, Serge 1977: Fils, Paris: Editions Galilee: Einband.

158 Vgl. Colonna, Vincent 2010: „«C'est l'histoire d'un mot-recit.»“, in: Burgelin, Claude/Grell, Isabelle/Roche, Roger- Yves (Hrsg.): Autofiction(s), Colloque de Cerisy 2008, Lyon: Presses universitaires de Lyon: 397-415, hier: 404.

159 Gasparini 2008: 209.

160 Siehe: Darrieussecq, Marie 2010: „La fiction a la premiere personne ou l'ecriture immorale“, in: Burgelin, claude/Grell, isabelle/Roche, Roger-Yves (Hrsg.): Autofiction(s), Colloque de Cerisy 2008, Lyon: Presses universitaires de Lyon: 507­525. Marie Darrieussecq ist Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin (vgl. Lamping 2009: 33).

161 Darrieussecq 2010: 519.

162 colonna, Vincent 2010: 412.

163 Ebd.

164 Siehe: Colonna, Vincent 2004: Autofiction & autres mythomanies litteraires, Paris: Editions Tristram. Es handelt sich um die Strategien der „autofiction fantastique“, der „autofiction biographique“, der „autofiction speculaire“ und der „autofiction intrusive (autoriale) (ebd.: 75-144).

165 Dieses ergibt sich daraus, dass die „autofiction biographique“ sich nicht vom autobiographischen Roman unterscheidet (vgl. Gasparini 2008: 260) und dass die „autofiction speculaire“ den Autor eher als Randfigur einbezieht (vgl. colonna 2004: 119, siehe oben).

166 Ebd.: 75.

167 Ebd.

168 Vgl. ebd.

169 Ebd.: 81.

170 Colonna 2004: 77. Diese sei beispielsweise gegeben, wenn eine „l'exploration «chamaniaque» de l'inhumain“ (ebd.) gegeben sei, bei der „le lecteur experimente avec l'ecrivain un «devenir fictionnel» un etat de depersonnalisation, mais aussi d'expansion et de nomadisme du Moi“ [sic!] (ebd.).

171 Ebd. 77.

172 Vgl. ebd.

173 Ebd.: 79.

174 Ebd.: 80.

175 Ebd.: 86f. Hierzu heiBt es, dass „la fabulation [.] sur le reveur se donne toutes les libertes, euphoriques ou cruelles“ (ebd.: 87). Ferner konnen Traume den Schreibakt, Publikumsreaktionen oder die Rolle des Schriftstellers thematisieren (vgl. ebd.: 87f.).

176 Ebd.: 89.

177 Ebd.: 88.

178 Ebd.: 89f.

179 Gasparini 2008: 209.

180 Ebd.: 258.

181 Vgl. Colonna 2004: 82, 89. Hier wird der Name des Autors ruckwarts gelesen und mit einem Fantasienamen kombiniert oderder Vorname des Autors verwendet beziehungsweise es heiBt, dass es sich bei der Figur um „le masque transparent“ (ebd.: 89) des Autors handeln musse (vgl. ebd.).

182 Ebd.: 135.

183 Ebd.: 138f. Hierzu fuhrt Colonna aus, dass das genannte Dogma heutzutage noch bestehe, es sei aber zu konstatieren, dass es dazu tendiere „a s'assouplir“ (ebd.: 140). Er fuhrt aus, dass die Gleichsetzung von Erzahlstimme und Autor noch vor weniger als einhundert Jahren der Normalfall war und dass „le narrateur etait l'Auteur [sic!] deguise, un masque adopte pour les besoins du recit“ (ebd.: 139).

184 Ebd.: 135.

185 Ebd.

186 Ebd.: 135.

187 Ebd.

188 Colonna 2004: 135.

189 Vgl. ebd.: 136.

190 Ebd.

191 Ebd.

192 Ebd.: 142.

193 Ebd.: 143.

194 Ebd.: 138.

195 Ebd. 139.

196 Honore de Balzac lebte von 1799-1850 (vgl. Arnold, Heinz Ludwig (Hrsg.) 2009: Kindlers Literatur-Lexikon: KLL, Online-Ressource, Stuttgart: Metzler, Zugriff: emedien Universitat Hamburg: http://rzblx10.uni-regensburg.de/dbinfo/detail.php?bib_id=sub_hh&colors=&ocolors=&lett=k&titel_id=2562 ) (02.12.2017).

197 Vgl. Colonna 2004: 139.

198 Ebd.: 135.

199 Ebd.: 142.

200 Suleiman 1983: 14.

201 Vgl. Suleiman 1983: 37: „Le roman a these [...] a en commun avec n'importe quel roman: il raconte une histoire - et de plus une histoire «invente»“ (ebd.).

202 La carte et le territoire: 162. Zur Handlung von Soumission im Jahr 2022 (siehe: Soumission: 37).

203 Vgl. La carte et le territoire: 170.

204 Siehe oben: Kapitel 1.2.1. Auch Houellebecq geht offenbar von einer interpretativen Beziehung aus, wenngleich er zu der Frage des ,Wie‘ der Interpretation paradox anmutende AuBerungen abgibt. Denn zum einen scheinen seine Angaben den Autor als Denkvorbild in Seinsfragen zu konturieren, was das Unterbreiten einer ideologie ermoglicht:„Vous avez la possibilite de voir le monde du point de vue d'un autre etre humain, qui a vecu avant vous et cette maniere de voir le monde vous enrichit [.] «maniere de vivre», «esperance qu'on a dans la vie» [.] vous vous attachez a une personnalite [...] On a acces a une espece de schema de perception du monde: la litterature permet de reconstituer ga plus complete- ment que n'importe quoi d'autre [.] dans la litterature, on a l'impression d'avoir contact direct avec un etre humain qui pourtant n'est absolument pas la. Je ne vois pas d'equivalent. c'est tres fort“ (Houellebecq/Novak-Lechevalier 2017: 340). Zum anderen beschreibt Houellebecq die Literatur als Widerstandspol gegen Vereinnahmungen: „Rien ne peut etre affirme, nie, relativise, moque [.] D'ou l'etonnante robustesse de l'activite litteraire, qui peut se refuser, s'autodetruire, se decreter impossible sans cesser d'etre elle-meme. Qui resiste a toutes les mises en abyme, a toutes les deconstructions [...] qui se releve simplement [.] comme un chien qui sort d'une mare. contrairement a la musique, contrairement a la peinture [.] la litterature peut ainsi absorber et digerer des quantites illimites de derision et d'humour [.] Un livre en effet ne peut etre apprecie que lentement; il implique une reflexion (non surtout dans le sens d'effort intellectuel, mais dans celui de retour en arriere); il n'y a pas de lecture sans arret, sans mouvement inverse sans relecture [...] De toutes ses forces [.] la litterature s'oppose a la notion d'actualite permanente, de perpetuel present“ (Houellebecq, Michel 2009: „Approches du desarroi“ in: Interventions 2, traces. Paris: Flammarion: 21-45, hier: 39f.; Hervorhebung des Autors).

205 im homodiegetischen Erzahlmodus ist der Erzahler Teil der erzahlten Welt und er durchlebt die Ereignisse der Geschichte, wahrend der Erzahler im heterogetischen Erzahlmodus nicht Teil der erzahlten Welt ist (vgl. Lahn; Silke/Meister, Jan Christoph 2013: Einfuhrung in die Erzahltextanalyse, Stuttgart: J.B. Metzler/Poesche: 67).

206 Beim Gedankenbericht oder Bewusstseinsbericht werden die inneren Vorgange der Figur „mehr oder weniger summarisch dargestellt“ (ebd.: 127), der eigene „Sprach-und Gedankenstil der Figur“ (ebd.) wird haufig eliminiert und es konnen „charakteristische Grundeinstellungen der Figur geschildert werden, die ihr Weltbild und ihre uberzeugungen hervortreten lassen“ (ebd.). Das, was die Person denkt, wird nicht so prasentiert, „dass es erkennbar ihrem Standpunkt und ihrer Ausdrucksweise zugeordnet werden kann“ (Burdorf/Fasbender/Moenninghoff 2007: 205).

207 Soumission: 13.

208 Soumission: 13. Dadurch, dass die im objektiven Modus geauBerten Inhalte beispielsweise eng im Zusammenhang mit den Uberlegungen von Francois stehen oder in dessen Gedanken einmunden (siehe ebd.: 12, 15) sind die Grenzen zwischen der Existenz einer gesonderten Erzahlstimme im Text und den Gedanken von Francois flieBend. Weitere Beispiele dieser Schreibweise finden sich in: La carte et le territoire: 17f., wo zunachst ein sehr objektiver Bericht in der dritten Person uber den Sinn des Studiums der Literaturwissenschaften erfolgt, wobei einzelne Gedanken aus diesem Bericht im homodiegetischen Modus aufgegriffen werden: „Les etudes universitaires dans le domaine des lettres ne conduisent comme on le sait a [.] rien, sinon pour les etudints les plus doues [.] J'avais pour ma part conscience de faire partie de la minime frange des «etudiants les plus doues“ (ebd.). Zu weiteren Beispielen: ebd.: 39f., 52f., 54f.

209 So finden sich bereits im Prolog von La carte et le territoire Hinweise in Form von Kommentaren der Erzahlinstanz, welche sich durch das ,on‘ bereits von der ublichen Darstellung ,il‘ abheben und in deren Rahmen durch Wendungen wie „en realite“ (ebd.: 9, 15), „reellement“ (ebd.: 22) oder im ersten Teil durch explizite Kommentare, die zum Nachdenken anregen wie „assez mysterieusement“ (ebd.: 38), deutlich wird, dass es auch Botschaften gibt, die es zu interpretieren gilt.

210 Vgl. ebd.: 428.

211 Suleiman 1983: 50.

212 Deren Nennung erfolgt haufig dadurch, dass eine Figur mit deren Lekture beschaftigt ist oder aber dadurch, dass bestimmte Werke sich in einer Bibliothek befinden, siehe beispielhaft: La carte et le territoire: 224, 257, 259-261 und Soumission: 257.

213 Vgl. La carte et le territoir e: 49f., 93; Soumission: 220, 301.

214 Dos Santos attestiert, dass „tout a ete dit ou presque sur l'auteur de La Carte et le Territoire “ (Dos Santos, Pierre 2017: „Une ethique de la contemplation“, in: LHerne Houellebecq, Paris: Editions de l'Herne: 222-225, hier: 222). Bernard Maris interpretiert Houellebecqs Romanwerk bis zu La Carte et le Territoire kapitalismuskritisch (vgl. Maris, Bernard 2017: „Houellebecq economiste“, in: L'Herne Houellebecq, Paris: Editions de l'Herne: 243-256, hier: 243). Ott sieht in La Carte et le Territoire markt-, kapitalismus- und medienkritische Aspekte (vgl. Ott 2013: 224, 226f.). Gipper betont in Bezug auf Jed Martin Aspekte des Kunstlers und fuhrt als Bezugspunkte unterschiedliche Kunsttheoretiker an (vgl. Gipper, Andreas 2012: „Die Kunst des Portrats und das Portrat des Kunstlers in Michel Houellebecqs Roman La carte et le territoire“, in: Fabris, Angela, Jung, Willi (Hrsg,): Charakterbilder, Zur Poetik des literarischen Portrats, Festschrift fur Helmut Meter, Bonn: V&R Unipress: 711-725, hier: 713.

215 Siehe oben: Kapitel 1.1.

216 Dieses gilt insbesondere in Bezug auf Francois politisches Interesse. Schon beim ersten Hinsehen scheinen Fragen der Politisierung und des sozialanalytischen Interesses von Francois nicht so eindeutig belegbar zu sein, wie bei Jed, in Bezug auf den und dessen Vater es dabei bleibt: „Ni Jed ni son pere s'interessaient reellement a l'economie et a la politique pas davantage“(La carte et le territoire: 22). Auch wenn Francois zunachst kundtut, dass er nicht politisch interessiert ist, bedauert er dies zugleich: „Beaucoup d'hommes s'interessent a la politique et a la guerre, mais [.] je me sentais aussi politise qu'une serviette de toilette, et c'etait sans doute dommage“ (Soumission: 54). In der Folge informiert er sich permanent uber Politik und zieht den politischen Dialog der Kunst vor, wobei er politischen Gedankengangen wiederum - wie noch dargelegt wird - nicht ernsthaft folgt. Eine theoretische Unzuverlassigkeit, welche vorliegt, „wenn die Aus- sagen des Erzahlers in Bezug auf allgemeine Sachverhalte wenig angemessen oder zutreffend sind“ (Lahn/Meister 2013: 183), deutet sich vorliegend dadurch an, dass Francois Huysmans Konversions-Motive umdeutet (vgl. Soumission: 295).

217 Vgl. Suleiman 1983: 62.

218 Der Begriff des Epitextes ist ein Unterbegriff des Paratextes, welcher von Gerard Genette gepragt wurde (vgl. Burdorf/Fasbender/Moenninghoff 2007: 571). Der Paratext bietet „lekturesteuernde Hilfselemente, die Informationen und Interpretationen liefern“ (Nunning 2008: 557). Dabei unterscheide Genette zwischen Peritexten, zum Beispiel Titel oder Vorworte, die werksintern sind und Epitexten, die werksextern sind, wie zum Beispiel Autoreninterviews (vgl. ebd., vgl. Genette, Gerard 1989: Paratexte: Das Buch vom Beiwerk des Buches, Frankfurt a.M.: Campus: 10).

219 Als paratextuelle Hinweise konnen auch ,fruhe‘ paratextuelle AuBerungen Houellebecqs eine Rolle spielen. Denn wie Genette ausfuhrt, ergeben diese „Anhangsel, die ja immer einen auktorialen oder vom Autor mehr oder weniger legitimierten Kommentar enthalten [.] nicht bloB eine Zone des Ubergangs, sondern [.] den geeigneten Schauplatz einer relevanteren Lekture“ (Genette 1989 : 10, vgl. ebd.).

220 Interviews konnen als offentliche Epitexte Berucksichtigung finden (vgl. ebd.: 335f., 343-346). So erschien 2017 nach dem bereits beschriebenen sehr kritischen Diskurs zu Soumission der Band L'Herne Houellebecq, in dem sich hier verwendete Interviews befinden und an dessen Erstellung Houellebecq mitwirkte, so dass davon auszugehen ist, dass der Autor diese Interviews als Auslegungsbasis autorisiert (zu dieser Autorisierung: siehe: Novak-Lechevalier 2017 (a): 16).

221 Dieses ergibt sich aus Wittmanns Auffassung, dass „Houellebecq prend soin de laisser flotter son discours sur le plan ideologique“ (Wittmann, Jean-Michel 2013: „Michel Houellebecq, entre individualisme postmoderne et decadence fin de siecle“, in: Roman 20 50 (2/56), 169-176, hier: 175).

222 Grundsatzlich handelt es sich bei dem Begriff des Individualismus um „eine Betrachtungsweise, die ihren Ausgangspunkt beim Individuum und seinen Uberzeugungen und Werten nimmt“ (Rehfus, Wolff D. (Hrsg.) 2003, Handworterbuch Philosophie, Vandenhoeck & Ruprecht, Gottigen: 405). Unter anderem in der Sozialphilosophie wird der „Wert der Personlichkeit vor dem der Gemeinschaft, die Freiheit des Individuums vor seiner Unterordnung unter gesellschaftliche Zwange“ (ebd.) betont. Insbesondere in der Moderne und Postmoderne sollen „jene emanzipatorischen Anspruche des Einzelnen“ (Nunning 2008: 317) gerettet und „der Vereinnahmung des Einzelnen durch umfassende Sinn- und Politiksysteme“ (ebd.) begegnet werden (vgl. ebd.).

223 Der Begriff der Dekadenz bedeutet Verfall und sie beschreibt „kulturelle Ermudungs- und Auflosungserscheinungen, aber zugleich die Uberfeinerung der Kultur“ (vgl. Rehfus 2003: 288, ebd.). Weiterhin wird die Dekadenz mit dem „Problem des notwendigen Auf- und Abstiegs der Nationen“ (Meyer, Uwe/Regenbogen, Armin 2013: Worterbuch der philosophischen Begriffe, Felix Meiner, Hamburg: 136) in Zusammenhang gebracht, welcher zunachst angesichts des Romischen Reiches seitens verschiedener Denker, beispielsweise Montesquieu dargelegt wurde (vgl. ebd.).

224 Vgl. Demonpion 2005: 53, vgl. La carte et le territoire: 48-50.

225 Ebd.: 412.

226 Vgl. Soumission: 12.

227 So ist das von Doubrovsky geforderte „Je“ (Doubrouvsky 2010: 387) in La carte et le territoire nicht gegeben, da der Romantext in der 3. Person Singular abgefasst ist und nach erstem Eindruck ebensowenig die geforderte Namensidentitat der Protagonisten mit dem Autor.

228 Doubrovsky 1977: Einband; siehe oben: 14.

229 Suleiman 1983: 64.

230 Houellebecq/Novak-Lechevalier 2017: 340. Weiterhin gibt Houellebecq zu: „Je ne suis pas dans une position de deta- chement a la Stendhal [...]. A son epoque, c'etait different, et il ne comptait pas sur la vente de ses livres pour vivre, alors que moi si“ (ebd.). Die Tatsache, dass ein Autor sich ,vorsichtig‘ ausdruckt, hindert das Vorliegen eines Thesenromans nicht (vgl. suleiman 1983: 47). Zum einen kann eine indirekte Vorgehensweise effektiver sein (vgl. suleiman 1983: 47). Zum anderen kann auch eine Vereinfachung des Verstandnisses der Botschaft nicht gewollt sein „pour en empecher la communication a ceux qui ne sont pas dignes de la recevoir“ (ebd.).

231 Dieses zeigt sich an der Publizierung des aktuellen Bandes L'Herne Houellebecq (siehe: Houellebecq, Michel 2017: En presence de Schopenhauer, Paris: L'Herne).

232 suleiman 1983: 72.

233 Ebd.

234 Ebd.: 14.

235 Arthur schopenhauer lebte von 1788 bis 1860. Ein zentrales Element in seinem Hauptwerk Die Welt als Wille und Vorstellung von 1819 (vgl. Rehfus 2003: 209; schopenhauer, Arthur 2014/1819: Die Welt als Wille und Vorstellung, Hamburg: Nikolai) ist der Wille, welcher ein menschliches streben beinhaltet, bei dem es jedoch „kein erreichtes Ziel gibt, welches dem streben ein Ende macht. Daraus folgt, dass die lebendigen Wesen keiner endlichen Befriedigung“ (Rehfus 2003: 210) mithin „keines wirklichen Gluckes fahig sind“ (ebd.). Einzige Losung ist die Verneinung des Willens, zum Beispiel durch „das streben nach Dasein, welches ihn treibt, Not und Leiden auszuweichen. ist aber eines dieses relativen Ziele erreicht, stellt sich [...] Langeweile“ (ebd.) ein. Einzig der Genuss des Schonen, wie der Kunst, der aber nur wenigen Menschen vorbehalten ist, ermoglicht eine vorubergehende Ausnahme (vgl. ebd.).

236 siehe: En presence de Schopenhauer. Diese kommentierte ubersetzung begann Houellebecq im Jahr 2005 (vgl. Novak- Lechevalier, Agathe 2017: „Histoire d'une revolution“, Vorwort zu: En presence de Schopenhauer, Paris: L‘Herne: 5­17, hier: 5). selbst, wenn Houellebecq sich zwischenzeitlich von einigen Positionen schopenhauers entfernt hat, gilt in Bezug auf die Asthetik nach wie vor: „Schopenhauer encore et toujours“ (vgl. ebd., ebd.: 17).

237 Novak-Lechevalier, Agathe 2017 : 14.

238 Der Begriff der Kontemplation wird aus dem Lateinischen abgeleitet und bedeutet Betrachtung. In der Philosophie stellt die „vita contemplativa“ (Rehfus 2003: 427, vgl. ebd.) eine eigene Lebensform dar, die „Quelle des eigentlichen [.] geistigen Genusses“ (ebd.) ist. Die Kontemplation wird nur wenigen zuteil, die nicht fur ihren Lebensunterhalt sorgen mussen (vgl. ebd.).

239 En presence de Schopenhauer: 37f. Die Ubersetzung durch Houellebecq ist im Text von En presence de Schopenhauer kursiviert.

240 Ebd.: 39.

241 Ebd.

242 Ebd.

243 Ebd.

244 Ebd.: 50.

Ende der Leseprobe aus 101 Seiten

Details

Titel
Auto(r)porträts in Michel Houellebecqs "La Carte et le Territore" und "Soumission"
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Romanistik / Fakutät für Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Abschlussmodul Lehramt M.Ed. Französisch
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
101
Katalognummer
V1042883
ISBN (eBook)
9783346466143
ISBN (Buch)
9783346466150
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Michel Houellebecq, Autofiktion Thesenroman, Soumission La carte et le territoire, Schopenhauer, Gesellschaftsanalyse
Arbeit zitieren
Stefanie Weigel (Autor:in), 2017, Auto(r)porträts in Michel Houellebecqs "La Carte et le Territore" und "Soumission", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1042883

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